I. G. v. Herders sämmtliche Werke. Zur schönen Literatur und Kunst. Dritter Th eil. Der Cid. Nach Spanischen Romanzen besungen. Mit Großherzoglich Badischem gnädigstem Privilegs. E a r l s r u h e, im Büreau der deutschen Classiker. 1821. Inhalt» I. Der Ci d.. Geschichte des Don Nuy Diaz, Greifen von Bivar, nach spanischen Romanzen. Von dem Cid., Nach den Quellen, durch Johann v. Müller . . . Seite i Der Cid unter Ferdinand dem Großen. — 65 Der Cid unter Sancho dem Starken — Der Cid unter Alfonso dem Sechsten, dem Tapfern . . . — 169 Der Cid zu Valencia und im Ted . — 19) II. Legendem Vorerinnerung des Verfassers . . — 249 Ncber die Legende , . . — 253 , Legenden: Die Führcrin ... — 27s Die Turteltaube ... — 274 Der gerettete Jüngling . . — 277 Der Tapfere ... — 280' Inhalt. Die Krone . Seite 284 Die Pilgerin . — 287 Der Palmbau« . — 291 Das Bild der Andacht — 294 Der himmlische Garten . — 296 Das Paradies in der Wüste — 298 Die laute Alage. . — 3oi Die Ameise — 3o2 Die Fremdlinge . — 304 Christenfreude — 3:2 Die drey Blinden . . . — DasTeufelchen mit dem verbrann- 3i6 ten Daum . . — 3:8 Tödtcn und Lebendigmachen . — 320 Die Cicada . — 322 Die Orgel ^ .. — 325 Die Geschwister — 323 Die ewge Weisheit . — 33c, Die wiedergefundene Tochter — 335 Freundschaft nach dem Tode — 340 Die wicdergefundenen Sohne — 343 Der Friedensstifter . . — 347 Der Schiffbruch . — 35 c, I. Der § i d. Nach Spanischen Romanzen besungen durch ZohannGottfriedv. Herder. M i t einer historischen Einleitung durch Johann v. Müller. Vo !0 ku/ Oisr ei Liil lluinpeudor! ^ I poemu äsl 6 i ä« Won dem Lid. Nach den Quellen» Z> on Rodrigo, ,'n vertrauter Sprache Nuy, Dicgv's Sohn, Diaz des Sohns Layn, aus hochverehrtem Stamm der ersten Volksrichter und Grafen des alten Castiliens, gebürtig vonVivar, zwey Stunden von Burgos , (es - Sand , mein Herr) el mio Cid zuerst von dankbar gemachten Feinden, Campeador (Kampfheld ohne gleichen) von seinem König und Volk genannt, ist einer der sehr Wenigen, welchen so gut wurde, ohne Trug noch Verbrechen oder zufälliges Glück, bcy ihrem Leben den Königen gleich, und nachmals Jahrhunderte lang der Stolz ihrer Nation zu seyn. Ueber die Art und Weise ist von vielen, welche Spur seiner Verhältnisse oder Thaten bekommen, wundersam gedichtet Herders W, z. sch. Lit. u. Kunst. ! H» A Oer W. II Der Cid. worden: hiedurch wurde die Wahrheit fast unkenntlich, aber auch die Gerechtigkeit gegen unsere Natur verletzt, als wäre ohne übernatürliche Einwirkung unmöglich ein edler Mann zu seyn. Doch letzteres wird der Schüchternheit gewöhnlicher Menschen, und jenes dem guten Willen zu vergeben seyn, von den Geschichten des Erhabenen sich zu nähren, dessen bloßer Name Aufruf zur Tugend ist. Wenn, nach des Schicksals Laune, der in seiner Klasse Vollkommenste, unvollständig bekannt, in einem gewissen Helldunkel erscheint, so wird er dem Volk Roman- Held , höheren Gemüthern Ideal. Der Held voll Schönheit, Kraft und Bildung, wie der Jüngling, der Grieche, ihn wollte, erscheint im Achill. Rauher sind, hoher, härter, blutiger, keuscher, des kalten Mords gewaltige Söhne, caledo- nifche, scündinavifckc, nibclungische Krieger. Was Ehre, Gott und Liebe im RittcrchuM erzeugen mochten, siehe an Don Rodiigo. Alle sind Männer des Schwertes gewesen. Muth ist jeder Tugend Quell, Muth ist jedes Standes Ehre; im allbcschirmcnden, ersten der Stände leuchtet er am glanzvollesten. Gemischt, gefärbt wird er, nach Zeiten und Sitten, so oder anders, bleibt aber, so lang als der Grundsatz der Ehre. Das ist die Ehre, Mann zu seyn. Dieses besteht in der Geistesgegenwart, Geschicklichkeit und Entschlossenheit, seine Pflicht ganz zu thun. Es giebt keine edlere historische Untersuchung, als wie große Menschen hiezu sich am vollkommensten entwickelten. Darum wollen wir die Thaten und / Der Cid. III Schicksale des Cid, Campeador, vor allen Dingen aus einer, vor nicht vielen Jahren in einem Kloster zu Leon gefundenen lateinischen Chronik, der ersten und achten *), und aus dem ältesten castilianischen Gedicht, welches kaum hundert Jahre nach ihm ihn besungen **), mit Wahrheit erzählen. Hierauf werden die von Herder, mit eigenthümlicher Innigkeit und *) 6 esta H c> äeri o i Canipsäocti; gefunden bey den S. Isidors Augustinern zu Leon; abgedruckt von dem Augustiner-Bruder Manuel Ri fco im Anhang, als Beleg seiner zu Madrid >7g2 in Quart ( XIX. 3 ir>. und 66 S, ) heraus« gekommenen bistoria äsl Liä. Ist es die von Pagi gebrauchte, von Bischof Peter zu Leon verfaßte Geschichte? Der Urstoff dürfte Erzählungen des Bischofs Hieronimus (Note i 5 b) zuzuschreiben seyn; dieser wußte alles von Cid und -kimena selbst. Gewiß ist diese Chronik älter, als 12Z8; sie weiß nichts von Wiederervbcrung der Stadt Valencia in diesem Jahre. **) L 1 poerna äe 1 t! iä. Der X b t> s t Is sscridiä en ei nies äs lVlsic» Dn era äs niill d 0. 6. XQV. annss; nach unserer Zeitrechnung im Jahr 1207, dem io8ten seit des Helden Tod, Qb escridiä sich auf die Abfassung oder nur eine Abschrift bezieht, laßt sich nicht entscheiden. Die aus dem Laiein sich kaum loswindende Sprache, die noch wankende Wörterbildung, der unmerrische Vers, wir möchten sagen des Alterthums ehrwürdiger Rost (^vor-5), gewisse kleine Umständlichkeiten, A 3 Vergegenwärtigung, überseztcn Romanzen *), theils das Wahre anschaulicher darstelliii, theils wunderbare Lagen schildern, worein kühne Dichtung den Ritter versetzt, ohne die Grundzüge seiner Größe unkenntlich zu machen. Das Land Hispanicn, durchschnitten von viele« Reihen hoher Berge, zwischen welchen und an den eine gewisse Enthaltsamkeit im Erdichten, macht dieses Werk so anziehend als wichtig. Es wurde lang zu Bivar, im Hause Cid's, aufbcwahrt; benutzt von dem unbekann.en Zusammenstoppler der- L Ii 1 ' o I 11 c a cl el kkimosnaaviilleio Liä1l.tt^üisLt!ainpeu(1or, welche in dem Kloster-St. Peters zu Cardena aufbehalten, aus Befehl Ferdinands, Bruders Karls V,, endlich >.5öL hcrausgegeben wurde. Denselben Dienst leiste!- dem k o a m i, im Jahr r?79, der spanische Bibliothekar Sanchez in einer Sammlung der ältesten castilianischen Gedichte, für uns aber D. Gott hilf Heinrich Schubert in seiner, alle Unterstützung verdienenden Liklio- t li I- o II Lsstellnun, kortIIAIIes ^?rci- e ii r al, deren erster Lhcil im Jahr illost zu Altenburg .erschienen ist, (L. und 22 h. S. in 8.l. Im .übrigen ist von dem ? 0 e iii u der Anfang bis auf des Cid Entfernung aus Castilien ver- lohren; auch fehlen hin und wieder einzelne Verse. *) Sie sind von unbekanntem, doch nicht geringem Aller. Der Cid. V Küsten die glückseligsten Thaler und fruchtreichstcn Fluren blühen, war im Anfang der Siz vieler unabhängigen Völkerschaften, welchen diese Natur einen gewissen hohen Sinn und einen Reichthum der mannigfaltigsten Vorstellungen gab. In vielfältiger Einsamkeit, umgeben von großen Gegenständen, bekamen ihre Gefühle Tiefsinn und Ernst. Als nach den mannigfaltigsten und bewunderungswürdigen Kämpfen das getrennte Vaterland der immer größern römischen Uebecmacht endlich, ermüdet, unterlag *), hlieben, *) Gewissermaßen in dem Z8sten Jahr vor unserer Zeitrechnung: doch hiett der mitternächtliche Theil noch dreyzchn Jahre später. Luniakrnrn inckooruin juAu kerre nostrn, hielt August für nöthig, durch eigene Gegenwart zu schrecken. Hierauf, nach überstandener Ge« fahr, kloronlis ritu rnoäo «liotns, o plcks, ^ Morte venslern potiisse lanrnin, Lntzsnr Hispana repetit pynnie? Victor nk ora. Unvollständig oder vorübergehend! Nicht wie unsere Zeitgenossen eilten sie mit Schmeichelreden dem Joch entgegen. Als die Edelsten insgemein und öffentlich Gift genommen und mit ihren Burgen sich verbrannt, als die Verkauften ihre Käufer umgebracht, wußte Agrippa kein anderes Mittel als die Erwachsenen (msux 5U zu tobten. So wurde Laniskor non snts cko IN skills in dem achtzehnten Jahr vor unserer Zeitrechnung bezwungen; cs murreren die römis V VI Der Cid. wie zu geschehen pflegt, cingebohrne Nationalzüge, aber ohne die Glorie der Selbstständigkeit. Also, da durch nordische Barbaren die Erniedrigung und das Unglück der unterdrückten Welt an Rom gerochen wurde, geschah auch von den Spaniern bey weitem nicht jener alte Widerstand. Reichthum, Einrichtungen, man- chcrlcy Arten des Vergnügens und sogenannte bürgerliche Ordnung, nicht aber die Freyhut hatten sie zu verlieren, wofür jene Dinge rechtlichen Menschen kein genugthuendcr Ersatz zu scvn pflegen. Nie vereiniget als Nation, sondern blos unter des Weltreichs verhaßtem Joch, fügte sich der Spanier, obschon Landsmann der damaligen elenden Kaiser*), den vom Caucasus, dem Rhein, der Donau und dem baltischen Meer bey ihm erwandernden Stammen **). Hin waren, bis auf dunkles Andenken, alle Vortheile und Annehmlichkeiten des civilisictcn Lebens; nur die, um alles trostende, Religion der Christen blieb. Wenn vor Zeiten Griechenland, voll Feinheit und Lust, harte Eroberer zu zähmen vermocht, um so leichter überwand die Religion Barbaren, die nichts in ihren Seelen fanden gegen diese mannigfalten, gesehen Krieger; Agrippa wollte nicht triumphircn. * Horaz Oä. IU 6; III. rh; IV. rg.. Dio im , drey und vicrundfünfzigsten Buch.) ') Honvrius und Arkadius, Theodos'ens unwürdige Söhne, der ein Spanier gewesen. **) Alanen, Alemannen, Wefigothen, Vandalen. Der Cid. VII bietenden, heiligen.Begriffe der leing unterrichteten Welt. Die Gothen, unbändig in Leidenschaften, sonst von einem gewissen germanischen Verstand,, kraftvoll und empfänglich, wurden sehr eifrige Christen, auch hiedurch Herren von ganz Spanien. In Glaube, Recht, Sitten, traten die Völker zusammen, und es mochte ein Nationalreich emporblühen *). Alles zerrissen und verwirrten die Araber, welche, von dem Propheten Mohammed entzündet, in weniger als achtzig Jahren das Gesetz eines neuen Glaubens und die Herrschaft eines Fürsten der Gläubigen bis Indien und Spanien trugen. Nachdem der Gothen König umgekommen, als Tarikh's und Musa's unwiderstehliche Schaaren das Land überschwemmten, als Ruhm und Eigenthum und Frepheit, alles, was Menschcn'lieb ist und heilig, weil und breit unterging , flohen, gedrängt, die Frcyesten und Edelsten, über Bardulien hinaus, in der Cantabern und Asturen Gebirg, jenseit dem nichts ist als das unermeßliche Meer . Hier, der Könige Enkel, Don Pelayo, und Herzog Peter von Cantabrien; auf Penna Horadada dieser, jener in des Berges Auscna vielfasscnden Höhlen ; mit ihrem edlen Bergvolk die ersten, die bewiesen, daß, wer nich^ sich selbst verläßt, nicht verzweifeln darf am Glück. Als dem königlichen Hof der Seit Löwcgild 585. den letzten alemannischen Köd nig in geistlichen Stand versetzte. VIII Der Cid. Flecken Gijon genügte, als groß schien, daß Don Fruela auf der lachenden Vergebene Oviedo erhob, gab das eitle verweichlichte Wesen nothgcwordener Tugend Raum, und wurde altbesungencr Heldensinn durch Armuth und Gefahr zu edlerer Abentcur erneuert. Allein die Tbatcn des fortgesetzten Gothcnrcichs, die Wicdereinnakme und neue Bevölkerung der Städte und Lanchchasten, und der Bau unzähliger Castelle, von welchen, Anfangs in den obren Lhalern des Ebro und immer weiter hin, das Land Ca stilien genannt ward *), sind eine Zier der Geschichte Spaniens. Der gothische Thron war durch Eines Tages Unglück gefallen: die Araber, in einer weit großcrn Schlacht von den Franken überwunden, getrennt von dem Fürsten der Gläubigen, durch innere Parthcyung unheilbar entzwevt, geschlagen von so vielen Königen, durch unaufhörliche Fehden ermüdet, haben dieO b er hc rr- schaft lang mit großem Glanze, Gewalt in Spanien fast achthundert Jahre, behauptet. Den Arabern gab das umwohnende, durch Mohammed genährte Feuer, ihre feste Ruhe über die unwandelbare Bor- bcstimmung, ihre Volksmenge, die durch Freyheit und Sitteneinfalt unglaublich stieg, Arbcitsfleiß, Reichthum, die Poesie ihrer Denkungsart und Gci- *) Zuerst 8nr. in der Stiftungsurkunde eines Klosters im Thal Mena; bey Nisco. Villareayo war erster Hauptort. Der Cid. IL stesbildung, lang das Uebcrgcwicht: aber der Christen Macht verlor die Einheit, nicht sowohl auch weil bey ihnen der Königreiche mehrere wurden, als weil sic viel weniger Gemeinsinn hatten; der Hof, der Dienst, die Monchsmoral, begünstigten die Exaltation weniger; selten, vereinzelt, kam von außen einige Unterstützung, nicht wie wenn von Maroko die neubc- gcisterten morabctischen Schaaren in unglaublicher Zahl die wankende Herrschaft der Araber auf stärkere Grundlage befestigten. Sofort beym Hervorlcuchten castilianischer Pri- vatnamen erscheint Graf Rodrigo, Held wider den Erbfeind und Stütze des Throns *); sein Sohn Diego Porcelloz, wie er, siegreich, zog Theseus gleich, aus vielen Flecken die Hauptstadt Burgos zusammen **). Als er das Bergschloß, als er die star- *) Die bey dem gothischen Land buch (knero lurZo 6otiao ) zu Leon gefundene Chronik schreibt ihm zu, was, nach der Chronik von A lbelli a , im Jahr 8llu. wider Lalamanka (nicht Sa- lamanca) geschehen. Ebenderselbe, als die Jugend Alfonso des Großen übermächtiger schien, krogir Lsturiiis (brach Asturiens rebellischen Trotzt; Chronik beym Landbuch. Zstt e Vers« nennen Amaya Parricia des ältesten Castiliens damalige Hauptstadt; von ihm ward sie bevölkert. (Die Verse hat Risco.) **) Ux NurAellis plnrimig aäiinarat; Erzbischof Rodrigo. Uonulavit xer bevölkerte) UurZoz X Der Cid. ken Thürme, die weltumfassenden Mauren erhob, verdiente durch Beystand (man glaubt ein Teut- scher * *) Herr Nunno Bellides, daß er Donna Sol **), seine Tochter, ihm gab. Sohn dieser Ehe war Nunno Nunnez Rasura, der verstandvollc redliche Mann, mit Layn Calvo, seinem tapfern Freund, ohne Ernennung, ohne Gcsez, allein durch der Tugend Macht, Richter aller Streitsachen unter dem castilischen Volk ***). Layn Calvo zeugete mit Numios Tochter einen Sohn, der von Mann zu Mann Vater ward von dem Urgroßvater Herrn Diego Laynez, des Vaters vom Cid -s). ei Ubirnsm (uvierna, das wir nach diesem in der -Hand des Cid finden); Chronik beym Land buch. Ln dem Tag bey Poncorvo, als der Araber bis Castroxeriz floh, führte er den Oberbefehl; Chronik von Albelda. *) Nach dem Stadtrecht von Burgos, >217 (wenn ich den Sinn recht eingenommen) aus Ca- taluenna; dorr stoßen Geschlechter aus mancher- ley Völkern zusammen; auch die von Alaman waren all und vornehm; leicht möchte aus ihrem Namen der Mißverstand kommen. ") Sula Bella. *") Erzbischof Don Rpdrigo; am besten jenes S t a d t r e ch t. ch) Nach der Chronik vom Cid l>l. 1. Layn (sie schreibt Flayn). Calvo zeugete Fernando Laynez, Der Cid. XI Fernando, Sohn Gonzalo, Sohns des alten Porcclloz, hatte auf das castilische Land, getrennt vom Hof durch beschwerliche Berge, die nützliche Würde einer Freygrafschaft gebracht * *). Durch die Ermordung seines Urenkels erbte sie vermittelst Munna Elvira, der Erbtochter, an Don Sancho den Grossen **) dessen Voraltern, aus Merwingi- schem Stamm ***), das Land Navarra befreyt und der Vater ward Layn's Fernandez, des Vaters von Nunno Laynez, von dem Layn Nunnc; entsprossen, der durch Diego Laynez Großvater war des Cid. *) Er starb 968, Ouaatus LurAvnsiuni wird wohl bey Luca vonTuy genannt; nichts desto weniger scheint ausgemacht, daß er l?re-lsnanäo Ounäisnlvir tso wie er in der Chronik beym Landbuche geschrieben) und seine Nachfolger bis auf den Jnfanten Garsea (T uy) persönliche Dienstmanne der Könige von Leon blieben. Das Freye mochte darinn bestehen, daß das Volk weiter nicht nöthig hatte , vom Ebro her, durch die unwegsamen Bergpfade Recht und Gericht in Leon zu suchen. ") 1028. ***) Chlotar II. hatte neben König Dagobert einen Sohn Karibert'en, von dessen Sohn Boggis Erbherzoge von Aquitanien und Herzoge Gasconiens abstammen, deren einer, der tapfere Aznar, fränkischer Statthalter auf der spanischen Seite des Pyrenäengebirges, im Jahr 881 im Lande Ra- XII Der Cid. mit königlichem Ansthen geziert. Weislich wurde schon dazumal die höchste Würde vererbt, ihre Gewalt aber beschränkt; letzteres wider den Despotismus , jenes aber wider die Anarchie. Sebald ein Fürst nicht alles darf, liegt nicht so viel an seiner Einsicht und seinem Willen, daß die Wahl der Gefahr eines Bürgerkriegs werth wäre; ist er über die Gesetze, so beruhet alles auf dem Schicksal. In dem vierhundert fünf und. sechzigsten Jahr nach Erhöhung Löwegild's, Königs der Gothen, des ersten allgemeinen Herrschers in Spanien, des ersten, den Scepter und Krone geziert, starb, seines Mannsstamms der lezte, König Bermudo der Dritte *). Das ganze Gothenreich, wie Don Pelajo mit zwei) und zwanzig Nachfolgern dessen Uebcrblcibsel muthig behauptet und ruhmvoll vergrößert, und König Orbmund der Zweyte dasselbe zu Leon glanzend geord- varra sich unabhängig erklärt; von seinem Bruder stammt als Enkel der erste König, Don Gar- cra Limenez 880, dessen Urenkels Enkel dieser Sancho ist. Lrtll.ovsriki6rlescls.t6k: 707, 727» 8 n 5 (Ausg. 177h.); wir folgen diesen gelehrten Beneoikrinern, deren Werk das Resultat vieler Forschungen ist, ohne uns des Rechts zu begeben, die Angaben, Key besserer Muße, neuer Prüfung zu unterziehen. *) 1.0Z7. Der Cid. XIII net *), siel ein den Gemahl der Erbtochter, an Don Fernando, Sohn Sancho, jenes Großen, für den die castilische Frcygrafschaft königliche Hoheit erhielt **). Unter diesem König ist der Cid geboren worden. Vor vielen verflossenen war an großen Bewegungen dieselbe Zeit fruchtbar. Der Stuhl des Emir's-cl-Mumenjm , des altverehrten EhnlifN- stamms von Lmajah, der zu Cordova dem ganzen arabischen Spanien als Oberhcrr gebot ***), wankte seit mehreren Jahren durch der Fürsten Schwache und mancherlei) Unruhen. Eben da er neu befestiget werden sollte, fiel er wunderbar, auf einmal. Da wollte die Gemeinde einen Herrn vom Haufe Abder- rachman Nalr des Omajadam, welcher vor den Unfällen mit besonderer Weisheit bev einem halben Jahrhunderte die Regierung geführt fl). Der Gewählte stand, zu Empfang der Eide; da plötzlich wie ein Geist unter alles Volk fuhr, und jeder schrie: „der Allmächtige hat sein Antlitz abgrwendet „von dem Hause Omajah! Dieser wird unglücklich _ > *) Vü.' Bereits durch den Vertrag ro 33 , ***) Seit 7v5. fl) 912 — 961. Daß Hescham el Mowajcd, fein Enkel, minderjährig war, gab den Anlaß des Verfalls. „regieren; hinweg mit ihm!" Ec, vergeblich bittend, floh; die alleszusammenhaltende .Oberherrschaft gieng unter *); wo in einer Stadt alter Adel **), oder näherer Vater Großthat, wo Neichkhum und Kühnheit, einem Statthalter Ansehen gaben, erhob er sich zum Emir oder Scheich. Wie leicht wurde dem ersten castilianischen König die Eroberung vieler großen und unbezwingbar gehaltenen Burgen, die Unterwerfung der einander nachstellenden Fürsten! Ein vereinter standhafter Druck von Seite der Könige und Ritter aus Castilien-Leon, von Arcagonien und Navarra, und es schien das fremdartige Reich der Vernichtung nahe. — Eitel ist des Eroberers Hoffnung, wenn bcdrohete Staaten in der Kraft ihres Ursprungs und in ihrer Natur noch Key Zeiten Hülfe suchen. Gleichwie im neunzehnten Jahrhunderte die Reiche EuropcNs noch nicht unter eines Einzigen Joch fallen werden, wenn sie (wie unsere Vater im Frankenbund und Schwabenbund mit schlechten Waffen dem Römcrreich widerstanden) eilen, den Handschlag sich geben und mit aller Macht Erhaltung der Ehre und Freyheit oder den Tod suchen, eben so bestan- *) Dieses nach Abulfeda, dem klassischen Geschichtschreiber der moslemischen Staaten. Im Jahr io3r. **) Abulkasem Mohammed Sohn Ismaels des Sohns Abbad, Vater der Fürsten von Sevilla, war aus dem uralten arabische» Königshause von Hira; A b u lfe d a. Der Cid. XV den, bey ihren unzähligen Fehlern, die spanischen Araber, noch fast fünfthalbhundert Jahre, durch die Hülfe aus Afrika, von wo sie hieher gekommen, und eben das Glaubensfeuer, wodurch sie ein herrschendes Volk geworden. Dieses, geschehen in des Cid letzter Zeit, wird unten beschrieben. GebohrcN wurde Ruy Diaz einem tapfern, siegreichen Vater, von Donna Teresa, der Tochter eines reichen Grafen Diego Rodriguez, der Statthalter in Asturien war. Das Jahr, der Ort ist unbekannt *)> Vivar, wovon er genannt wird, eroberte mit anderen Orten Diegv, sein Vater, in dem Navarrischen Krieg **). Des Königs Vater halte das älteste CastilieN, von den Bergen Oca bis an das eaNtabrische Meer, Mit Navarra dem Stammreiche, seinem Erstgebornen, Don Gareia, hinter- lafsen. Hierum beneidete ihn der Herr des bessern, grossem Tbeils, Don Fernando, sein Bruder, König zu Castilien-Lcon, versuchte durch Hinterlist ihn zur Entsagung zu nvthigen, und als Gareia (das ist jener navarrische Krieg) Rache versuchte, erschlug er ihn. Denselben Tod nahm sein Bruder, Don Ramiro, König von Acragonien, in einer Schlacht, *) Gemeiniglich wird das Jahr 1026 angenommen. **) lobst, kllvnr ki illn xetrn, wird in Cid's Chronik l genannt. XVI Der Cid. worin vor allen der Cid geglanzt *), noch bey Fer- naudo's Leben, durch Sancho, dessen Sohn, welchen er seinem Vasallen, dem arabischen Emir von Zaragoza, wider seinen Bruder zu Hülfe gesandt. Bald nach diesem ging der große Don Fernando, prangend mit dem Lorbeer vieler arabischen Siege, aber befleckt mit dem Blute wenigstens Eines Bruders und seines Schwagers **), zu seinen Vätern. Drei) Sohne hinkcrließ er, durch einander unglücklich; zwey starben unnatürlich, der dritte, größte, Alfonso, hinterlicß von sechs Gemahlinnen keinen Sohn, sondern eine zum Unglück gebohrne, verruchte Tochter. Nicht Macht, nicht Redner, schirmen ein blutbcdecktes Geschlecht; das mögen die Gewaltigen der Geschichte glauben. Des Ruy Diaz, unter Fernando aufblühcnde, Jugend haben die Dichter mit der Mahr' mancher Abenteuer geschmückt, welche zum Thcil übel erfunden, *) rvk>3. Ebendaselbst und bey Zurita. Das ist die Schlacht bey Grados zwischen den Flüssen Jsabena und Esera; Nisco. Die Arragonier behaupten von Ramiro, wie nachmals von Sancho, seinem Sohne, diese Fürsten seyen auf ihrem Bette ruhig gestorben. Das Gegenthcil wird von auch wichtigen Schriftstellern erzählt: Gewiß ist die Schlacht, und in derselben des Cid Hervorleuchtenoer Muth. Das Uebrige müssen wir näherer Prüfung Vorbehalten» *) Des letzten Königs von Leon» Der Cid. XVII den, aber wohl besungen, zum Theil aus Veranlassungen seiner spateren Jahre genommen seyn mag. Dem Gcschichtforscher, bestimmte Beweise und genaue Angaben ungern vermissend, leuchten aus den Urkunden selbst so frühe Spuren ganz ausgezeichneten Ruhms entgegen; zu groß erscheint in achten Geschichten Timcna, die zärtliche männliche Frau; zu freudig wiehert, in Sagen und Liedern, Vabieca, das streitlustige Roß, um grausam abzusprechen, wo vieles die Zeit noch erklären, und ferneres Forschen zeigen dürfte, daß das Unerwiesene nicht immer unerweiölich bleibt. König Sancho von ganz Kastilien, der Starke, der Erstgeborne Fernando's, hatte schon als Kronprinz *) den Ruy Diaz mit ungemeiner Liebe und *) Dieses ist daraus erweislich, weil Sancho schon zwey Jahre vor oem Tode seines Bakers den Cid bey Grados wahrlich als Mann zur Seire harte. Risco hat, ohne dieses zu bedenken, die Aussage der Chronik: „wie Sancho den Cid zu sich genommen," auf das Jahr io 65 ., wo er den kastilischen Thron bestieg, ausgelegt. Dieser Mißgriff bewog ihn, in Zeiten Fernando's dem Cid alle Thärigkeir abzusprechen. Wie daß der gelehrte Mann vergaß, daß noch bey des Baters Leben auch Don Sancho König (van Celtibericn) hieß! Diese Berichtigung rettet eine Menge Ueberlieferungcn von dem Vorwurf der Unmöglichkeit, macht auch unnölhig, sein Geburtsjahr von 1026. über zwanzig Jahre Herders W.z. sch. Lit.u.Kunst.IIl. B L->- ttä. XVIII Der Cid. bald vollem Vertrauen sich zngeeignet. Nie als El Moktadir mit Zaragoza unter des Vaters Joch gebeugt* *), nie, als eben dieser Emir gegen Arra- gonien beschirmt wurde**), wich der Jüngling von der Seite seines königlichen Freunds. Da er den Thron bestieg, sezte Sancho über das ganze Heer ihn , den Campeador ***). weiter herabzusezen. Es ist eine, auch unter uns nicht unbekannte, Krankheit gelehrter Männer, bey der Entdeckung einer noch ungebrauchten. Quelle mit Wegwerfung alles bisher Angenommenen, besonders der Ueberlieferungen, anzufangen, sorgfältige Prüfung würde rathsamer seyn. *) Im Jahr rohg. Wenn, wie Risco selbst nicht läugnet Iio Lill ei äe Lider, Lues' L Uioäovir en los ruolinos pioar, L prsuller magrulas oomo Io luele lar', (Poeme 3390. s. f.1, so kann man des GOan- kens, daß er ursprünglich arm gewesen, sich nicht entwehren. **) In der Carte > 1 e er ras 107Ü., lg. July, gibt er der -kimena einige dreyßig Güter (sie ist bey Risco). st) Luit Lomo lormosus uimis et miles streuuus; Pelagius von Ovieäo bey Pagi orit. iu Laron, L07L., XIX» Der Cid. XXI der Oberherrschaft*). Billig wäre eine schöne Nutznießung jedem, das höchste der Staatsverwaltung, ihm dem Ersten geblieben. Sein Heer siegte (der Campeador trug das Banner) bey Plantada am Pi- suerga. Zum andernmal standen die Brüder in der Feldmark von Carrion, bey Golpejares, wider einander **); schon blieb Sanch'en keine Hoffnung als die Schnette seines Pferdes; da schlug der Cid siegtrun- kcne Feinde, Alfonso wurde gefangen. Schon zuvor siel in Galicien des andern Bruders Garcia unweise Regierung. Von Toro mußte Donna Elvira weichen. Der Ueberwinder legte sich vor Zamora, der andern Schwester Urraka gewaltige Stadt; vor deren Mauren der Cid Campeador, von sieben Be- panzcrten und acht Lcichtstreitenden zugleich angerannt, einen erschlug, zwei) nieberwarf, und durch den Schrecken seiner Ansicht und Waffen die übrigen zwölf in die eilfertigste Flucht gebracht ***); er, der den Vornehmsten von Pamplona, Linien« Garcez; er, der Fares von Medina, Celi, den mohammeda- *) Der Erstgeborne behauptete sie mit Recht; so hatte selbst Ludwig Pius getheilt; aber die Verhältnisse waren in den meisten Verfügungen unvollständig , oder nicht bestimmt. i d s Chronik Dl. i. die Schlachten in klau- rata st ViilpsAer», Pel 0 gi » s : Loopiliern» Erzbischof Rodrigo: iw Vulpecularla, "*) Chronik Dl. i. XXII Der Cid. Irischen Riesen, in auderweiten Kämpfen unter sein? Knie beugte *). Als vor Zamora König Sancho meuchelmörderisch erstochen, und sofort Alfonso, den der Cid vor acht Monaten schlug, auf den Thron berufen worden , wurde ec von dem neuen König mit größter Achtung empfangen**). Alfonso, der, wenn er wollte, sehr gut verstand König zu seyn, ehrte so des grossen DicnstmannS jetzt Ihm heilige Treu, daß er sich alle Mühe gab, sich denselben