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Zur schönen Literatur und Kunst Theil 6 (1821) Dramatische Stücke und Dichtungen
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II. Dichtungen.

Wie kann jemand Andre der Undankbarkeit ankla-gen, ohne zu fühlen, was er mit diesem Wort sage?welchen harten Vorwurf er ihnen vielleicht ungerechtmache? wer das kann, der hat die Grazie nicht ge-sehen: er suchet sie scheltend, und sie fliehet ihn alseinen Wilden.

Undankbarkeit, fuhr ec fort, ist vielleicht nichtimmer ein Laster; aber eine Barbarey des Ge-müths, und, wie das Wort Uncrkcnntlich-keit selbst sagt, ein Unbesinnen, eine Rohheitder Seele ist sie, die ihren Verschuldeten selbst pei-nigt. Haben Sie je die häßlichen Charaktere be-merkt, die einen Menschen nicht leiden können, so-bald sic ihm verbunden zu seyn glauben? Er istihrem Gedanken, ihrem Anblick unerträglich, weilsie durchaus niemanden verbunden seyn wollen; jegroßer die Wohlthat ist, die er ihnen erzeigt hat,desto verdrießlicher wird er ihnen. Hatte er ihnendas Leben, oder sie aus einer Verlegenheit gerettet,die sic selbst schaamroth macht; fortan trage er dieSchuld dieser Schaamröthe! Was halten Sievon einer solchen Gemüthsart? Strafet sie nichtaufs empfindlichste sich selbst? Was ist süßer alsDank!"

Was ist süßer als Dank! fuhr die Tochterdes Greises fort, die seine Knie umfaßte. So oftich daran denke, waS meine Mutter, mit der ichnicht mehr sprechen, der ich meinen Dank sichtbarnicht mehr bezeugen kann, an mir that, so oft lebeich mit ihr, und mit euch, Vater, meine fröh-liche Kindheit und Jugend noch einmal wieder. Jedeschöne Situation meines Lebens kommt mir, und

mich