Druckschrift 
Religion und Theologie Theil 2 (1826) Vom Geist der ebräischen Poesie ; 2
Entstehung
Seite
10
Einzelbild herunterladen
 

Vom Geist

io

sprung der Poesie schöner, als durch dos ebräischeausgedrückt werden könnte? Das Wort heißtdrücken, prägen: ein Bild, ein Gleich»prägen: sodann in Sprüchen reden, unddieser Poesie sind die höchsten Sprü-che: sodann entscheiden, ordnen, sp reckenwie König oder Richter: endlick regieren, herr-schen, mächtig seyn durch das Wort desMundes. Siche da die Geschichte des Ursprungsund des kräftigsten Theils der Dichtkunst.

Es verdiente fast nicht bemerkt zu werden,wenn es nicht des häufigen Äisbrauchs wegen ge-schehen müßte, daß man die poetischen Bilder undEmpfindungen keines Volks und keiner Zeit nachdem Regelmaas eines andern Volks, einer andernZeit zu beurtheilen, zu tadeln, ztchverwerftn habe.Hätte der Schöpfer es geordnet, daß wir aste aufEinem Fleck der Erde, auf einmal, mir völlig ei-nerlei Empfindungen und Organen, unter einerleiGegenständen geboren würden: so wäre nichts ge-gen die so gerühmte Einheit des Geschmacks zusagen. Da aber nichts zarter und vielfacher ist,als das menschliche Herz, da es nichts feineres undverflochteneres giebl, als den Faden seiner Empfin-dungen und Leidenschaften, ja da es eben zur Voll-kommenheit der menschlichen Natur gehört, daß sieunter jedem Himmel, nach jeder Zeit und Lebens-weise sich neu organisire und gestalte, da endlichdas leichte Lüftchen des Mundes, das wir Sprachenennen, und das doch den ganzen Schatz poetischerBilder und Empfindungen auf seinem Schmetter-lingsflügel trägt da dieser Hauch des Mundes