ganz zuzueignen. Er gab ihm die Hand seiner Nichte, Donna ikimena, welche Elvira, zweptc Schwester des letzten Ironischen Königs, dem Statthalter Asturiens, Grafen Diego, gebar ***); nicht weniger durch Schönheit glan- *) Ebendieselbe. Diese Begebenheiten sind etwas später. **) Er soll im Namen der Stände Kastiliens ihm über Sancho's Ermordung einen Neinigungseid mit so eindringlichem Ernst vorgelssen haben, daß Alfonso erschü.terr und beleidiget ward. So die Romanzen. Eids Chronik K. i. hat es nicht. Es wird von Geschichtschreibern, aber nicht als gewiß, erzählt. ***) Bey Riscodie Eliaria a r r e st aru NI lg. July IN 7 Ü» lilZo R.o6.erieo Oitiar; Zeenrena, kilia Oicl-lgn llueis cle terra Lsturiensis (daher in der Chronik r. von Oviedo genannt). Unterzeichnet von Alfonso, Urraca und Helvira, seinen Schwestern, eunr iratribus (unachten? oder Brüdern Eids, oder der Limena, die allerdings Der Cid. ^xur .zend * *), als durch alle Tugenden einer großen Frau. Also glorreich begleitete Cid Ruy Diaz den König auf der Wallfahrt nach Oviedo**). Da saß mit Wenigen Er über große Streitfragen als Richter ***); er machte, daß der Weg des Rechts vorgezogen wurde ch): Wer wollte Zweykampf stehen dem Campeadors-ch)! Solchermaßen, und noch durch Steuersreyheit für Vivar schch) geehrt, wurde er von dem König an die arabischen Fürsten von Cordova und Sevilla gesandt, welche um den kastilianischen Schirm Tribut mehrere hatte?). Im Uebrigen führt Sandoval für diese Heyrath und Abstammung , außer B i- sch o f P e l e r s C h r o nik (N. i.), auch eine kastilianische Urkunde an. *) Oecor pnlsllriruäiuis ist in der Urkunde. *') Nach St. Salvador's Domkirche, im Frühling ***) In Sachen Arias, Bischofs zu Oviedo, des Grasen von Vela und desselben Bruders Bermudo Ovequiz, über ein Kloster zu Laute; Urkunde am Ende Marz >075.; bey Risco. st) In Sachen des Königs gegen die Iiikauroues äel coicsjo äs Imngrso; März. Die Urkunde ebendas. sch) Der König nennt ihn so. U rkunde für Abt ILsiuius, seinen Wetter Läslksnsus Inr- xeraior kkispauiae) ; bey Risco. Risco. Bestätiget bis zur Zeit Philipps V. XXIV Der Cid. gaben*). Er fand El Motamed, den sevillilche» Fürsten, in großer Gefahr, von Abdallah, Sohn Modafser's, Fürsten von Granada, dessen Großvater Malaga erobert**), und welcher viele sehr vornehme christliche Ritter in Sold hatte***), überwältiget zu werden. Der Campeador, sofort, mahnte ab, von Krieg wider die Schirmgenossen Kastiliens; vergeblich. Sie sielen verwüstend in das Cordova- nische. Wo in der Feldmark von Monturque der Weg von Aguilar sich nach Lucena und Cabra theilt, und der Stein des Cid bis auf uns genannt *) Der Fürst von Cordova, Abbad, Sohn des Fürsten El Motamed Mchamcd, Sohn Abbad, von Sevilla, war um diese Zeit umgebracht worden; stehe AbuBekr et Kodj von Valencia bey Casiri Libl. Arad, llisp. t. H. x. (Er muß ein Kind gewesen seyn; der Vater war erst 36 Jahre alt). Die Chronik dl. r. nennt den Fürsten von Sevilla Moktemir; wir folgen lieber den Arabern. **) Badis el Hadsheb cl Modaffer; Abulfeda. Er starb 1072; da folgte -sein Enkel; Balkin, sein Sohn, starb wohl vor ihm. Die Chronik dl. r. nennt den Enkel auch el Modaffer. *»») Chronik dl. c. Garcia Ordonniz; Fortun und Lope (Dupus) Sanchez, Brüder, deren elfterer die Tochter Königs Garcia (ff. robh.) von Navarra hatte, Diego Perez (keelrir) vom kastilia- nischen Hofe. -»V D - r Cid. XXV wird*), schlug er Granada in dreystündiger Schlacht, und wurde» die Ritter von ihm gefangen. Hierauf suchte Cid, wie Casar**), einen cdlern Sieg durch Güte, indem er am dritten Tag die Gefangenen frey ließ. Dafür fühlten die nichts, welche das größte Unrecht hatten, seine Anverwandte ***), Diener seines Königs. Von dem an wurde er, anfangs ohne Erfolg, bey Alfonso verlaumdet. Es war aber Cid bey seiner Geradheit, bey seiner strengen Tugend, ein groß- müthiger, guter Mann, unbeugsam, hochgesinnt, Verächter des weichlichen Lebens; der Ernst seiner Züge, sein breiter langer Bart-fl erweckte nur Ehrfurcht und Scheu; einen Ersten Freund, Alvaro Fanez Minaya, Waffenbruder, in Freud und Leid ihin treu, seine Timcna und seine Kinder liebte er; das Hofleben war nicht seine Sache. Im nächsten Jahr als der König wider die Ungläubigen in Süd ausgezogen, zogen feindliche *) Man sehe auf demselben Merkmale einer Burg. Li i sc o. *') Siehe den vortrefflichen Brief an Oppius und Balhus. ***) Besonders Garcia Ordonniz, der in dem Heyrathsbriese für -kimena sein Bürge (liäejnssorf gewesen, und, wie das koorna zeigt, von nun an bis er starb, sein bitterster Feind wurde, f-) Er ist berühmt; Risco hat vor seiner Geschichte das männlich schöne Bild. -Ich) r«77. XXVI Der Cid. Schaaren aus Arragoniens Gegend über den Duero wider Gormaz, die Burg. Der Campeador, von einer Krankheit erstanden, schlug diese. Aus dem Rückzug nahm er von ihren Glaubensgenossen die Rache; siebentausend Menschen mit all ihrem Gut führte er aus dem Toletanischcn weg. Der Vater des Fürsten von Toledo, Almamun Jahia, Sohn Di'l Nun's, aus afrikanischem Geschlecht*) , war in Königs Alsonso unglücklicher Jugend sein Gastfreund und hatte dessen Wort, seinen Sohn zu schonen. Die Feinde Cid's Key Hofe, stellten vor, „wie der Stolze, Neidische, damit nur Alsonso nicht ,,ohne ihn siege, Toledo ohne Befehl zum Kriege „gereizt, um den König zum Rückzug zu nölhigen." Deswegen, oder weil er friedbrüchig, oder ohne Befehl gehandelt, wurde ihm auserlegt, Kastilien auf eine Zeitlang zu verlassen**). Geblendet, seit ec König ward, von ungetrübtem Glück, durch allzu lauten Ruf der Thaten Cid's etwa beleidiget, hielt Al- *)Abulfeda, mit Cafiri's Quellen einig. Er starb 1076. **) Die Romanze: auf Ein Jahr; vier habe er genommen. In der Thar blieb er in das zwölfte Jahr abwesend (nach der Chronik); aber diese Maaßregel scheint wirklich nicht eben Folge wahrer bitterer Ungnade gewesen zu seyn; der König mochte nützlich finden, daß er dort sich aufhalte; sein Vasall war von Arragonien bedrohet. Der Cid. XXVII fonfo für gleichgültig und erleichternd, einen solchen Mann nicht um sich zu haben. Der Cid nach alter Freundschaft, aus den Zeiten der vorigen Könige, begab sich nach Zaragoza. Ahmed el Muktadir nahm ihn freundlich auf, und lehrte feinen Sohn, in diesem Mann die Stütze ihres Reichs verehren. Daher, als der Greis zu seinen Vätern ging, Joseph el Muktamam die ganze Herrschaft von dem Cid verwalten ließ*). Weislich: denn bald überzog ihn El Fagib, sein Bruder, unzufrieden, daß ihm der Vater nur Denia gab**); mit ihm Kpnig Sancho von Arragonien und Navarra ***) Bcrenguel Ramon, Graf zu Barcellona, und viele Mächtige des Gebirges-f). Gerecht, als für Kastiliens Schirmverwandten, aber traurig, weil *) Dieser Emir herrschte von 1081 . bis ic>85. *") Ein ziemlich weit entferntes Reich; aber die za- ragozische Dienstmannschaft gieng nahe bis Valencia o s und wir wissen, daß der Emir von Sahlat ein weiser fricdsamer Fürst war (Abulfeda^; daher der alte Muktadir in einer der vielen Unruhen Denia wohl einnehmen mochte. *") Des"a»63. bey Grados, nicht ohne Eids Verwirkung, unglücklichen Don Ramir's Sohn. st) Die Grafen von Cardena foder ist Eardaviesis der von Cerdaigne?>, der Bruder des Grafen von Urgel, die Gewalthaber zkotestntes) von Roussillon lKovionensis), Lampourdan (lmxur- äensis) -und Ausena» XXVIII Der Cid. zwischen Brüdern, schwer, und bey feindlicher Ueber- macht blutig, schien dieser Krieg dem Cid : aber seine Nachgiebigkeit erhöhete den Trotz. Da schlug er die sichern *). Wiele der Großen und Graf Berenguel, des Heers Führer, sielen in seine Hand; am fünften Tag entließ er sie. Sancho, der König, hat hier nicht gestritten. - Sein Stolz (den Cid vergeblich schonte) wurde nachmals in den Bergen von Morclla durch den Verlust einer größern Schlacht gebeugt**); wo derCampeador zweylausendGefangenegemacht, und (er, unermüdlich edel) frey gab***). Aber Moktamam, an Gold, Silber, mit aller mor- gcnlandischen Pracht, noch mehr durch Ehrfurcht und Liebe dankbar, er und die ganze Stadt Zaragoza zogen dem Sieger mit Freudengcschrcy mehrere Stunden weit entgegen. Bald nach diesem starb der Fürst; sein Sohn, Achmed der Zweyte el - Mostain- billah, wurde Emir an seine Statt s). *) Schlacht bey Almenara zwischen dem Cinge und Segre. *') Schlacht bey Alcala di Morelle unfern der Mündungen des Ebro. ***) Raimund Dalmaz Bischof zu Roda, Graf Sancho Sanchez von Pamplona, Graf Nunno von Portugal, Nunno Suarez (Suarii) von Leon, Anaya Suarez aus Galicien, Blasco Garcez Ob risrh o fm e i st e r. Man sieht die mannigfalte Zusammensetzung. s) Bon >o35. bis irog.; A b u l se d a. Der Cid. XXIX Alles dieses vernahm König Alfonso nicht ohne Bewunderung. In einer traurigen Zeit, als Jbn Falak, der vielfältige Berrathec *), ihm viele vortreffliche Ritter gemordet**), hatte er Cid wicdergc- schen, und leicht versöhnt; nur die Gewalt seiner hinterlistigen Feinde mied er ff). Doch als dem Kö-^ nig das Glück wieder lachte, als die Eroberung der *) Zuerst an dem Emir Mostaln-billah, dem er mit kastilischer Hülfe Adasir seinen Oheim entgegensetzen wollte; als dieser plötzlich starb, an dem König von Kastalien, Um sich den Emir wieder zu söhnen. Rueda am Talon war die Burg des Verrälhers (Ferreras). Die maurische Chronik bey Bombay macht aus dem Vorfall einen förmlichen heftigen Krieg wider Zaragoza, scheint aber aus unserer K. r. die älter und naher war, zu berichtigen. **) Unter andern den Jnfanten Don Ramir, den Ferreras für Eids Eidam hält (mir dem Stillschweigen der CH ro ni k lV. r., mildem Poem und den Jahren unvereinbarlich). Eben so zählt er Gonzalo von Salvadores, welcher im Poem weit später vorkommt, und Nunnez von Lara'unter die Tobten. ff) Zusammenkunft zu Ludela, welche die Chronik N. i. erzählt; vermuthlich als diese damals noch maurische Stadt mit französischer Hülse von dem König belagert wurde. (Urkunde bey Pagi 1064. XVI.). XXX Der Cid. eilten Hauptstadt von ganz Spanien *) den Ruhm seines Namens über alle seine Vorfahren erhob, blieb Cid, vernachlaßiget, in Zaragoza. Da erhob sich Joseph, Sohn Teschfin's, der Lemtunc, der Morabeke, der mächtigste König von Afrika, für die Rache und Erhaltung des Glaubens und Reichs der Araber in Spanien. Von Alters her wanderle in Sahra, der unermeßlichen Wüste, das Volk der Lemtunen; mit Brod wenig, mit Mohammeds Gescz unvollständig, mit Bezähmung der Begierden eben nicht sehr bekannt, sonst gut, empfänglich; groß "unter jenem König, der einst, mit tausend Kameelen umgeben, zwanzig Fürsten der Schwarzen beherrschte **). Diesen und alle benachbarten Stamme bewegte der feurige Lehrer Abdallah, Dieser befahl dem Campcador, Halahet, eine von dem Feinde sehr geangstigte, wichtige Burg, zu entsetzen. Es pflegte aber Don Rodrigo den Krieg nicht so mit Ungestüm als mit Ueberlegung zu führen. Ec wollte nicht, nach seiner Feinde Wunsch, durch tollkühnes Vorrüchen seiner wenigen Mannschaft, den Ruhm der Unüberwindbarkeit verlieren. Da er Vereinigung der Heere vorschlug, wurde von dem Hofe ganz ein anderer Marsch vorgeschlagen als befolgt **). Der Cid, betroffen, betrübt (er erkannte den Hofkriegsrath) ritt mit wenigen aus dem Lager, bis er *) Nach Abulhassan» ") Der König rückte nicht so weit vor. Eine Urkunde von 25 . Nov» loög für S. Millan, batikt er von dem Lager auf dem -Berge Aragon zu Eonchilla (das wohl Chinchilla ist, wo man aus dem kastilischen Lande nach Murcia zieht). Sie ist bey Risco. Der Cid. XXXV zu Molina vernahm, daß der Sohn Teschsin's, durch Gerüchte betrogen, oder überdrüßig, von Halahet über Lorca nach Almena gezogen, und sich in die Schiffe begeben habe *). Don Rodrigö, zurück. Aber Alfonsen wurde vorgebildet, um welchen ruhmvollen Sieg er ihn gebracht; Unterthans-, Dicnst- manns Pflicht verschmähe er; als Cid Campeador, für eigenen Ruhm und Vortheil, wisse er zu streiten. Der Grimm entbrannte. „So misse er „denn, was er von d^r Krone hat! Weib, Kostbarkeiten , Geld, was hat er als von mir !" Die Güter wurden eingezogen, Donna TimeNa Und ihre Töchter gefangen. Cid, als er im Lager **) das Unglück vernahm, sandte nacheinander vier Protestationen seiner Schuldlosigkeit, und Mannen, bereit im Zweykampf sie zu erhärten. Der König, weil er die Wahrheit ungern selbst fühlte, und weil niemand sich wagte, enthielt sich zu antworten; Donna L'i- mena ließ er frey. Der Cid, verstoßen, geplündert, zurückgewor- feN auf sich, nun da er frey und für sich stritt, wurde glücklicher und größer als je zuvor. Nachdem er den Winter im Lager zugcbracht, ritt er die Küste *) Bey Elso; Ehronik vl. r. Elche in Valencia? Darum wagen wir nicht, sine in den Romanzen und im Poem geschilderte Flucht hieher zu setzen. Denn da floh er über Burgos. **) Sie begab sich mit ihrer Familie nach S. Peter von Cardenü. Dodt finden wir sie wieder. C L XXXVI -Der Cid. hinauf. Zu Polop, an einem durch Natur und Kunst festen Ort *), fand er die Zuflucht einer grossen Gegend, eine Höhle voll Geld, voll ^seidener und sonst reicher Stoffe. Als er hierauf Ondara festete, besorgte man zu Demo die Erinnerung voriger Feindschaft, und erwarb Friede. Dessen erschrack Valencia, und El-Kadir-billah gab großes Geld, um rubig zu bleiben. Der Schrecken des Eid Camveadoc lag schwer über den Großen des Landes; so daß der Treulose von Denia keines Hutes schonte, um Navarra, Arragenien, Zaragoza, Urgei und Barccllona zu Vertilgung dieses einigen Ritters zu waffnen. König Sancho und Ermengald, Graf zu Urgel, wiesen es von sich; Berenguel'n gefiel Geld und Rache, und Mosta'in, der Undankbare, mcynte, ob man dadurch nicht Alfonso einen Gefallen erweisen, ob ec es nicht unterstützen würde! Sie sahen Alfonso; er weigerte sich. So, zornig, gierig und bang, umstanden sic, wie einen Löwen, den Eid, welcher nach langem Aufenthalte zu Burriana die Küste verließ. In die schönen Berge bey Mvrella zog er, und m das Gebirge, welches den Ebro in die See begleitet. Er, nicht unwissend, schwieg. Sie, begierig, seine Stimmung zu erforschen, versuchten List. Ei Mvstarn, der alte Freund, schrieb an ihn im Vertrauen, von des Grafen Berenguel erstaunlichen Rüstungen und Verbindungen,^ seinem Zorn, seinem grossen Plan. Auf dieses erwartete er Bitte um Ver- *) Unwert Bsnidorme, nun im Reich Valencia. Der Eid. XXXVII mittlung,, Vcrglcichsvorfchläge. Cid, in der Antwort, gab scherzhaft zu erkennen, daß er den erschrecklichen Grafen zu erwarten gedenke. Da brach von Kalamoxa der Bcrcnquel wüthcnd auf. Er sah den Eid auf einem hohen Berge (noch tragt der Berg den unsterblichen Namen *), in einer Stellung, die nicht zu übcrhohen, noch zu überflügeln schien. „Aufgebracht," schrieb der Graf, „ausser mir, über dem „Schimpf des Briefes an Mostai'n, bi» ich hier, „zum Streit, mit Macht, mit Much. Steige her- „ab; versuche das Feld. Sind Adler, Geyer, „Raben **), deine Götter? Steige herab, „Campeador, wenn du der bist. Wo nicht, „Prahler, .Lügner ***), so wisse, ich weiche nicht, „endlich sollst aufgcricben werden ch)." Und das war die Antwort: „Um dein und deiner Freunde „ruhmrediges Weibergcklatsch, zu Kalatayub und *) Immens,inr blsb'ntinrnm montsnr der Chronik dl. ,. halten wir für die in allen Charten bezeichnet!, Usnnu äel Oiä, wo der Weg von Calamoxa gerade hin führr. Letzteres Ort lag in der Albarracinschen Herrschaft; wir wissen nicht, ob auch der Berg? oder ob dieser zarago- zisch war? ") dlisi , Cornelias. Risco: cornejns, Anvi'lnnes. esmerejones. *") Eastilisch, alsvoso; französisch, danrackor. s ) lUanäem kncism äs is slUoror. Man sieht, wie das Arabische in die Landesmundarr überging. XXXVIII Der Cid. „weiter, konnte ich euch für keine mannhaften Rit- ,,ker halten. Voran, Graf Berenguel! Du sollst „mich auf einer Ebene finden. Scheue nicht die „Kosten des Marsches zu mir; du sollst bezahlt wer- „den, o du lügenhafter Verlaumder *)!" Hierauf ließ Cid durch einen verstellten Ueberläufer dem Grafen beybringcn, daß er in der folgenden Nacht auszubrechen und sich in unzugängliche Gegenden des Hochgebirges zurückzuziehen gedenke. Der GrafV ein von sich zu groß, vom Feinde zu gering denkender Mann, in Besorgniß der Sieg möchte ihm entgehen, theilte sich; so daß eine Division durch Bergpfade sich hinauf in Pässe hinter dem feindlichen Lager erhob, er selbst zum Angriff auhnarschirte; alles dem Cid, welcher ihn kannte, nicht unerwartet. Also wurden kie, welche den Berg erstiegen, von einem Hinterhalt empfangen **); er von dem Feind, den er fliehend glaubte, schnell, gewaltig, überrascht, übermannt, mit seinen Alliirten und fünf tausend Mann gefangen, der Troß, die ganze Pracht seines *) ()uoä keci alevs sä korum 6 urteil se cu>n brni- ria sä kornna Oulliue sey erlöge». *") Girald kommandirre die Hinaufsteigenden, Bruder eines (damals wohl) berühmten Wilhelms des Normannen; doch entweder nicht dessen, der England erobert, auch nicht Wilhelms ll. (wie sollle die Kronik des Königthums nicht erwähnt haben!); vielleicht ein sonst nicht bekannter Bastard des erster». Wenn nicht Llaman für Nor-. mande zu lesen ist. Der Cid. XXXIX Lagers, erbeutet *). Der Cid, von einem Fall etwas verwundet, sciß in seinem Zelt; er wollte den Mann nicht sehen; Befehl gab er, ihn vortrefflich zu bewirthen. Aber Verenguel, in dem Jammer solcher Erniedrigung, wollte keine Labung; drei) Tage enthielt er sich aller Nahrung: bis der Sieger, überwunden, großmüthig und freundlich Freyhcit und Heimkunft ihm in der Nahe zeigte **). Hierauf erfreute Verenguel'n Speise. Als die Herren über die Lösung eins geworden ***), wurden die Gefangenen auf ihr Wort entlassen. Bald brachten sie, was möglich,, dar; für das Uebrige, Geisel. Da erließ der Sieger den Rest. Sie, entzückt, schwuren, ec soll ihr Herr seyn, ihr Cid. Hierauf nach einigen Monaten erkrankte er zu Daroca; da sandte er nach Zaragoza um Arzncy. Seine Männer fanden bey Emir Mostai'n auch Grafen Berenguel und seine katalanischen Ritter. Herzlich redete dieser mit ihnen, bis er sie gewann, zu erwerben, daß der Cid, Campeador, von nun an sein *) Nach der Chronik bl. i., deren Erzählung etwas verworren ist, daher wir gewählt, was das passendeste scheint. So das Po emo» ) 80,000 Mark des Goldes von Valencia. Sollte die Zahl in der Chronik nicht verschrieben seyn? Wir glauben, es waien 8000. Freund sc». Ein cdlcr Feind war Cid gern; schwerer war, dass er Freundschaft gab. Aber er wurde von seinen Mannen bezwungen. Wie freute sich Graf Berenguei! so daß er alsobald sich aufmachte, zu ihm zog, voll Vertrauen ihm seine Gedanken mittheüre, und Catalonien dringend seinem Schutze empfahl *). Von dem an, in der Welt getrost, bc, reitcte Graf Berenguel mit seinem Freunde von Toulouse **) den Jug zu dem Grab Christi; sie starben in dem heiligen Lande. Don Rodrigo aber, getreu dem Plane, das Reich Valencia der Nation und Religion zu gewinnen , lag vor der Stadt Liria. Au derselben Zeit eroberte in Südspanien der Fürst der Gläubigen Joseph, Sohn Teschfins, in anderthalb Jahren fünf Königreiche, die er zum Hheil castilianischem Schirm entriß ***). Da König Alfonso in denMoh- rcnkrieg zog st), schrieb Costanza von Burgund, seine Gemahlin, auch dem Cid, „es würde gut auf- *) Die Chronik. Es geschah iogi. **) Wilhelm dem Allerchristlichsten. rogn zogen sie hin und starben in dem folgenden Jahr; llrt äs verikier las stures, ***) Ab ulhassan A li; oben lV, 6 g. st) Urkunde der Donna Mayor, 12. Juny iog2 bey Riseo; der einzige diplomatische Beweis dieses Feldzuges. D er Ci d. XDI genommen werden, wenn er ihm zu Hülfe eilte." Er sofort von Liria durch das Land Cucnca, die Mancha, über Baeza, über Jaen, bis wo er den König fand, zu Markos im Cordovifchen *). Der Herr, gerührt, empfing den Ritter ehrenvoll; doch siegte der Edelmuth nicht über Misstrauen und Neid. Granada zu ging der Marsch; aus dieser, durch tausend und dreyßig Thürmc und doppelte Mauer festen Stadt war der Emir Abdallah durch den Sohn Teschfins gefangen weggcführt worden **). Der König lag auf dem Elvirengcbirg ***), in der Ebene vor ihm der Cid. Dieses gleich schicklich und muth- voll gewählte Lager mißfiel: „kühner seyn zu wollen „als der König, sey herabsetzender Trotz." Als nichts vom Feind zu fürchten schien, wurde abgebrochen, Rückzug verordnet. In der vom Quadalqui- vir -f) bewässerten fruchtbaren Ebene, im Hauptquartier zu Ubeda, redete Alfonfo hart mit dem Cid, als der ihm kein Verbrechen anfchuldigen konnte, aber von gereizter Empfindlichkeit eine unschickliche Aeusse- ch So die Chronik k§. i. Nun wird diese Stadt unter Jaen gerechnet. **) A b u l h a ssa n. So that Joseph auch dem Fürsten zu Malaga, dessen Bruder. Bey Libriella (Chronik) auf der Sierra d'El- vira (Risco). st) El Chavrr in der Chronik; richtig; Guada ist Fluß. XllI Der Cid. rung hoffte, um ihn wegen verlezter Majestät gefangen zu nehmen. Der Cid gebot sich; schtvscg. Nachts brach er auf, mit wenigen, den Getreusten. So, von den meisten verlassen und mit allem schlecht versehen, floh Don Rodrigo, wie David vor Saul. Hierin war er dem hebräischen Helden auch vormals gleich, daß er, seinem Gott und Volk eben so treu, Sicherheit bey den Ungläubigen suchen mußte. Nach Burgos kam er *); sie sahen den Cam- peador mit scheuer Ehrfurcht, stummer Trauer; des Königs Briefe verfolgten ihn; er wurde nicht gegrüßt , nicht bcwirkhet, noch unterstützt. Lager am Flusse Arlanzon ; gänzlicher Mangel des Nökhigstcn; und er hatte für seine Freunde, für Timen'en, die Töchter und für Lanzen zu sorgen, durch die er in weitem Marsch durch fremdes Land sich Luft machen und nähren möge. Da half durch schnelle List Marlin Antolinez. In dieser Nacht wurde Achill bewogen , Ulysses zu werden. Kisten schwer von Sand, *) Hier die Erzählung, mit welcher das Fragment vom poeina (höchst interessant) beginnt; wir bringen sie hie bey, weil bey der vorigen Ungnade ausdrücklich in der Chronik steht, „er „sey im Lager zu Elsa geblieben." Siezwar scheint auch diesem Umweg nicht günstig. Doch, wenn die Scenen des Poems und der Sage irgend passend, hier am besten. Er mochte dem kürzer,: Weg nicht trauen; auch die Gelingen wieder sehen wollen. Der Cid. XI-III in Jahresfrist erst zu eröffnen, wurden^ als der Schatz des Cid Campcador, um sechshundert Mark Silber an Juden verpfändet. Er traute seinem Glück, daß hiebey niemand verlieren würde. Jetzt nach S, Peter von Cardena, wo die Seinigcn waren, die starkmüthige Timena, Sol und Elvira, die holden Jungfrauen. Sofort nachdem sie angebetet, empfahl er sie dem heiligen Ort. Castilien aber bewegte sich; dreyhundert Lanzen *), die Acht verschmähend , eilten zu der Fahne des Unüberwindlichen. Ernst, jedoch freudig, über die Landmark **), über den Duero. Zum ersten wurde Castejon geplündert, nach Beuterccht froh getheilt ***). Als-' dann wurden die Männer der Feste Alcocer durch verstellte Flucht gelockt, bis, als der Hinterhalt ihnen ihre Stadt ablief, Cid sich zu ihrem Untergange wandte. Da siel große Furcht auf Kalatajub, und erzitterte ganz Tcrucl; Voten des Schreckens hinunter nach Valencia. Nicht mehr zum Friedenskau- fcr, dem Emir Kadir-el-Billah; ihn ermordete Abud- shjafar der Kadi ff), nun gewaltig durch den afri- toäas einen pennones, u k> SIN n, **) kasso x»r ^llsnliiella <^ue üe LasrieUn Ln es ^ a; e b. das. E") Hundert Mark dem Reuter, fünfzig dem Fußknecht, ioLn la ^ninia a inio Liel kincads. (ihm immer ein Fünftheil > eb. das. ff) Erz bisch v f Ro de ri ch von Loledo. XI.IV Der Cid. kanischen Schutz. Drei) Fürsten sandte er zum Kampf mit dem Camveador. Diese Feldschlachl war die erste, worin er auf der Flucht, allein durch sich, mit wenigen, vollkommen siegte. Drenfig reich verzierte, hohe Sweuroffe brachte Minaya, der Freund, zu dem König Alfomo; der, erstaunt über die Treu mehr, als den Muth, nun frcy gab, wenn einer oder viele in Cid's Krieg ziehen wolle *). Wahrend ec zu Morella, in einer guten festen Gegend, überwinterte **), erdachten die Feinde eine sehr geschickte Verrathercy zu seiner Vernichtung. Nicht weit von den Gränzen Arragoniens und Na- varcens, (diese Königreiche waren vereinigt unter Don Sancho, seinem alten Feinde,) nicht weit von der Gegend Castilicns, welche sein bitterster Feind, Garcia Ordonniz, in Verwaltung hakte, und nahe der zaragozischen Herrschaft Mostams des Treulosen, liegt eine nicht unbedeutende Stadt, Namens Borja ***). Dahin sollte durch verstellte Unterhandlung , als ob der Vorsteher den Ort ihm übergeben wollte, Cid gelockt werden. Einsmals wurde er von Mostain dringend ersucht, nach Zaragoza zu kommen , weil der Emir von Don Sancho zu fürchten *) Dieses alles nach dem ko eins beschrieben. ") Dieses nach der Chronik bl. r. *") Nicht zu verwechseln mit dem nähern Borjas, da die Chronik unser oaslriim LorZuo ausdrücklich in die Nachbarschaft von Ludela setzt. Der Eid. XI.V bekam *). Er, unargwöhnisch, hin. Sein Blick erkannte schnell, daß Mostaiins Herz nicht offen sey- Nicht lang blieb der Plan ihm verborgen. Wie immer wer aus Schwache böse ist, Mofttan bebte. Eid aber von fürbittenden Freunden umgeben, gedachte des Großvaters und Katers, und sah ihn. Dann marschirte er den Weg, welchen er einst von Almenara triumphirend heimzog. In den Bergen bey Fraga, an der Wüste Aragoniens, fand er den König Don Sancho, der, als er ihn sah, den Groll fallen ließ: also, daß der Campeador auch für Mostaän Friede erwarb. Nachdem er Ungläubigen die Reue so gelohnt, plötzlich fiel er ein bey dem Urheber seiner Unfälle, Garcia Ordonniz, seinem Vetter. Ealahorra, Logronno, Naxera, Alfaro, in schnellem Sturm erobert, Flammen in ganz Rioja, die Flucht der geplünderten Menge, alles, rief zu dem Grafen um Rettung "). Sieben Tage gab der Cid, auf daß Ordonniz auf sey zur Schlacht. Weit und breit ***) ergieng die Mahnung: aber als die Don Sancho wollte sich des Anlasses bedienen, da er Mostatn gegen Cid in großer Verlegenheit glauben mußte, und das Glück des wider ihn gemachten Plans, mit Recht bezweifelte. Siehe N. 27. ") Es ist keine Spur, daß jemals Alfonso ihm dieses vorgehalten; es ist aber auch nicht bekannt, was in Rioja dem Ordonniz eigen, wie überhaupt sein Berhaltniß darüber zu dem Könige war. *") Von Pamplona bis Zamors. » XI. VI Der Cid. Macht versammelt war, fehlte ihm der Muth; worauf Cid, in Ecbarmung der Landschaft, allein mit dem Herbst der Weinberge *) nach Zaragoza zurückzog. Im nächstem Frühling **) bekam er Nachricht, wie, nach der Einnahme von Dcnia, von Tativa ***) die ganze Ostküste von der morabetischen Macht