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Religion und Theologie Theil 2 (1826) Vom Geist der ebräischen Poesie ; 2
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Dem Arzt sind Ausdrücke erlaubt, die ein feinerBube, nicht eben aus Sittlichkeit, umschreibet; undein Arzt, der als Priester urtheilet, darf sich nichtnach der Mode eines fremden, spaten Jahrhundertsrichten. Große Thorheit ists also, dies ganze Fachder Sprache und Bilder der Ebraer nach den Will-kübrlichkciten unsrer Sitten zu beurtheilen und füreinem Psalm, der böse Sünden im Bilde des bö-sen Aussatzes mahlt oder für Kapiteln eines Prophe-ten, der die verderbten Sitten seiner Zeit mit Wahr-heit und Energie schildert, zurückzuschaudern.>Auch hierin indessen richtet sich die Poesie nach Zei-ten und dem Charakter des Dichters. Am HofeSalomo's ward nicht gehört, was Ezechiel, der Sohrreines Priesters, der sich am Gesetzbuch Moses, anseinem Tempel und alten Sitten müde studirt hatte,und der in Allem ausführliche Expositionen liebet,zu sagen wagte. Daß solche Dinge im Morgenlandegenannt wurden, hatte den Zweck, eben durch dieSchande der Exposition Grauen und Ekel zu er-wecken : denn es ist bekannt, daß jene Nationen inallen diesen Punkten ekler als wir sind. Im jüdi-schen Gesetz wurden Unreinigkeiten schwer untersagt,-die bei uns im Schwange gehen; und ein Araberrrrölhete oft, worüber ein Europäer fragen sollte.

2. Im Heiligthum hatte jedes kleine Gerath,jedes Stück der Wand oder des Gezelts seinen Na-men ; und da alle diese Dinge, als ein Riß Got-tes auf Sinai betrachtet, und im Gesetzbuch so aus-führlich beschrieben, auf die Nachwelt kamen, sokonnte es nicht fehlen, daß diese Nachwelt nicht dar-

Herders Werke i. Rel. u. Theel. II, K