Druckschrift 
Religion und Theologie Theil 2 (1826) Vom Geist der ebräischen Poesie ; 2
Entstehung
Seite
24
Einzelbild herunterladen
 

24

Dom Geist

frühem Büchern k) die Götter der Heiden als Dä-monen erscheinen: so war dies dem Wahn der Völ-ker, die sie anbeketcn, selbst Hu Folge: denn die

meisten Heiden glaubten das angebetctc Bild voneinem Geist belebet. Die Propheten Israels ergrif-fen diesen Glauben, und beugten die Dämonen alsschadenfrohe, schwache, unreine Wesen unter Gott;bis der große Jesajas diesen Glauben auch verwarf,und ein nichtiges Idol als Idol zeigte. Satanselbst war in den frühem Zeiten nur ein EngelGottes, den Gott sandte; ihm steht bei Hiob einanderer Engel entgegen Z), der für den unschuldigBeklagten vor Gott das Wort nimmt: das Bildist also in diesem Buch ganz dichterisch und ge-richtlich.

Das Reich der Tobten war eine so natürlicheZusammensetzung, daß ich mich nicht wundere,wenn cs wie bei. vielen alten Nationen, auch beiden Ebraern vorkommt. Man kannte noch keinemetaphysische Trennung des Leibes und der Seele,und dachte sich also den Tobten, den so sichtbarErmatteten, auch im Grabe noch lebend; aber ineinem schwachem, dunkeln, kraftlosen Zustande. DieStimme des Ermordeten rief in seinem Blut, unddie leise Stimme der Tobten unter der Erde, dasFlüstern derer, die in Gräbern wohnen, ist ein all-gemeiner Glaube der Ebräer, Arabers) und ande-rer alten Völker. Da nun die Gräber Orients

t) 5 Mos. 52, 16. 17.

8) Hiob ZZ, LZ.

k) S. Schultens Noten zur Hamasa S- 558. u. f.