der Ebräischen Poesie.
poch Völkern und Zeiten ein wahrer Proteus ist:so dünkt mich, zeigte es eher eine Art starrer oderstolzer Anmaßung an, wenn jede Nation auch derfrühesten Zeiten so denken, reden, empfinden unddichten soll, wie wirs bcgehrm. Es ist langst be-merkt, daß das menschliche Geschlecht in seinenZeitaltern und Revolutionen den AbwechselungenunserS Menschenlebens nachzugehen scheint; (wenig-stens dichtet sichs der Mensch alsol und wie die Em-psindungs-, Sprach- und Sehart eines Kindesnicht die Act eines erwachsnen Mannes ist; werwollte von Nationen im Kindheitszustande der Weltunsre erfahrne Geläufigkeit und Flüchtigkeit in Bil-dern, den Eckel und die Feinheit unsers abgebrauch-ten Herzens fodcrn? Lasset sic sich an einfachen"Bildern lange verweilen, diese wiederholen, anstau-nen und ins Gigantische mahlen : so sehen, so spre-chen und empfinden Kinder. Sie staunen an, ehesie anschauen lernen: alles erscheint ihnen im blen-denden Glanz der Neuheit: unbekannte und also
größere Wesen wirken auf ihre noch ungeübten,also lebhaft empfindenden Hrgane: sie wissen nochnicht zu vergleichen, und also durch die Verglei-chung zu verkleinern: ihre Zunge strebt sich auszu-drückcn und drückt sich stark aus, weil ihre Sprachenoch nicht durch hundert leere Worte und gemeingewordene Achnlichkeitcn schwach und geläufig ge-macht ist: sic sprechen also oft, wie Morgenländer,wie Wilde sprechen, bis sie endlich mit dem Gangeder Natur und Kunst wie geschliffene und abgc-schliffene Menschen sprechen lernen. Lasset sie ihreJahre genießen und auch jene Morgenlander in der