Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 6 (1821) Dramatische Stücke und Dichtungen
Entstehung
Seite
168
Einzelbild herunterladen
 

»68

II. Dichtungen.

Sie girreten Dank der Göttin, und flogen ihremGrobe zu, wo sie mit ihrer Treue, mit ihrer rüh-renden Kluge die alte Parze bewegen wollen, daß sieihnen ihr ungcnossenes Menschenleben wiedcrgebe.Aber auch ihre gemeinschaftliche Klage ist ihnenTrost; die zarte, treue Liebe, die sic in ihrer Wüstegenießen, ist ihnen mehr, als alle Scherze und Freu-den an Venus Throne.

Jsts Neid oder Güte, daß ihnen die Parze nochimmer ihre Taubcngestalt laßt, und sic vor dem ge-fährlichen Loose eines wandelbaren MenschcnherzenSbewahret?

Die Lilie und die Rose.

Sagt mir, ihr holden Töchter der rauhen,schwarzen Erde, wer gab euch eure schöne Gestalt?denn wahrlich von niedlichen Fingern seyd ihr gebil-det. Welche kleine Geister stiegen aus euren Kel-chen empor? und welch Vergnügen fühletet ihr, dasich Göttinnen auf euren Blattern wiegten? Sagtmir, friedliche Blumen, wie theilten sie sich in ihrerfreuend Geschäft, und winkten einander zu, wennsie ihr feines Gewebe so vielfach spannen, so vielfachzierten und stickten?

Aber ihr schweigt, holdselige Kinder, und ge-nicssct eures Daseyns. Wohlan! mir soll die leh-rende Fabel erzählen, was euer Mund mir ver-schweiget.