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Zur schönen Literatur und Kunst Theil 6 (1821) Dramatische Stücke und Dichtungen
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275
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II. Dichtungen. 27s

Die.Schwestern sielen ihnen in die Rede undsagten, daß das nicht so sey, daß, wenn das Herzviel auf einmal gebe, eS deswegen weder Falsch-heiten noch bloße Vergänglichkeiten geben dürfe: viel-mehr in dem Vielen liege das Dauernde, dasWahre. Der Verstand theilt, sagten sie, aber ertheilt willkühriich, unnatürlich, und also eben damitist er die Quelle aller Nichtigkeit und Falschheit. Erzergliedert, was die Natur zusammensetzke, abstra-hirt, was sich uns ganz darstellte; kurz, mit Er-laubniß zu reden, er schindet den Gegenstand undverstümmelt ihm Nase und Dhrcn. Weis kann derscharfsinnige Verstand, der spottende Witz, die grü-belnde Vernunft nicht aus einem Gegenstände ma-chen ? und hat sie nicht aus jeglichem Alles gemacht,was ihr einsiel?

Das ist alsdann kein richtiger Verstand, riefendie Knaben hinein; aber die Mädchen kehrten sichdaran nicht, sondern fuhren fort, die Eindrücke desHerzens zu preisen. Das Herz, sagten sie, nimmtalle Gegenstände ganz auf, wie sie sind, wiesie die Natur geformt hat: es zerchcilt und zerstücktnicht, darum gibt es auch so große, ganze Wirkung.Lehrt uns Ein Eindruck des Herzens nicht Mehr,als hundert Eindrücke des Verstandes ? Grabtund ahnet es nicht tiefer, und bringt gleichsam dasUnsichtbare ans Licht? Welch ein Reichthum vonWahrheit liegt in den Sympathien und Antipathiendes Herzens, von denen der blinde Verstand keinWort weiß, ja von denen er sich kein Wort erklärenkann, wenn sic auch schon unlauqbar vor ihm liegen?Wie viel ahnet nicht em Kind, ein herzlicher Mensch

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