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Zur schönen Literatur und Kunst Theil 6 (1821) Dramatische Stücke und Dichtungen
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273
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II. Dichtungen. 273

Vater. Nie einen wahren Eindruck, meineTöchter?

Töchter. Daß er des NamensEindruck"werth wäre nein, Vater! den gibt allein dasHer;. Jener gibt bloße Ideen, bey denen wir un-thatig, unentschlossen und kalt bleiben. Heißt daSWahrheit? heißt das Empfindung oder Eindruck?Sehen Sie doch die größesten Vcrstandesheldcn an;was sind sie für arme Tröpfe! Sie wissen alles undfühlen nichts; wissen alles, aber können und lhunnichts; sind heute von einer Sache überzeugt undmorgen nicht mehr, wenn ein neues Staubkörnchen-auf die sogenannte Waagschale ihrer deutlichen Be-wcgungsgründe fallt. Wir loben uns das Herz: dasgibt auf Einmal wahren, lebhaften, vielseitigen,dauernden Eindruck. Ein Mensch, der herzlich über-zeugt ist, redet auch herzlich, und jedermann glaubtihm. Ein Mensch, der herzlich überzeugt ist, bleibtauch dabcp und laßt sich darüber tödten, da der Ver-stand immerdar wankt, nie zum Schluß kommt, undwenn er reden will, mit seinem kalten Abwagen derBcwegungsgründe keinen tobten Hund überzeuget.

Vater. Nu» , meine Tochter, ihr redet wirk-lich wie die flammenden geflügelten Herzchen. Ihrnanntet die Herzenscindrücke wahr: das laugnet euchniemand, wenn ihr sie als das, was sie sind, alslebhafte Empfindungen betrachtet. Ihr nanntet sievielseitig; auch das gebe ich euch zu: denn dasHerz faßt viele Seiten aus Einmal; sonst waren seineEmpfindungen nicht so lebendig. Ihr nennt sie dau-rend; das mag sey», es mag aber auch nicht scyn:HerderS W.z, sch. Lit.u. Kunst. VI. S Dram.Lkücke»