der Ebrai sehen Poesie. 177
Wer wird es nun ausmachen, wo in der Seeleeines solchen Mannes, gelehrt in aller Weisheitder Aegypter und vom Gott seiner Waler belebt,das Menschliche und das Göttliche sich scheide? woin der Handschrift der Tafeln sein Finger und derFinger Gottes grenze? Grammatisch wissen wiralle, was Geist, Finger Gottes bedeute; hierkam es aber historisch auf Ausrichtung, auf That an.
Und aus unserer Zeit ist diese nicht zu beur-theilen. Wir leben unter Zerstreuung, Kunst undHülfsmitteln: alles wird uns vorgedacht, vorge-schwatzt, eingelcsen; unsre eigensten Gedanken sindnicht unser. In jene tiefere Stille, in die heiligeernste Einsamkeit jener Zeit, jener Wüste — werist von uns, der sich in sie setze? der über diegöttliche Einwirkung in eine so reinere, stärkere Seelezu urthcilen, zu entscheiden wagte?
Und warum müßten wir entscheiden? Laß jene,die am Berge standen und das Gesetz annahmcn,sich jeden Saum der wunderbaren Glorie erklärenwollen, die diesen Pcachthimmel schmückte; wasdürfen wirs? Genug, der Inhalt und die Wir-kungen des Gesetzes Moses sind göttlich, göttlich istauch die Dichtkunst, die es hervorgebracht hat:das Werk und die Wirkung zeugen also von ihremMeister.
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Herders Werke z. Rel. u. Lhert. II. M