unaufhaltbar überschwemmt, und was in vierthalbhun- dert Jahren so viele Helden befreyt, aufs neue mit Sklaverey bedrohet werde; hievon sey Hauptursache, daß der Fürst von Valencia die Mvrabcten ausgenommen und ihnen ein Blutbad der daselbst wohnenden Christen erlaubt habe ch). Da machte Cid sich auf, mit etwa vierthalbkausend Lanzen chch), und sezte sich zu Cebvlla, welcher Ort auf einem Hügel, ein paar Stunden von der Stadt, nahe an der See liegt. Valencia war mit seinen Mandelbaumen, war mit Gärten -f-f-f) und arabischen Landhäusern ') Bielleicht weit er unter Mohammedanern desselben entbehrte. ") ivgZ. Des Königs Zug sahen wir im Juni gs (Nro. gb); daß Cid zu Morella Weihnacht hielt, meldet die Chronik. *") Dombay's Ab ulhassan. Auch Segura gewann 2°seph> f) Chronik Nro. i. Zfs Poemü 36->o. lviirsn 1s Huerta, esxess es s Arsmk. Der Cid. XDVI! zierlich umgeben; durch die Fluren weit und breit lnchte die Aerndte. Diese ließ er durch seine Neitc- rey theils einsammeln, theils verwüsten, das Gar- lenftld, die Landhäuser, verbrennen. Da erbot Abudshjafar sich zu allem; nur daß er die Morabe- ten, Leute des Fürsten der Gläubigen, Lehrer und Muster des Volks, nicht entsernen dürft. Also führte Don Rodrigo zum Sturm; worauf bald mit großem Kriegsgeschrey die Neustadt erobert und unermeßlicher Rcichthum gewonnen ward. Als die Männer Cid's mit ihrer Wuth und ihrem Stoß auf Alcudia, der innern Stadt, schwächere Pforten zuprelltcn, wurde von der Mauer um Friede ge- schrien. Diesen Frieden gab der Cid im Anfang des July. „Die Morabeten legen die Waffen von sich, „ziehen aus, und halten sich vertheilt und ruhig, in den „Gemeinden *) bis Denia. Wenn inner vier Wochen „der Sohn Teschfins mit Macht erscheint, so wird „nach dem Kricgsglück entschieden; kommt er nicht, „so dient die Stadt Valencia dem Cid Campeador." Hierauf verprovianlirte er Cebolla und Pcnna- castel, haltbare Plätze, und schlug das Land Albar- racin, weil der Vorsteher, sein Dienstmann, den Emir Mostarn lud, alsdann im Rücken seine Feinde zu seyn, wenn ec Joseph den Morabeten in der Fronte wider sich habe. Die Last von fünf und achtzig Jahren beugte körperlich den Sohn Teschfins: aber alles Land von *) kusdlos. XDVIII Der Cid. Lisboa, von Denia, bis an die Goldbcrge jenseirs der Wüste, umfaßte er mit noch festem Blick, sein Afrika durchzog er jährlich. Die Menge der Könige diente ihm. Er hatte einen unglaublichen Schatz*). Dem Cid ließ er sage» , der Krieg wider Valencia müche ihn zu seinem Feind. Aber Cid bot ihm Trotz und machte den spanischen Königen Muth. Die Schaaren der Morabctcn ritten zusammen: Versorgung, Einschiffung, Marsch, waren langsam wegen der Zahl. Die Valencianer, da sie die Bewegung vernahmen, brachen ihr Wort, und verschlossen die Stadt. Erneuerung des Kriegs durch Abschneidung der Zufuhr, welches bcy einer der See so nahen Stadt meist langsam wirkt; aber Cid genoß das Land und schonte sein Volk. In dem neunten Monat **) stieg die Thcurung zur Hungers- noth; Ein Pferd nur und Abudshjafars Maulesel war übrig. Da erschien die Vortruppe des Mo.abe- tischcn Entsatzes. Allein die Stellung, die Schanzen , die Rüstung, die Haltung, die Majestät des Cid lahmte den Muth. Als nun den Erschöpften auch die Hoffnung verschwunden, Sturm; Eroberung der ganzen Stadt, und, jenseits der Guadalaviar- brückc *) Lo,ooo Centner goldene Dinars, ichos» an baarer Münze. Aber waren die Dinars nicht auch Münze? Der Uebersetzung fehlt eiwas. Wir schöpfen aus Herrn von Dombay Abulhassa n. **) Also im April ingü. Der Cid. XIAX brücke, des prächtigen Pattastes der vorigen Fürsten. Hundert und fünfzsi,tausend Mark gemünztes Gold und Silber *), die kostbarsten Gefäße, Edelsteine, Seidenstoffe, wurden vertheilt. Er sandte dem Abt von Cardena tausend Mark; er erfreute dieselben Hebräer **); hundert Pferde führte Minaya zu Alfonso dem König. Es knirschte der Hofneid, es murrete Ordonniz; der König sprach: „überhaupt dient mir „Cid weit besser als Ihr." , Mohammed aber, Schwesterfohn Josephs, des Fürsten der Gläubigen, zog in beschleunigten Marschen heran. Er lag mit unermeßlichem Heere ***) vor Valencia zehn Tage, hvhnsprechend, auffordernd; vergeblich, man schwieg. Die Morabeken, stolz und sicher, verbreiteten sich, das Land auszufressen: Bis, zu unerwarteter Stunde am eiisten Tag , das Ritterheer mit großem Geschrey und verhängtem Zügel einsiel, und dem versprengten Schwarm kaum Zeit ließ, mit Hinterlassung vieler Tobten und des reichen Lagers sich zerstreut in die schnellste Flucht zu werfen. *) Denn sein Fänftheil wird in dem Poem auf 3o,ooo geschätzt. **) Die Romanze spricht von ihrer Bezahlung. *') r5o,ooo zu Pferd, 3o,ooo zu Fuße, sagt (nach vergrößerter Schätzung) die Chronik. Herders W. z. sch. Lit» u. Kunst. IH. D Oer LA. Der Cid. I- Da kam Cid aufHolokau *) in Kadir's-el-Brl- lah fest gewölbte Schatzkammern, brachte zur Thei- lung hervor den alten Reichthum der Dilnune, was Kadir zu Toledo erpreßt, was Valencia ihn um die Liebe des Volks gebracht. Nachdem er die nächste Serra besetzt **), sandte er den Freund seines Herzens Alvaro Fanez Minaya, zu Einholung seiner Geliebten. Als Donna Timena, als die Jungfrauen Elvira und Sol - durch das rauhe Bcrgland von seinem edlen maurischen Freunde, Jbn Galvon, geleitet .***), alsdann umgeben von herrlichen Rittern -s) auf den gcschmücktesten Pferden -j-s) der Stadt nahe kamen , da sie auf Babieca^ dem bekannte,, Strcitroß -sJI-)- den Campcador > ernst und *) Chronik. Olokabit. Bier Stunden von Valencia. **) Einen dem eigentlichen Valencia wichtigen Paß. *") Poem. Er war Herr (lkl eajai) zu Molin» in der kastilischen Sierra. -s) 6bc>; Poe m, 's-s) lk petrales d eascaheles tet b eubstturss cle cenäales d cis escuäos lc los cuellos» Cid hatte gute cemlalvs äe ^äria) von der Fabrik adriUtischer Seestädte. sss) Ec> 61>l salid sobrel e armas arl>a, k'iro nun corricla, esta tue taü estrauä» Oes' Uia se prscvio LabieeL en ^iiant Arants lue Lspana, Der Cid. IT gut, große ThräneN rollen saßen in den ehrfutcht- gebietendcn Bart, sank die Frau , überwältigt vom Herzen, zu den Füßen des Vaters *). Wie da sie in dem erworbenen Erb, in der Fürsten Pallast, wechselweise die große Stadt, das schone Land, das weite Meer bewundernd sah **), bewundernder auf den den Blick heftete, der nicht durch Zufall, nicht durch Gunst, sondern groß ward durch Gott und sich! Da segnete sie Hieronymus, der treffliche Bischof, der Mann von Nach und von Mukb, sanft in Trost und Lehre, an Tagen der Schlacht durch That hervorleuchtend ***); ihn hatte Cid über seine Stadt zum Bischoft erkohren ft). *) Huando 1ü vid Lsnna XimtznL, d piss SS lö eslrada; lVistsech Lampsndok, eil k>uen ora siuxisstes espada u. s. ft lVlirän Valencia, sotns ^Lss 1a ciddad, L del' ötra parts L oio Iran sl inar: Liren las nianos pora Oios ro^ar Desra gananoia coinc» cs busna s Zrant» l)ö xie d de caValla inncliü erv Nreeiado; und siehe im Poem, wie er oer Unglauvigen Mit der Lanze zwey, fünf mit seinem Schwert gelobtet. ft) Aus Perigotd Wat er gebürtig (Ri fco); von Orient kam er dem Civ (Poem); vermUthlich aus dem h. Lande. D 2 Der Cid. DU Zu derselbigen Zeit starb Don Sancho, zu Ar- ragonicn und Navarra König; Don Pedron, sein Erstgebohrncr, welcher schon mit Königswürde So- brarbe und Ribagorza besaß, bestieg des Vaters zwey- fachen Thron. Da redeten die Großen von An'ago- nien mit ihm, daß er die Freundschaft des Campea- dor suche. Don Pedro an die Küste hinab; ste schwuren den lebenslänglichen Bund.. Mil einander zogen sic in die Gegend von Tativa, zwischen welcher und der See aus einem langen Bergrücken Mohammed, Josepbs Neffe, mit besseren Truppen eine vorzügliche Stellung hatte *); in der See waren seine Schiffe. Sobald die Afrikaner des Feindes ansichtig wurden, erhoben sie überlaut Allah Allah, welches Feldgeschrey in manches Heer Schrecken gebracht. Auch die Spanier wurden von Erstaunen ergriffen. Da sprengte Cid durch die Schaaren: „Alle, die „ihr sehet und höret, sind in unsere Hand gegeben „auf diesen Tag." Jndeß Minapa, der Freund und Held, auf einer Seite oder im Rücken , den Feind verwirrte, marschirtc Cid mit Pedro so unwiderstehlich, auf, daß Mohammed geworfen, sein Heil in den *) Diese und jene vorige Schlacht mag das Poem verwechselt haben, und laßt unter Valencia's Mauren eine (wohl jene erste) durch Joseph, diese zweyte, auch da, durch Bukar verlieren, welches weder der Chronik Eids nach der von Fes Zusagen will, und im Poem der Wirkung wegen so geordnet seyn mag. 1,111 Der Cid. Schiffen suchte. Diese, wegen Untiefen oder feindlicher Pfeile, hielten in einiger Ferne, und es blieb ungewiß, ob im Wasser mehr vergangen oder auf der Wahlstatt geblieben. Als das reiche Lager den Sieg belohnt *), eroberte Cid Mont Drnes, dem königlichen Freunde zum Geschenk.' Dem König von Castilien sandte er von der Beute, und zwcyhundert Pferde **). Da ließ Al- fonfo (so oft der Hof ihn nicht mißleitete, auch er keine gemeine Seele!) sich nicht halten, ihn zu besuche»; auf her Grenze zu Requenna sah er den Cid; er wandte sein Herz nie wieder von ihm. Jn- deß die Edlen sich ergossen, trieb im Finsternr,die Bosheit ihr Werk. Zwey Brüder, Grafen von H Das Feldherrn-Aelt habe Eid erhalten (äos teri- clales la sukrsn, oon oro so» labrallos), 3voa Mark an Gold und Silber. Er gab von seinem Fünftheil ein Aehntheil der Kirche, Poem. **) Alles, was hier folgt, ist aus dem Poem und aus den Romanzen. Wir geben der Sache ihren mit achter Historie vereinbarlichsten Ort, Nur möchte der Anfang etwas höher zu setzen, und Mohammeds zweyle Schlacht die seyn, welche die von Carrion gesehen haben sollen. Daß die wahrscheinlich zu Leon geschriebene Chronik Rro. I der schlechten Lhat leonischer Grafen nicht erwähnt, ist keine Widerlegung. Der Cid, DIV Carrion, hochgebohren, Königen gleich *), beschlossen, durch Hcyrath seiner Töchter den Neich- thum Cids in ihre Hönde zu bringen. Alfonso, arglos, wurde der Werber. Cids Genius (wenn innere Ahnung so genannt werden mag) sagte dem Antrag nicht ^zu ^ dem König wollte er nichts ab- chlagen . Die Jünglinge, stolz und niederträchtig, zogen mit einem heimtückischen Obeim nach Valencia. Aus Gehorsam (wann der Cid frei) handelte, dann war er glücklich), aus Rücksicht wurde die Heyrath geschlossen. -Die Jünglinge nach Valencia. Der Sittenlon voll Mannheit und Ernst, die Ordnung des Hauses, das tägliche Gespräch von Ritterkampf und Krieg, der tapferen Männer Unbekanntschaft mit weibischer Gefaltigkeitskunst, paßte i» ihre Art wenig. Also mit Donna Elvira und Donna Sol, mit großem Nejchthum den Cid erbeutet**), mit Kostbarkeiten, die das Andenken heiligte ***), *) Vs n-wur-r 3omos äs los sonäss mss Umpios. Ospiemos susnr son sijns äs kte^es d ätz Um- 2 >srsäores, **) ungefähr 8000 Mark, und hieinit meynten fix, ln Carrion gute Tage zu haben. ***) Das Poema muthet unserrn Glauben eine schwere Sache zu, wenn es erzählt, er habe die Ti- zona und Colada seine Schlachtschwerdter von sich gegeben — Leuten, die er als unkriegerisch kannte. Der Cid. I.VI begaben Diego und Fernando, die Jünglinge von Carrion, sich zurück in ihr Land. Sobald sie sich des Geleites entlediget und jedermann entfernt, in einer wilden Bergwüste, rissen sie den Frauen die Kleider vom Leibe, banden sie, schlugen sie, bis die Unwürdigkcit und der Schmer; ihre Stimmen erstickte. Nach vollbrachtem Bubenstück ritten sie nach Carrion, freuten sich des Gelbes, und frey zu seyn von Weibern, die ihres hohen Adels doch nicht werth gewesen seyn *). Aber der Campcador, zu erforschen, wie man zu Carrion seine Töchter halten würde, hatte einen Vertrauten heimlich nachgeschickt; diesen führte Geheul und Winseln zu Entdeckung des Jammers; die Unschuld wurde gerettet; sie kamen zu ihren Aeltern. Da berief König Alfonso (Cid forderte Recht) alle Dienstmannen von Leon und Castilien an ein hohes ^Landgericht in die Stadt Toledo. Auch Cid kam,> und mit großem Gefolge die Mörder. Der König trug vor **); es sprachen die Großen und Weisen. Rückgabe geboten sie der Kostbarkeiten und Schatze, und für den Schimpf ge- *) War nicht Ximena dem König verwandt? Führten sie ihren Mannsstamm gn die alten gothi- schen Könige hinauf? **) Die Foriget war: O^änie las ercuellss, «nienäes e inkanrones! Man erkennt die Lcliolns des spätern Römerreichs. UUWM^ I-VI D e r C i d. rechten Zweykampf der Jünglinge, mit Mannen, die Eid nennen würde. Sie suchten diesen abzulehnen; aber der König war für das Recht. Mit schlecht verstellter Scheu ritten sie in die Schranken; da kamen die Ritter des Cid, rannten sie und ihren .Oheim herunter; das entehrte Leben wurde ihnen gelassen. Von den öffentlichen Thatcn des Cid war die letzte jene, welche in Hannibals Leben die erste, die Eroberung von Sagunt; und nach dreyzehnhun- dertjahriqem Wandel der Dinge zeigten sich die Saguntiner der Vater würdig. Von der alten Maur, welche die treue Stadt umsing, wurde sie Murvie- dro genannt; noch heißt sie so. Groß war sie, und wohl auch durch des AltertbumS Glanz vor vielen anderen Städten ansehnlich *). Nachdem der Cid viele Städte bezwungen,^unversehens mit aller Macht stürmte er auf Murvicdro; fand Widerstand; härter setzte er zu; jeder neue Anfall zeugte von erneuerter Kraft. Da winkten sie ihm. „Es könne der Cam- „peador mit Billigkeit nicht begehren, daß eine weltberühmte löbliche Stadt auf den ersten Augenblick „ihre Freyheit hingebe; man habe hier von Alters „her eine andere Sitte; lieber als die Schmach tra- „gen, werden sie allesammt umkommen." Dceyßig Tage gab Cid; wahrend welcher Zeit alle benachbar- *) 1-rntus tsrnns in cognitione gentium; Chronik Rro. i. Der Cid. DVIi te Fürsten zu Hülfe gerufen wurden. Aber die mo- rabetischen Hauptleute zweifelten, ob der alte Joseph eine Heerfahrt unternehmen würde. Der Emir Mo- stajn wußte keinen andern Rath als übermenschliche Tapferkeit; er kenne Cid's beharrlichen Much *). Der Fürst von Albarlracin ließ ihnen sagen, daß er wider diesen Mann schlechterdings nichts vermöge. An dem castilianifchen Hof bekamen sie die Erklärung, daß Alfvnso ihre Stadt allezeit dem Cid lieber als Arabern gönnen werde. Nur mepnten die Rache Bcrenguel's des jungen, des katalanischen Grafen **), durch Belagerung von Oropeza eine Diversion zu machen, während welcher die Stadt sich versehen könne; doch schnell ergriff sie die Furcht. Mürviedro aber, in ungewissen Hoffnungen, und die Verspätung des letzten Tags natürlich wünschend, bat um Verlängerung des Waffenstillstandes.. „Auf „daß ihr erkennet," sprach der Cid, „wie wenig ich „von dem Entsatz eurer Könige fürchte, zwölf Tage „noch! Wisset, wenn ihr auch dann Umtriebe sucht, „so wird eure Stadt in Asche verwandelt, so fallt „ihr Durch die Scharfe des Schwerstes." Pfingsten kam, des Stillstands Ende, kein Entsatz, keine Hoffnung, noch der Much neuer Bitte. Da bedachte Cid, was es Bürgern'seyn muß, in die Vaterstadt, *) Homo cerviois et praolistor kortissimus. ")Des versöhnten Bcrenguel's Neffe und Nachfolger, aber in seinem dreyzehendep Jahr. / OVIII Der Cid. in ihre Häuser fremde Krieger einfallcn, ihr Eigenthum sich zueignen, ihre Ordnung, ihr Glück schmähen und zerstören zu sehen, gab von selbst noch über sechs Wochen *), damit sic mit ihren Weibern und Kindern und mit ihren Sachen gemächlich ausziehen können. Wann sein Arm die Bewaffneten überwunden, so bezwang seine Güte die Herzen **). Sie, gerührt, ehrfurchtsvoll, zogen von dannen. Solche, die blieben, um hinterlgssenes Gut für sich oder die Morabetcn zu rauben, wurden, da sie dasselbe nicht .gut machen konnten, mit Gefangniß bestraft. Don Rodrigo Diaz der Eid Eampeador, „der zu guter Stunde gebohrne, zu guter Stunde umgür- tcte Ritter ***-)," starh zu Valencia, im vierte» *) Wenn, wie wir glauben, Murviedro in dem logösten Jahr erobert wurde (Valencia eroberte Cid logst im April; im Juni starb DonSancho; wir nehmen die letzten Monate für den gemeinschaftlichen Zug mit Don Pedro; die ersten drey Monate »og5 für di? Belagerung von Almenara), so ist zu merken, daß Pfingsten am rZten May gewesen, und er. ihnen bis S. Johann Baptisten Zeit ließ. **) kpir Panda« bonitadis, np gmos srinis subsAip, olernendia mäßig vioerid; Roder ich San- chezBischofPalenzahey Risco. "*) So wird er im Poem hundertmal ohne Nennung seines Namens bezeichnet: Der Cid. I.IX Jahr nach dieser That, unserer Zeitrechnung in dem tausend neun und neunzigsten, in der ersten Hälfte des July ; ein in allen Zeiten und in beyderlky Glück sich selbst glcichgebliebencr Mann. In den letzten Jahren verwandelte er djc Moschee Key dem Pallast in Valencia in eine prächtige Kirche ; da glanzte sein Dank in reichen Denkmalen ***). Der Sultan von Persien (dazumal Borkejarok der Seld- schukidc) soll den großen Ritter des Abendlandes mit einer Gesandtschaft beehrt haben, die nicht weniger den Mann bewunderte, als die Einfalt seines Hau? ses f), Nach seinem Tod (sein Sohn Diego Royz > ei yue en dueu ora uaseo; ei c^us en imeu ora einxü espaäa. Chronik N. ;; Riscy, nach Uebereinstimmung der Nachrichten, am ro. July. Lbron, lVia- ieeeenes mit einfacher Würde: Iw Hispaiiiu apuii Valentisin kioäericur eenaes clekunctuo est, <1s guo uinxjirins iuctus Lliristianis iuit,, et Aoudiuiw iitinijeis puALiiis, l>iiro et -ieeoro opere ; Chronik N. i. "*) Ein Kelch von Gold, ibo Mark schweb; zwey seltene mit Gold und Seide gewirkte Guitarren. Unter den Vergebungen im S ri ft u n g s br i e? fe 1098 sind zwölf xarriliatus iulra terniieurn. lVIuri Veteri?. h) Die Chronik sagt es nicht; aber die Roman? ze. Durch Berenguel und andere Pilgrime, durch seine Verhältnisse mit Teschsinä mächtigem , Der Cid. I.X fiel vor ihm in einer Schlacht * *) wurde die Herrschaft unter Donna Amena zusammcngchalten **). In dem dritten Jahr ***) legten die Morabeten sich vor die Stadt; zu gewaltig schien denen die Macht, welchen der Unüberwundene fehlte: es kam auch der Sohn Teschsins nach Spanien, und blühete neu auf Sohne kann der Name in die Morgenlande gekommen seyn, und Fürsten des Orients haben oft aus andern als politischen Ursachen Gesandte geschickt. So daß dieses, wie die Abenteuer deren von Carrion, weder sicher noch unmöglich ist- *) Bey Consuegra in der Mancha; R i s c o. ") Vergabungsbrief derLimena 2r. Mai) leor (bey Risco ) l?er remecklum nmmas lio^ mini et viri .mei kkocierioi O am p i ck s t o. ris; äe meis urbibus et oustris; Koni Komi, ries mei kommen auch vor; auch Abgaben äe bal- neis cketeiiti? vel oakernis (Cisternen? Höhlen, wie zu Polop?), cle slkonäiois (Buden, Magazinen) , kurms, cke Hiss maximas et mimmas alcnbalss (Steuren von Kauf und Verkauf!)' Am verwunderlichsten ist, sie von mehreren (eunotis) kilüs et iiliabus reden zu hören. Wenn diese Ausdrücke im gemeinen Sinn zu nehmen sind, so müssen jene bald und unbeerbt gestorben seyn, da von ihnen keine weitere Spur ist- **') Im Oktober rior; Riseo. Der Eid. IXI in Abulhaffan Ali, seinem Sohn, dem er schwören ließ *). Da sandte die Frau den Bischof an den König Alfonso. Bey der Annäherung des Entsatzes entfernte sich der Feind. Aber was der Eine Mann gewann und sieben Jahre hielt, schien schwer zu behaupten für die Macht von Leon und Castilicn. Also zog **) Donna Timena mit ihren Töchtern, der Bischof Hieronymus ***), alle Ritter und Lanzen und Knechte des Eid, er, der Leichnam, man sagt in der gewohnten Rüstung und auf dem alten Skrcit- roß in der Mitte -s) Mit allem Reichthum, aus der Stadt, und kamen nach-Castilien. *) Der von Dombay herausgegebene Chroniste dieses Namens sezt die Begebenheit in iroa. Geboren war der Prinz i»8a, kam rrL>6 an dir Regierung und starb rigg.. **) Daß die Christen Balencia ohne Niederlage verlassen, stimmt überein mit Ab Ulfe da und Lbul Hassan des Herrn von Dombay. ***) Im Jahr 1107 bey Wiederherstellung des bischöf» lichen Stuhls von Salamanca wurde von dem Grafen Don Ramon und von der Erbprinzessin Castiliens, Donna Urraca, Tochter Königs Al- sonso, derselbe, zugleich mit dem Bisthume Zamora, diesem Hieronymus anvrrtraut. Er starb uso. Urkunden bey Risco. ch) Daß seine Gegenwart die Feinde weggeschrcckt, ist eine Ausmahlung, die doch leicht in Prose zu übersetzen ist. Der Cid. Zu St. Petek von Cardena wurde der Held in seine Grabstätte gesenkt; Könige und Kaiser haben d-ieselbe verehrt *). Da liegt auch die Tiwena **); sie Hütte ausgelebt, nachdem sie ihn begrüben, und ihre Töchter, großer Grüfen und Könige Mütter ***), Älfonso ließ 1272 düs Grab erneuern; da es Nachmals verändert wurde, gebot Karl V. ernstlich die Herstellung auf dem vorigen Platz; Urkunde bey Risco. Um rroll gestorben; Risco. Maria heyrgthet iro 3 jener Berenguel, Graf Zu Barcellona, oben bey pa§. I.VH erwähnt; von -kimena, ihrer Tochter, stammen die alten Grafen von Foix bis auf Gaston Phöbus, der i 3 go starb. Christin« heirathet Ramiro, In- fant von Navarra, dessen Sohn Don Gürcia IV. dieses Reichs Thron bestieg. Durch Blan- kü, dieses Garcia Tochter, kam Cid's Geblüt in das Königshaus von Castilien. So stammen auch porrugiesische und arragönische Könige da her» Dem Poem, der Romanze nach wären am Landgericht zu Toledo Elvira rMd Sol, die Unglücklichen Kinder, von Sancho und Garcia Jnsünten zu A^rragonien und Navarra geehlichct worden; welches, wenn es Grund haben soll, andere Heyrathen als ob- Der Cid. UNI vortrefflich versorgt. Unter Bäumen vor dem Klo. ster liegt auch Babieca, das treue Pferd * *). In dem Hause zu Vivar, wo Cid, wo der alte Diego gelebt, blieb das Wappen, und lang manche Erinnerung **). Der Campcador, groß und gut, die Mahre seiner Abenteuer, worinn er König Artus und Karin dem Großen gleich ward ***), der Rubin seiner erhabenen Seele, den wir von Fabeln möglichst gcreiniget ff), gieng weit hinaus über Spanien erwähnte ihrer Schwestern gewesen seyn» Bon diesen Heyrathen siehe Risco und die Lrt äs vNrilierlerllUtes. *) Welches Cid von früher Jugend in allen Waffen- thaten geritten haben soll. Zeigt nicht B ü f- son ein fünfzigjähriges Pferd, bis in seine ganz letzten Lage in Arbeit, ohne so viele Schonung und Wartung, wie Babieca geworden ist» Uist. nntur, Feuer, ll'. AI, rog, segg. Ausg. Zweybrüclen 1786. ") Zum Beyspiel unser Poem. ***) Ihnen und römischen Helden vergleicht ihn die spatere, doch schon alte Gräbschrift, welche seiner Siegestage erwähnt. ff) Auf daß erfüllet werde, was nach einem andern der ehrwürdige Antoine Pagi gewünscht» Okiit boo annn inLFnus ille beros et iillei in 8i- spani» äelsusor Uollsrieus Oiar Lillus, gusin 1.XIV Der Cid. durch Europa in Welten, die er nicht gekannt, hinab den Lauf der Jahrhunderte; ec bleibt, er wird bleiben, so lang für achten Edelsinn in menschlicher Brust ein Gefühl übrig ist. Berlin den 3. Juty i8o5. Johann von Müller. jure ruerito gueritur Lsnäovslliur, liistori- cuiu uneturu non erse, gui illustrer ejur netiones xosteriteti eouiiuenäsret (Xnn. crit. iu Lnron. ivgg, XXI). L Der Lid u nter Ferdinand dem Großen. HerdersW. z. sch.Lii. u,Kunst. III. C Oer LrÄ. Traurendtief saß Don Diego, Wohl war keiner je so traurig; Gramvoll dacht' er Tag' und Nächte Nur an seines Hauses Schmach. An die Schmach des edlen alten Tapfern Hauses der von La inez, Das die Jnigos an Ruhme, Die Abarkos übertraf. Tief gekranket, schwach vor Alter, Fühlt' er nahe sich dem Grabe, Da indeß sein Feind Don Gvrmaz Ohne Gegner triumphirt. Sonder Schlaf und sonder Speise, Schlaget er die Augen nieder, Tritt nicht über seine Schwelle, Spricht mit seinen Freunden nicht. Höret nicht der Freunde Zuspruch, Wenn sie kommen ihn zu trösten; Denn der Athem des Entehrten, Glaubt' er, schände seinen Freund. E 2 63 Der Cid. Endlich schüttelt er die Bürde Los, des grausam-stummen Grames, Lasset kommen seine Söhne, Aber spricht zu ihnen nicht; Bindet ihrer aller Hände Ernst und fest mit starken Banden; Alle, Thranen in den Augen, Flehen um Barmherzigkeit. > Fast schon ist er ohne Hoffnung, Als der Jüngste seiner Söhne, Don Rodrigo, seinem Muthe Freud' und Hoffnung wieder gab. Mit entflammten Tigeraugen Tritt er vordem Vater rückwärts; „Vater," spricht er, „Ihr vergesset, Wer Ihr seyd und wer ich bin." „Hätt' ich nicht aus Euren Händen Meine Waffenwehr empfangen, Ahndet' ich mit einem Dolche Die mir jetzt gebotne Schmach." Strömend flössen Freudenthränen Auf die väterlichen Wangen, „Dusprach er, den Sohn umarmend, „Du, Rodrigo, bist mein Sohn." „Ruhe gibt dein Zorn mir wieder; Meine Schmerzen heilt dein Unmuth! Gegen mich nicht, deinen Vater, Gegen unsres Hauses Feind," Der Cid. 69 „Hebe sich dein Arm!" — „Wo ist er?" Rief Rodrigo, „wer entehret Unser Haus?" Er ließ dem Vater Kaum, es zu erzählen, Zeit. 2 . Angehört den Schimpf des Hauses, Geht gedankenvoll Rodrigo, Denkt an seine jungen Jahre, Denkt an seines Feindes Macht. „In Asturiens Gebirgen Zahlet Gormqz tausend Freunde, . Er in Königs Rath der Erste, Er der Erste in der Schlacht." Aber, wenn er die dem Vater Zugefügte Schmach bedenket, Was bedeutet Alles andre? Recht will er vom Himmel nur. Bravheit ist er seiner Ehre Schuldig; schadet der die Jugend? Für sie stirbt aus achtem Stamme Selbst das neugcborne Kind. Eilig langet er den Degen Sich herab, den einst Mudarda Führte, jener tapfre Bastard; (Traurig hing der Degen da, 7, des Lebens Halste ? — Jüngling!" „Ja," sprach Don Rodrigo, „Und ich weiß es sehr genau." „Eine Hälfte ist, dem Edlen Ehr' erzeigen, und die andre, Den Hochmüthigen zu strafen; Mit dem letzten Tropfen Bluts" „Abzuthun die angethane Schande." — AIS er dies gesagt, Sah' er an den stolzen Grasen, Der ihm diese Worte sprach: „Nun, was willst du, rascher Jüngling?" „Deinen Kops will ich, Graf Gormaz," (Sprach der Cid) „ich Habs gelobet!" — „Streiche willst du, gutes Kind," (Sprach Don Gormaz) „eines Page» Streiche hattest Du verdient." O ihr Heiligen des Himmels! Wie ward Cid auf dieses Wort! 4 . Thranen rannen, stille Thräncn, Rannen auf des Greises Wangen, Der, an seiner Tafel sitzend, Alles um sich her vergaß, Denkend an die Schmach des HauseS, Denkend an des Sohnes Jugend, Denkend an des Sohns Gefahren, Und an seines Feindes Macht. Den Entehrten flieht die Freude, Flicht die Zuversicht und Hoffnung; Alle kehren mit der Ehre Froh und jugendlich zurück. Noch versenkt in tiefer Sorge Sieht er nicht Rodrigo kommen, Der, den Degen unterm Arme, Und die Hand' auf seiner Brust, Lang' ansicht den guten Vater, Mitleid tief im Herzen fühlend, Bis er zutritt, ihm die Rechte > Schüttelnd: „Iß, o guter Greis!" Spricht er, weisend auf die Tafel; Reicher flössen nun Diego Seine Thränen: „Du, Rodrigo, Sprachst du, sprichst du mir dies Wort?" „Ja, mein Vater! Und erhebet ^ Euer edles, werthes Antlitz." — „Ist gerettet unsre Ehre?" „Edler Vater, er ist todt." „Sehe dich, mein Sohn Rodrig», Gerne will ich mit dir speisen. Wer den Mann erlegen konnte, Ist der Erste seines Stamms." Weinend knieete Rodrigo, Küssend seines Vaters Hände; Weinend küßte Don Diego Seines Sohnes Angesicht. 