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Zur schönen Literatur und Kunst Theil 6 (1821) Dramatische Stücke und Dichtungen
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II. D i c h l unge ».

reS durchdringet, sein ganzes Daseyn zusammenhältund es mit allen vergeschwisterten Wesen vereinet.Endlich hatte sie sich erschöpft, die gute Mutter, undweil sie ihrer Geburt nach nur halb eine Unsterbliche

war, sollte sic sich jetzt mit dem Leben von ihren

Kindern scheiden. Wie ging ihr der Abschied so nab!Bittend siel sie vor dem Thron Jupiters nieder undsprach:Gewaltiger Gott, laß meine Gestalt ver-schwinden unter den Göttern; aber mein Herz, meineEmpfindung tilge nicht aus und trenne mich nichtvon denen, denen ich aus meinem Herzen das Da-seyn gegeben habe. Wenigstens unsichtbar will ichum sie seyn, damit ich jeden Hall des Schmerzes

und der Freude, mit dem ich sie glücklich oder un-

glücklich begabte, mit ihnen fühle, mit ihnen theile."

Und was würde es dir helfen, sprach der Gott,wenn du ihr Elend unsichtbar mit ihnen fühltest undihnen nicht beyzustehen, ihnen auf keine Art sichtbarzu werden vermöchtest? denn das letzte versaget dirdoch der unwiderrufliche Spruch des Schicksals ?"

So laß mich ihnen nur antworten dürfen;unsichtbar nur die Laute ihres Herzens wiederhole»können, und mein Mutterherz ist getröstet."

Jupiter berührte sie sanft, und sie verschwand,sie ward zur gestaltlosen, allvcrbreiteten Echo. Woeine Stimme ihres Kindes tönet, tönet das Herz derMutter nach: sie spricht aus jedem Geschöpf, ausjedem brüderlichen Wesen, den Laut des Schmerzesund der Freude mit dem Gleichlaut einer harmoni-schen Saite. Auch der harte Fels wird von ihrdurchdrungen, auch der einsame Wald wird von ihr

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