Druckschrift 
Religion und Theologie Theil 2 (1826) Vom Geist der ebräischen Poesie ; 2
Entstehung
Seite
114
Einzelbild herunterladen
 

Vom Geist

114

Gesang Mose, des Mannes Gottes.

Der 9»te Psalm.

Herr, unser Bleiben bist nur duBon Geschleckte zu Geschlechts)!

Eh' Berg' erzeuget wurden,

Eh' sie die Erd', der Erdenkreis gebahr,

Von Urwelt bis zu Urwelt bist du Gotte)!

Den Menschen läßt du kehren in den Staub,Und sprichst: kehre wieder, neu Geschlecht derMenschen!

Denn tausend Jahre sind in deinen Augen,

Wie der vergangene gestrige Tag,

Wie ein Lheil der Nacht.

Du lassest sie erstarren:

Da schlafen sie«

Am Morgen waren sie wie grünes Gras,Frühmorgens grünt' und blähet es;

Am Abend wars versenget und verdorret.

So zehrest du uns auf mit deinem Hauch;Dein Zornhauch schrecket uns hinweg,

Stellst unsre Missethaten vor dich hin,

Unser Verborgnes kam ins LichtVor deinem Blick;

ä) Welche hohe Idee! Wir sind nur Phänomene,flüchtige Schatten auf der Erde; nur in demGott ist unsre Bestandheit, unser Daseyn, denMoses so oft einen Fels nennet,e) In allen Sekten der Vergangenheit bist du,Herr, gewesen.