11. Dichtungen.
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Die Morgenröthe.
Eine Schaar fröhlicher Mädchen beging mitTänzen und Lobgcsängcn das Fest der Aurora.„Schönste, seligste Göttin, sangen sie, du in Ro-sen,gestalt, in ewiger Jugendschönheit! Täglich er-wachest du neu, gebadet im, Quell des Genusses undder erquickenden Blüthe!"' — Als eben, da dieSonne aufging, Aurora ihr Gespann zu ihnen lenk-te und vor ihnen stand, die schönste, aber nicht dieglücklichste aller Göttinnen. Thränen waren in ih-ren Augen, und der Duft des Schlepers, den sievon der Erde gezogen hatte, lag wie eine feuchteWolke vor ihrem leuchtenden Rosenantlitz.
Kinder, sprach sie, die ihr mich mit Lobgesan-gen ehret, eure jugendliche Unschuld hat mich hcrge-zogcn, euch mich, wie ich bin, zu zeigen. Ob ichschön sey? sehet ihr selbst; ob ich glücklich sey? mö-gen euch die Thränen sagen, die ich täglich in denSchoos meiner Schwester Flora weine. Unbedacht-sam in meiner Jugend, vermahlte ich mich jenemalten Tithonus, aus dessen Armen ihr mich täglichso früh emporeilen sehet. Ihm und mir zur Strafeward ihm seine graue Unsterblichkeit ohne Jugend,die auch mir, so lange ich bey ihm bin, Glanz undSchönheit raubet. Deswegen eile ich so früh anmein kurzes Geschäft, die Schatten zu verjagen,und verberge mich Tagüber im Strahl der Sonne,bis ich von ihm, so bald er mich wieder erblickt,
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