74 Der Eid. 5 . Heulen und Geschrey und Rufen, Rossetcitt' und Menfchcnstimmen, Mit Geräusch der Waffen tönte Zu Burgos vor Königs Hof. Niederstieg aus seiner Kammer Don Fernando, Er, der König; Alle Großen seines Hofes Folgten ihm bis an das Thor. Vor dem Thore stand Ti me ne*); Aufgelöst das Haar in Trauer; Und in bitterst Thranen schwimmend, Sank sie zu des Königs Knie, Gegcnseits kam Don Dieg» Mit dreyhundert edlen Männern, Unter ihmn Don Rohrigo, Er, der stolze Kastellaner. Auf Maullhieren ritten Alle; Er allein auf einem Roß. Disamhandschuh trugen Alle, Er allein den Reiterhandschph; Alle reich in Gold und Seide, Er allein in Waffenwehr. *) Auszusprechen wie das deutsche CH, nur mit einem starkern Hauch; nicht wie das französische Littindns, Der Cid. 7 § Und das Volk, den Zug ersehend, Und der Hof, als an sie kamen, Alle riefen: „Schaut den Knaben, Der den tapfern Gormaz schlug." Rings umher sah Don Rodrigo, Ernst und fest: „Ist Euer Einer, Den des Grafen Tod beleidigt, Freund, Verwandter, wer er ist;" > „Sey's zu Fuße, sey's zu Rosse, Stell' er sich." Sie riefen alle: „Dir mag sich der Teufel stellen. Er nur, wenn es ihm beliebt." Ab von ihren Maulern stiegen Die dreyhundert edle Knappen, Ihres Königs Hand zu küssen; Sitzen blieb auf seinem Roß Don Rodrigo. „Steige nieder, Sohn Rodrigo," sprach der Vater, „Deines Königs Hand zu küssen" ->? „Wenn Ihr es befehlt, o Vater, Eurenthalben khu' ich's gern." > > «MU MWl B nf » «Mi? 76 Der Cid. 6 . Mit zerrißnem Trauerschleyer Spra6> Ti me ne jetzt zum König: (Thranen schwollen ihre Augen), Wie war sie in Thränen schön! Schön, wie die bethaute Rose Glanzte sie in ihren Thranen; Schöner blühten ihre Wangen, Glühend in gerechtem Schmerz. Ihre Worte singt der Sänger, (Doch nicht ihre Blick und Seufzer). „König," sprach sie, „edler König, Schaffe mir Gerechtigkeit." „Er erstach mir meinen Vater, Er erstach ihn, eine Schlange. Meinen Vater, der, 0 König, Denk' cs, Dir Dein Reich beschützt'!" „Meinen Vater, der von Helden Stammte, die mit ihren Fahnen Einst Pelagius, dem ersten Christenkönig, folgeren." „Meinen Vater, der den Christen, Glauben selbst mit Macht beschirmte, Ihn, das Schrecken der Almanzors, Ihn, der Ehre deines Reiches Ersten Sproß, in deiner Krone, Ihn, den ersten Edelstein." D e r C i d. 77 / „Recht nur fleh' ich, nicht Erbarmen; Recht muß beystehn jedem Schwachen, Unwerth ist ein ungerechter Fürst, daß ihm der Edle diene. Daß die Königin ihn liebe, Keines ihrer Küsse werth." „Und du wildes Thier, Rodrigo, Auf! durchbohr' auch diesen Busen, Den ich hier in tiefster Trauer Dir eröffne. Mord' auch mich!" „Warum nicht die Tochter tödten, Der du ihren Vater raubtest? Warum nicht die Feindin morden, Die dirs jetzt und ewig seyn wird. Rache federt sie des Himmels, Und der ganzen Erde Rache, Gegen dich!" — Rodrigo schwieg. Und des Rosses Zaum ergreifend, Kehret langsam er den Rücken Allen Feldherrn, allen Kriegern; Wartend, ob ihm Einer folge; Aber keiner folget' ihm. Als Xi mene dieses sähe, Rief sie lauter noch und lauter: „Rache, Krieger, blutge Rache! Ich selbst bin des Rächers Preis!" An der Tafel saß Fernando, Zu Burgos im Königs Pallast, Als Timene, tief in Trauer Und in Lhranen vor ihm kniete. Mit bescheidener Gebcrde Sprach sie jammernd diese Worte: „König, eine arme Waise, Komm' ich suchend Euren Schutz." „Eben starb auch meine Mutter, Gramvoll, die mir unsres Hauses Schmähung nachließ: denn der Mörder Unsres Hauses lebet noch." „Täglich darf er sich mir zeigen, Der großsinnig - stolze Lainez, Reitet täglich mir vor Augen, Seinen Falken auf der Hand," „Der mir meine Tauben würget Alt und jung. Schau her, v König, Sieh das Blut auf meiner Schürze, Meiner jüngsten Taube Blut." „Oft Hab' ich's ihm untersaget; Und was gab ec mir für Antwort? Lies, o König. Diese Zeilen Sandt' er heute mir zum Hohn:" Der Cid. 7S An Donna Limen a. Du klagest, Einzige, Verehrte, Schöne Limene, Daß täglich Dir mein Falk die Tauben Komme zu rauben. Sein Herr begleitet ihn —^ O dürft' er kühn Die Einmal sehn, der auf so harte Art Vom Schicksal und vom Falk er angemeldet ward. Als der König dies gelesen, Stand et auf von seiner Tafel, Schrieb sofort an Don Diego, Heimlich sankt' er ihm den Brief. Wissen will den vollen Inhalt Don Modrig o. „Nein! Key Gott nicht I Und Key seiner heil'gen Mutter!" (Sprach er) „laß ich Euch, o Vater, Euch allein nach Hofe ziehn." s 8 . Eingefallen in Kastiljen Waren Könige der Mauren Fünf. Verwüstung, Lärm und Feuer, Mord und Tod zog ihnen vor. Ucber Bucgos schon hinüber, Montes d'Osa, Belsorado, San Domingo und Narara Steht verheeret alles Land. Weggetrieben werden HeekdeN, Schaafe, Christen, Christenkindcr, Männer, Weiber, Knaben, Mädchen; Jene weinen, diese fragen: „Mutter, wohin ziehen wir?" Ruhmreich sanimlen schon die Mauren Ihren Raub, zurückzukehren; Denn niemand begegnet ihnen, Niemand, auch der König nicht. Zu Vivar auf seinem Schlosse Hörte diese Noch Rodrigo; Noch war er nicht zwanzig Jahre, Doch an Muth war er ein Mann. Auf sein Roß, cs hieß Babi'eca, Stieg er, wie hoch in den Wolken Gott auf seinem Donnerwagen, Und durchrannte rings das Land. Die Der Cid. 8r Die Vasallen seines Vaters Bot er auf; sie waren alle Angelangt zu Montes d'Oca Und erwarten ihren Feind. Guter Himmel! von den Mauren Zog fortan nicht Einer weiter — Aber die geraubten Heerdcn, Männer, Weiber, Ehristenkindcr Alle ziehen ihres Weges Froh und fcey. Die fünf gefangnen Mohrenkönige — dem König Don Fernando schickt Rodrigo Die Gefangnen zum Geschenk. 9 - Auf dem Throne saß Fernando, Seiner Unlerthancn Klagen Unzuhöcen und zu richten. Strafend Den und Jenen lohnend: Denn kein Volk thut seine Pflichten Ohne Straf' und ohne Lohn. Als mit langer Tcauerschleppe, Von drcyhundert edlen Knappen Still begleitet, ebrerbietig Vor den Thron okimene trat. LerderßW-z.sch.Lit. ».Kunst. Hl. F Oer Lick Auf des Thrones tiefste Stuft Kniete sie dcmiithig nieder, Tochter sie des Grafen Gorinciz, Hob sie so zu klagen an. „Sechs Monate sind es heute, Sechs Monate, großer König, Seit von eines jungen Kriegers Hand mein edler Vater siel." „Viermal kniet' ich Euch zu Füßen, Viermal gabt Ihr, großer König, Euer Wort mir, mir zusagend Rächende Gerechtigkeit.", „Noch W sie mir nicht geworden; Jung und frech und übermüthig Spottet Eurer Neichsgesetze Don Rodrigo von Bivar." „Und Ihr schützt ihn, edler König, Ihr: denn wer von Euren Männern Seiner sich bemächtigt hätte, Uebel wär' es ihm gelohnt." „Gute Kön'ge sind auf Erden Gottes Bild. Die ungerechten Sind undankbar ihren treuen Dienern, nähren Faktionen; Haß, Verfolgung, ewge Feindschaft, Seufzer und Verzwcifelung, Der Cid. 83 „Denkt daran, o großer König, Und verzeihet einer Waise, Der die Klag' auf ihren Lippen Schmerzlich Euch ein Vorwurf wird." „Was Jl>r spracht, scy Euch verziehen," Sprach der König; „doch Limene, Gnuq geredet und nicht weiter. Euch erhalt' ich den Rvdrigo; Wie um seinen Tod Ihr jetzo, Werdet bald Ihr um sein Leben Und um seine Wohlfahrt flehn." 10 . Nie erscholl ein Ruhm gerechter, Größer nie, als Don Rvdrigo's: Denn fünf Könige der Mauren, Mauren aus der Moreria, Waren Ihm Gefangene. Und nachdem er mit Vereidung In Vasallenpflicht und Zinspflicht Sie genommen, sandt er alle Wieder in ihr Land zurück. Als nach sieben langen Jahren, (Nie war' er von ihr gewichen) Don Fernando jetzt die feste Stadt Coimbra, fest durch Mauren Und durch Thürme, überwand, F 2 84 Der Cid. Weihet' er der Mutter Gottes Die prachtvollste der Moscheen; Hier in diesem hcilgen Tempel Hielt Rodrigv Ritterwacht. Hier mit eignen Königshanden Gürtet ihm das Schwert der König; Und die Königin, sie führet Selber ihm den Zelter zu. Die Infantin, Donna Uraka, Schnallt' ihm an die goldncn Sporen: „Mutter, sprach sie, welch ein Ritter! Einen schönern sah ich nie! „Glücklich ist das Bauermadchen, Die ihn ohne Scheu des Vorwurfs Unanständig niedrer Sitte, Lang anschaucn nach Gefallen, Ohne Scheu ihn sehen darf. Glücklicher ist die Gemahlin, Die ihm zuführt seine Mutter, Ihm, dem Schönsten, den ich sah." Alio sprach die Königstochter, Doch nicht mit der Rosenlippe; Tief nur im verschwiegnen Busen Sprach also ihr stilles Herz. I I *). „Edler Ritter, Don Modrige, Jung und kühn und klug und tapfer^ Strafe dich mit Schmach der Himmel, Daß Du mir mein Herz bekämpft! Kühner! ohne zu bedenken, Wer Du bist und wer ich bin." „Daß Du eine Stadt bezwungen, Daß fünf Könige der Mauren Du in deine Fesseln zwangest, Daß den stolzen Grafen Gormaz Du in früher Jugend schlugest; Macht Dich dieses so verwegen? Welcher Spanier, o Ritter, Thal es nicht? und wohl noch mehr!" „Edel zwar bist Du geboren, Auszuüben schöne Tbaten: Dem, wer einzig seine Pflicht thut, Dem ist keinen Dank man schuldig) Und gebührt er Dir, so wisse, Diese Pflicht ist nicht die meine; Sie ist meines Vaters Pflicht." *) Die Infantin Donna Uvaka spricht hier. „Wenn ein Mangel an Vermöge» Mich Dir anzunähern scheinet, Mich, die meine Königs-Abkunft lieber Dich so hoch erhebt; O so wisse, Königstöchter Sind deswegen arm an Gütern, Weil der Adel ihres Stammes Ihnen mehr als Rcichthum gilt. Armuth ist an mir kein Flecke; Sie ist meiner Hoheit Ruhm. „Reich, das weiß ich, ist Xi mene, Darum ist's, daß Du sic liebest; Nein! nicht darum: denn, Rodrigo, Unrecht will ich Dir nicht thun. Sie auch liebt Dich — Nun so liebet! Mir macht es ^den kleinsten Kummer, Daß der Cid Ximenen liebt." „Eines reichen Grafen Tochter Gnügct Dir, Du kleiner Ritter; Ich bin arm — bedarf ein edler Diamant, bedarf er Gold?" „Schön bist Du; wie einst Narciss Weise; Salomon war weiser. Edel; deren gibt es viele. Tapfer; Spanien erziehet Keine Memme, Don Rodrigo. Reich; das sind so viele Narren. Weit berühmt; das waren Viele, Mehr als Du, und starben dennoch Eingchüllet in die Tücher Menschlicher Vergessenheit." „Ritter, wenn Dein eigner Spiegel Dir nur Deine Schönheit vorhält: So tritt her vor meinen Spiegel, Er crniedert Deinen Stolz. Geh dann hin zu Deinesgleichen, Ritter, eine Königstochter Blicke nur mit Ehrfurcht an." Also sprach die eifersücht'ge Königstochter, Donna Uraka; Und der Cid, er stand und schwieg. Denn sie liebt ihn tief im Herzen; Und als sie nun ausgeredet, Fuhr sie fort mit ihrer Nadel Ihm zu nahn die schönste Scherpe, Die Er — nicht begehrete. ir. In dem blühnden Ostermonat, Da die Erde neu sich kleidet, Da die weiß - behaarte Mutter Sich wie eine Fee verwandelt, In die schönste junge Nymphe; Da lustwandelte der König Bon Kastiljen, Don Fernando, Er mit seinem ganzen Hofe Vor Burgos im schönen Thal. 83 Der Cid. Und von seinem ganzen Hose Nahm er keinen als Rodrigo Hin zn einer Silberquclle, Glanzend schöner als Krystall; Mit ihm sprach er an der Quelle; Aller Augen sahn ihn sprechen, Aber keines Ohr vernahm Was zu Cid der König sprach: Dies sprach er: „Ich lieb Euch, Ritter Jung seyd Ihr und brav und tapfer; Aber noch nicht Welterfahren Und am wenigsten versteht ihr Euch aufs weibliche Geschlecht." „Alle wollen sie regieren, Und regieren denn auch wirklich; Leider Wir sind nur ihr Werkzeug; Unsre männlichsten Gedanken Oft zerstörte sie — ein Weib." „Gleich als hatte Gott zuletzt noch In sein schönes Haus, die Schöpfung, Deshalb nur die Frau gcsührct, Daß durch sie und für sie Alles, Alles je geschehen sollte, Sonder Schein, daß sie cs thut." „Junger Mann, die Frauen kennen Ist Dir nützlich; dieses Wissen Ucbersteiget jedes andre; Doch zu weithin — forsche nicht." Der Cid. „Dir sonst könnt' es auch so gehen Wie dort jenem alten Weisen; Weil er ihn nicht fassen konnte, Stürzet er sich in den Schlund." „Das Geheimniß ist — Der Weiber Macht auf unsre Männerherzen. Dies Gcheimniß steckt in ihnen Tief verborgen, Gott dem Herren, Glaub' ich, selber unerforschlich. Wenn an jenem großen Tage, Der einst aufsucht alle Fehle, Gott der Weiber Herzen sichtet, Findet er entweder alle Sträflich oder gleich unschuldig; So verflochten ist ihr Herz." „Ungeheur ist die Entfernung Zwischen einem Mann und Mädchen, Und durchaus zum Vortheil Dieser, Junger Mann, weißt Du warum?" „Darum! Männer gehen vorwärts; Und das Weib — es sicht sie kommen. Er veranschlagt; Sie begegnet Seinen Planen — weißt Du wie?" „Sich dort jenen leichten Vogel, Der von Zweig zu Zweige hüpfet, Necken wird er lang den Jager, Der ihm folget Schritt vor Schritt. So Der Cid. „Vor dem Angesicht des Eigners Wird er seine schönsten Früchte Naschen, weil er ohne Waffen Ihn da vor sich stehen sieht; Und was haben gegen Weiber Wir, die Männer, wohl für Waffen? Deshalb dann regieren sie." „Und hicbey ist keine Ausnahm; Jede gleicht hierin der Andern. Junger Mann der Weisheit Regel Rath, sich zu vermahlen — nie." Also sprach zu Cid der König, Der dadurch ihn prüfen wollte; Hört was Cr antwortete. 13 . An dem Rand der Silberquelle, Als, der König ausgesprochen, Nahm der Cid also das Wort: „Freylich bin ich jung, o König, Für die Regeln alter Weisheit; Aber, das Gesetz der Ehre Au verstehen, nicht zu jung." Der Cid. 9 ^ „Denn aus gutem Blut erzeuget, Und genährt in guter schule, Spricht die Ehre mir: „Erhalten Muß ein Edler sein Geschlecht;" „Muß dem Baterlande dienen, Muß in Rath und That dem Herren Hold und treu sepn und gewärtig, Muß ihm beystchn, mit Gewicht." „Dazu also einen Namen, Einen hohen Baum sich pflanzen, In dcß Schatten auch der Fremde Ruh' und Schutz und Rettung sucht." „Muß der Kirche, muß dem Staate Kinder geben, die ihm gleichen; Dies ist mein Gesetz der Ehre, Das Vermahlung mir gebeut." „Wer das heilge Band der Ehe Flieht, o König, der verlaugnet Feige, wie ein Ueberlaufer, Vater und Religion." „Er zerreißt den Zaum der Ehre, Trennt das Band, das ihn an Menschen, Das an sein Geschlecht ihn knüpfet, Und an andere Geschlechter; Dafür wird er hart gestraft." „Den entlaufenen Verächter Straft Verachtung aller Edlen; Jedermann erscheint er Nutzlos, Und unwürdig seines Stammes." — „Was das Regiment der Frauen Anbetrifft, o großer König, So ist meine Meynung dies „Sie regieren wie die Diener Ueber fehlerhafte Herren. Wer zur Decke seiner Mangel Ihrer nicht vonnökhen hat, Gegen eine Welt von Feinden Ist ec stark, und stehet sicher. Sonderlich im Punkt der Ehre Gab kein Weib dem Mann Gesetze; Durst' auch nie ihm solche geben; Das Vergnügen ist ihr Feld." „Und da mögen sie regieren. Sie verstehn darauf sich besser, Besser dünkt mich als die Männer — Dies ist meine Meynung, Herr." „Und was anlangt ihre Gleichheit, Unterwcrf' ich mich der Meynung Meines Lehnherrn. Alle taugen Nicht, sobald der Mann nicht taugt;" „Also nchm' ichs gegen Alle Auf, zu Roß und auch zu Fuße; Nur behaupt' Ich, jedes Weibes Fehler ist des Mannes Schuld." „Eine Bitte noch, o König, Vor dem Ende des Gespräches: Zur Vermahlung mit chimenen," Waise jetzt des Grafen Gorma;, Wirt' aus königlicher Gnade Ich mir die Bewilligung." Der Cid. 93 An dem Rand der Silberquelle Giengen jetzt sie auseinander, Don Fernando und der Cid. > 4 . R o d r i g o. In der stillen Mitternacht, Wo nur Schmerz und Liebe wacht, Nah ich mich hier, Weinende Time ne, (Trockne deine Thräne!) Zu Dir. T i m e n e. In der dunkeln Mitternacht, Wo mein tiefster Schmerz erwacht, Wer nahet mir? R o d r i g o. Vielleicht belauscht uns hier Ein uns feindselig Ohr; Eröffne mir — T i m e n e. Dem Ungenannten, Dem Unbekannten Eröffnet sich zu Mitternacht Kein Thor. Enthülle Dich; Wer bist Du, sprich! S4, Der Cid. R o d r i g ö. Verwaisete Li mene, Du kennest mich. Zc i m e n e. Rodrigo, ja ich kenne Dich. Du Stifter meiner Zhcanen, Der meinem Stamm sein edles Haupt, Der meinen Vater mir geraubt — Rodrigo. Die Ehre thatö; nicht ich. Die Liebe wills versöhnen. X i m e n e. Entferne Dich! unheilbar ist mein Schmerz. Rodrigo. So schenk', o schenke mir Dein Herz; Ich will es heilen. T i m e n e. Wie? Zwischen Dir und meinem Vater, Ihm! Mein Herz zu theilen? — Rodrigo. Unendlich ist der Liebe Macht. L i m e n e. Rodrigo, gute Nacht. f'I« Der Cid. S» » 5 . Als der König Don Fernando, . Bon Rodrigo und Limcnen Beyder Wort und Treu' empfangen, Zu vergessen allen Haß, Und deshalb sich vor dem guten Frommen Bischof Luyn Calvo Zu vermablen — denn die Liebe, Sie allein verzeihet ganz — Gab er, um den Cid Lime nen Gleichzumachen an Vermögen: Valduerna und Saldan na, Belsorado und San Pedro De Cordonna gab er ihm. Herrlich gieng am Hochzeittage Auf die Sonne. Don Rodrigo Abgelegt die Waffenrüstung, Kleidet sich mit seinen Brüdern Hochzeitlich und fröhlich an. Aecht-Walloner Pantalone, Mit Scharlach gezackte Schuhe Fein an Leder; zween Stifte Hefteten sie fest und enge An den kleinen netten Fuß. Der Eid. Jetzo zog er an die Weste, Eng' anliegend, ohne Borten: Dann die schwarze Atlas - Jacke, Wohlgepufft, mit weiten Aermeln; (Wenig hatte sie sein Vater Nur getragen). Auf den Atlas Fiel von ausgezacktem Leder Breit anständig, das Collet. Und ein Netz von goldnen Faden Eingewirkt in grüne Seide Schloß sein Haar ein. Auf dem Hute Von Cortrayer feinem Tuche, Hob sich eine Hahnenfeder Wunderbarlich hoch und roth. Schonbefrgnzt bis aus^die Hüfte Reichet ihm die Jazerine; Und um seine Schultern spielet Ausgeplüscht ein Hermelin. Und der unverzagte Degen, Tizonada war sein Name, Ec das Schrecken aller Mauren, Hangt in schwarzen Sammetbändern, An dem festen tapfcrn Gurt. Ausgezackt, gefaßt mit Silber, War der Gurt; ein feines Schnupftuch Wohlgefaltet hing an ihm. So gekleidet gieng der edle Eid, begleitet von den Brüdern, . Hin zum weiten Kirchenplatz. Ws Der Cid. 97 Wo der König und der Bischof Und die Herrn des Hofes alle Mit Time neu ihn erwarten, Mit Time Neu, seiner Braut. Sittsam stand sie da, Timene, Von elastisch feiner Leinwand Puffte ihre Flügelhaube; Von dem feinsten Londncr Tuche, Wohl garnirt war ihre Kleidung,.^, Die von Schultern zu den Füßen Barg und zeigte ihren Wuchs. Auf zwey rosigen Pantoffeln Stand als Königin sie da. Ihren Hals umschlang ein Halsband j An ihm hingen acht Medaillen, Einer Stadt an Wcrthe gleich; Und die reichste unter ihnen, Den Sankt Michael darstellend. Schwer von Perlen und Juwelen, Hing Timen en an der Brust. So begaben die Verlobten Zuw Altar sich; vorm Altäre, Eh' der Braut die Hand er reichte, Sah' er mit dem Blick der Liebe Und sprach zu ihr, ticfbeschamt: „Fraulein, einen Mantt von Ehre, Leider Hab' ich Euch gelobtet: Denn es wollt' es Ehr' und Pflicht. Diesen Mann geb' ich Euch wieder, HerdersW. z. sch.Vit. u.Kunst. HI. G Oer LlrF« 98 Der Cid. Und was Ihr mit ihm verlohret, Vater, Freund, Verwandte, Diener, Alles ged' ich Euch, mit Allem Mich Euch, Euren Eh'gemahl." Aus zog er den kühnen Degen Vorm Altäre, kehrt zum Himmel Seine Spitze: „Mich zu strafen," Sprach er, „diene dieser da, Wenn mein Lebenlang den Eidschwur Ich verletze: Euch zu lieben, Und Euch Alles zu ersetzen, Wie ich Euch vor Gott gelobt. — Und nun auf, mein guter Onkel! Luyn Calvo, segnet uns!" 16. Vom Altar und aus der Kirche Zog die Hochzcitsever prächtig; Don Rodrigo und Time ne. Stattlich an Timenens Seite Ging der König, der Vermahlten Vormund; an Rodrigo's Seite Ging der fromme gute Bischof; Dann der Herren langer Zug. Wohl durch einen Ehrenbogen Ging der Zug hin zum Pallaste. Ausgehängt aus allen Fenstern Hingen Goldgestickt Tapeten, Und den Boden deckten Zweige, Frische Kräuter, Rosmarin. Auf den Straßen, auf den Gassen Längs hinan bis zum Pallaste Tönet in getrennten Chören, Unter Saitenfpiel und Cymbeln, Glückwunsch, Freud' und Lustgesang. Alvar Fannez, (unter allen Freunden Cids ihm stets der Erste) Jetzt von Dienern reich begleitet, Und geschmückt mit schönen Hörnern, Zeigt er prächtig sich als Stier. Antolin auf einem Esel, Ihn gleich einem Rosse tummelnd; Martin Pelasz mit Blasen, Voller Erbsen, die er auswarf, Allem Volk zur lauten Lust. Herzlich lacht darob der König, Gab dem Pagen, der den Damen Zum Erschreck den Teufel spielte, Eine Handvoll Maravedi's, Auszuwerfen unter's Volk. Also führete der König Sich zur rechten Hand Ti menen; Und die Königin empfing sie, Hinter ihr die Herrn vom Hofe; Der Cid. Waizen warf man aus den Fenstern , Dasi der Hut des Königs selber, Dass Timenens Busenkrause Dicht und voll von Waizen lag. Körn nach Körnchen las der König Selbst ihn aus Timen ens Krause Vor der Kön'gin Angesicht. Alvar F a n n e z, der es ansah, Rief als Stier: „Wohl möcht' ich lieber Statt des Kopfes meines Königs Jetzt besitzen feine Hand. " „Gebt ihm einen Korb voll Waizen, Sprach der König, „und Timcne, Angclanget im PaUaste, Ihr umarmt ihn für den Scherz." Aber von Timenens Seele War das taumelnde Gelachter Weit entfernt; sie ist zu glücklich, Als daß sie sich luDg zeige. Mehr spricht ihr gerührtes Schweigen, Als die lautste Fröhlichkeit. » 7 . Zu dem hochverehrten Sitze Pedro's, den der Bischof Viktor Damals cinnahm, trat der Deutschen Kai er, (Heinrich war sein Name,) Klagend trat er so vor ihn: D e r C i d. „Gegen König Don Fernando Bon Leon und von Castiljcn Heil'ger Vater, klag' ich hier. Jede Christenmacht erkennet Mich für ihren Herrn und Kaiser; Er verweigert mir die Ehre, Er verweigert uns Tribut/' „Zwingt ihn dazu, heil'ger Vater» Zu Erkaltung, wie des Glaubens, So auch unsrer beyder Reich'." Drohende Befehle sandle Viktor jetzt zu Don Fernando, Einen Kreuzzug ihm ankündcnd, Wenn er nicht dem heil'gen Stuhle Und dem Kaiserthum der Deutschen Ehr' und Gaben willigte. Lange stand Castilstns König In Gedanken; wohl erwägend, Wenn die Sache fürder schritte, Die Gefahren seines Reichs. Alle riethen nachzugeben, Nachzugeben größrcr Macht. Nur der Cid (er war abwesend; In der ersten Zeit der Lic e Schlummernd an Kmenens Brust.) Aber als er von der" Botschaft Und von König? Ratb gehöret; Eilt' er und sprach zu ihm so: l02 Der Cid. „Ach zum Unglück Eures Reiches Wäret Ihr geboren, König, Wenn, so lang ihr lebt, ein Andrer Hier gebot' in Eurem Reich!" „Nimmermehr soll es geschehen; So lang' Ihr lebt und ich lebe. Denn, o König, jede Ehre, Die Euch Gott gab, zu erhalten, Ist uns, Euern Dienern, Pflicht, Wer Euch anders rieth, o König, Rieth Euch sonder Ueberlegung, Und vermindert Euren Ruhm. Fodert sie heraus, die Drohcr, Die Ausfodrung ist des Königs; Die Ausführung ist des Kriegers; Fodert sie; ich nehm' es auf." „Denkt, o König, und bedenket. Wir erwarben Euch Castiljen, Wir mit Ehre, Gut und Blut; Eher gab' ich auch mein Leben Hin, eh' diese fremden Wespen Zehren sollen unsre Beute, Ernten unsrer Siege Frucht. Denn, o König, gebt Ihr ihnen Etwas, o so bleibt Euch — Nichts." Und so führt der unverzagte Cid zehntausend wackre Männer Durch die Alpen hin ins Feld. Ihm entgegen zog Graf Raimond Bon Savoyn, mit vicley Rossen, Der Cid. io3 Doch der Cid, er schlug den Grafen, -Macht ihn selber zum Gefangnen, Und nur gegen seiner Tochter Geiselschaft gab er ihn los. Auf der Welt das schönste Fraulein, Ward sie Königes Geliebte, Und der Sohn, den sie erzeugten, Ward der Kirche Kardinal. Auch der König der Franzosen Sankt' dem C i d ein Heer entgegen, Das ec schnell zerstrcucte; Da er dann mit seinen Tupfern In Italien also waltet, Daß in Eile Pabst und Kaiser Vevde des Tributs vergessend, Botschaft senden zu Fernando, Nur den Cid hinwegzuziehn. Und so kehrete der Feldherr Stolz zurück mit seinen Tupfern. Seine königliche Rechte Reicht ihm dankend Don Fernando; O wie war der Cid so fröhlich Ucber seines Königs Dank! Der Cid, i«4 18. Gen Z am ora , wo der König Eben Hof hielc mit den Edeln, Kamen Maurische Gesandte Zum Rodrigo von Bivar. Von fünf Königen der Mauren, Die er einst in Pflicht genommen, Waren sie die Abgesandten, Ihm zu reichen den Tribut. Hundert Pferd' Araberstammes, Edle Rosse, drunter zwanzig Weiße, zart wie Hermelin; Zwanzig Apfclfarbne graue, Dreyßig rothe, dreyßig braune, AUesammt mit reichen Dechen Ueberlegt und stolz gezäumt. Für Donna Lime na brachten Reichen Schmuck sie an Juwelen Zwey kostbare Hyacinthen; Auch zwey Kisten Seidenstoffe, Ihren Knappen zur Livrey. Ehrerbietig, wie Vasallen, Naheten sie ihrem Lehnhecrn, Nannten ihn Gebieter Cid. ,Freunde," sprach der Cid, „Ihr irret, Der Cid. ac>5 Wo mein Herr, der König, Hof hält, Bin ich selber ein Vasall. Der Tribut, den Ihr mir bringet, Cr gehöret meinem Herrn." „Sagt," erwiedcrte der König, „Euren Herren, daß ihr Lehnhcrr Kein Monarch zwar sey, doch leb' er Mit Monarchen. Ich besitze Nichts, was ich nicht Ihm verdanke, Meinem Feldherrn, Eurem Cid." Also kehrten die Gesandten Rückwärts, ohne recht zu wissen, Wer Vasall und König sei). 