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Zur schönen Literatur und Kunst Theil 6 (1821) Dramatische Stücke und Dichtungen
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281
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II. Dichtungen. 2S1

Vater. Die, meine Töchter, scheuen nie dasLicht, und ärgern sich nicht an der Pforte des Ver-standes. Sic lassen sich examiniren, und der Ver-stand , weil er der altere Bruder des Herzens ist,examinirt sie schnell und leicht; es sey denn, daß dasHerz oder der Fremde ihm Argwohn gebe. Also rä-che ich euch, vor der Hand noch, euer Pförtchenzuzuthun und das Herz mit dem Verstände destomehr in gutes Vernehmen zu setzen. Laßt jenes sichgut aufführcn und keine Winkelzüge suchen, damitdieser ihm den Zugang nicht erschwere.

O Vater, riefen die Knaben, daraus wird nichts.Das Her; ist eine Here, so bald es mit dem Ver-stände zu thun hat, und besticht ihn. Es will nichtSchwester, sondern immer Geliebte seyn. ES cares-sirt seinen eigenen Bruder, damit dieser nur wiederihre Liebhaber carcssire, und so wird des Unfriedensund des Unfugs kein Ende.

Vater. Und was wollt ihr denn, Knaben?wollt ihr das Herz gar hinauSwerfen, nur damit eSden Zugang zum Verstände nicht mehr habe? Her;muß Herz bleiben: denn cs ist der Menschheit so

wesentlich, als der Verstand. Der Thorschceiber istder Stadt wegen da; nicht die Stadt des Thorschrei-bers wegen. Laßt das Herz eine Zauberin seyn, diegern verführen will, dafür ist der Verstand, Ver-stand. Er hat die Augen im Kopfe und hat Amtund Pflicht auf sich; er muß mit seiner Schwesternicht buhlen, sondern ihr Bestes besorgen wollen.Und glaubt nicht, daß alle Herzen so kokett sind; esLiebt auch einfältige gute Herzen, die sich gern vom