l. Dramatische Stücke.
fröhlicher Bilder. Wer kennt nicht das wonnctrunk-ne Haupt der Ariadne? * **) ) Wer sah i» manchenVorstellungen nicht jene Freudenzüge und Tänze vordem Wagen des Bacchus und der Ariadne?"*) AufSarkophagen wurden sie oft wiederholt, Sinnbilderdes Ueberganges aus dem höchsten Schmerz in un-zerstörliche Freuden. In den Mysterien ward Bac-chus als Gott Liber, Ariadne als Libera symbo-lisirt. Ariadnens bräutliche Krone, ihre Haarlocke,kam ans Firmament unter die Sterne. Ist eine präch-tigere Entwickelung und Vollendung dcr Geschichte die-ser Großmüthigen, dieser Verlassenen, denkbar? Mö-gen alle Thaten edler Menschen - Errettung , zutrau-endcr Großmuth, so ihre Krone finden!
Auch dem Theseus erließ die gerechte Fabel derGriechen seine Vergeltung nicht. Er, der einemVater seine Tochter geraubt hatte, fand seinen Vaternicht mehr; ja er tödtete ihn durch seine Rückkunft.Unvorsichtig kam das Schiff mit dem schwarzen Se-gel, dem verabredeten Zeichen von Theseus Tode, zuAthen an; und König Aegeus stürzte sich vom Felsen.
Warum diese Geschichte nicht auf dem Theaterzu Athen erschien, ist leicht bemerkbar; aus eben derUrsache, aus welcher Theseus die Ariadne, die inden Augen Athens eine zweote Medea gewesen wäre,dahin nicht zu bringen wagte. Mit einer Wendung,die dem Dichter freysteht, kann sein sonst so schwar-zer und roher Undank gemildert, ja sogar hinwcgge-
*) Auf dem Kapitol war der schönste Kopf derselben,ein bekanntes Ideal.
**) S. Archäologisches Museum von Völliger. ErstesHeft» Ariadne» .