19. Sehnlich wartete Simene In den Sälen ihres Pallasts, Sehnlich harrt' sie aus Rodrigo: Denn die Stunde der Entbindung Naht, die grausamsüße Stunde; Ihres Lebens, wie sie hoffet, Freudenreichster Augenblick. Eines Morgens, (es war Sonntag) Meldeten sich ihr die Schmerze», Der Cid, io6 Und cs badet sich in Thranen Ihr bescheidnes Angesicht. Seufzend nimmt sie ihre Feder, Manche, manche zarte Klage, Mehr als tausend liebevolle Bitten schreibt sie dem Gemahl, Den sie wohl erweichen könnten, Wenn die Ehre nicht in Felsen Wandelte der Helden Herz. Nochmals nimmt sie jetzt die Feder, Und mit neuer Klag' und Seufzen Schreibt sie auch an ihren König, An den edelsten der Welt: „Guter-, hvciser, großer König, Sieghaft und gerecht und bieder, Eure Dienerin Timene Klaget vor Euch , über Euch." „Scherz nur war cs, Don Fernand Eurer königlichen Laune, Die mir den Gemahl einst gab. Denn wohl wenig junge Frauen Waren weniger vermählet, Als ich bin; verzeiht, o König, Und allein durch Eure Schuld." „Diesen Brief schreib' ich in Burgos Wo mein Leben ich verwünsche, Und auch Euch viel Böses will: Denn von den Geboten Gottes, Welches gibt Euch recht, o König, Der Cid. ac>7 Ehgcnofsen, also lange Sie zu trennen und so oft?" „Welches Hiebt Euch Macht, o König, Mir aus einem zarten Manne, Artig, liebenswcrth, bezaubernd, Aller Welt zum wüsten Schrecken Einen Löwen zu crziehn? " „Sechs Monate Tag' und Nachte Haltet Ihr ihn fest im Zügel; Und wohl einmal kaum im Jahre Sieht er seine Gattin, mich." „Und wie kommt er? Blutgebadet, Bis zu Füßen seines Pferdes; Wenn ich dann mit meinen Armen Ihn umfange, schlaft er ein;" „Träumet, wie ein Wildbcscßner, Schlachten, Kämpfe. Kaum noch taget An dem Firmaments drunten Der Aurora frühster Strahl;" „Ohne mich nur anzuschauen, Ob ich wache, ob ich schlafe, Springt er auf Mit welchen Thränen, Großer Gott, empfing ich ihn! Vater wollt' er, mir und Alles, Vater und Gemahl mir seyn! Alles fehlet der Verlaßnen Jetzo, Vater und Gemahl." Der Cid.' ro3 „Thut Ihr dich, lim ihn zu ehren König! dcß bedarf er nicht. Langst war er der Viclbcrühmte; Eh' am Kinn der Bart ihm sproßte, Waren Könige der Mauren Fünf ihm schon Gefangene." „Königlicher Herr, den letzten Augenblick erwart' ich bald; Bald wird er Euch Nachricht geben — Und ich fürchte fast die Thranen, Die dem Vater ich vergossen, Schadeten vielleicht dem Kinde, Das an meinem Herzen schlaft. " „Euter König, also schreibet Mir in Eures Herzens Sprache, Wollt Ihr den Gemahl mir senden? Oder wollt Ihr, daß die Gattin Eures ehrenvollsten Fcldhcrrn Ihm den Erstgcbohrnen bringe, Einen Waisen, Vaterlos?" Nachschrift. „Und noch Eins, o guter König, Werfet meinen Brief ins Feuer, Daß nicht Eurer Höfling' Einer Ihn belache! Denkt daran!" Der Cid. 10Z „Und auch daran, Don Fernando, Daß, statt meines Ehgemahles, Mir nur seine alte Mutter Blieb, die mir zur Seite schläft." so. Zehn Uhr wars am frühen Morgen, Als der König seinen Schreiber Rief, und forderte Papier. Mit vier Punkten und dem Zuge Paraphier er Kreuz und Namen, Und also antwortet er: „Edle, stttlaine Ti mene, Meinen Gruß Euch ehrerbietig, Meine Hochachtung und Gunst!" „Ihr beklagt um den Gemahl Euch Gegen mich, Donna Timcne; Wenn ich ihn zum Nachlheil Eurer, Mir zur Lust ztirückbehielte, Klagtet Ihr mit vollem Recht. Aber da die Heidenkriege, Die auf meinen Gränzcn stürmen, Ihn rückbaltcn, ist cs meine, Oder ist es seine Schuld ?" „Daß cr nicht in Euren Armen Stets geschlafen, dies beweiset, Edle Donna, Euer Brief. Also glaub' ich auch der Furcht nicht, Daß Ihr Einen Vaterlosen Säugling in dem Schooßc tragt." „Drangt ihn nicht zurück zu kommen, Euren Ehgcmahl; Er hörte, Auch an Eurer Seite hört' cr Mit Unlust die Kriegsschalmay. Und wenn er nicht Feldherr wäre, Saget mir, was warst Ihr beyde? Edelmann und Edelfrau." „Hat er Könige der Mauren Fünf als Jüngling zu Vasallen; Wollte Gott, cr hätte Deren Fünfmal fünf: denn um so minder Hatte Feinde jetzt mein Reich." „Kann er also nicht, Ti me ne, Bcy Euch seyn im Augenblicke, Wo Ihr ihn so sehnlich wünscht, So erlaubt mir, edle Mutter, Daß ich seinen Platz vertrete: Denn ich glaub' es, nur der König Ist für ihn des Platzes werth." „Euern Brief sollt' ich verbrennen? Sehen sollen ihn die Lacher Meines Hofes, tief beschämt. Daß Ihr meinen nicht verbrennet, Zeichne ich ihn zum Kontrgktc, Und verbinde mich, Time ne, Jsts ein Sohn, den Ihr gcbähret, Geb' ich Zelter ihm und Degen, Mit zweytausend Maravedis, Ihm, dem Ritter, zum Geschenk. Ist es eine Tochter, setz' ich Vierzig Mark an gutem Silber, Vom Geburtstag' an, ihr aus." „Und so lebet wohl, Ti mene! In der Stunde Eurer Schmerzen Hclf' Euch die hülfreiche Mutter, Aller Himmel Königin!" Nachschrift. „Eben kommt, ich hör' ihn kommen, Euer ernster, lauter Feldherr, Mir die Lection zu lesen, Daß ich nicht zu Felde bin. " 21 . Ehren, Glück und Macht und Güter, Aller Ruhm und Pracht der Erde, Eine leichte Wasserblase Seyd ihr, auf dem Lüftchen schwebend Einen kurzen Augenblick, Der Cid. Don Fernando, Ec, de r Große, (Und mit Recht so zubenahmt,.) Spaniens Monarch und Kaiser Liegend auf dem Todesbette, Seine letzte Stund' erwartend, Denkt er nur der Ewigkeit. Ausgetheilet hat? er alle Reich' und Güter seinen Söhnen. —* Welche Stimme schallt auf Einmal In den traurigen Gewölben Des Pallastcs? Der Infantin Donna Uraka Stimme ruft. Weinend tritt sie vor den König, Trennend tief im Trauerschlcyer, Nahet sich beim Bett des Vaters, Fallt aufs Knie vor seinem Bette, Die verehrte Hand ihm küssend, Flehet sie ihn also an: „O mein Vater, unter allen Gvttlichnnenschlichcn Gesetzen Nennet mir, was Euch verbindet, Eure Töchter für die Söhne Zu enterben? Ausgetheilet Habt Ihr Eure Reich' und Lander Meinen Brüdern und vcrgasset, Vater, Und vergaffet mich." „Also bin ich Eure Tochter Nicht, Sennor: denn wenn ichs Ware, War' ich auch nur Euer Bastard, Der Cid. r r2 Hatte, meiner zu gedenken, Euch erinnert die Natur." „Hab' ich, königlicher Vater, Diese Schmach um Euch verdienet, Nun so nennet meine Schuld. Nennet Ihr sie nicht, was werden Fremde Völker von Euch sagen? Sagen alle edle Männer, Wenn sie von dem Unrecht hören, Das Ihr, stets gerechter König, Einer Unbescholtncn thut? „Männer,.in die Welt cintretend, Bringen, Güter zu erwerben, Kräfte sich und Anschn mit. Was sie sich erwerben konnten. Müßigen zu hinterlassen, Hieße das nicht, edler Vater, Seine Söhn' erniedrigen? Aber sagt: was kann die Tochter? Was kann sich ein Weib erwerben? . Hingeworfen auf die Erde, Hak sie nichts als des Gehorsams Als des Dienens nieder» Lohn. „Wenn Ihr mich enterbet, Vater, Ohne Land und ohne Boden, Muß mich in die Fremde flüchten, Muß — Verzeiht ein hartes Wort mir, Eure Harte zu verbergen, Muß die Tochter Euch verläugnen, Weil Ihr sie vcrläugnetet." Herders W. z. sch. Lir. u. Kunst. IH. H A>er „Wohl, so geh' ich dann als Pilgr In die Welt; in meinen Adern Wallet königliches Blut. Dessen furcht' ich zu vergessen, Weil mein Vater es vergaß." Also sprach mit lautem Weinen Die Infantin Donna Uraka. Als sie ausqercdet hatte, Wartete sie auf die Antwort Ihres Vaters, der im Sterben War, des Königs letztes Wort. Der Lid. 22. Königen den Mund zu fchlieffen. Darf es oft nur eines Weibes Freyer Rede. Don Fernando, Eine Beute jetzt des Todes, Hörend seiner Tochter Klagen, Hatte Kraft genug zu seufzen Ueber ihre stolze Kühnheit; Aber kaum genug der Kräfte, Zu antworten. Lange sucht' er Worte, bis er also sprach: „Tochter, flößen Eure Thcsnen, Die Ihr jetzt um eitle Güter Weinet, so um Euren Vater; Sic verlängerten, ich glaub' es, Selber noch mein Leben jetzt; Aber da Ihr, stolze Tochter, Hier vor meinem Todesbette Nur um Erdengüter weint, So bedenkt, was nehm' ich jetzo Sterbend mit mir aus der Welt?" „Und ich dank' es meinem Schöpfer, Daß er mir, Euch zuzureden, Euch zu reinigen die Seele, Kraft noch und Vermögen schenkt. Graden WegcS geht zum Himmel Jetzo, hoff ich, meine Seele; H s Der Cid. i r6 In dem Feuer Eurer Worte Litt sic ihre Lautrung schon; Denn bedenket es, o Tochter, War dir Stunde meines Scheiden- Mich noch also zu betrüben, Ein erles'ner Augenblick?" „Eurer Brüder Reich' und Güter Neidet Ihr, und wollt nicht sehen, Daß mit dem Besitz ich ihnen Auch auflege Pflicht und Last? Pflicht, die Lander zü beschützen, Last, sie weise zu regieren, Alles deß bedürft Ihr nicht. Sie vielleicht sind arm bey Vielem, Ihr bey Wenigem die Reiche: Denn Personen Eures Standes, Denen Niemand gleich sich schätzt, Was bedürfen sie für Reichthum, Als ihr Leben hinzulcben,- Eines Klosters Einsamkeit." „Freylich seyd Ihr meine Tochter, Denk ich, aber eine Eitle; Wohl dacht' ich an Eitelkeiten, Als ich Euch erzeugete. Euch trug eine edle Mutter; Aber eine böse Amme, (Denn das zeugen Eure Reden,) Saugte Euch mit schlechter Milch." „Drohet Ihr, in fremde Lande Euch zu flüchten; wer, » Tochter, Der C i d. 117 So der Zunge läßt den Zügel, Reißet auch der Ehre ZauM; Längst hatt' er ihn schon zerrissen, Als er so verwegen sprach.- Leichter wird mirs, die Verwirrung Eures Kopfes zu gedenken, Tochter, als daß meines Blutes Also Euer Herz verdarb." „Euch, die Schwestern, sollten Eure Brüder (dieses war mein Wille,) Unterhalten; jetzt befchl' ich, Um mit mir den Segen aller Meiner Kinder mitzunehmen, Jetzt besetz!' ich, höret mich." „Arm will ich Euch nicht verlassen, Seit Ihr, was Ihr sprechet, spracht. Edel ist dein Blut, Uraka, Doch ich kenne Dein Geschlecht. Also meine Stadt Zamora Laß ich Dir, die Wohlverwahrte, Wohlbevölkerte. Dich werden Tapfre Männer in Ihr schützen, Und dir solche Ebr' erzeigen, Daß der Ehre zu gedenken, Du durch sic gezwungen wirst. Ob mich Deine jüngste Schwester Gleich mit keinen Bitten anaing, Setz' ich ihr, wie Dir Zamorci, Das Gebiet von Toro aus." ' s Der Cid. „Dieses ist mein ernster Wille: Und wenn meiner Söhne Einer Euer Erlttheil Euch zu rauben Je gedenkt, dem geb' ich meinen Schwersten väterlichen Fluch. " Alle, die den König also Neben hörten, sprachen: „Amen! „Fluch dem Räuber seiner Schwestern; „Schrecklich treff' ihn Tod und Fluch! Don Garzia, Don Alfonso, Sprachen Amen; doch Don Sancho, Er allein in der Versammlung Vor dem Bett des Vaters — schwieg. » II. Der §id unter Don Sancho dem Starken 23 , Lärm und Schlachten, Blut und Feuer, Kriegesstimmen allenthalben, Trommeln, Pauken und Trommeten, Schallen in Eastiljen laut. Denn kaum hatte mit den Brüdern Seines Vaters Sarg Don Sancho Mitbeglcitct an die Gruft; Steigt er auf sein Roß, und blase«, Blasen laßt er allenthalben Gegen seine Brüder Krieg. Die Vasallen seines Reiches Bot er auf; nicht seine Rechte An der Brüder Land zu prüfen; In das Treffe» sie zu führen, Nies er sie Key Ehr' und Pflicht. „Ach, Rodcigo," sprach Ximene, „Also hast du sie beschlossen, Meine Leiden; Eins von bcydcn Soll ich missen; Eins aufgeben — Wohl mein Leben, Odet mindstens die Geduld. 422 Der Cid. Meiner Treue mich zu rühmen, Stehet mir nicht an; der Liebe Ist treu seyn die schönste Pflicht. Nur wie dürft Ihr mir, der Treuen, Mir, der Liebenden, Rodrigo, Von so langem Abschied sagen?" „Ach, beschlossen ists, beschlossen, Eins von bey.den Soll ich meinen — Eins aufgeben —' Wohl mein Leben, Oder mindstens die Geduld." „Wenn ich Euch verehrend liebe, Denkt Ihr nich? daran, Rodrigo, Daß die Zeit ja Alles, Alles Rückwärts führe? Daß im Herzen Auch der tiefsten Lübe Wurzel Sterbe, wenn man sie nicht pflegt. Zwar ist dies Euch keine Drohung: Denn in Worten wie in Thaten Kann Li mene den Rodrigo Nie beleidgen. Eifersüchtig .Könnte sie als Kind nur — sterben." „Ja es ist, es ist beschlossen! Eins von beyden aufzugebm, Die Geduld oder mein Leben." Undankbare Mannerherzen! Euch entflammt der Weiber Leichtsinn; Der Cid. Die Beständigkeit des Weibes Lobtet Eurer Liebe Glut. Kennten Wir Euch recht, ibr Männer, Würden Wir Euch je vertraun? Sprich mir auf Dein Herz, Rodrigo, Denkst Du noch an jene Schwüre, An die süßen Schmeicheleyen, An die Thränen und Gelübde, Die Du einst mir treu gelobt? Alles ist Dir aus der Seele, Aus dem Herzen Dir verschwunden, Wie ein Lüftchen überm Sande Hat die Zeit es fortgcweht." — Zärtlich küfsete LimencnS Angesicht der tapfre Feldherr, Schwur ihr aus den Griff des Degens, Schwur ihr, treu zucückzukommen, Seys lebendig oder todt. 24. Lange führeten die Brüder, König Sancho in Kastiljcn, In Gallizien Don Garzia An der Reiche Gränzen, Krieg. Endlich trafen sie zusammen; Und von beyden Seiten sielen Der Cid. 124 Tapfre Männer, bis Don Sancho, Sancho selbst gefangen ward. Nahe wars, daß, der mik Unrecht Krieg begonnen, ihn mit Schande Endigte: denn unter allen Streitenden war König Sancho Wohl an Leibeskraft der stärkste, Doch der feigeste an Math. Alvar Fannez, Er, der erste Freund des Cid, kaum siebt den König Er gefangen, drangt' er stürmend An den Platz des Unglücks ein. „Laßt den König, ihr Verrachcr!" Ruft er wüthend, und sie flohen Die harten Asturier. Frey stand also König Sancho. Doch die Schlacht, sie war verloren; Uebcig waren dem Befreyten Kaum sechshundert Kastiljaner. Wie? sechshundert Kastiljaner? Für die ganze weite Erde Sind sie gnug, wenn Cid sie führt! An kommt Er. Auf feinem Roffb ' Als ihn Sancho kommen siehst, Ruft er laut zu seinem Heer: „Auf; von neuem in das Treffen. Bald ist jetzt das Schlachtfeld unser: Denn der Cid ist da! Willkommen Cid! Ihr kommt zu rechter Zeit." Der Cid. 12Z Ernst antwortet ihm Rodrigo: „Und Ihr, Herr, zu sehr Unrechter, Träfet Ihr auf diesen Platz. Besser wäret Ihr am Grabe Eures Vaters stehn geblieben, Betend, mit gefaltnen Händen z Als im ungerechten Kriege Mit dem Bruder, einzuerntcn Eures Vaters harten Fluch." „Ungern nehn? ich Don Garzia Jetzt gefangen i für die Ehre, Und doch muß ichs, für die Ehre, Für den Dienst muß ich es thun, Muß ihn nehmen, oder sterben, Als ein Kriegsmann. Euch, o König, Bringet hier in diesem Felde Weder Sieg noch Niederlage Ruhm; Euch schändet dieser Krieg." Eben trat Garzia singend Auf den Kampfplatz, tief-unwissend Was geschehn war und geschah. Stracks erklangen die Trommeten, Die TrommeteN und die Zinken, Neue Brüderschlacht begann. Und in Mitte seiner Edlen Ward Garzia bald gefangen; „Ach, was thut Ihr, edler Cid?" „König was für Euch ich lhate, Wenn Ihr mein Gebieter wäret. Jctzt will es das Schicksal also ; Unterzieht Euch ihm, wie ich." 2b. Als Don Sancho seinen Bruder, Den gefangenen Garzia, In den festen Thurm von Luna Eingespercet — wie ein Sperber, Der den ersten. Raub gekostet, Jetzt nach reicherm größerm Raube Dürstet und nach warmerm Blut» Warf auf seine jüngste Schwester Sancho sich; er schleppt' Elviren, Wie die schwache Taube wehrlos, Aus dem ihr verliehenen Toro Gen Burgos ins Kloster hin. Jetzt entblößet Don Alfonso, König von Leon, die Spitze ^ Seines Degens und verkündet Laut der Welt und offenbar: „Aus Ehrfurcht für seinen Vater, Und sich selber zu beschützen, Untcrnehm' er diesen Krieg; Doch nicht gegen seinen Bruder, Einzig gegen den Beschützer Eines niedertracht'gen Räubers» Der Beschützer heiße Cid. Dann sprach er, die Bösen müßten Abstehn von den Freveltbalcn, Wenn zu solchen kein Rechtschaffner Ihnen diente: denn der Beste Wird im Dienst der Bösen schlecht." „Rede jetzt/' sprach König Sancho, „Perle meines Reiches rede. Ziehet er nicht gehen mich. „Gott ist's, der uns alle richtet!" Sprach der Cid. „Doch wollt Jhr's wissen, König und mein Herr! So sag' ich: Euer Bruder, weil er Recht hat, Eilet er vorjetzt zum Unglück." „Auf! zu Waffen!" rief Don Sancho, „Fliegt ihr Fahnen! fliegt Paniere! Seht, cs kommen die Leoner! Löwen der Standarten kommen, Doch nicht Löwen, die sie tragen; Und wir haben für sie Thürme, Thücn? und Schlösser zum Gefangniß *)." „Auf!" siel Cid ihm in die Rede, „Auf! weil man an Mich dann will!" *) Anspielung auf die Wappen von Leon und Kasti lien, deren jenes Löwen, dieses Kastell- führet. „Gott genad' ihm, wer an Dich wiK, Braver Cid, Du Blume Spaniens, Spiegel achter Ritterschaft." Also zogen sie zum Kriege; Don Alfonso ward gefangen, Und gefangen ward Don Sancho, Jener von den Kastiljanern Aon den Leonefen dieser, Und noch wankt das Glück der Schlacht. Als der Cid auf seinem Rosse Lossprengt auf den Haufen Krieger, Der Sancho umschlossen hielt. „Fangen oder hangen!" rief er; „Nicht das Eine, nicht das Andre, Guter Cid," Mrd ihm zur Antwort. „Fangen oder hangen!" rief er, Und sein König stand befreyt. Don Alfonso blieb gefangen, Ward gesperret in ein Kloster; Wo ihn bald zum Dank der Ehre, Die dem Cid er laut erzeiget, Donna Uraka ihn ins Freye Fördert, daß er gen Toledo Hin zu Ali-Maimon floh. Der Cid. 129 26. Auf Zamora geht der Feldzug, Auf die feste Stadt Zamora! Zahllos ist das Heer der Krieger, Zahllos Königes Entwürfe.-- Tapfrer Cid, du edler Feldherr, Vor Zamora ziehest Du? Unterweges spricht der König Zu ihm: „Freylich! ausgehaucn Ist die Stadt, wie aus dem Felsen, Der ihr anliegt, wie ein Panzer. Dick wie eines Mannes Lange Ist die Dicke ihrer Mauern; Und die Thürme dieser Mauern, Ihre Vesten aufzuzahlen Forderte wohl einen Tag. Abzuleiten den Duero, Der sie einschließc wie ein Mädchen, Ist ganz über Menschenmacht. Uebergabe mir Zamora Meine Schwester; Cid, so hatt' ich Eine Vestung; in ganz Spanien War' ihr keine Veste gleich. Guter Cid, von meinem Vater Als ein Kleinod mir vererbet, Eidlich mußten wir versprechen, Lebenslang Euch hoch zu ehren, Und zu folgen Eurem Rath; Herders W. z. sch. Lit. u. Kunst.lll. I v-r n-r. Guter Cid, du unsres Hauses Säule, thu' es mir zu Liebe, Bringe Botschaft nach Zamora, Fodce es von meiner Schwester, Fodrc es zum Tausch um Alles — Doch vergiß nicht beyzufügen, Wenn sie mir die Bitte weigert, Daß ich nehme, was ich bat." „Freylich weiß ich nicht," antwortet Ihm der Cid; „je mehr die Mauren Bon Zamora ich betrachte. Desto kühner, desto stolzer Scheinen sie mir dazustehn." „Recht," spricht Sancho, „recht i Dieses sind die ersten Mauern, Die nicht deinem Anblick zittern." Und je naher Cid der Stadt kam, Gieng sein muntres Roß Babieoa Langsam und hing seinen Kopf. 27. Trauer war noch in Zamora, Um den Tod des großen Königs Don Fernando, tiefe Trauer. Ueberhangt mit schwarzen Tüchern Waren Kirchen und Altäre. Der Cid. ) Kein Gesang, kein Ton der Freude, Auch kein Instrument der Liebe Ließ sich hören auf den Gassen; Die Infantin Donna Uraka, Schmerzlich bitter weinte sie Um den Tod des großen Vaters, Um den Gram, den sie ihm sterbend Noch in seiner letzten Stunde Zugefügt, um seine Güte, Um das Unglück ihrer Schwester, Der vertriebnen Ddnna Elvira, Um das Unglück ihrer Brüder, Don Garzia, Don Alfonso; Und wer sollt' und könnt' es glauben? Noch beweint im tiefsten Herzen Einen andern Wunsch Uraka. Den Verlust wird sie beweinen, Wenn sie jeden langst vergaß. Denn dem Glück geliebt zu werden , Gleicht kein ander Glück auf Erden; Die geliebte Schäferin, Sie allein ist Königin. In dergleichen Gramgedanken Tief versenket saß Uraka, Als auf Einmal vor den Thoren Won Zamora Cid erscheint. Der Cid. I 3? 20. Grad' einreiteN in Za mors Will der Cid; als ihn die Wache, Ihn mit seinen fünfzehn Kriegern Anhalt, draußen vor dem Thor. Laut und lauter wird der Lärmen, Lauter das Geschrey der Straßen, Bis es zur Infantin drang. Und in ihren Trauerklcidern Eilet schnell sie auf die Mauer, Als — das Schrecken von Kastiljen, Sie den Cid^da vor sich steht. Ihre schönen Augen netzen Thranen; an die Mauer drücket Sie die Brust, enthüllt ihr Antlitz, Und vorbreitend ihre Arme, Rufet sie ihm furchtbar zu: „Da Du uns zu Feinden haben wolltest, Warum klopfest Du an unsre Thore? Da durch Dich wir hier im Jammer leben, Warum kommst Du und was willst Du weiter? Da, der Freundschaft Maske weggeworfen, Du dem Unrecht Deinen Arm geliehen" — „Rückwärts, rückwärts, Don Rodrigo Deine Ehre ist verloren! Rückwärts, rückwärts, stolzer Cid! Der Cid. i33 „Seit er seinen Eid an mir gebrochen, Den er zuschwur einer Königstochter, Mich zu schirmen; mich, die einst ihn liebte, Und noch jetzt sein Bild in diesen Mauern Ehrt, in Mauern, die er kommt zu stürmen. Seit, von seinem neuen Glücke trunken, Er vergaß die schönen Jugendtage, Die an meines Vaters Hof er lebte" —> „Rückwärts, rückwärts, Don Rod rigol Deine Ehre ist verloren! Rückwärts, rückwärts, stolzer Cid!" „Dem mein Vater Ritterwaffcn reichte, Meine Mutter selbst den Zelter zuführt', Ich anschnallete die goldnen Sporen, Knieend auf dem Marmor. Er bemerkte Damals nicht, was jedes Mädchen merket; Er vergiftet, was er war, und denkt nur, Was er ist. Auch ich, so manches dacht' ich, Was der Himmel mir um meiner Fehler Willen nicht vergönnte. Meine Eltern Hoben ihn; Er stürzte mich hernieder. Weil ich denn um seinetwillen weine" — „Rückwärts, rückwärts, Don Rodrigo! Deine Ehre ist verloren! Rückwärts, rückwärts, stolzer Cid!" „Ich ein Weib, dazu noch jung und zärtlich, Kann ihm zwar kein Leid vom Himmel wünschen; Hat er mich mit seinem Stolz beleidigt, Hat er innig mir das Herz verwundet, Der Cid. i34 Kemmcn von ihm alle meine Leiden; So komm' auf ihn meine Gut' und Gnade; Ich verzeih' ihm. Er darf mich belcid'gen Lhne Strafe: denn des jungen Ritters, Seiner, in der pcächt'gen Kirche zu Coimbra, Werd' ich stets gedenken. — Aber dennoch" — „Rückwärts, rückwärts, Don Rodrigo! Deine Ehre ist verloren! Rückwärts, rückwärts, stolzer Cid!" „Daß er nicht den Bruch des Eids verhindert', Den Don Sancho meinem Vater zufchwur, Daß er seinem Raube nicht gewchret, Der dem Don Garzia, Don Alfonfo Ihre Reiche nahm; der Eine schmachtet Im Gefängnisse; der Andre mußte Au Unglaub'gen fliehen, zu den Heiden. Daß Don Sancho meiner armen Schwester, Die im Kloster jetzt von Milde lebet, Toro, ihr rechtmäßig Erbtheil raubte, Und der Cid auch dieses ihm nicht wehrte; Daß mein Bruder nicht, und auch der Cid nicht, Tief erröthen , Mich hier zu bekämpfen, Mich, die Schwester, mich, ein schwaches Weib nur, Die zu Waffen nichts sonst hat, als Thronen — Deshalb" — „Rückwärts, rückwärts, Don Rodrigo! Deine Ehre ist verloren " Rückwärts, rückwärts, stolzer Cid!" Also sprach, gepreßt den Busen An die Mauer, Donna Uraka; So antwortet sie dem Cid, Der Cid. i35 Er, betroffen von der Antwort, Hält verworren; dann auf Einmal Lenkt er um sein Roß Babieca: „Rückwärts!" höret man ihn murmeln, „Rückwärts!" zwischen seinen Lippen, Reitend nach dem Lager stumm. Und so kommt er von Zamora Wohl von manchem Pfeil verwundet, Der auch ohne Spitz' und Eisen, Ties im Herzen bohrend glüht. 29- Stillversunken in Gedanken, Gab der Eid, als von Zamora Jenes TageS er zurückkam, Stracks gab er dem König Sanchs Rechenschaft von seiner Botschaft, Der ihm diese Worte sprach: „Solches ist der Kön'ge Schicksal, Wenn sie mit zu wenig Klugheit, Zu viel Ehr' erzeigen Einem, Einem stolzen Unterchan." „Ihr, Graf von Bivar, ich weiß eS, Jenen kecken Zamoranern Riechet Ihr den Ungehorsam Und das Widerstreben an." !M i3S Der Cid. „Eure Weisheitsregeln kenn' ich, Fortan sind sie nicht die Meinen; Und zu meinen Füßen läge Augenblicks hier Euer Kopf;- Hätt' ich es nicht meinem Vater, Ich mit allen meinen Brüdern, Auf sein Haupt zuschwören müssen, Euch zu ehren. Fort dann! Fort Aus Kastiljen. Weg aus allen Meinen Reichen!" „Auch aus denen, Die ich Euch erobert habe? Oder nur aus denen Reichen, Die ich, König, Euch erhielt?" „Fort aus allen!" Don Rodrigo, Der gedankenvoll erst dastanb, Lächelte, sah ruhig um sich, Und — bestieg sein Roß Babiexa; Todesstille herrscht im Lager: Denn der Cid — er ist hinweg! Der Cid. t37 3o. Ein Geräusch von Waffenrüstung! Pferdetritt', Galopp, Galoppe! Zween Zamorancr Ritter Sind es, von der ersten Bravheit. Längs dem Ufer des Duero Reiten sie mit grünen Schilden; Füchse reiten sie, die Degen Sind von braunem scharfem Stahl. Wohlgewaffnet; auf dem Sattel Fest und leicht; wie Hasen sprengen Sie hinauf dort jenen Hügel, Und im Augenblicke stehn sie. Vor den Kastiljaner Fahnen Also nah', daß man sich hört. Einer ist ein alter Ritter, Arias Gonsalo sein Name, Weitbekannt. Zwey Gegner sind ihm - Wie ein Haar aus seinem Bart. ^ Neben ihm der junge Ritter Ist sein jüngster Sohn; er scheute Wohl auch nicht den dritten Mann. Unverzagt, sobald sie hörbar Reden konnten, rufen sie: „Sind im königlichen Lager Zwey der Ritter, die mit zweyen Zamoranern ihre Lanzen Brechen wollen, sind wir da, i38 Der Cid. Sie zu lehren, König Sancho Sey kein Edelmann, indem er Seiner Schwester das zu rauben, Kommt, was ihr der Vater gab." „Thun dabey Verzicht auf jede Ritterehr' und Königsladung, Nie zu sitzen einem Edeln An der Seite, nie von Frauen Zu empfangen Lieb' und Gunst; Thun Verzicht auf dieses Alles, Wenn mit zweyen Lanzenstößen Wir den Platz von unfern Gegnern Nicht geleert. Wenn Awey sich fürchten Mögen Drey und Vier und Zwanzig, Selbst auch mkt dem Teufel kommen, Nur mit Einem nicht — dem C i d." Als zwey Kastiljaner Grafen Hörten diese kühne Fodrung, Wie die Löwen brüllten sie: „Wartet, Ritter, zwey Minuten, Anzulegen uns die Waffen." Jndeß sie sich also rüsten. Sprach der alte Zamoraner, So sprach er zu seinem Sohn: „Rückwärts sieh Dich um, o Jüngling Auf den Mauern, auf den Thürmen Von Zamora, sehen Frauen Und Jungfrauen auf uns her. Der Cid. Nicht auf mich, der alt und grau ist, Aber auf den jungen Ritter, Den Mannhaften, schauen sie. Führest Lu Dich wohl, fo gab' ich Für mein Landgut nicht die Bänder, Die man Dir verehren wird. Gegentheiles ffürb' ich lieber, Als die Spötterey'n zu hören, Die sich rüsten Deinem Ohr." „Fest im Bügel! Halt die Lanze Grade vor Dich; auf den Schild! Halt Dein Roß zum Angriff fertig; Wer im Kampf den ersten Stoß thut, Hat das halbe Werk gethan. Sieh' da kommen sie! Wohlauf dann! Siegen oder sterben, Sohn!" Sieg war Ausgang ihres Kampfes. Allen Damen in Zamora Hoch zur Freude, wirft der Jüngling Seinen Feind mit Einem Stoß Um und um; des Alten Gegner Flog von feiner starken Lanze Zehn Schuh weit von seinem Roß. In die edle Stadt Zamora Zogen jetzt als Uebcrwinder Ein, der Vater und der Sohn. kM^SWK rt» Der Cid. 3t. Sehr verlegen war Don Sanchs Vor Zamora, sehr verlegen. Nahen konnten seine Krieger Nicht der Stadt; doch aus Jamor» Naheten oft seinem Lager Stolze Ritter, trohigkühn. Endlich traten alle Edcln Kastiljaner vor den König: Großer König, nimmer werden Wir Zamora nehmen, nimmer; Hilft uns Gott nicht, und der Cid. Euch, o König, ausgenommen, Wiegen alle wir zusammen Ihn nicht auf. Er überwiegt." Also sendete der König Don Diego von Ordonna, Aufzusuchen und ins Lager Rückzuführen, Ihn, den Cid. Wenn ein Herr auch unrecht zürnet, Muß ihm der Vasall gehorchen; Wenn ein König sich entschuldigt, Muß er ihm treu seyn und hold. Als Don Sancho von Rodrigo's Rückkehr hörte, zog er freudig Ihm entgegen, weit hinan. Der C k b, Wenn ein König unrecht zürnte, Muß er sich zur Ehrerstattung Zwingen mit Erniedrigung. Kaum ersähe Eid den König, Sprang er schnell von seinem Pferde: Um so mehr beschämt es diesen, Daß Eid sich erniedrigte. „Bald nun nehmen wir Aamora," Sprach der König. „Und ich sage Nochmals: nehmt Euch vor Aamora, König, nehmet Euch in Acht." Pfeifen, Trommeln, Klarinetten Künden an dem Kriegeslager Eids Zurückkehr. Des Don Sancho Ohren ärgerte der Lusthall, Doch sein Mund — er sprach kein Wort. 32 . Hüte, hü? Dich, König Sancho, Vor Verräthern. Vor Verräthern Hüte Jeder sich; am meisten, Wer Gewalt und Unrecht thut. Aus dem Thore von Aamora Eilt heran Bellido Dvlfos; , 142 Der Eid. Seht, wie Er sein Roß dort spornet! Seht, er eilt zu Königs Zelt. „Großer König, Gott beschütze Eure Waffen," spricht Bcllido; „Gott beschütz' Euch, spricht der König, Edler Mann, was führt Euch her?" „Eur Vasall bin ich gebohren, Hoher König , sprach 8) ellido. Unter Euren Fahnen stritt ich, Unter ihnen blieb mein Herz." „Als ich dieses in Zamora Frey bekannte, und Zamora Rieth an Euch, an Euch, den Herren, Willig sich zu übergeben, Droht mir Gonsalo, der alte Arias drohet mir den Tod. Da ich drinnen nichts vermochte, Komm ich Euer Pflichtverbundner Kastiljaner, hier ins Lager, Sichern Weges Euch, o König, Einzufühcen in die Stadt. Einen engen Gang der Mauer Kenn' ich, eine kleine Orffnung " — Als er also im Gespräch war, Zeigte auf dem nächsten Bollwerk Sich