H. Dichtungen.
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mich dünkt, geläutert, wie ein schöner Engel, wie-der. Die Gcbccde meiner Mutter ist vor mir; ihrsanfter Ton klingt meinem Ohre; ich glaube, sie seyum mich, sie sey auch jetzt um mich, da ich so in-nig an sie gedenke. Vergelten kann ich ihr nichts,was sie an mir that; ihre Asche hört meinen Danknicht; aber ihr guter Geist hört ihn, ihr Geist, dermit dem meinigen Eins ist: denn ein Theil von ihrwohnt gewiß in meiner Seele. Das beste, was inmir ist, ist das ihrige; meine besten Gedanken sindnoch jetzt ihre Gedanken; meine reinsten Empfindun-gen und Gewohnheiten hat sie mir eingebildet. Sieist um mich, sie ist in mir!" —
Die Tochter schwieg, und senkte ihr Haupt aufden Schoos des Vaters: sie erhob cs wieder undsagte: „Die Griechen, so traurig ihre Bilder vomTodtenrcich waren, ließen dennoch auch in diesen dü-stern Gegenden, dem Verstorbenen mit seinen Nach-lebenden die Mitempfindung. Auch der Schattesreuetc sich, wenn zu ihm von den Hinterlafseneneine fröhliche Nachricht hinabkam; und ihre Gesängesandten deshalb die.Echo, als eine Botschafterin zuden Vätern hinunter. Man glaubte, daß Verstorbenedie Opfer annehmcn, die man ihnen am Grabebrachte, und auch da noch Liebe mit Dank belohn-ten." —
Der Greis, der die zu starke Regung ftinerTochter mäßigen wollte, antwortete schmeichelnd:„mein Kind! der beste Dank, den man den Verstor-benen bringt, ist ein Leben nach ihrem Sinn. Dannleben sic in uns, wir setzen ihr Leben fort: auchmir lebt deine Mutter in dir."
Herders W. z. sch. Lit. u. Kunst. VI. O Dram.Stü-^«.