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Zur schönen Literatur und Kunst Theil 6 (1821) Dramatische Stücke und Dichtungen
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207
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II. Dichtunge n. 207

Unter Ms, anrwortcte der Alte, fürchten wirihn nicht; wo er sich außer unserm Kreise sindek,suchen wir auch ihn in Dank zu verwandeln. UndeS gelingt uns meistens. Glauben Sie, mein Freund,fuhr er fort, es spricht von Undank, wer am wenig-sten davon sprechen sollte. Man beklaget sich überihn, und behauptet doch in demselben Athen», daßdie Tugend Pflicht sey, und GroßMuth keine» Dankerwarte. Man beklaget sich über Undank, undist überzeugt, daß man ihn verdiene: denn der ver-dient ihn, der mit einer geringen Wc'hlthat nachgroßem ewigem Dank haschet, der durch eine kleineGefälligkeit, die Pflicht war, den andern Zeitle-bens zum Knecht, zum Schmeichler, zum unwürdi-gen Sklaven gemacht haben will. Ich kann deswe-gen die Worte Devotion, Verbindlichkeit,Verbundenheit, so wenig als die goldnen Worte,Huld und Gnade, recht leiden: denn sie werdenzu oft gemißbraucht. Das schone Wort Huld,z. B. das meistens Mil G»sde zusammengesetzt wird,hat dadurch ganz seinen Werth verloren. Gin Mensch,der, wodurch es auch sey, sich über alle Sterblichenerhaben glaubt, und ihnen mit seiner Macht, mitseinen Talenten , mit feinet Geschicklichkeit oder sei-nem ReichthuM nur Gnade erweiset, für welche erauf unermeßlichen Dank rechnet, ist dieses Danksweder Werth noch fähig. Hatte Er sich vom Bandeder Gefälligkeit, das ihn mit seinen Brüdern zusam-menschlang, losgcmachl, und ist ein Gott geworden,so sind auch andre von ihm los; ihm dufte Weih-tauch. Die ächte Grazie des Danks, die ihrer älternSchwester, dem wirklichen und wahren W 0 h lw 0 l-len, unzerttennl zur Seite ist, sucht er vergebens.