der edelste der Krieger, Arias Gonsalo und rief: „Sey es Euch gesagt, o König, Euch gesagt, ihr Kastiljaner. Der Cid. 143 Ein Vcrrätber ist entwichen Aus der Stadt; er heißt Bellido. Wer Verralherey'n beging er. Wenn er Euch die fünfte zufügk. Keinem edlen Zamoraner » Rechnets an; ihr seyd gewarnt." Hut' dich, hü? dich, König Sanchv, Vor Verräthecn! Vor Verrathern Hüte Jeder sich; am meisten, Wer Gewalt und Unrecht thul. „Glaubet nichts davon, v König, Sprach Bellido, was der Alte, Euch Mißtrauen zu erregen, Dorther von der Mauer ruft; Wohl weiß er, daß ich die Oeffnung Und den Gang der Mauer kenne; Und dann weißer auch sein Schicksal" —> „Ja, Bellido, sprach der König, Ich kenn' ihn als einen stolzen, Einen unbiegsamen Mann. Ungern küß? er mir die Hand einst — Auf! wohlan dann zu der Oeffnung, Zum geheimen Maucrgang." —- „Jetzt, 0 König, würde Jeder Uns mit seinen Augen folgen " — „Wohl dann! so gescheh es später"! „Und am besten wars, 0 König, Erst die Lage zu besehen, Ihr und ich, wir gehn allein." Der C i b. 144 Eh' sie gingen, stellt der König All sein Heer hin in die Waffen; Schwören sollten alle Führer Nichts zu schonen in Zamora, Keinem Flehn zu geben nach. Als der Cid so schwören sollte, Sprach er: meine Männer werden Wie des Mannes Freunde kämpfen, Der nichts fürchtet. Allenthalben Werden sie mich vorwärts sehn, Aber abgelegt die Waffen, Schwör ich bey dem Himmel droben, Gegen die erhabne Schwester Meines Königes, den Degen Nie zu zucken! Hört den Schwur." Einen Wurfspieß in die Rechte Nahm der König, und sie gingen. Längs dem Ufer des Duero Sah man lang' sie vorwärts gehn. Bis auf Einmal sich Bellido Hob und mit dem Dolch den König Zehnmal in den Rücken stieß. Fallen sah man den Monarchen, Todlverwundet, doch nicht todt. Vor Verräthern, vor Vcrrathern Hüte Jeder sich; am meisten, Wer Gewalt und Unrecht thut. Unbewaffnet, wie er dastand, Schwang sich auf sein Roß Rodr > gv, ^ Einzu Der Eid. Einzuholcn den Bcrrathec, An die Pforte vor Zam 0 ra Sprengt' er, ach! als. sich die Pforte Eben hinter dem Vcrrather Schloß. „O zeuge mir's die Erde, Und der ganze weite Himmel, Rief er, wie ich mich verwünsche, Jetzt um Einen Augenblick. Hätt' ich Sporen, ach ich wäre Borgekommen dem Verrälher, Hält' ihn hier am Thor ergriffen, Ihm gegeben seinen Lohn! " Todt verwundet trug den König Man ins Lager; alle sprachen Zu ihm; und ein Einz'ger nur Sprach die Wahrheit, die ihm diente, Ein bejahrter Rittccsmann: „König , denkt an Eure Seele! Sonst an nichts mehr auf der Welt." Sterbend seufzete Don Sancho, Als der edle Graf von Eabra Diese Worte zu ihm sprach: „Ach'der Kön'ge hartes Schicksal! Daß, wenn man sie nicht mehr fürchtet, Dann nur ihnen Wahrheit spricht." „Auch zu andern, andern Zeiten Sagt man ihnen wohl die Wahrheit, Aber sie; sie hören nicht." Herders W. z. sch.Lit. ».Kunst. Hl. K Oer L,' „Krieger, eh der Tag sich endet, Muß ein Ritter vor Zamora, Auszufordern alle, wegen Schändlicher Vercatherey." Sprach es; doch niemand erhob sich; Alle, scheint es, alle fürchten Arias Gonzalo und feiner Vier berühmten Söhne Muth. Alle heften ihre Blicke Auf den Cid, der weiter spricht. „Krieger, sprach er, meinen Eidschwur Wisset Ihr, mich nie zu rüsten Gegen dies Zamora. Doch Einen Mann will ich Euch nennen, Als wählt' ich ihn für mich selbst." Don Diego von Ordonna, Der dem königlichen Leichnam, Wie abwesend in Gedanken, Traurigstumm zu Füßen saß. Er, der Ritterschaft von Lara Blühnder Ruhm, erhob die Stimm,e Mit unmuth'gem Laute so: „Hat, sprach er, der Cid geschworen, Was er wohl nicht schwören sollte: K 2 Der Cid. .48 So entbrcch' er sich, uns Einen Hcrzunennen, den Er wählt. Viele Ritter Hot Kastiljen, Wie, den Er uns nennen würde; Und (doch ohn' ihn zU verachten,) Ritter, selbst wie Er, der Eid. Wer die Fvdrung gen Jamora Bringt und sie besteht, bin Ich." Damit griff er zu den Waffen, Und hinaus! hin vor die Mauer. Da, mit aufgehobnen Händen Und mit fürchterlicher Stimme, (Seine Augen flammten Feuer, Zorns und Ehre,) sprach er so:! „Ihr meineidige Verrather, Nicderträchtge Zamorancr, Memmen! denn das seyd Ihr All«, Seit Ihr einer feigen Me-ame Einem niedrigen Verrather, Meuchelmörder meines Königs, Dem Bellido Zuflucht gabt: Denn Verrather ist der selber, Welcher die Verrather schützt." „Ins Gesicht nenn' ich Euch solche Eure Vorfabrn, Euren Abstamm, Und das Brot, das Ihr gcniesset, Und das Wasser, das Ihr trinkt." „Daß Ihrs feyd, will ich beweisen Komme Einer gegen Einen, Der Ci-. r§9 Einer nach dem andern fünf; Diego Ordonno ist mein Name, Unbescholtnen Bluts, aus Lara; Und ich werf' Euch Zamoranern Nicht, weil Ihr ihn nicht verdienet, Meinen Handschuh hin; ein Pferdhaar Werf ich Euch hin, statt des Hand,chuhs, Gieß' aus dieser Tintcnflasche Schwarze Tint' Euch ins Gesicht." Alias Gonsalo, der Edle, Gab herunter von der Mauer Ihm zur Antwort, kalt und fest: „Ist es, was du redest, Wahrheit, Lara, o so war' ich lieber Nie gebohren; doch ich nehme Deine Fodrung an und hoffe Dir mit Gott es zu beweisen, Daß Du, ein Verlaumder, lügst." Damit stieg er von der Mauer, Und versammlend alle edlen Zamorancr, sprach er so: „Tapfre Krieger, Z moraner, Die das ganze Weltall ehret, Findet unter Euch sich Einer In den Schandverrath verflochten, Nenn' er sich und tret' hervor! Lieber wckl in meinem Alter Ick, auf fremder Erde sterben, Tief versteckt in Dunkelheit; Als um niedertrachtgen Mordes Der Cid. i5o Willen, auf gcschloßnem Felde, Ueberwinder seyn im Kampf " „Feur vom Himniel falle nieder Und verzehr' uns ! riefen alle Zamorancr, wenn ein Einz'gcr Von uns, auf die mind'ste Weift Theil hat an der Frevelthal. Fechten könnet Ihr mit gutem Redlichen Gewissen, Graf." 3 ^. Auf die Federung deS edlen Don Diego Ordonno Lara, Mehr von ihres Bruders Tode Als vom Vorwurf auf Zamora Tief betroffen und verwirrt, Rief in'größter Eil' zusammen Donna Uraka ihren Rath. Niedertracht'ge nur verschonet Feige Niederträchtigkeit; Auf die edelsten Gemüther Spritzet sie zuerst ihr Gift. „Warum zögert denn der Alte?" (Murmelt in der Rathsversamnilung ' Der und Jener.) „Nicht aus Klcinmuth Zögert er wohl aus geheimem Mitbewufitfepn des Derraths?" Der Cid. i5r Niederträchtiger, du lügest! Murmelnd bleibe die Verleumdung, Daß er wohl aus Mitbewußtseyn Zögre, dir in deinem Bart. In den Saal der Nathsverfammlung Tritt mit allen seinen Söhnen Majestätisch ein der Grast Ganz in schwarze Trauerkreppe Eingckleidet, als beweinten Die begrabne Ehre sie, Vor der königlichen Tochter Ließ der Greis aufs Knie sich nieder, Und also sprach er zu Ihr: „Königstochter, und ihr Edlen, Helden dieser Rakhsversammlung. Don Diego Ordonno Lara, (Seinen Namen nur zu nennen, Ist zum Ritterrubm ihm gnug.) Statt des Eids ist Er erschienen, Uns des Mordes an dem Kön'gc Von Kastiljen laut zu zeihn. Diese Schmach von uns zu walzen, Stell ich mich und meine Söhne. Nicht mehr ist es Zeit zu sprechen, Zeit ist es das Schwert zu zücken, Schon zu lange säumten wir." In dem Augenblick zerriß er, Er und seine vier Begleiter Der Cid. tä2 Ihren Traucrschmuck; in blanken Waffen standen sie gerüstet, Alle fünf gerüstet da. Nieder senkten sich die Häupter Der erst murmelnden BecsammlunZ. Aus dem Auge der Infantin Flossen Thränen. Anas sprach „Und nun, edelste Infantin, Würdigt mich und meine Söhne Anzunehmen; sie als Kämpfer Für die Ehre von Zamora, Mich den Greis als ihren Rath. Ihren Mangel an Erfahrung, Heb' und stützt Eure Gnade; Dcß zum Zeichen reichet ihnen Eure königliche Hand. Eine leichte Gunst wie diese, Ist der Sporn für edle Krieger.; Für gemeine ists der Sold." Huldreich reichte die Infantin Den vier jungen, edlen Kriegern Ihre königliche Hand. Feuer drang in ihre Adern, Starke drang in ihre Glieder — Auf brach die Versammelung. D rr Eid. »53 35 . Und mit Thranen in den Augen, Unaussprechlich rührend flehte Die Infantin Donna Uraka, Den ungleichen Kampf zu meiden, An, den väterlichen Greis. „Tratet Ihr dem Cid entgegen, Sprach sie, ach! der edle Cid Wüßte sein und unsre Ehre, Bepde rettend zu verbinden; Aber Lara, unversöhnlich Dürstet er nach unserm Blut. Und Ihr, in so hohen Jahren, Nach so viel bestandnen Kampfe» Wollt Ihr Eurer mich berauben, Edler Greis. O so bedenkt, Was Ihr meinem Vater schwüret, Nie mich zu verlassen, nie!" Ach halt es gewollt der Himmel, Daß der Cid — „Wie dann Infantin; „Daß der Cid" Vom Undankbaren Freylich sprechen wir zu viel. Doch versprecht mir — „Was versprechen?" Wenigstens zuletzt zu kämpfen — Et ^^4 Der Cid. „Ich zuletzt? Wie dann, Infantin, Habe nicht Ich auf der Mauer Ich den Schimpf empfangen, Ich?" Unbiegsamer, lasset Eure Jungen Söhne vor Euch streiten „Wenn sie fallen, denkt Infantin, So verlieret Ihr mit Ihnen Ihrer Dienste sechzig Jahr" — Und wenn Ihr fallt? — „Eine Stunde Oder zwey von meinem Leben, Die verlier' ich und nicht mehr. Und mein Tod, wenn er dem Kampfe Meiner Söhne kühn vorangcht, Ihnen schaffet er den Sieg." Alle Damen, alle Krieger, Arias Söhne selbst, vor allen Donna Uraka, alle flehen An, den väterlichen Greis, Zuzuschaucn erst dem Kampfe — Er, gezwungen von den Bitten, Nicht im mindsten überzeuget, Wirst, vhn' einig Wort zu sagen, Wirft die Waffen weg, im Zorn. Der Cid. i 36 . Nah der Mauer von Zamora War zum grausen Todcskampfe Zubereitct schon der Platz. Schon durchritt ihn Don Diego, Mit der Starke des Alciden, Seine jungen Feind' erwartend. Schweigt unglückliche Trommeten, Eines Vaters Eingeweide Wenden sich Key eurem Hall! Wer den väterlichen Segen Erst empfing; es war Don Pedro, Er, der Brüder Aeltester. Als er vor Dicgo's Antlitz Kam, begrüßt' er ihn bescheiden, Als den altern Kriegesmann: „Möge Gott Euch vor Verrathcrn Schützend, Eure Waffen segnen, Don Diego. Ich erschein' hier Von dem Schimpfe des Verrathes Mein Zamora zu befteyn" — „Schweig! crwiedert Don Diego, Denn Verrather seyd ihr alle!" Und so trennen beyde sich, Raum zu nehmen; beyde rennen Mächtig los; es sprühen Funken — i56 Der Cid. Ach, das Haupt des jungen Kriegers Trifft Diego; er zerspaltet Seinen Helm, durchbohrt sein Hirn --- Pedro Arias stürzt vom Rosse In den Staub hin. Don Dieg» Hebt den Degen und die Stimme Fürchterlich hin gen Zamora. ,,Sendet einen andern, rief er, Dieser liegt." Es kam der Andre, Kam der Dritte, der auch siel. Schweigt, unglückliche Trommeten! Eines Vaters Eingeweide Wendest sich bey eurem Hall. Tbranen flössen, stille Thranen, Auf des guten Greises Wangen, AIS er seinen jüngsten Sohn, Seines Lebens letzte Hoffnung, Waffncle zum Todeskampf. „Auf, sprach er, mein Sohn Fernando, Mehr als Du an meiner Seite Noch im letzten Kampf geleistet, Mehr verlang' ich nicht von Dir. Eh Du in die Schranken einlrittst, So umarm' erst Deine Brüder, Und dann blick' auf mich zurück — „Weint Ihr, Vater?" D e r C i d. 167 ^„Sohn, ich weine! So weint' über mich mein Vater Einst, beleidiget vom König Zu Toledo — Seine Thränen Gaben mir des Löwen Stärke, Und ich bracht' ihm, welche Freude I Seines stolzen Feindes Haupt." Mittag war es, als der letzte Sohn des Grafen Arias, Don Fernando, auf den Platz trat; Dem Besieger seiner Brüder, Seinem stolzen Blick begegnet Er mit Ruh' und Festigkeit. Dieser spielend mit dem jungen Krieger, nahm den ersten Streich auf, Auf die Brust; er war nicht tödtlich. Aber bald lag mit den Trümmern Ihrer Rüstungen der Kampfplatz Ueberdeckt. Gebrochen lagen Schon die Schranken; beyde Rosse Kelchen, durch und durch im Schweiß. Als man ihnen Morgensterne, Kolben brachte, deren Eisen Blitzt in ihrer beyder Hand. Und der erste Schlag des Eisens In der starkern Hand Ordonno's Traf des edlen Jünglings Haupt. Todtverwundet, (seinem Rosse Griff er um den Hals und hält sich Der Cid. rä3 An der Mahn' ihm'';) Höllcneifer Gibt zum letzten Streich ihm Kraft. Diesen Streich, er thut ihn tapfer; Alur weil das Blut des Hauptes Sein Gesicht bedeckt, so trifft er, Ach, die Zügel nur des Rosses, Sie durchhau'nd. Es bäumt das Roß sich, Wirft den Reiter aus den Schranken — Sieg! schrien alle Zamoraner; Das Gericht des Kampfes schwieg. Arias Gonsalo, zum Kampfplatz Eilend, fand den Kampfplatz leer; Sah den jüngsten Sohn verblühen, Ihn verblühn wie eine Rose, - Eh sie sich entfaltete. Schweigt, unglückliche Trommeten, Eines B.aters Eingeweide Wenden sich bey eurem Hall. III. Der Lid unter /'H. Alsonso, dem Sechsten, . , dem T a p f e r n. 3 ? - „Fliegt, getreue Boten, fliegst, Au Alfonso, meinem Bruder! (Spruch Uraka). Er vergisset Seines Glückes in Toledo, Da seiU Glück ihn nicht vergißt." „Sagt ihm, daß der Feind nicht mehr ist, Daß sein Bruder, Don Garzin, Aus dem Kerker in das Grabmahl Seiner Ahnen wanderte. Sagt ihm, daß die Kastiljaner, Die Asiurier, die Leoner, Ihn erwarten, ihren König, Wie die Schwester ihre» Bruder; Sagt es ihm und flieget schnell." „Was zu thun?" sprach Don Al fort so; „Ali-Maimon, dieser gute Saracene, that mir Guts. Was dem Flüchtling man erzeiget- Thut Man das auch einem König? Ob mein neuer Stand dem Mauren Wohlgefalle, weiß der HiMmel? Eines, weiß ich, ist mir nöthjg, Mit Vorsicht geheime Flucht." Herders W. z. sch. Lit. u, Kunst. IIIV L W, 162 D e r C i d. „In der Rundung dieser Mauent Ist ein Ort," sprach der Gesandte, „Niederste,gen wir zu Nacht. Auf rückwärts beschlagnen Pferden Eilen sicher wir davon." Angekommen in Zamora, Zog Also» so dann nach Burgos, Und die Rcichsversammlung sprach: „Erbe seyd Zhr aller Tbroncn Unfers großen Don Fernando-; Niemand streitet sic Euch jetzt. Aber, ohn' Euch zu Mißfallen, Fodern wir von Euch den Eidschwur, An dem Morde des Don Sancho Lhettgenomirien nie zu haben, Mittel - und unmittelbar. Solchen Eidschwur uns zu leisten Förmlich, wie es uns gefallt, Und bekräftigen ihn zu lassen Von zwölf Eurer Edelsten." „Dieser Wunsch sei) Euch gewähret," Sprach AlsoNs 0; „morgen schwör' ich, In der Kirche der Gadea, Vor dem heiligen Altar. Heut begehr' ich nur zu wissen, Wer von Euch mir diesen Eidschwur Abzunchmen dann gedenkt?" „Äch/" sprach Eid. — „Zhr, Don Rodrsgo? Denket Zhr daran, daß morgen Ihr ein Unterthan mir fcyd?" Der Cid. i63 „Noch nicht! Daran werd' ich denken > Heck, wenn Ihr mein König scyd." 3p). Vorm Altäre der Ejadea, Knieend, seine Hand geleget Auf das Evangelium - Und ein Eisenschloß und eine Leimruth; so, das Haupt entblößt, So erwartet Don Alfonso Seinen Eidschwur von dem Cid. Fürchterlich war dieser Eidschwur- Schrecklich wars, ihn anzuhören, Grausenvoll dem, der ihn that: „Feig' ermordet muss' ich werden Von dem Niedrigsten der Menschen, Wie Don Sancho von Bellido; Mein Gedachtniß sey entehrt. Ausgerissen aus der linken Seite soll das Herz mir werden, Und verschlucken muss' ich es; Wenn ich nicht die Wahrdeit sage, Daß ani Morde meines Bruders Ich durch Wollen, Rath und Wisset« Habe nicht den kleinsten Thcil." «,Sprechet Anien," istef der Cid. L ä 164 Der Cid. Und also zu brenenmalen Wiederholte Don Alfonso, Dm ihm'vorgesagten Eidschwur; „Sprechet Amen," rief der Cid. Unverwandt, mit Feuerblicken, Flammend von des Zornes Flamme, Sah, als er den Eid ablegte, Sah Alfonso an den Cid. 39. „Künftig ^rath' ich Euch mehr Vorsicht, (Euch betrifft jetzt Meine Rede, Don Rodrigo von Bivar!) Zittert über jenen Eidschwur, Den mit Schimpf Ihr von mir nahmt. Jenes Schloß und jene Leimruth', Zeugen meines Schwures, waren Zeugen meiner tiefen Schmach. Künftig rath' ich Euch zu wissen, Daß ich Euer König bin." „Seyd Ihr tapfer; wohl, so zeiget Euch auch ohne Leidenschaften. Unterwürfigkeit gebühret Dem Vasallen auch im Recht. Zeiget Ihr im Felde Kühnheit, Kopf und Herz; so zeigt am Hofe Höfliche Bescheidenheit. Mit den Worten nimmt die Zunge Weg die Hälfte des Verdienstes, Das der Arm sich kühn erwarb." „Viel zu viel habt Ihr gesprochen, Viel zu viel Euch angemaßet; Doch — Ihr dientet meinem Vater; Sonst — Und dann, was sagt der Eid? „Durch die Hand des schlechtsten Menschen Sterben? Nur des schlechtsten Menschen —- Nie die Hand des Edelmanns Waget an den König sich." „Kurz, des Unbenehmens halber,, Und Bescheidenheit zu lernen, Weis' ich Euch aus meinen Landen, Don Rodrigo, auf Ein Jahr." „Und ich nehme vier der Jahre Sprach der Cid, „um so viel lieber, Da vom Hofe die Entfernung Mir der König selbst gebeut." Ohne ihm die Hand zu küssen, Gieng Rodrigo von Alfonso; Seine dreymalhundert Männer Mit gespitzten scharfen Lanzen, Mit Wolfsrachen auf den Schilden, Alle zogen sie mit ihm. i66 Der Cid, 40 , Um zehn Uhr am frühen Morgen Putzt Li me ne ihre Töchter, Donna Sol und Donna Elviry; Schön're Kinder sah man nie. Schmückte sie Mit art'gem Kopfputz ,, Und mit feinen Linnenkleidchen, Uebersa't mit feidncn Blumen, Die Li mene selbst gestickt, Ließ dann ihre edlen Knappen Anziehn ihren reichsten Anzug: Denn die Liverey der Diener Zeigt des Herrn Reichlhum und Stand. So geputzet schickt Lime ne Ihre Kinder der Infantin, Die zu sehen sie begehret. Sie selbst gicng nicht mit den Kindern; Denn des Eids Gemahlin halt sich Nach der Vorschrift des Gemahls. Seinen Rang beliebt zu machert Bey Geringeren; Key Höhcrn Ihn behaupten, war sein Wort, Auch die wildsten Herzen rühret Schon der Anblick dieser Kinder, Und erfreut den Schauenden. Der Cid. 167 Lhränen fließen der Infantin, Wenn die Kleinen ihr zulächeln. Man weiß nicht, ob sie sie hasse, Oder liebe? Wie im Unmuth Stößt sie sie zurück und zieht sie Liebender zu sich heran. Fast verschlingt sie sic mit Küssen, Und wenn sie sis still betrachtet, Steige» Seufzer ihr empor; Nennt sie bald oje 'schönsten Kinder, Die die Erde sah; und findet Dann in ihren Zügen Etwas Das das Bild des Vaters stört. Dann verändert ihren Putz sie, Als ob er durch ihre Hände Schöner würde; 0 wie Manches Kieng im Herzen der Infantin, Ihr selbst unbemcrket, vor. „Wem gehören diese Kinder?" Fragt Alfonso. „Einem Krieger, -Der verbannt ist, den die ganze Ehristenheit mit Wunsch zurückruft, Und die Maurenwclt mit Wünschen Bon sich treibet. Das Gerüchc geht, Daß der Cid in allen Städten Furcht verbreite. Seht die Kleinen, Seht die Liebenswürd'gen, Bruder; Die sind nicht so fürchterlich." „Kinder," sprach Alfonso lächelnd, „Bittet was von mir. Was wünscht Ihr?" Der Cid. 16S „Euer Wohlseyn, großer König, Wünschen wir," antworten beyde. —7- „Hört Ihr," sprach des Königs Schwester ,, „Was sie wünschen? Ihren Vater Bitten sie zurück." „Das hör' ich," Sprach der König, „daß Uraka Den Verbannten noch ein wenig Lieb hat." „Nein, ich schwör' Euch, Bruder ^ Daß ich ihn von Herzen hasse." „Nehmt in Acht Euch," sprach Alfünso, „Daß Ihr nicht aus lauter Hasse Ihn bis zur Anbetung liebt." A>. Eines Sonntags in der Kirche Des San Petro de Eordonna Nach der Messe, sprach Alfonso Mit dem Eid Campeador. Neue Plane der Erobrung In den Landern, einst verloren Durch des Gothenkönigs Schuld, Den die Liebe scharf anklaget, Und doch auch die Lieb' entschuldigt --- Neue Plane der Erobrung Legt Alfonso seinem Fcldherrn Vor, der dann mit stillem Ernst So antwortet: Der Cid. 169 „Zu erobern König, ist wohl nicht das Hauptwerk; Das Eroberte erhalten, Dieses ist das Schwerere. Ihr seyd weu auf Eurem Throne, Traget noch ein junges Zepter, Euer Reich Euch zu versichern, König, sei) jetzt Euer Werk. Nichts gefährlicher war öfters Fürsten, als Abwesenheit, »Statt des Königes erwiedert Abt Bermud 0: „Seyd des Feldziehns, Edler Eid, Ihr etwa müde. Daß Ihr jetzt so friedlich denkt? Oder gab Euch die Gemahlin Solche Lehren; wohl, so gehet Mehr zu lernen , nach Biva r, Spanien hat zu edlen Kriegen Mehr Feldherren, als den Cid. Cid sprach: „Bruder, Eure Kutte Steht Euch schief. " „Die Kutte, Feldherr , Weiß ich in dem Chor zu tragen, Wie im Feld einst die Standarte, Hab' ich Könige der Mauren Nicht besiegt, so Hab' ich Söhne, Die gar wohl für mich es können; Auch bin ich , ein Pferd zu spornen, Manns genug," „Wohin zu spornen? (Sprach der Cid) Etwa zur Flucht?" Der Cid. „Fast auch glaub' ich , " sprach der Unterbrechend diese Reden, „Daß nicht Furcht zwar, aber Liebe Euch so friedlich denken macht" — „Weder Eines noch das Andre, Mein Monarch! kein ander Weibsbild Sah man je an meiner Seite Als die Tizonada *) hier." > „Cid, Ihr duldet an Euch Fehler« Die auch Steinen Stimme gaben, Mochtet Ihr nicht selbst die Kirche Hier zum bluc'gen Felde machen, Und — um welche Kleinigkeit!" „Herr!" antwortete der edle Feldherr, „mir jst's unerträglich, Daß ein Mann-, der in den Kleidern Wohl Oelflecken, aber keines Tropfen Bluts Blutflecke» hat, Daß der Mann vom Feldziehn sprechen, Und dem König' und dem Feldherr» Unverschämt einsprechen darf. Seine Stell' ist vor dem Ehorpult, Seine Pflicht, für die zu beten, Die im Felde Streiche thun." *) Eids Degen. D e r C i d, »7» Besser wär' cs Dir gewesen, Edler Cid, Du hättest allen Saracenen Hohn gesprochen, Ms dex Kutte dieses Abts- 42 *), „Wenn Ihr, um Euch hoch zu heben, Meines Armes zu bedienen, Wisset, Ritter von Bivar, So erwartet Ihr vergeblich Künftighin aus diesem Wege Euren Gang zum Firmament." „Fürchterlich ist Euer Gradsinn: Auf den Knien vor mir zu bleiben, Ziemet Stolzen, wie Ihr seyd. Vor mir Euer Haupt zu bloßen — Dessen Stolz sich gnng entblößte, Sammt der hassenswerthen Ursach' Eures so gestiegnen Ruhms," „Welches edle Unternehmen Hielt Euch, seit dem letzten Winter, Meinem Hofe so entfernt? Warum tragt Ihr, da zum Hofmann ) Der König spricht. 173 Der Cid. Edel Zhr geboren wurdet, Warum tragt Ihr Bart und Haare Wie ein Wüsten - Eremit ? Mir antworten auf die Frage Werdet Ihr wohl nicht, das weiß ich ; Doch ich weiß auch, Heucheleycn Giebt es von verschiedner Art. " „Und ob Ihr mir sagen wolltet, Daß dem Feldherrn, sich zu putzen » Weder Zeit noch Lust gebeut; So geruht mir auch zu sagen, Warum Zhr denn meine Plane» Sie enthüllend, scheitern machtet» Ihr wißt es, zu Alcala?" „Feinde, werdet Ihr mir sagen» Hab' ich; ja! so sagt der Beste, Und wohl auch der Schlechteste. Feinde, das darf ich Euch sagen » Feinde habt Zhr allenthalben; Keinen Freund. Und ohne Freundo Ist der Redlichste auf Erden Wohl auch der Unnützeste." „An den Grenzen meines Reiches (Sagt man) fürchten Euch die Mauren» Andre lieben Euch» und Alle Ehren Euch, als einen Gott. Wohl! prägt Ihnen ferner Achtung Ein, für Euch, auch mir entgegen. Der Eit. Einer, dessen Freund Ihr nicht seyd, Al > - Maimon in Toledo, Bleibt mein Bundgcnoß und Freund." „Nach dem unglückselgcn Tode Meines Bruders küßten Alle Mir die Hand; Ihr nicht, der Cid. Ihr dagegen ließet schwören Und verhöhntet mich, den König, Mit dem Eidschwur auf die Bibel, Und die Leimruth' und das Schloß. Stolz betrüget Ihr Euch damals, Und um diesen Stolz zu beugen, Sag' ich Euch, was damals Biele, Viele sagten:" „Den Verrärher, ,,Den Bellido, hatte freylich „Cid erfassen, lobten können, „Als ein Mann von Ehr' auch sollen „Zeit halt' er genug dazu. „Doch er that es nicht: denn immer „Thut der Eid nur, was er — will." Keiner, der mir angehörte, Mann und Weib, es dachte keiner, Daß an meines Bruders Tode Theil ich hatte; nur der Cid. Seinen Tod sankt' ihm der Himmel, (Sagten alle) Ungehorsams Wegen gegen seinen Vater; Nur der Cid argwohnete. „Dessen-dann und anderswegen Bann' ich Euch zum zweptenmale 174 Der Cid. Fern aus allen Meinen Reichen, Und bemächtige mich Eurer Güter; weNi anheim sie fallen, Dies entscheide mein Gericht. Auch verbiet' ich Euch, auf Alles, Was ich Euch gesagt, die Antwort. Also sprach, von schlechten Mensche» Angereget, Don Alfonso; So sprach er zuip Rubm und Spiegel Aller Tapferkeit, zu Cid. 43 *). „Euch antworten muß ich, König, Denn ich Hab' Euch zu antworten, Und ich kenne, wer die Antwort Mir verbieten darf, ndr Einen, Und der Ein' ist nicht auf Erden, Gott! — Kein Braver darf sich fürchten; Aber Unschuld geht zu Grunde, Durch nnzeitig Schweigen, Herr." „Hatten, Ehre zu zerstören, Worte Macht; so war es besser, Einen Dolch auf mich zu zücken, Als zu reden, wie Ihr spracht, H Eid antwortet. Der Cid. ^76 Aber das Gesetz entehret; Nicht der König. Ihr vcrmögct Mich so wenig zu entehren, König, als der schlechtste Manu." „Ich auf Knieen vor Euch liegen? Als ein Sklav? — Und mich zu heben? - Eures Arms bedarf ich nicht. Keines Menschen Arms, als dieses, Und der ist der Meinigc." „Laßt sich Die vor Euch bedecken, Die Euch schmeicheln. Sie thun wohl. Ich auch werde mich bedecken, Ich, der nie Euch schmeichelte. " „Daß ich nicht bey Hof erschiene», Und was ich beym Friedensbündniß Für Euch thak zu Alcala; Hiervon schweig' ich. Wer die Gutthat Nicht empfand, die ihn verbindet, Dem wird sie umsonst erklärt. Des Wohlthätecs Rede löschte, Gleich dem Schwamm, die Wohlthat aus." „Es erfreu' Euch, Don Also riss. Daß den Eid die Mauren achten; Wenn sie ihn nicht mehr verehren, Fürchten sie Euch schwerlich mehr. " „Euer gutes Herz, o König, Bring' Euch lieber in Gedanken, Was ich Guts für Euch gethan. Hält' ich Euch, o König, wollen Mit dem Flecken der Verachtung Bor mir sehen auf dem Thron, wahrlich ich hätt' Eure Ehre Durch den Schwur nicht hergcstcllt." „Wer mir von Bellido redet, Kann mich wahrlich tief betrüben, Aber nicht beleidigen; Fceylich halt' ich ihn ergriffen, Fehletcn mir nicht die Sporen —' Ach in solchen Fällen seufzet Jedes edle brave Herz; Indem es den Fehl gestehet, Fühlt es schmerzlicher die Schuld." „Endlich, da ich mein Vermögen, König, Eurem Dienst geopfert, Da ich, was durch meine Waffen Ich erworben, Euch verehret, Was wollt Ihr mir nehmen, Herr? Weder Ihr, noch Eure Rathe, Können finden, wo nichts ist." „Aber von nun an, o König,, Von nun an will ich erwerben, Ich für mich und nicht für Euch. Nicht, weil Jhrs befählet, König, Feen entfern' ich mich, beleidigt, Weil Ihr also zu mir spracht. Ehrenlos, wer von dem König Solche Reden duldete." Der C.i b. „Sen mit Euch des Himmels Jungfrau, Eure Waffen zu beglücken, Daß Ihr nie vermißt, v König, Einen Degen, der Euch fehlt." Also sprach der C i d zum König ; Dies sind seine achten Worte, Eh' er in die BannuNg zog. „Undankbgr - grausamer König, Undankbarer Don Alsonso, (Also rief in ihrem Schlosse, Rief Timene zu Bivar.) Mir gehökks, Dich anzuklagen: Denn allein der Weiber Herzen Geben der Empfindung Laut." Unglück, Unglück Dir, o König, Daß Du meinen Cid beleidigt. Zwar mit Worten nur; du durftest Es nicht anders; mit dem Degen Mit ihm redet mein Gemahl. Müßig wa? er in der Scheide *) Ximene spricht» Herders W. z. sch. Lit. u» Kunst. HI. M Oer W. Der Cid. 1,78 Nicht geblieben, wärst, 0 König, Wärest Du ein Edelmann. Du verbannst ihn — welche Einfalt! Ueberall in der Verbannung Schafft sich Cid ein Vaterland. Lassest beißen ihn vom 'Neide; Der zerbeißt