braucht; bis ein glücklicher Andre das liegende Goldin Umlauf brachte oder mit einem kleinen Hebel auseinem neuen Standpunkt Welten bewegte. Vielleichtist keine Geschichte, die so augenscheinlich die Regie-rung eines höhern Schicksals in menschlichen Dingenzeigt, als die Geschichte dessen, worauf unser Geistam stolzesten zu seyn pflegt, der Erfindung und Ver-besserung der Künste. Immer war das Merkmalund die Materie seiner Bezeichnung langst dagewe-sen : aber jetzt ward es bemerkt, jetzt ward es be-zeichnet. Die Genesis der Kunst, wie des Menschen,war ein Augenblick des Vergnügens, eine Vermäh-lung zwischen Idee und Zeichen, zwischen Geist undKörper.
Mit Hochachtung gcschiehet es, daß ich die Er-findungen des menschlichen Geistes auf dies einfachePcincipium seiner anerkennenden und bezeichnendenVernunft zurückführe: denn eben dies ist das wahreGöttliche im Menschen, sein charakteristischer Vorzug.Alle, die eine gelernte Sprache gebrauchen, gehen wiein einem Traum der Vernunft einher; sie denkenin der Vernunft andrer und sind nur nachahmendweife: denn ist der, der die Kunst fremdet Künstlergebraucht, darum selbst Künstler? Aber der, in des-sen Seele sich eigne Gedanken erzeugen und einenKörper sich selbst bilden, Er, der nicht Mit dem Au-ge allein sondern mit dem Geist siebet und nicht mitder Zunge sondern mit der Seele bezeichnet, Er, demes gelingt, die Natur in ihrer Schöpfungsstatte zu be-lauschen, neue Merkmale ihrer Wirkungen auszu-spahen und sie durch künstliche Werzeuge zu einemmenschlichen Zweck anzuwenden; et ist der eigentlicheMensch und da er selten erscheint, ein Gott unter