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II. Dichtungen.
Er wandte dir Rede zu mir. „Meine Tochterhat recht, daß ein großer Lhcil der Undankbarkeitwirklich aus Mangel von Nachdenken, ausUn ge fühl herrühre. Es ist ein eigner Zauber inder Wiedcrerinnerung an empfangene Wohlthatcn.Das Leben, das wir in ihrem Andenken nochmalsleben, ist geistig, genialisch, ambrosisch. Alles Wi-drige, alles Störende ist davon getrennt; die Eha-rt s hat ihren süßesten Reiz darüber ausgegossen,und es gleichsam von jeder Schlacke der Sterblichkeitgelautert. Danklosigkeic kann also wirklich nur ausZerstreuung, aus Schwache des GeMÜrhs und blos-ser Unbesonnenheit hcrrühren; man will nichtNachdenken, man kann nicht Nachdenken; sonst würdeman sich die süßen Augenblicke dieses Zurücklebensin einer freundlichen Wiederholung genossener Wohl-thaten gewiß nicht versagen. In meiner Familie istes jeden Abend, jeden Sonnabend ein angenehmesFest, das von andern empfangene Gute des Tagesoder der Woche durchzugehn, und wir bereiten »Nsdadurch wöchentlich und täglich zub Feycr des benti-gen Tages. Wie mancher Groll wird dadurch abgs-than, wenn einer am andern unzcitigcn Verdacht ge-schöpft hat! wie mancher geheime Vorwurf wird inDank und Liebe verwandelt!"
„Wenn Ein Stand zu solchen Festen der Dank-barkeit buchstäblich ermuntert wird, so ist» euerStand, ihr Gelehrten! Was wißt ihr, das ihr nichtgelernt? was habt ihr, das ihr nicht von andernempfangen habt? Jedes Buch ist ja ein Reperto-rium der Gedanken Andrer; jede Wissenschaft einGebäude, an welchem Völker' und Jahrhunderte Karre-ten. Nehmt weg, was ihr alten und neuen Nali»-