an ihm die Zahne: Mein Cid ist bedeckt mit Stahl. Lassest ziehn ihn mit dem Degen; Wohl, Du wirst zurück ihn wünschen, Wünschen in der ersten Schlacht. Eher schätzet man das Gute Nicht, als bis man es verlohr. Was Senkst du, daß ihn gereue ? Reut ihn etwas, 0 so ist es, Feinde sich gemacht zu haben Um Freundschaft der Könige; Ihrer Ohnmacht aufzuhelfen, Furchtbar sich gemacht zu haben; Deine Staaten zu vergrößern, Tbat er Alles, was er that. Ohn' ihn wären Deine Reiche Nur Asturiens Felsen noch. Und wie hat er Dir gedicnet? Hält' er es gethan, wie jene Hofeskricger, die Dir schmeicheln, Dich erheben, Dich belügen, Jetzt noch wär' er Dir gar theuer, Seine Dienste wohlbelvhnt. Der Cid. > 7 ? Sahst Du ihn dagegen aber Lieber geben, als empfangen — Undankbare Fürsten drücket, Drückt und dränget nichts so schrecklich, Als großmüthgcr Untcrthanen Edelmuth — auch gegen sie. Geht dann, gehet, Don Alfonso, Euer Bann sey denen Strafe, Die an Hofe, Müßiggänger, Fürchterlich sind — nicht den Mauren, Aber manchem edeln Mann, Dessen Weib sie seitwärts locken, Locken, wie die jungen Hirsche, Wenn der Mann für Lieb' und Ehre Kämpfet und zu Felde liegt. Unglück, Unglück Dir, o König! Gunst und Wahrheit waren Einmal Nur beysammen in der Welt. Du, Du gehst umringt von Hunden , Hunden, dir Dir heute schmeicheln, Morgen bey dem ersten Fehltritt Dich anfailen, Dich zerreißen. -So umgeben ist ein König, Der, von Günstlingen verblendet, Seiner Seele Blick verlohr." Also sprach in ihrem Zorne Eids Gemahlin, nie ablaffend So zu reden, als wenn Thränen Hemmten ihrer Klage Ton. M 2 L i8t> Der Cid. 4ö. Als der gute Cid, der Feldherr, Dessen Leben Gott bewahre, Gott mit aller seiner Macht; Als er ab nun reisen wollte, Mit XimeNen und den Töchtern, Mit dem Hofe seiner EdelN, Fand er alle seine Güter In den Kriegen aufgezchkt; Fand er keinen Maravedi, Zu bestreiten seinen Zug. Jene prachtgen HyacintheN, Die die Könige der Mauren Einst verehrt dem großen Cid, Legt anitzt Donna Li mene In die Hände des Gemahles, Zum Versätze, zum Verkauf. Donna Sol und Donna Elvira, Die zwey licbenswürdgen Kleinen, Als den Schmuck sie glänzen sahn, Und von dem Verkauft hörten, Bitter flößen ihre Thranen, Seufzer stiegen aus dem Herzen Der unschuldgen Kleinen auf. „Ach, die schönen Prachtjuwelen, Zum Versätze, zum Verkauf!" Der Cid. i8i „Gleichen, sprach der Cid, die Kinder, Die um das, was plauzt, nur seufzen. Gleichen sie nicht Königen? Weiber, Könige und Kinder, Eben ihrer Schwachheit wegen' Werden sie uns achtenswerth: Denn der Schwachheit nachzugeben, Ist des Starken Pflicht; Lime ne, Geben wir den Kleinen nach. " „Und behalten die Juwelen," Riefen froh die kleinen Mädchen; Die des Vaters Bart sonst scheuten, Ihn zu küssen, klimmen an ihn, Küssen ihn mit Herzenslust. Kommen ließ der Cid zwey Juden, Neben sich an Tafel sitzen Mit viel Ceremonien; Will von ihnen tausend Goldstüch' Auf die Sicherheit von zweyen Großen Kasten, angefüllet Mit all seinem Silbcnperk. Jedoch unter der Bedingung, Nicht vor Jahresfrist die Kasten Zu eröffnen, und nur dann erst Sich zu halten qn den Inhalt, Wenn er sie nicht ausgelöst. Mehr gesichert durch den edlen Namen Eids, als durch die Kasten, Der Cid. 182 Zahlten ihm die zwcy Beschnittncn Tausend Goldstück', gingen beyde Die Bedingung ein; doch »ahmen Sie mit sich die schweren Kasten, Die der Cid (so wolle' es jetzo Seine Noth) mit Sand gefüllt. That dem Herzen Cids das wehe? Nicht im mindften. Herzhaft that ers, Voll Vertrauen auf sein Glück. Auf, Limene! Jetzt zur Kirche! Wcihn wir jetzt zur Hülfe Gottes Meine Waffen, mein Panier! - 6 . Laut von Priestern und von Kriegern, Ward die Messe Cids gefangen, Und das heilige Geheimnis! Mit Trommeten laut begrüßt; Zimbeln klangen, Pauken schallten, Daß die heiligen Gewölbe Bebten; aller Krieger Herzen, Der dreyhundert Unverzagten, Füllt ein neuer Heldcnmmh Zu dem Kampf entgegen Mauren, Mauren in Valencia. Als geweihet war die Fahne, Nahm der Cid sie in die Hand. Der Cid. i8Z Also sprach er: „arme Fahne Eines armen und verbannten Kastiljancrs, nach dem Segen, Den auf dich der Himmel legte, Mangelt dir nur Spaniens Achtung; Und die sag' ich dir vorher." Hiermit rollt' er auf die Fahne, Hebt sie schwingend in die Lüste: „Sieg und Ruhm wird dich begleiten, Fahne, bis vielleicht du fliegest Neben Königes Panier. Don Alfonso, Don Alfonso, Unter der Sirenen Sange Schlummerst Du; Dir drohet Unglück, Wenn Du, wenn Du nicht erwachst." „Krieger, sprach er, ists nicht also? Wir sind aufgeweckt. Entehret Waren wir, die etwas werth sind, Dort, wo Keiner etwas taugt. Achtung und Verdienst, sie haben Nur an ihrer Stelle werth. " „Einqewiegt von den Sirenen Schlummert dort der tapfre König; Nutzen wir den tiefen Schlummer, Die Boshaften zu erschrecken, Nicht am Hofe, sondern fern. Fürchterlicher ist den Bösen Nichts, als derer, die sie hassen, Fern crworbncr, schöner Ruhm. D c r E l d. , 1^4 Tausend edle Herzen seufzen Jngeheim, verfolgt von Bösen; Glücklich, wenn, sie zu enthüllen, Vor dem Angesicht des Weltalls Sich, wie uns / der Anlaß beut." „Edle Fahne, in den Lüften Flaktre stolz, die Zuflucht Aller, Die das Laster seufzen macht." Nieder senkt er jetzt die Fahne: „Tapfre Krieger, meine Freunde, Rache des Vasallen gegen Seinen angebohrnen Herrn, Auch gerecht, erscheint sie immer Rur als Aufruhr und Verrath. Die Beleidigung verschmerzen, Ist das Merkmal höh'rer Seelen, Ob sie sie gleich tief gefühlt. Galt' es Rache, mir entflöhen Meine Feinde nicht; ich folgte Ihnen nach zum Firmament." „Hier, o Krieger, in des Friedens Und der Liebe hcilger Wohnung, Hier blas' ich jetzt in die Lüfte Das Gedächtnis meiner Schmach, Jegliches Gefühl der Rache Geb' ich athmend hin den Winden, Einzig trag' ich meine Waffen, Der Cid, Die ich für mich selbst anlegte, Einzig trag ich für Kaftiljen Sie und für die Christenheit. Hab' ich Starke gnug, so xflanz' ich Meine Fahne gen Toledo, Und was dort ich dann erwerbe, Heiße Nev-Kastikken," „Unterdeß für jetzt, ihr Freunde, Da uns eine Herberg' fehlet, Ist uns baldigst die Erobrung Eines kleinen Schlosses Noth. Wer auf mehr als Ehre wartet, Der verlasse mein Panier." Hiemit hob er auf die Fahne; „Edle Fahne, schwinge, schwinge Dich entfaltend durch die Lüfte, Klarinetten und Trommeten Tönt! Ihr Trommeln und ihr Pauken! Euer Sammtgehall erschrecke Nur die Schwachen und die Bösen Und der falschen Heuchler Zunft," Der Cid. a8S 47 - Aön'ge wollen ihre Diener Nur an ihrem Platze sehen; Den Erhabneren darüber, Drücken sie, wie Buhlerinnen Den verächtlich - stolz behandeln , Der sich, ihnen zu gefallen, Nicht verächtlich machen ließ; Oder wie die großen Götter, Deren hoher Zorn im Donner Nur das Binsenrohr verschont. Als des Eids ruhmreichen Abzug Don Alfonso's Ohr vernahm. Sprach, in Mitte seines Hofes, Sprach er also: „Weggewandt Hat sich heut von unfern Fahnen, Wohl der tapferste der Ritter, Der je Maurisch Blut vergoß!" „Schien zuweilen seine Freyheit Schrankenlos und nah der Kühnheit, Ihm vielleicht war diese Freyheit Zu erlauben; seiner Treue, Seiner alten Liebe wegen, Die für unser Haus er trug." Der Cid. '187 „Jetzo geht er; und auf lange — Ein einfacher Mann; und tausend, Taufend Herzen gehn mit ihm. Ein einfacher Mann, verliert er Mit dem Hofe, wo er nichts war, Etwas? Einzig schon sein Name Macht ihm einen andern Hof, Wo er alles ist. Vom Schlosse, Wenn ein stoher Stein sich losrcißt, Folgen bald ihm andre nach." „Könige sind nie in Ruhe. Dieser Ml und Der den Degen; Und an Alles soll der König Denken, prüfen, widerstehn — Sagt' ich dem gesammtcn Hofe, Daß der Cid mir für Euch alle Gilt, nahm' ich Euch das Vergnügen Seines Falles, und Ihr nähmet Meine Red' als Vorwurf auf; Oder sprächet: das sind Launen, Launen sind's der Könige." „Summa: Cid, der erste Krieger, Edel, auf der Ehre Gipfel, Treu, verständig, mannhaft, klug — Ohne Beugung vor dem Herren, Was kann er vom Herrn erwarten? Also bleib' es, wie es ist. Damit auch die fremden Völker (Hört es Alle, die umherstchn,) Der Cid. Damit auch die fremden Völker Sagen, daß König Alfonso's Ahndung keiner seiner Diener, Selbst der Cid auch, nicht entging." ^ 8 » Dasteht nun der Cid gerüstet! Unwissend, was werden solle, Schwört der Maure Key Mahoma, Daß er Cid beleidigt habe, Reuet jetzt König Alfonso; Doch der Cid, er steht in Waffen; Es geht nach Valencia. Dasteht nun der Cid gerüstet; Anfgestützt auf seinen Degen, Spricht zuletzt ec mit Timen en; Babieca beißt die Zügel, Heiß - erwartend ihren Reiter, Und des Cids Paniere rauschen Zn der Luft, erwartend ihn: „Warum weinet Ihr, Timene^ Ist so schwach denn unsre Lieb?, Daß sie nicht ertragen könne Einige Abwesenheit? Der Cid. Zeder Edle ist dem König Dienste schuldig; dem Gerechten Leistet man sie Pflichlenmaßig, Undankbaren schenkt man sie." „Muth und Sinn ist Euer Erbtheil, Tochter eines Heldenstammes, Die Gemahlin eines Kriegers, Frey von jeder Weibesschwachheit, So Li mene, laß ich Euch." „Jeden Augenblick des Tages Wendet wohl an, nahend, stickend, Singt am Abend mit den Töchtern , Und, um Euer Haus zu ordnen, Wachet mit Auroren auf." „Zu Vergnügungen verlaß' ich Euch die Sorge für die HecrdeN, Für die Wolle, fürs Gefieder ; Nie, Li mene, nie seyd müßig, Arbeit ist des Blutes Balsam, Arbeit ist der Tugerid Quell." „Eure reiche Kleidung schließet Ein, bis auf mein Wiederkommen; Nicht, darin mit zu gefallen, Sondern mir zur Ehre dann. In Abwesenheit des Mannes Kleidet einfach sich die Frau." „Junge MädcheN, fern vom Feuer, Wie den Werg; doch laßt die Töchter, Der Cid. 190 Wenn Gefahren Ihr entfernet, Sie nichts merken von Gefahr. Lasset sie an Eurer Seite Schlafen, und hinaus ins Grüne Nie ausgchen ohne Euch. Töchter ohne ihre Mutter Sind wie Lammex ohne Hirt." „Zeigt den Hausgenossen Wüiche, Ekren Frauen sepd gesprächig; Gegen Freunde seyd bescheiden; Gegen Euch und Eure Kinder Unnachgebend - streng und fest. Keiner Freundin, auch der Besten, Zeiget Einen meiner Briefe, Wie ich keines meiner Freunde Einen Eurer Briefe zeige: Denn das Band der Ehgenossen Ist ein zart-vertraulich Band." „Nie erwirbt man sich Hochachtung, Wo man Alles von sich wissen, Alles übersehen laßt. Die geschwätzige Gemahlin Zieht den Mann in ihr Geschwätz, Macht dabey sich selbst verächtlich; Und doch ruhet auf der Achtung Eines Hauses seine Macht." „Sollt' es Euch bisweilen Mühe Kosten, meiner Briefe Inhalt Zu verbergen: denn der Freude Der Cid. r9» Botschaft, sie verbirgt sich schwer: So entdeckt es, sie zum Schweigen Zu gewöhnen, Euren Töchtern; Ihrem Vater zu gefallen Schweigen, weiß ich, sie gewiß." „Nehmet Rath von keinem Manns; Fragt, was Ich Euch rathen würde, War' ich da, und folgt dem Rath. Und in schweren Dingen — schreibet; Nie verlaßt Euch meine Feder, Wie mein Degen und mein Herz." „Zwey und zwanzig Maravedi's Lass' ich Euch zur Tages - Ausgab'; Haltet Euch darnach; der wahre Adel steht nicht im Ersparen, Doch auch im Vergeuden nicht. Seyd Ihr Geldbedurstig, lasset Keinen als nur Mich es wissen; Keinen Eurer Leute setzet Je zum Pfände; suchet lieber Geldessummen auf mein Wort." „Auf mein bloßes Wort, Timene, Dieses, wie des Himmels Veste, Weiß man, ist fest und gewiß. Wie ich mich für andre schlage, Glaubt, so werden sich auch andre Froh bemühn für mich und Euch." „Lebet wohl! Und Einen Kuß noch! Einen nur; ich bringe keinen rg.2 D e k C I d. Aus den Schlachten Dir zurück. Lebe wohl, meine Timcnc! — Fort! die Krieger möchten sagen, Ich ftp hier Dein Bräutigam." Der Lid zu Valencia und im Tod. Ä D«? -Herders W. z. sch. Lit. u. Kunst, jls. 49 ' Handelt ungerecht der König, Will der Cid nicht also handeln; Er verließ sein Weib in Thranen, Und in Thranen seine Töchter, Alle von ihm hochgeliebt; Brach in Lander ein der Mauren, Ueberwand sie in Gefechten, Er erobert' ihre Schlösser, Legte ihnen Zins und Pflicht auf; Als er Alcocer erobert, Schlossen ihn die Mauren ein. Zahlreich warert ihre Heere, Keinen Ausfall waget' er. Da trat zu ihNi Alvar Fannet, Der sich nannte von Minaya: i,Galt es dazu Unsre Mühe, (Sprach er zu den Kriegsgenossen) Daß wir unser Land verließen, Um uns hier den Bart zu kämmen; Brvd, das müßig wir hier zehren, Krieger, ist keilt Ehrenbrod. N 2 Der Cid. 196 Auf! hinaus unter die Mauren!" „Alvar Fannez non Minaya," Sprach der Cid, „Du redest tapfer, Du sprichst wie ein Ehrenmann. Nimm die Fahne!" „Und beym Schöpfer Schwör' ich Dir," antwortet dieser, „Wo Du sic vielleicht nicht selber Hintrügst, aus Bedenklichkeit, Trag' ich sie." Der Ausfall glückte; Alvar Fannez von Minaya Drang fort in die Mauren - Länder. Zwar beklagten sich die Mauren, Da sie Königes AlfoN so's Schutz genössen, über Unrecht. Aber welcher Ucberwundne Klaget über Unrecht nicht? - bo. Briefe ließ der König schreiben, Stolze Briefe an den Cid, Voll von manchcrley Verlaumdung - Seiner Feinde, der Spione. Was dem Grafen Consuegra, Cid antwortete, vernehmt. Der Cid. 197 „Edle Männer von Billalon, Tapfre Ritter von Wal verna, Guten Leute von Vilalda, Gute Christen von Salsuenna, Bose Spürer des Betragens Andrer, les't und leset recht." „Don Rydrigo ist mein Name, Wohl auch Cid Campeador, So ergeben meinem Königs Als mein Weib, Timene, mir, Leb' ich als ein schlichter Kriegsmann^ Der kaum zweymyl in der Woche Ab die Kriegeswaffen legt, Schlafe nirgend als im Zelte, Thue keinem Freunde übel, Stünd' cs auch in meiner Macht., Haue nur mit meinem Degen, Aber nie mit Zung' und Feder,, Esse sitzend auf der Erde, Wcjl mir eine Tafel fehlt, Lasse niemand mit mir speisen, Als die Braven und die Guten, Anzuspornen, durch die Sitte, Meiner Freunde Hcldenmuth, Unsre Tischgespräche scharren Nie auf die begrabnen Tobten, Greifen nie dem Unheil Gottes Uebec die Lebcnd'gcn vor. Ich, der Cid, ich spreche selten, Kümmre wenig mich um andre, Frage nichts, als ob Babiexa Sep gewartet und gezäumt, 19^ Der Cid. Aufzusitzen gleich nach Tafel, Neu zu eilen ins Gefecht." „Lege nieder mich zum Schlafe . Nicht zu wachen und zu sinnen, Wie auf Wegen des Betruges Ich erschleiche fremdes Gut. Wach' ich auf, so gehts zu Felde, Hier — ein feindlich Schloß zu nehmen, Oder — liegen es zu lassen, Wie das Glück will, wie es fallt." „Bin ich einsam, so gedenk' ich An mein Weib, und das mit Seufzen; Weinend mußt' ich sie verlassen, Klagend, wie die Turteltaube; Und wohl einsam, und wohl traurig Lebet jetzt sie in der Fremde; Doch sie lebet glücklich dort." „Uebrigens, ihr hohen Herren, Kann und darf der Cid antworten Jedem, wer es sey, der fragt. Er darf seine Seel' enthüllen Ohne Lug' und ohne Schaam." Von der Tafel seiner Tapfern Rief der Cid, doch unvermerket, Einen Krieger, der im letzten Treffen übel sich erzeigt, Martin P c laL z; er rief ihn Seitwärts, und sprach so ihm zu: „Essen beyde wir zusammen Heut an dieser sondern Tafel: Denn das Mahl mit jenen Tapfern, Die mit hohem Ruhm dort sitzen, Steht für heute uns nicht zu. Effet Ihr von Eurem Schemel, Ich von diesem; beyde werden Wir hier wohl beysammen seyn." Fort fulhr er in dem Gespräche; „Jene, die an hoher Tafel Dort mit Alvar Fannez speisen, Sind Dämonen, leiden keinen Neben sich, der seine Ehre Nur im mindesten befleckt. Ehre duldet keine Flecken, Jeder Fehl an ihr ist Brandmahl, Brandmahl auf der schönsten Stim. Diesen Mackel und sein Elend Wegzutilgcn, das vermögen Spaniens reiche Schätze nicht." 2vo. Der Cid. Und sprach weiter: „Eine Quell?, Abzuwaschcn solchen Flecken, Quellet in des Feindes Brust. Feindes Blut tilget die Schande Des Verzagten. Lieber sterben, Junger Mann, als scheun sich müssen. Und sich nicht erkühnen dürfen, Mit den Braven umzugehn." „An die Thatcn Eures Vaters, Meines guten Freundes Pedro, Pelaez, laßt uns gedenken; Ha, wie spaltete sein Schwert! Die Beyspiele solcher Männer Sollen uns aufmuntern, Jünglings Das zu thun, was jeder brave Mann gehalten ist, zu thun. Bitten dürfen wir denn jene Alte Teufel, daß sie wieder Uns an ihre Tafel nehmen. Sprecht mir, junger Mann, die Worte,, Mir mit Mund und Herzen nach „Lieber unterm Fuß der Heidenrosse Sterben und zerquetscht, zertreten werden, Als daß Einer der lehend'gen Christen, Ehrlos uns vertreib' aus der Gesellschaft." „Setzt Euch fest auf diese Worte, Jüngling,. Daß, wenn wir auf jene Ebne kommen, Sie der Wind nicht etwa Euch entnehme. Der Cid. 201. Aus, zum Schwert! Eu'r Pferd habt Ihr verloren. Sorget nicht; ich geh' Euch gleich ein andres." Leise sprach er dies' und andre Worte Au dem Jüngling. Es ward aufgestanden; Da ergriff er bey der Hand ihn, rufend,, Rufend aus mit seiner Eisenstimme: „Lieber unterm Fuß der Heidenrosse Sich zertreten lassen, als bey Christen Leben und entehrt seyn," Also rief er. Indem tönten die Trommeten, Klarinetten, Cymbeln klangen; Auf, ins Feld! Es geht zum Siege, Krieger gen Valencia! Von den Reden Eids entflammst That an diesem Tage Wunder, Pelaöz, vorm Auge Eids, 202 Der CjL. Ü2, „Da die Königin des Himmels, Die gebenedeyte Jungfrau, Uns Valencia zu erobern, Hülsreich bcygestanden hat, Pedro, so geht zu den Mauren, Schafft den Leidenden Erquickung, Und dem Todtenheer ein Grab." „Sagt den Ueberwundnen allen, Männern und den Weibern saget, Daß die stolzesten im Kriege, Wir die sanftesten im Frieden, Menschlich und großmstthig seyn." „Regt sie gn, zu mir zu kommen, Daß ich selbst mit ihnen spreche, Und für ihre Schatz' und Weiber Bleibe keinem eine Furcht. Denn mir fehlen für dje Schatze Kasten, und für ihre" Weiber Fehlt ein Frauen-Harem mir, Eine nur ist meine Gattin, Eine, meine achte Frau." „Alvar Fannez, auf! Zu meiner Armen leidenden Limene. Führt sie her, und meine Kinder; Nehmt auch etwas Gold mit Euch, Der Cid, sv3 Daß sie sich das Noth'g? kaufen, Und anständig hier erscheinen, Diese schöne Stadt zu sehen, Und Rodrigo, ihren Freunds „Ferner drcyßig Mark an Golde, Nimm mit Dir, dem Heilgen Pedrp Lege sie auf den Altar. Auch zweytaustnd Silberstücke Stelle den ehrhasten Juden, Israel und Benjamin, Bittend zu, mir zu verzeihen, Meine aller - einz'ge Lüge, Die ich lebenslang beging." „Die verpfändeten zwei) Kasten, Die verschlossen sie annahmen, Glaubten sie voll guten Goldes, Und st? waren voller Sand, Dennoch war cs keine Täuschung: Denn mein Wort war in den Kasten, Und mein Wort ist gutes Gold." „Antolinez, Ihr begleitet Alvar Fannez. Seine Zunge Ist ein wenig träg'; und Eure, Sie gefällt im Sprechen sich. Auf! erzählet der chimcne Unsre Abentheuer alle, Helft ihr denn auch im Gesänge: Denn sie liebt in frohen Stunden Die Guitarr' und den Gesang, „An den Hof des Königs ziehet Dann auch beyde mit einander: Ueberreicht ihm die Geschenke, Mit der chrerbictgen Bitte, Daß er Gattin mir und Kinder Gnädig lasse mit Euch zichn. „Was in Deiner Kriegcrsprache Du zu sagen hast, vergiß nicht, Alvar Fannez, auch kein Wort, Wohl, daß einem Held an Hofe, Zn der Schule seines Lehnherry, Du dabey zu lachen gicbst. Andre werden meine Plane, So wie deine Worte, meistern Und bespötteln. Mach' es also, Daß dem Neide nichts auch bleibe« Als das Gift in seiner Brust," „Zieht dann, meine Freunde, ziehet Wenn hieher zurück ihr kehret, Findet ihr mich Ueberwinder Andrer Mauren, meiner Feinde, Oder — findet mich nicht mehr," Der C s d> LnS b3. ANgckomMen itzt zu Burgos , Küssete die Hand dem König Al var F annez von M i naya, Anto linez neben ihm. „Unterthänige Geschenke Ueberbring' ich, großer König, Von dem stolzesten Vasallen, Den Ihr aus dem Reich gebannt, " „Und mich selbst in dieser Sendung Nicht zu tauschen, so erlaubet, Daß ich Euch die Worte sage - Die er zu mir selbst gesagt: Denn wo Cid nicht ist, bin ich " „Also sprach er! „Aus Valencia Send ich, was von dem Vasallen Seinem Oberherrn gebührt. 'Das Andenken an die Harte, Die Ihr, König, mir erwiesen, Langst ist cs aus meiner Brust. Vielmehr segn' ich Alles, Alles, Was daher zu meinem Ruhme Und für Euer Reich entsprang. Ueberreichen wird Euch Fannez Hundert ritterliche Pferde Mit den Decken und Geschirr; Hundert Sklaven, die sie führen, Und im Kasten dreyßig Schlüssel Von den Städten und den Schlössern, Die hiemit Euch der Verräthet, Die der Eid Euch übergicdt. " „Stolz bezahl' ich meine Schulden König, mit den Gütern reichet Ueberwundnet Könige» Einem ArMen und Verkriebnen , Dem Ihr nichts, o König, ließet. Blieb nichts übrig, als auf Kosten Andrer Euch befriedigen,^ „Alvar Fannez, mein Gesandter Ist ein Krieger, der sich selber Sein Gut zu erwerben weiß; Er begehret nicht Geschenke, Nur daß Ihr ihm, König, zusprecht, Wie es seiner Ehre ziemt. Was ich nie von Euch erlangte, Wahrlich, das verdienet Ec." „Ehrenworte kosten wenig, Und sie sind so reich einträglich Einem guten Könige: Sie gewinnen ihm die Herzen, Wenn bev ungerechten Motten Sich das treuste ihm entzieht. Daß der Eid Euch treu blieb, König, Traut, o trauet nicht dem Beispiel) Viele sind vielleicht an Muthe, Wen'gc ihm an Großmuth gleich. Edel hielt ers, Euch zu dienen, D e r C i tz. 207 Andre könntens edel halten, Sich zu rachen für die Schmach. Wer den Dolch Bellido reichte, Kann ihn dreyßig andern reichen, Wenn er sie dafür bezahlt. Fing B ellido nicht mit Schmeicheln Seinen Trug an Key Don Sancho, Den sein Dolchstich endete?" „Wer Einmal den Schmeichlern wohlthut, Leget sich die harte Noch auf. Immer ihnen schön zu thun. Schmeichler sind es, die sich rachen; Aus dem Honig ihrer Lippen Machet Euch ein Bollwerk, König- Und Ihr werdet es erfahren, Wie dies Euch vertheidige." „Werdet Ihr vielleicht mir sagen! „Aus dem ungestümen Munde Eids ergehen nichts als Lehren;" Freylich gicng wohl mancher König Irre durch zu viele Lehren; Aber der war stets verlohrcn, Dem kein Rath gefällig war." Spottend hob ein Graf die Stimme / Sprach mit höhnischem Gelachter: „Klar ists, lieber heut als morgen, Wünscht der Eid sich her nach B urg 0 s, Um hier fort zu predigen." Alvar FanNez stieß im Zorne Rückwärts sich den Helm, und knirschend üc>8 Der Cid. Rief et: „wer hier wagt zu mucken Wo der Cid nicht ist, bin Ich." Alles schwieg ; und Antolinez, Er begann mit süßer Rede: Seine sanften Worte rührten So die Seele des Monarchen, Daß ec Augenblicks Limenen Frey cs stellte, zum Gcmahle Hinzuzichn» zum großen Cid. 54r Angekcmmrn in Valencia» Angelangt nach langer Trennung In der schöneN Stadt, gewonnen Durch die Tapferkeit des Cid, Lebten jetzt Donna TiMena, Sie die Mutter und die Töchter, Mit dem Cid, der hoch sie liebte» In Verehrung, Freud und Glück. Als schnell eine Botschaft ankamt »,M i ram ümo l in, der Große, Nahe sich mit machtgen Heeren; Funfzigtausend Mann auf Rossen» Die zu Fuße nicht zu zählen; Ihm Valencia zu entreißen» Nah' er mächtig sich dem Cid." Wohl- Der Cid. 30A Wohlerfahren in den Waffen, Rüstet dieser stracks die Vesten Ans mit Vorrach und mit Volk; Muntert' auf dann feine Ritter Freudig auf gewohnte Weise, Führte dann Donna Timena, Sie und seine bcydcn Töchter, Auf des Schlosses höchsten Thurm. Allda sahen sie zum weiten Meer hinaus, die Mauren kommen, Sahn mit großer Eil' und Sorgfalt Sie aufschlagen ihre Zelte, Unter Kriegsgeschrey und Trommeln, Kricgsgeschrey und Paukenhall. Großes Schrecken faßt die Mutter Wie die Töchter: denn sie hatten Solche Heere nie zu Felde, Nie auf Einem Platz geschn. „Fürchtet nichts, ihr Lieben alle, Sprach der Cid, so lang' ich lebe. Nah' Euch keine Sorg' und Angst: Morgen; und Ihr sehet alle Diese Männer überwunden; Töchter, und von ihrer Haabe Mehrt sich Euer Heirathsgut. Je mehr ihrer, desto besser, Desto reicher wird die Beute, Für die Kirche zu Valencia, Die, dem Volk zu hoher Freude, Morgen Euch zu Füßen liegt. HerdersW. z. sch.Lit. ».Kunst. HI. O c-A. 210 Der § i d. Jetzt bemerkend, daß die Mauren Nah sich an die Thore drängten, Sonder Ordnung, im Gewühl, Sprach er: „Alvar Salvadores, Leget an Euch Eure Rüstung, Nehmt mit Euch zweihundert Reiter, Wohlgeübt auf ihren Rossen, Und macht auf die Heiden Jagd, Daß Time ne und die Mädchen An dem Jagen sich ccfreun." Kaum gesprochen, so geschah es: Im Getümmel, im Getrappel Floh» die Mauren zu den Zelten, Wer nicht fliehen konnte, blieb; Doch hier wandten sie sich alle, Und weil Akvar Salvadores Vorwärts sich zu weit gewagt, Fiel er in die Hand der Mauern, Bis ihn Tages darauf mit reichem Ruhm befreyete der E i d. 55 . Wohlgeordnet seine Völker, Die zu Fuß und die zu Rosse, Zog der Eid jetzt aus Valencia; Aus dem Thor der Wassecschlange Zogen sie hinaus ins Feld. Der Cid. Seine Fahne trug Bermudes, Hieronymus, der Bischof, Zog in Rüstung mit dem Heer, Gegen den Barbnrenkönig, Miramamolin genannt, Der dem Cid die schone Beute, Sein erworbneü Reich Valencia, Mit wobl fünfzigtausend Reitern Trotzig abzunehmen kam. Als einander gegenüber Mauren nun und Christen standen, So viel Mauren, Christen wenig, War Alles in Furcht und Angst; Bis auf seinem Roß Babieoa Cid erschien, in reichen Waffen Und mit lauter Stimme rief: „Gott mit uns, und San - Iago! " Sprengte dann ein in die Feinde; Hieb und tödtete; gebadet War sein Arm in Heidenblut; Wer sich ihm zu nahen wagte, Jeder Maur galt einen Hieb. Endlich fand den Maurenkonig Selbst er auf, im Schlachtgetümmel Dreymal traf er; dreymal schützte Den Barbaren nur die Rüstung, Bis er sich, erst hintern Hügel Schleichend, dann in ein Kastell zog, Und dem Cid das Feld verließ. Von dem Volk, mit Ihm gezogen, Blieben wenig' ihm der Tausend; O 2 212 D « r C i d. Was nicht todt lag, ward gefangen, Und das Lager, reich an Silber., Reich an Pferden, ward erbeutet ; Und im allcrreichsten Zelte, Das die Christenheit je sah, Fand sich Alvar Salvadores; Hoch erfreuet war der Cid; Hoch erfreuet kehrten Alle Nach Valencia; Mutter, Töchter, Die vom Thurm die Schlacht gcschauet, Froh empfingen sie den Cid. 56 . Dankend Gott und San-Jago Für den Schutz, den sie ihm schenkten, Für die Kraft, die sie ihm liehen, Auszufechten solche Schlachten, Zu bezwingen so viel Mauren, Zu gewinnen Stadt' und Vesten, Wie kein Andrer sie gewann; (Denn Gott und der Erz-Apostel Hielten ob ihm ihre Hand!) Lebte Cid jetzt hochqefürchtet, Hochgefürchtet und verehrt, Der Cid. 3r3 In Valencia mit Ximenen, Und mit seinen beyden Töchtern, Donna Sol und Donna Elvira, Die er über Alles liebt. Ringsum in Kastiljen giengen Bon ihm Wunder-Neuigkeiten, Also daß zwey junge Grafen, Reiche Grafen Carrion, Vor den König Don Alfonse Bittend traten, daß er beyde, (Brüder waren sie) vermähle Mit den edlen Töchtern Cids. -T> Don Alfonse, kein Bedenke» Findend an der reichen Heirath, Lud den Cid, ihn in Requcnna, Zu besuchen, sprach mit ihm, Viel von seinen Wunderthaten, Von den Schlachten, von den Siegen; Rechenschaft gab ihm der C i d. „Aber Ihr seyd alt geworden, Guter Cid," sprach Don Alfonso. „Großer König, sprach der Feldherr, Sv viel Sorg' und Kricgesarbeit Macht schon alt; kaum hakt' ich Ruhe, Kaum Erholung Einen Tag. Alles indeß überstanden, Ist Valencia Euch gewonnen, Voll Vergnügen, voll von Gütern, König, Euer Eigenthum." 