II. Dichtungen. i6r
mit Thranen und Schaamröthe in sein graues Bettehinuntergezogen werde. Spiegelt euch, ihr Mädchen,an meinem Beyspiel, und glaubt nicht, daß dieschönste von euch auch die glücklichste seyn müsse,wenn sie nicht auch so weise als schön ist und sich»inen ihr gleichen Gatten zur Glückseligkeit wählet.
Aurora verschwand; aber ihr Bild glänzte fort-an den Mädchen in jeder Thräne des Thaues wie-der. Sie priesen sie nicht mehr als die glücklichsteder Göttinnen, weil sie die schönste sey, und wur-den weise durch ihr Exempel.
Der Schlaf.
In jener Schaar unzählbarer Genien, die Ju-piter für seine Menschen erschaffen hatte, um durchsie die kurze Zeit ihres mühseligen Lebens zu beglük-ken und zu vergnügen, war auch der dunkle Schlaf.„Was soll ich, sprach er, da er seine Gestalt ansah,unter meinen glänzenden gefälligen Brüdern? wel-ches traurige Ansehen habe ich im Chor der Scher-ze , der Freuden und aller Gaukeleye» des Amors?Mag es seyn, daß ich den Unglücklichen erwünschtbin, denen ich die Last ihrer Sorgen entnehme, undsie mit milder Vergessenheit tränke. Mag es seyn,daß ich dem Müden gefällig komme, den ich dochauch nur zu mühseliger neuer Arbeit stärke. Aberdenen, die nie ermüden, die von keiner Sorge desHerders W. z, sch. Lrt. u. Kunst. VI. H Dram. Stück-