11. Dichtungen. 23?
Artig hing er ein MäntelchenBor seine zwey Zarrtiebenden,
Woran dem kleinsten FädenchenDie Benns ihren Segen gibt.
Dem Nönnchen auch, das weint und liebt,
Gab er, den Blick halb abzuhalten,
Kunstreich den Schleyer mit viel Falten,
Daß Liebe, stolz und süß gequält,
Doch stehet, was er fromm verhehlt.
Cupido zieht ihn sacht' zurückUnd zeiget seines Günstlings BlickJedwede Zähre schuldbewußt,
Jedweden Reiz voll Schaam und Lust,
Der Eloisens AngesichtSo lieblich zierte —
Unwürdige Anwendung der Kunst zur entehren-den Lüge!
Wie Eloise Abalard geliebt habe, werden in fol-gendem Gedichte ihre Worte sagen. In ihrer Ju-gend , (ein Mädchen von achtzehn Jahren) als sieseine Schülerin war, legte sie in ihn so hohe Be-griffe, daß Alles, was e^ ihr von Weisheit der Ul-ten vortrug, die unglaublich auf sie wirkte, ihr ausferner Seele zu entspringen schien, und er ihr alsoein Muster der Vollkommenheit dünkte. Wunderbartief faßte in der damaligen dunkeln Zeit die DenkartdeS Alterthums Wurzel in dieser seltnen weiblichenSeele; ihre Briefe zeigen, daß sie, auch in reiferenJahren, da sie langst Aebtissin war, selbst wenn siechristliche Worte sprach, als eine Römerin dachte.Unbefangen nannte sie ihren Sohn sAstrolabus) einenvon den Sternen Empfangenenund hat