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V06
II. Dichtung
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die Sache Hoch klarer, und er war beredt zu zeigen,daß, was auch in det Schönheit Grazie (Anmuth)sey, immer von einem Zuge der Gefälligkeit, voneiner Gcberd« herrühre, in welchem sich ein gefal-lendes Gewüth offenbare. „So, sagte er, spra-chen die Griechen von Augen und AugenbrauncN,von Lippen und Küssen der Grazie, eben Nm sievon der tobten Schönheit zu unterscheiden." — Erwar mit der jüNgern Kunst unzufrieden, die durchtue Entkleidung dieser Göttinnen beynahe ihren Cha-rakter verfehlt habe. „Was ist, fragte er, an die-sen drey wiederholten, weiblichen Körpern bedeutend?Nur ihre Stellung, ihre zusammengeschlungenenHände, ihr« Angesichter würden diese bey einer leich-ten Bekleidung nicht noch bedeutender feyn?" Erwies auf die drey bekleideten sokratischcn Grazien imkleinen Familien-Tempel.
„Genug, (unterbrach ihn ein Alter, der als derVater aller Familien angesehen ward,) genug, meinSohn, von Worten und Bildern; laß uns zur Sacheselbst zurückkehren. Mögen die Griechen unter Cha-ris zuerst Reiz des Körpers oder Gefälligkeit derSeele verstanden haben; alle Grazien sind Schwesternund streiten nicht unter einander, welche von ihnendie ältere sey. Wahre Anmuth strahlt allein auSder Seele, sie theilt sich aber allem Mit, nicht nurjeder Gcbetde des Körpers, sondern auch jedem Wurfdes Gewandes. Wir feyern das Fest sittlicherGrazien; mich dünkt, sprach er, und winkte aufmich, daß Sie auch gegen unsre zweyte Huldgöttin,die Dankbarkeit, einen Zweifel hegten."
„Kennen Sie, wiederholte ich, keinen Undank?"
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