Der Cid.
eine Ruhekammer, wo himmlische Geister das er-siorbenc Saamcnkorn zur Aufblüthe eines künftigenewigen Frühlinges bewahrten. Ueber heilige Ge-bräuche und Worte endlich läßt sich auch nicht an-ders, als aus dem Geiste der Zeit reden, für welchesie gehören.
Und waren nach eben diesem Geiste der Zeit kör-perliche Hebungen zur Enthaltsamkeit, Strenge, zufestgehaltencm Andenken, zum Vermögen über Sin-ne und Neigungen verwerflich? Waren rohe sinnli-che Naturen anders zu besänftigen, zu fesseln, zu zäh-men, als durch ein gegenseitiges Extrem,durch eine andre, geistige Welt noch stärkerer Leiden-schaften und Begierden? Woher kommts, daß in«nserm Zeitalter wir so wenig können, so wenigernstlich wollen und vermögen, als weil wirvon Jugend auf zerstreut und verzärtelt leben, indemuns zu anhaltenden schweren Uebungen Anlaß, Re-gel, Ordnung, Sitte, tägliche Gewohnheit und stren-ges Gebot fehlen. Gewiß vermögen wir nicht, wasdie Männer der Legende vermochten, sonst brächtenwir Wirkungen hervor, wie jene, aus deren Pflan-zungen wir, über sie spottend, von ihren Früchtenzehren.
Und dann ! gäbe es in diesen Zeitaltern durchauskeine Muster einer Tugend , die wirklich diesen -Na-men verdienet? Keine Seclengröße, die, über sichselbst gebietend, Gefahren nicht suchte, aber tapferüberwand, und das Leben selbst nicht achtete zu Er-langung des Kampfpreises. Herausfordern und an-greifcn ist freylich leichter als erwarten, bestehn, aus-