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Zur schönen Literatur und Kunst Theil 6 (1821) Dramatische Stücke und Dichtungen
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205
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II. Dichtungen.

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wir falbe Herbstblattcr, die^in her Lust flattern., umbald am Boden ganz zu ersterben. In Andern sol-len wir leben; da, sagt der Stifter unsers Festes,da leben wir gelautert, rein, vielfach, verjünget, un-sterblich. Nicht in sich wohnet das Wohlwollen,hie erste Grazie, sondern in ihren Schwestern. DasGcmüth Anderer ist ihr heiliger, unzerstörbarer Tem-,pel."

Eben kam der Chor der Kinder im Tanze bei)uns vorüber, der, was gesagt werden sollte, unge-zwungen sagte! Es war ein Wechscltanz, der dasDu für Mich, Ich für Dich, geistvoll, naivund bescheiden ausdrückte. Der Chor schwebte vor-über.

Und einer der altern Sohne, der sich hinteruns gelagert hatte, nahm das Wort. Nicht anders,sagte er, haben die Griechen das Wort Charis(Grazie) ehemals verstanden.Ich thue das dei-ner halben, dir zu Liebe, dir zur Freudeund zum Wo hlgefallcn;" das war der ursprüng-liche Sinn dieses Worts, aus dem sodann die zweyteGrazieich freue mich; ich empfinde diesWohlgefallen und bringe dir erfreulichenDank dafür," natürlich folgen mußte. An eineerkünstelte Anmuth, oder gar an nackte Figuren,dachte man damals bey diesen Worten noch nicht.Der Züngüng führte eine Reihe von Ausdrücken an,da die Griechen jede Gefälligkeit, Gunst undWohlthat, wenn sie mit Artigkeit gegeben und ge-nommen wird, Charis nannten. Bey dem Latei-nischen Kiertis und dem Deutschen Huld wurde ihm