254 II. Dichtungen.
Griechen - und Römerweishcit erklang die liebliche
Stimme,
Stimm' und Geberde klang tief in der Schüle-rin Herz.
Alle Augen hingen an ihm; mich neideten alle
Frauen; an Ruhm ging er Helden und Köni-gen vor.
Unser Jugendtraum umfasset Welten;
Ach! auf ihrem langen LebenswegeBleibt ein ewigsüßes AngedenkenSterblichen der kurze Jugendtraum."
Agathe.
Liebend gab sie sich ihm. „Gott weiß es, Abälard
liebt' ich,
Nichts als ihn; er selbst war mir die reineste
Lust.
Ihm zu gefallen, sein mich wcrth zu machen, ver-gaß ich
Alles; das Härtere war stets das Geliebtere mir.
Als er die Hand mir bot zum Gemahle: „Abälard,
sprach ich,
Abälard, du mein Gemahl? ende den liebenden
Scherz.
Was ist Eloise zu der, der sie dich entzöge?
Sokrates winket dir zu: „Bleibe der Lehrer der
Welt!"
.Offen stehn dir die Pforten des Ruhms, die Ehren
der Kirche;
Und ich verschlösse sie dir? Wähne mich nim-mer so klein.
Feil ist die Dirne, die Reichthum freyt, und Ehren, , und Stand freyt;