240 II. Dichtungen.
ergrimmtes Gemüth damit nicht »ersehnt sey. Wiegenau sie das Glück der Ehen, wie hoch sie ihrGlück zu schätzen gewußt habe, zeigt eine Stelle ihresBriefes, die den verflochtenen Knoten der Frage!gibts eine glückliche Ehe? durch Ein Wort austulö-sen scheinet. Sie führet Aspasia redend ein, diezu TenophoN und seinem Weibe, um bende auszu-söhnen , sagt: „wenn ihr dahin gekommen seyd, sowerdet ihr auch immer das Beste, das Angenehmstean einander suchen und finden. Der Mann wirddie beste Frau, die Frau den besten Mann haben!"
„Eine heilige (fährt Eloise fort) und mehr alsphilosophische Sentenz, ein Ausspruch der Weistheit! Heilig ist auch ein Irrthum, selig ein Trughierin bey Eheverbundnen. Vollkommene Liebe mußdas Band des Ehestandes unversehrt halten, nichtsowohl durch körperliche Enthaltsamkeit als durchKeuschheit der Seelen."
„Was Andern Jrrthum sevn mag, war Miroffene Wahrheit. Was jene von ihren Ehegattenwahnen, wußte ich von dir, ja die Welt wußtees ; ich durfte es nicht erst glauben. Daß also meineLiebe zu dir um so wahrer war, je weiter sie vonaller Täuschung entfernt stand. Denn welcher König,welcher Philosoph hatte einen Ruf wie du? Wüwar eine Gegend, eine Stadt, ein Dorf', das dichzu sehen nicht brannte? Wer, ich bitte dich, eilteNicht hinzu, wenn du öffentlich austratst, oder, wenndu hinweggicngst, wer sah nicht mit vorgebogenemHalse, mit festen Blicken dir nach ? Frau und Jung-frau schmachtete nach dir, wenn du abwesend, brannte
nach