»76 II. Dichtung! n.
Klos nach dem ersten, unbcstochcnen Eindruck! sobalder sichs erklären will und den Eindruck zergliedert,flieht die Wahrheit: er raisonnirt ihn sich hinwegund raisonnirt sich in die'Lüge.
Vater. Ich muß mich dcS Verstandes an-nehmen, Mädchen, ihr machts zu arg. Auch dererste Eindruck ist des Verstandes und nicht des Her-zens. Nur es gibt einen grübelnden Verstand, denman meistens die spi tzf i n d ig e V e r nun ft nennt,und einen gesunden; des letzten ist der gute E i n-druck, des ersten, das spate Grübeln. Aller-dings sagt der erste Eindruck viel, weil er unbefan-gen, schnell und ganz ist». er kann sich indeß dochauch trügen und muß sodann rcktisizirt werden. Wennihr auf den Verstand scheltet, der ihn rektisizirt, soschellet lieber auf die Erfahrungen, die ihn dazuzwingen, die ihm das erste Gemälde umkehren oderoft mit Schmerzen zergliedern. Unmittelbare Ein-drücke aufs Herz gibts in dieser sublunarischcn Weltnicht: sie müssen immer durch einen Thcil des Ver-standes gehen; wohl, 'wenn sie durchs rechte Thorpassiren: denn der Verstand hat auch seine falschen
Pforten, wie die Träume.
Mädchen. Und welches ist die falsche Pforte?
Vater. Er hat mehr als eine, und damitich euch nicht böse mache, mag die erste seyn: diespekulirende Vernunft pforte. Seht, da ge-hen keine ganzen Gestalten hinein, sondern Schatten;zum Unglück gar falsch abgezogne, verstümmelte Schat-ten, wie ihr sie beschrieben habt, das nennen manchePhilosophen abstrahiren, d. i. die Begriffe biL