n. Dichtungen. Ä2r
chen, die stch einander die Hände reichen, weder nus-gedrückt werden konnte, noch sollte.
Selbst wenn Winkelmann in seiner vortrefflichenBeschreibung der Grazie in den Werken derKunst (Geschichte der Kunst S. 229. Dcesdn.Ausg.) die zwcy ältesten ehrwürdigen Grazien derGriechen hieher zieht und sie mit der himmlischenund irdischen Venus vergleicht» wenn et die Bilderdieser Görlinnen an Jupiters Thron und in derJuno Krone hieher zieht; so ists blos Schmuck derRede: denn seine Beschreibung der ohcn Grazie inWerken der Kunst ist fast ein Hymnus. Sonst hater jene himmlische Charis, die sich über Werk« derSchönheit ausgiesst, von den Kunstgcbilden, die manGrazien nennet, sehr wohl unterschieden, und dieletzten blos als Dienerinnen an den Ort gesetzt,der ihnen gebühret.
Es wäre zu wünschen, daß dieser Unterschiedden allen bemerkt wäre, die über Grazie und dieGrazien schrieben. Drey Zierrachgestalten haben dasGlück gehabt, welches selbst Pallas, Juno undAphrodite nicht hatten, daß man von ihnen theilsnie etwas Böses, wohl aber ein tausendfaches Gutessagte, das nicht ihnen, sondern der Charis selbstgebührte. Fast haben sie uns erstickt mit süßduften-den Worten.
Künstler von gutem Geschmack trugen Sorge,ihren Grazien etwas zu thun zu geben, um sie ih-rem handumschlingenden Müssiggange zu entreißen.Die Jungfrau'n mußten an ihr Geschäft: eine Göt-tin , oder wer der Göttin gleich seyn sollte, zuschmücken, zu salben, zu zieren. Sie brachten siemit Kindern, mit dem Amor, dem Merkur,