Druckschrift 
Religion und Theologie Theil 2 (1826) Vom Geist der ebräischen Poesie ; 2
Entstehung
Seite
23
Einzelbild herunterladen
 

der Ebrai sehen Poesie.

23

sten Geheimniß ausgebildet. Dort war er ein vor-züglich gesunder Baum, der dem Baume des Ver-bots und Todes nahe stand; bald ward er ein Ge-wächs physischer Unsterblichkeit, und der Baum, andem Gott den Gehorsam der Menschen erkennenwollte, war schon in der Dichtung der Schlangeein Baum der Elohimweisheit. Denselben Gangder Phantasie wird man bei andern Dichtungen derMorgenländer finden. Hiobs Behemoth und Levia,than, die wirkliche Thiere sind, werden, weil sieentfernt, groß, schrecklich, wunderbar waren, inZügen geschildert, denen nur der kleinste Zusatz zuvölligen Fabel- und Wundergcschöpfen fehlet.

In den Propheten kommen einige erdichteteThiere vor, die damals die allgemeine Sage glaubte;sonst aber hat sich die cbraische Poesie von Unge-heuern der Einbildungskraft rein erhalten. Da siemit Zehovah alles erfüllte: so gingen die kühnstenZusammensetzungen ihrer Bilder dahin. Der Don-ner ward Gottes Stimme, eine Stimme, die vonden heiligen Dichtern verstanden wird : Licht ist seinKleid, das er wie einen Mantel um sich schlagt,und in der Morgenröthe auf die finstre Nacht aus-breitet: der Himmel sein Zelt, sein Pallast, seinTempel: die ganze Natur ein Heer von Lebendi-gen , die er als seine Diener gebrauchet. Mit En-geln ward also alles erfüllet; aber auf eine schöne,Gottes nicht unwürdige, Weise: denn Dinge derNatur waren diese Boten, und der Engel seinesAngesichts, das oft personificirte Wort, ist seinausgehender Befehl und Anblick. Wenn in den