II. Dichtungen.
rer auch hinsinkenden Schönheit. Das vor ihr ste-hende Mädchen hörte sie und sprach: „Erzürne dichnicht über uns, süße Kleine! nenne nicht Undankbar-keit, was höhere Liebe ist, der Wunsch einer zärtli-chen Neigung. Alle Blumen um uns sehen wirsterben, und halten's für Schicksal der Blumen;aber dich, ihre Königin, dich allein wünschen undhalten wir der Unsterblichkeit werth. Wenn wir unsalso in unserm Wunsche getäuscht sehen: so laß unsdie Klage, mit der wir uns selbst in dir bcdaurcn.Alle Schönheit, Jugend und Freude unsres Lebensvergleichen wir dir; und da sie wie du verblühen,so singen und sagen wir immer: „ach, die verwelk-iiche, die leicht zerfallende Nose!"
Die Echo.
Glaubet es nicht, gutherzige Kinder, glaubtnicht der Fabel des Dichters, daß die bescheidne Echoje eine ansprechende Buhlerin des eitlen Narcissusoder eine schwatzhafte Verrätherin ihrer Göttin gewe-sen: denn nie zeigte sie sich ja einem Sterblichen,nie kam ein Laut zuerst aus ihrem Munde. Aberhöret zu, daß ich euch die wahre Geschichte der Ech»erzähle.
Harmonia, die Tochter der Liebe, war einethätige Mitgehülfin Jupiters Key seiner Schöpfung.Mütterlich gab sie aus ihrem Herzen jedem werden-den Wesen einen Ton, rinen Klang, der sein Jnne-