der Ebraischen Poesie. r5
Dichtung einem kalten Deisten scheinen mag, sonatürlich und notbwendig war sie der Menschenem-pfindung. Ohne Gott ist uns die Schöpfung Ehaos,und ohne einen menschlichen Gott, der wie wirdenkt und empfindet, ist keine freundschaftliche oderkindliche Liebe, keine Vertraulichkeit mir diesemUns so unbekannten und doch so inmgst nahen We-sen möglich. Der Unendliche ließ sich also herab,die ersten Ideen von ihm dem Menschen so nahezu machen, als es seyn konnte; und sowohl imersten Schöpfungsbilde, als in der Geschichte derAltväter ist diese freundschaftliche Vertraulichkeit derGrund aller Beziehungen des Menschen zu Gortund Gottes zum Menschen. Im Zelte des Hirtenist Gott Hirt, im Kreise der Familie Vater. Ecbesucht sie als Freund, und last sich zu häuslichenOpfermahlen laden. Der Sohn Abel gefiel ihmmehr als der Sohn Kain: und mir Noah roch cLden lieblichen Geruch der verjüngten Erde; gegen-theils zürnt er gegen die Tyrannen und ziehet gegenNimrod, den Unterdrücker der Erde, als ob erauch Himmelsstürmer seyn wollte, zu Felde. VonAbraham laßt ec sich, als einen Nebenbuhler väter-licher Liebe, das Liebste seines Herzens, seinenSohn schenken, und ringt mit dem Hirten Jakob,um ihm einen Heldcnnamen zu gewähren. ImBuch Hiob haben wir einige Personendichtungenentwickelt, auf denen das Andringende der rüh-rendsten Reden ruhete: und so ists mit Erregungder Sympathie in allen Arten der Gefühle. Wenndie älteste Poesie etwas aufs menschliche Herz ge-wirkt hat, (und sie hat so viel darauf gewirket!)so konnte sie es nur durch dieses Mittel rhun: La-