2i§. Der Cid. „Guter Cid, genießt das Eure, Sprach Alfonso; mir genüget Eurer Thaten Ruhm, die Ehre Eines Fsldberrn und Vasallen, Wie kein Ehristenreich ihn hat; Gerne wünscht' ich Euren Töchtern Standesmaßige Gemahle; Und da haben sich zwey Grafen Reiche Grafen Carrion, Brüder, sie von mir erbeten; Uebel wäre nicht die Heirath, Und ich steh' für die Gefahr." Sprach der Cid: „Sie sind die Eure, Guter König, und Timenens Wille ist gewiß der Meine; Die ich über alles liebe, Meine Töchter schenk' ich Euch." Traten zu ihm beyde Grafen, Küssetcn dem Cid die Hände, Nach Kastiljen zog der König, Nach Valencia zog der Cid. Mit ihm zogen beyde Grafen, Zhm zu seinen Schwiegersöhnen, Seinen Töchtern zu Gemahlen Bon dem Könige geschenkt; Hoch erfreuet war Ti me ne, Hoch erfreuet beyde Töchter; Alvar Fannez übergab sie Den Gemahlen, und der gute .Erzbischof verlobte sie. Feste werden angeordnet, Ritterkampfe, Prachmirniere; Mohren, Christen, Alle freuen Auf das Fest sich, auf die Spiele; Ach ein böser Unfall störte Alle Freuden, alle Lust. Hört! Ein ungeheurer Löwe, Den der Eid an seinem Hofe Längst schon hielt, entkam dem Wächter, Und, als war' er angewiesen, Lief er auf die beyden Grafen, (Eben schlummerte der Cid) Warf die Tafel um und brüllte Schrecklich. Sein Geschrei, erweckte Schnell den Schlummernden; er sprang Auf den Stuhl, erhob die Stimme; Und der Löwe, der ihn ansah, 2l6 Der Cid. Der die Eisenstimme kannte, Wandte sich und gieng zurück. Blaß von Todesfurcht und Schrecken, Schleichen jetzt die Grafen seitwärts, Wahnend, daß zu ihrem Schimpft Dieser Scherz bereitet sey: Darin stärket sie ihr Oheim, Der zur Hcicath sie begleitet, Und so werden Eins sie Alle, Abschied schnell vom Eid zu nehmen, Wegzuzichn mit ihren Weibern, Und zu rächen an den Töchtern, Was am Vater sie nicht könnten — O des schändlichen Beginnens! O des bübischen Bcrraths ! Ehrerbietig treten beyde Vor den Cid, Abschied zu nehmen, Heimzuzichn mit ihren Bräuten, Und die Hochzeit dort zu feyern, Also wünschte es ihr Vater." — Eid, befremdet und betroffen, Hielt in seinem großen Herzen Beyde —'nicht für niederträchtig, Nur für launig und unhöflich; Doch der Mutter Herz wehklaget, Und es schlägt das Herz der Töchter, Unter Seufzern, unter Thronen Scheidend; Eid begleitet sie. D e r E i d. 217 58 . Auf geradem Wege zogen Erst die Grafen; wohl empfangen Von des edlen Eids Vasallen, Freundlich auch von Jedermann; Wer des Helden Namen kannte, Wer des Helden Töchter sah, War ihr froher Unterthan. Auch die Schwiegersöhne heucheln Freundlich ihrem guten Vater, Der beklommen von den Töchtern Und mit Seufzen Abschied nahm; Denn ein Strom gepreßter Thränen Gießt sich auf der Töchter Wangen: „Warum geht Ihr, guter Vater? Wem verlaßt Ihr Eure Töchter?" Warum gehst du, edler Eid? Seitwärts ab vom Wege lenken Jetzt die Grafen in die Wüste, Voraussendend ihren Zug. Und als tief sie im Gebirge Waren, einsam von den Menschen, Hießen sie die cdcln Donna's Niedersteigcn von den Mäulern; O der niedrigen Verräther! O des schändlichen Vcrraths! 2l8 Der Cid. Rache jetzt an Cid zu nehmen, An Cid, der sie nie beleidigt. Auch des Kastiljaner - Adels Neid und Haß und bittcrn Groll Auszuqießcn, einzuprägen Unauslvschbar auf sein Haus, Reißen sie den Schmuck der Kleider Ab vom Busen der Vermahlten, Schleppen sie an ihren Haaren, Geben Streiche ihren Wangen, Ihren Rücken Riemenstreiche, Daß ihr Blut zur Erde fließt. „Habt das jetzt für Euren Vater, Für den großen Cid, den Edeln, Der den Kastiljaner Adel, Der den Hof verachtend schmähte, Der auf uns den Löwen ließ." Also ließen sie die beyden, Die Unschuldigen, angebunden Tief im Wald' an einem Baum. Und wie nach vollführtem Siege, Ziehen fürder sie die Straße: „Wo ist unsre Herrschaft blieben?" Fragt der Zug. Die Grafen sprechen: „Donna Sol und Donna Elvira Veyde sind sie wohl versorgt." O der niedrigen Verrather! O des schändlichen Verraths! Doch vom Himmel und im Herzen Ihres edlen, großen Vaters Der Cid. 219 War die Rettung der Verlaßnen Wunderbar vorher bestimmt. „stieitet, sprach der Cid be»m Abzug', Zu Ordvnno, seinem Reffen, Reitet querhin durch die Wüste, Zu Valencia sehn wir uns." 59 . Angstgeschrey und Weh und Seufzen, Aechzen, wie der Sterbenden, Drang hinauf von den Verlaßncn, Auf gen Himmel und erreichte Bald Ordonno's horchend Ohr. Den Verlassenen zu Hülfe Eilt' er tiefer in die Wüste, Und als er die Edlen sah — Wülhcnd rauft er sich die Haare, Wüthend flucht er den Vcrrathern, Feig' entflohen waren sie; Decket dann mit seinen Kleibern Die Verlassenen, Halbtvdten, Löset ihre harten Bande, Eilt Erquickungen zu suchen, Rettung, Obdach, Sicherheit. Bald auch fand er einen Landmann, Treu dem Cid und ganz ergeben, In deß Hütte trugen beydc, Schweigend die Verlassenen, Wo, des Landmanns Weib und Töchter Freundlich ihrer sich annahmen Und sie treu vcrpflegcten. Don Ordonno sprach: Sennora'S Unter dieser guten Leute Sichern Obhut weilet hier; Ich geh' jcHt mit einer Nachricht — Ach, wo wcrd' ich Worte finden, Sie dem Vater, sie der Mutter Zu verkündigen? Dem Cid! Wo die Thatcn Rache fodern, Schweigen Worte. Cid erwiedcrt Nichts, und schlug sich an die Brust. „Wohl hast du mir das gcsagct, Gutes Herz! doch so abscheulich, Schändlich, häßlich, niederträchtig, Nicht der Teufel handelt so." Aber welche Thranenqucllen Werden jetzt der Mutter Augen! Standhaft tröstet sie der Cid; Sendet Boten ab zum König, Schnelle Voten, um Erlaubniß, Kommen selbst vor ihn zu dürfen, Gen Toledo, wo er war. Gnädig nahm ihn auf der König, Als er ankam mit den Rittern, Gnädig, wie es Cid verdient: „Meine Dienste wißt Ihr, König, Für Fernando, Euren Vater, Für den unglückseligen Sancho, Und, Alfonso, auch für Euch." Alfobald gebot der König; Und die beyden Grafen reichten, Schimpflich, und doch nicht beschämet, Den Tizvna und Colado Ihrem edlen Herrn zurück. „Hab' ich, sprach der Cid, euch wieder, Angedenken meines Lebens, Dich Tizona; einst gewonnen, Von Bukar, dem Mohrenkönig', Als Valencia ich bezwang; Dich Colado, den der edle Graf von Barcellona trug, Als den Arragonier - König Wir mit Ruhm besiegetcn; Nehmt die Degen, Don Bermüde; Und Alvar Fannez Minaya; Bis zum Schluß der Reichsversammlung ^ Wahrt vor Jedem Niedcrtracht'gen Wahret sie in Eurer Hand." Jetzt mit fürchterlichem Aufruf Griff der Cid an seinen Bart, Nannt' in Gegenwart des Königs Und der ganzen Reichsverfammlung Nannt' die Grafen und den Oheim, Der den Anschlag angegeben, Niederträchtige Verrächer. Als ein Mann von Ehre trug er Ritterlich die Klage vor. Sich entschuld'gen wollen beyde; Doch umsonst ist die Emschuld'gung, Auf der Lippe stockt das Wort. „Sprechet, rief der Cid noch lauter, Ist cs Wahrheit, was ich sage? Tod oder Bekenntniß." — „Der, (Sprach im Spott Garzia Cabra) Der mit seiner Eisenstimme Und mit seinem langen Bart, Will Euch, Grafen, hier erschrecken; Geh' er hin zu seinen Mauren" — „Schweigt, antwortete der König, Recht gilt hier es und Gericht. Fechten müßt Ihr, Angeklagte, Drei) mit drcy; Ihr beyden Grafen Und der Oheim in Person; Anderseits, wen von den Rittern Gegenüber Euch zu stellen Der Beleidigte sich wählt." 223 Der Cid. Auf der Stelle wühlte Cid Drey von seinen wackern Männern, Den Bermudes und zwey Vettern Stellend sie dem Feinde dar; Nahm darauf vom König Abschied, Nach Valencia zog er heim. 6u Niederträchtige Verräther Dleiben immer hinterlistig; Können sie mit Ritter - Ehre Nicht entgehn dem bösen Kampf, Wollen sie ihn von Toledo Fernhin ziehen auf die Ebne Ihres Städtchens Carrion. Schon versammlet sind dort alle Große stattliche Verwandte, Selbst aus königlichem Stamm; Alle reich in goldner Rüstung, Alle prächtig im Gefolge, Uebermüthig, frech und stolz. Und ihr Anschlag ist, die Ritter Eids voran hinwegzublasen, Ehe noch der Kampf beginnt. 224 Der Cid/ Kaum wird diesen solches merkbar, Wenden sie sich an den König: „Unter des Gesetzes Schutz And in Deinem sind wir, König; Dir vertraut, Dir anbefohlen; Wenn wir hinterlistig fallen, Rachen wird uns unser Cid." So gewarnet nimmt der Köniz Aller drcyer Leib und Leben Leffentlich in seinen Schutz; Weis't die hinterlist'gen Grafe» Gen Toledo, untersagend Das Gefecht in Carrion. L wie sank das Herz den Frechen! Worin Colado, vor Tizona Zittert jetzt ihr Plebermuth. Feld und Platz sind abgemessen, Aufgerichtet stehn die Schranken, Wo bleibt Fernan Gvnsalez? Denn Bermudcs steht erwartend —> Endlich tritt ec auf, erbebend, Stößt zuerst mit seiner Lanze, And schon liegt er tief am Boden, Mit durchbohrtem Schild und Harnisch, Bittend fleht' er um sein Leben, Als er die Tizona sah Aufgehoben. „Stirb, Berrather!" Rief Bermudes. „Schenk' , 0 schenke Mir mein Leben, sprach der Feige; Ich erkenne mich besiegt" M a r- Der Cid. 22 § Martin Antolin von Burgos Hob die Lanz' und den Co lado Gegen Diego Gonsale z. Mächtig schrie er um Erbarmen Unter Puffen, unter Streichen Des Eolado^, bis sein Roß ihn Günstig aus den Schranken riß. O wie schändlich, riefen alle, Schändlich ist auch Der besiegt." Nunno Gustios tritt entgegen Dem verräterischen Oheim, Suer Gonsalez, durchbohret Ihm auf Einmal Helm und Schild; Blutend liegt er an dem Boden, Schon setzt Nunno ibm die Lanze Ins Gesicht; da ruft des BaterS Klägliches Geschrey: „Erbarmen! Lieget ec denn nicht besiegt?" Ja besiegt, und niederträchtig Feige, sind sie überwunden, Die Stolzen, Nermessenen. Nichts bleibt itzt dem König übrig, Als das Uriheil auszusprechen „Niedriger Verrätherey." Ehrlos werden ihre Namen", Eingezogen ihre Güter, Und kein Mann von Ehre nennet Ohne Schaam die Niedrigen. Als der Cid von seinen Siegln Froh die gute Botschaft horte, Herders W.z. sch. Lit.u. Kunst, lll. P Oer Qä. 226 Der Cid. Dankt er Gott; doch blieb im Herzen Ihm die bittere Erinnrung Lebenslang ein wunder Ort. Seit der Schmach, die ihm begegnet, Tiuz er fortan schwarze Rüstung, Uebecsa't mit goldnen Kreuzen, Und war stiller als vorher. 62. Cingcschlummert, matt vor Alter, Saß auf seinem hölzern Stuhle Cid, der Feldherr, neben ihm Saß Ti me ne mit den Töchtern, Stickend eine feine Leinwand, Ihnen winkte mit dem Finger Sie, des Vaters süßen Schlummer Nicht zu stören; Alles schwieg. Als zwey Persische Gesandte, Den ruhmvollen Cid zu grüßen, Kommen mit Geräusch und Pracht. Denn der Ruf von seinen Thaten, Von der Größe seines Werthes; Drang durch Mauren und Araber Hin ins ferne Persien. Von des Helden Ruhm ergriffen, Sandt' der Sultan ihm Geschenke, Seidenstoffe, Specerey'n. Der Cid. 227 Angelanget mit Kameelen, Traten vor ihn die Gesandten; „Ruy Diaz, (sprach der Eine Mit hinabgesenktem Blick) Ruy Diaz! tapfrer Feldherr! Unser mächtig-großer Sultan Beut dir seine Freundschaft an. Bey dem Leben Mahoms schwur er: Hakt' er Dich in seinem Lande, Wohl die Halste seines Reiches Gab' er gerne Dir als Freund. Seine Achtung Dir zu zeigen. Sendet er Dir die Geschenke." — Ihm antwortete der Eid: „Sagt dem Sultan, Eurem Herren, Daß die Ehre seiner Botschaft Ich empfange unverdient. Was ich that; es war nur wenig; Was ich bin, ward oft verlaumdet. Hätt' er sich bey uns erkundet, Wer ich sey? Er hatte schwerlich, Mir die Ehre nicht erzeigt. "Jndeß, war' er Christ, ich machte Ihn zum Richter meines Werths." Also sprach der Eid und zeigt» Ihnen darauf seine Schätze: Die Gemahlin und die Tächter; Zwar nicht überdeckt mit Perlen, Ohne Schmuck und Edelsteine, Doch des Herzens Gut' und Unschuld. Sprach aus jeglichem Gesicht. P 2 228 Der Cid. Ueber seiner Töchter Schönheit Waren beyde hoch erstaunt; Und noch mehr, noch mehr erstaunet Ueber seine schlichte Sitten, Ueber sein einfaches Haus. Auch in Spanien besiegte Bald sein Ruhm die ärgsten Neider Seine schönen edlen Töchter, Donna Sol und Donna Elvirs Fand der Lohn; an zwei) Jnfanten Arragoniens und Navarra's Wurden glücklich sie vermahlt. 63 - Matt von .Jahren, matt von Kriegen, Obwohl überdeckt mit Ruhme, Als der Cid, Bukar entgegen, Der Valencia ihm zu rauben, Auf ihn drang mit starker Heerskraft, Drepßig Könige mit ihm; Als Cid gegen fle hinauszog, Sprach er zu Timenen so: „Wenn ich überdeckt mit Todeswunden Auf dem Schlachtfeld' falle, so bestatte Mich be>-m heil'gcn Pedro de Cordonna, Nahe dem Altäre; und, Timene, Der Cid. 229 Sep wohl auf der Hut, daß Dich der Mauren Keiner daim in Furcht und Schwachheit sehe. Wenn man diesseits über meinem Leichnam Nuhepsalmen singt, so rufe jenseit Man zu Waffen, daß mein Tod den Feinden Neuen Muth nicht, und den Sieg nicht gebe." „In der Rechte laß mir die Tizona Auch in meiner Gruft, daß sie kein andrer, Kein Unwürd'ger führe. Will es Gott so, Und Du siehst Babiexa aus dem Schlachtfeld Ohne mich heimkehren; öffn' ihm freundlich Gleich die Pforte; streichle ihn, Lime ne, Wer dem Herrn so treu, wie Er, gedient hat, Ist auch Lohns werth nach des Herren Tode." „Hilf, Lime ne, hilf mir in die Waffen; Sieh dort blinket schon die Morgenrötbe; Und es geht auf Leben oder Tod setzt. Gib mir, Liebe , gib mir Deinen Segen; Und was ich erworben, fcy der Himmel Gnädig Deiner Kraft, cs zu erhalten." Ausgesprochen diese Worte, Schwang er mühsam sich vom Eckstein Auf sein gutes Pferd Kabieoa; Das sah seinen Herren traurig, Traurig hing es seinen Kopf. Matt von Kriegen, matt von Kämpfen Lag der Cid auf seinem Lager, Denkend an die nahe Zukunft, An Gefahren der Limene, Als er neben sich am Bette, Leuchten sähe, welchen Glanz! Einen Mann an seiner Seite Sah' er; heiter war sein Antlitz, Glanzend; rind sein Haar gekräuselt. Weiß, wie Schnee; er saß ehrwürdig Da, in süßem Himmelsduft. „Schlummerst Du, mein Freund Rodcigo (Sprach er). Auf! ermuntre Dich! „Und wer bist Du, sprach der Feldherr, Der im Wachen mit mir spricht?" „Pedro bin ich, der Apostel, Dessen Haus Dir so beliebt ist, Hergesandt auf Deine Sorgen, Komm' ich zu verkünden Dir, Daß Dich Gott nach dreyßig Tagen Rufet in die andre Welt." „Wo Dich alle Deine Freunde, Wo die Heil'gen Dich erwarten ; Der Cid. Um die Freunde, die Du lassest, Um Timenen sey nicht bange; Aufgctragcn meinem Vetter, Dcm San-Iago, ist ihr Sieg. Mache fertig Dich zur Reife, Und bestelle froh Dein Haus." Dies gehöret, sprang Rodrigo Munter auf von seinem Lager, Will dem heiligen Apostel Dankend froh zu Fuße fgllen; Doch die himmlische Erscheinung War hinweg; er stand allein. 65 . Tausend hundert zwev und drepßig, Am dreizehnten Tag des Maymond's War es, als der gute Feldherr Von Bivar die Welt verließ. Tages drauf, als ihm San-Pedr Prophezeyhend war erschienen, Ließ er seine Freunde kommen, Und Ti menen ihm zur Seite, Sprach er seinen letzten Willen Ernst und ruhig also aus: 232 De r C i d. „Zu San-Pedrv de Csrdonna, Wie Du mir versprachst, Ti mene, Wird mein Körper heimgeführt; Zedcm meiner edlen Männer Gib fünfbundert Maravedi's: Denn sie waren treu-ergeben, Treu dem Cid bis in den Tod, Alvar Fannez von Minaya, Du, mein Freund, wirst sie vcrthcilen; Was Dir bleibt, meine Time ne, Wend' es an zu frommen Werken, Und für Deine Gut' und Liebe Habe meinen treusten Dank. In das Kloster zu Cordonn« Wirst Du meinen Leib begleiten; Mein Vertrautester, Gil Diaz, Don Jeronymo, der Bischof, Alvar Fannez, und Bermudes, Meine treugeliebten Alle, Werden, Dir und mir gefällig, Wohl mit Dir die Reise thun." So empfahl er. Gott die Seele, Rahm Abschied von seinen Freunden, Und empfing das Sakrament. Der C^.i d. 233 66 . Tages noch vor seinem Tode Ließ Cid seine Freunde kommen, Und als Feldherr sprach er so: „Ich weiß, daß der Mohrenkönig, Daß Bukar mit seinen Heeren, Der Valencia hart umschließt, Gierig meinen Tod erwartet; Bergt dem Sarazenen ihn." „Und die kostbar'» SpeZereyen, Die Balsame, die der Sultan Mir aus Persien gesandt, Sankt' er wohl für meinen Leichnam — Wohl, ihr Freunde, laßt ihn waschen, Balsamirt ihn mit der Myrrhe, Kleidet ihn von Haupt zu Fuß; San-Jaga wird Euch begleiten, Und kein Klaggesang erschalle, Keine Thram wein' um mich." Vielmehr, wenn ich ausgeathmet. Lasset die Trommeten tönen, Laßt die Pauken, laßt die Cymbeln, Laßt die Klarinetten rufen, Fklogeschrey zur nahen Schlacht." Der Cid. s3§. „Und wenn ihr dann nach Kastiljcn Meinen Leichnam hinbegleitet, Wiß' es ja kein Mohren-Seewolf» Me lasset hier zurück." Sattelt meinen Freund Babieca, Kleidet mich in meine Waffen, Gürtet an mir die Tizona, Und so setzt mich auf mein Roß. Neben mir geht dann Gil Diaz, Don Jeronymo, der Bischof, Und mein tapfrer Freund Bermudes; Ihr Alvar Fannez Minaya, Ziehet stracks hin auf Bukar; Daß Euch Gott den Sieg verleihn wird, Sagte mir San Pc-co selbst." Also sprach" der Feldherr ruhig, Und des Sultans Ehrenbalsam War gesandt ihm zum Triumph. 67. Fahnen, gute, alte Fahnen, Die den Eid so oft begleitet, In und siegreich aus der Schlacht, Rauschet ihr lucht in den Lüften Traurig, daß euch Stimm' und Sprache, Daß euch eine Thrane fehlt: Denn es brechen seine Blicke, Er sieht euch zum letztenmal. Der Cid, s3S Lebet wohl, ihr schönen Berge, Terucl und Alba razin, Ew'ge Zeugen seines Rubmes, Seines Glückes, seines Muths; Lebet wohl, ihr schönen Höhen, Und du Aussicht auf das Meer hin. Ach, der Tod, er raubt uns Alles, Wie ein Habicht raubt er uns. Seht, es brechen seine Augen — Er blickt hin zum letztenmal. Was hat er gesagt, der gute Cid? Er liegt auf seinem Lager. Wo ist seine Eiscnstimmc? Kaum noch kann man ihn verstehen, Daß er seinen Freund B^ibieca, Ihn noch einmal sehen will. Babieoa kommt, der treue Mitgcfahrt' des wackern Helden, In so mancher, mancher Schlacht. Als er die ihm wohlbekannten Guten alten Fahnen stehet, Die sonst in den Lüften wehten, Hingebeugt auf's Sterbelager, Unter ihnen seinen Freund. Fühlt' er seinen Lauf des Ruhmes Auch geendet, steht mit großen Augen stumm da, wie ein Lamm; Sein Herr kann zu ihm nichts sprechen, Er auch nichts zu seinem Herrn. 236 Der Cid. Traurig sieht ihn an Babic 9 a, Cid ihn an zum letztenmal. Gerne hatt' sich Alvar Fannez Mit dem Tode jetzt geschlagen; Lhne Sprache sitzt Lime ne; Cid, er drückt ihr noch die Hand. Und nun rauschen die Paniere Starker; durch das offne Fenster Weht ein Wind her von den Höhen — Plötzlich schweigen Wind und Fahnen Edel: denn der Cid entschlaft. Auf, nun auf! Trommeten, Trommel», Pfeifen, Klarinetten, tönet, Uebertönet Klag' und Seufzen; Denn der Cid befahl es da. Ihr geleitet auf die Seele Eines Helden, der entschlief. 68 . AuSgeathmet hat der gute Cid, der von Bivar sich nannte. Ku vollbringen seinen Willen, Ist Gil Diaz jetzt bedacht. Der Cid. r^7 Balsamirct wird sein Leichnam, Frisch und schon, als ob er lebte, Sitzt er da mit Hellen Augen, Mit ehrwürdig-weisem Bart; Eine Tafel stützt die Schultern, Eine Tafel Kinn und Arme, Unbewegt auf seinem Stuhle, Sitzt er da, der edle Greis. Als zwölf Tage nun vergangen, Schalteten die Kriegstrommeken, Weckten auf den Maurenkönig, Der Valencia hart umschloß. Mitternacht wars,^und man setzte Auf sein gutes Pferd Babieoa Grad' und fest den tobten Herrn; Schwarz und weiße Niederkleider, Aehntich dem gewohnten Harnisch, Den Cid an den Beinen trug; Durchgenäht mit goldnen Kreuzen War die Kleidung; ihm am Halse, Eingefaßt mit der Devise, Wellenförmig hing sein Schild. Von gemahltem Pergamente Stand ein Helm ihm auf dem Haupte» Ganz in Eisen cingekleidet Schien ec da auf seinem Roß, Zn der rechten die Tizona. — Neben ihm zu Einer Seite; Gieng Jeron ymo, der Bischof, An der andern ging Gil Diazl 238 Der Cid. Beyde führten den Babieca, Der sich seines Herrn erfreute, Der noch einmal auf ihm saß. Sacht geöffnet ward die Pforte, Die hin gen Kastiljen führet, Trabethor wird sie genannt: Durch sie zog Pedro Bermudes Mit erhobner Fahne Eids, Neben ihm vierhundert Ritter, Zur Bedeckung ihr, voran. Jetzt nun folgere Eids Leiche, Hundert Ritter um sie her; Hinter ihr Donna Ximene, Wohlbegleitet von sechshundert Edeln Mannery, ihrem Schutz. Schweigend ging der Zug und langsam, Leiff, als waren cs kaum zwanzig; Aus Valencia waren alle Langst schon, als der Tag anbrach. Alvar Fannez war der Erste, Wüthig stürzt er auf die Mauren, Die Bukar hiehcr gelagert; Ungeheuer war die Zahl. Traf zuerst auf eine schwarze Mohrin, die aus türkschem Bogen Giftge Pfeile tödtlich schoß, Also meisterhaft, daß man sie Einen Stern des Himmels nannte; Sie und ihre Schwestern alle, D r r Cid. 2 3g .hundert schwarze Weiber streckte Alvar Fannez in den Staub. Dies gesehn, erschracken alle, Sechs und dreyßig Mohrenkön'ge; Furcht - erblasset stand Bukar. Wohl sechshundert tausend Ritter Dünkt ihnen das Heer der Christen , Alle weiß und hell wie Schnee. Und der schrecklichste vor Allen, Reitend vor auf weißem Rosse, Größer als die andern alle, In der Hand ein' weiße Fahne; Auf der Brust ein farbigt Kreuz, Sein Schwert glanzcte wie Feuer — Als er anlangt bey den Mauren, Breitet ringsum er den Tod. Alle fliehen nach den Schiffen, Viele stürzen sich inS Meer. Wohl zehntausend waren ihrer, Die die Schiffe nicht erreichten, Die des Meeres Fluth verschlang. Von den Mohrenkön'gen blieben Zwanzig; nur Bukar entrann. Also siegt' auch nach dem Tode, Weil San-Jago ihm voranging, Cid; gewonnen ward an Beute Großer Reichthum, alle Zelte Voll von Golde, voll von Silber, Auch der Aermste wurde reich. Der Cid. Sodann setzten, nach dem Willen Eids, die freundlichen Begleiter Nach San Pedro de Cordonna Ruhig ihre Reise fort, 69- Büken sandte jetzt T imene Auf der Reife nach Kastiljen, Boten an CidS Anverwandte, Boten auch an ihre Töchter, Und an ihre Schwiegersöhne, Awcy gekrönte Könige; Daß sie kamen und den Feldherr», Ihren Freund und Vater ehrten, Ihm erzeigend noch die letzte Trauervollc Liebespflicht. Alvar Fannez war der Meynung, Daß man in den Sarg ihn legte, Diesen dann mit Purpur deckte, Und mit goldnen Nageln schlösse; Ddch Limene Gormaz sprach: „Cid mit seinem schönen Antlitz, Mit den Hellen, offnen Augen, Soll er in den Trauerkasten Zn den fest verschloßnen Sarg? Nein Der Cid. 24» Nein! es sollen meine Töchter, Meine Schwiegersohn' ihn sehen, Wie er noch im Tode lebt." Angenommen ward die Mcynung; Eine Stunde weit von Osma Sammlete sich die Versammlung Und der Ehrenzug begann. Arragonicns König Sanch» Kam mit seinen braven Rittern; Ihre rückgckehrten Schilde Hingen an dem Sattelbogen, Schwarze Mantel trugen alle, Aufgeschlitzte Trauerkappen, Nach Kastilischem Gebrauch. In der tiefsten Trauer waren Donna Sol und ihre Damen Schwarz umhüllt mit Etamin. Fast erhob sich schon ein Weinens Aber schnell verbot Limene Alle Klagen, alle Thranen, Weil der Cid es untersagt: Ihres Vaters Hand zu küssen, Nahten still verehrend bcyde, König und die Königin. Auch der König von Navarra Trat hinzu mit Donna Elvira, Küssend ihres Vaters Hand; Herders W.z.sch.Lit. ».Kunst. IH. Q Oer i. > r 242 Der Cid. Viele stille Thränen flössen, Bis sie zu San Pedro kamen, Wohin sich der Cid gewünscht. Selbst der König von Kastiljen Als er von dem Auge hörte, Sankt' er Boten ihn zu grüßen, Ehrenvoll ihn zu begleiten, Eilte selbst hin nach Cordonna, Und als er den Tobten sah, Wundert' er sich seiner Schönheit-. Ordnete, daß statt im Grabe Er auf einem prachtgen Stuhle Säße neben dem Altar. Aufgerichtet , reich vergoldet Ward ihm schnell ein Tabernackel Langer als zehn Jahre saß er Da in seiner vollen Rüstung, Als ob er noch leibt' und lebte, Dm Tizona in der Hand. Sancho, König in Navarra, Zugenahmt der Heldenmükh'ge, Er, des großen Eids Urenkel, Den ganz Spanien noch verehrt; Mit Alfonso von Kastiljen Führet er siegreiche Kriege, Drang hinein bis über BurgoS, Uebcr all gewinnend Beute, Bis mit solcher rcichbeladen Er hinwegzog, voll des Wahnes, Niemand könn? ihm widerstehn. So kam ec auf seinem Rückzug In das Kloster de Cardenna; Wo begraben lag der Cid, Hochverehrt: denn Niemand glich ihm Seit der Zeit an Muth und Stärke, Wie an Güt' und Redlichkeit. Vorgesetzter dieses Klosters War ein Abbt, ein Mann von Jahren, Der als Ritter einst in Waffen Q 2 244 Der Cid. l Ehre sich und Ruhm erworben, An Gestalt ein Mann von Ansthn, Voll Gemüths; es drückt ihn schmerzlich. Daß der König von Navarra Mit dem Schimpfe von Kastiljen So viel Beute mit sich nahm. Als der König zum Altar« Trat, bewundernd seine Fahne, Deren gleich' er in ganz Spanjen Keine nirgend je gcsehn, Riß der Abbt sie vom Altäre, Und erhob die Fahne — Eids. „Wisse/sprach er, großer König, Miss', in diesem Heilgen Kloster, Das mir anvertrauet ist, Liegt ein Held, mit dessen Fahne, Unter ihr, darf ich mich messen, Großer König, selbst mit dir. Denn hier ist die Leichenstatte Lids, genannt Lampe ador." „Eine Gunst von Dir zu bitten, Herr, ergriff ich seine Fahne Kühn, und trage meine Bitte Dir in tiefster Demuth vor. Laß den Raub zurück, 0 König, Den Du unserm Land entziehest; Dir gereicht's zu höherm Ruhm«, Wenn Du ihn der Hcldenfahne Weihest und dem Grabe Eids." Einen Augenblick betroffen Und nachdenkend stand der König, Uebcr dieses Abbtes Muth; Dann sprach er: „Aus mehrcrn Gründen Thu' ich, Vater, was Ihr bittet, Und laß meine Beute hier." „Erstens, weil ich aus dem Blut^ Des Eampeadors entsprossen, Der Urenkel bin vom Cid. Seine Tochter Donna Elvira, Die Gemahlin Don Garzia's, Rühm' ich , ist Großmutter mir." „Zweytens laß ich auS RerehrunL Gegen diese Heldenfahne Und des hier Begrabnen Ruhm, Eurer Obhut auvertrauet, Gern die Kriegesbeute hier;" „Die ich dann auch, recht gcsaget, Ware jetzt der Cid am Leben, Wohl nicht mit mir nehmen dürste; Nie war' ich so weit gekommen, Hätte nie sie mir erworben, Nie ließ er vor seinen Augen 246 Der Cid. Sie hinziehn aus seinem Lande, Lebte noch der tapfre Cid. Also laß ich sie dem Tobten, Euch zu frommem Brauch zurück." Er befahl — und alle Beute Blieb dem Kloster von Cardenna Sie ward eine fromme Stiftung. Ein Wohlthäter für die Armen Ein Beschützer der Verlaßnen Ward der Cid auch in der Gruft. Legenden Vorerinnerung des Verfassers. ^>ie Abhandlung über die Legende und die ihr folgenden Legenden selbst muß ich gegen grobe Mißverständnisse zum Voraus verwahren. Kein Mann von ehrbarer Stirn wird dieser Abhandlung und denen auf sie folgenden Erzählungen > verläum- dend Zutrauen, daß sie den Legen de ngeschmack, die Legendenascetik, oder gar schlechte Legendenbücher wieder empvrzubringcn im Sinn haben. Sehr gut und heilsam ist's, daß der Gebrauch solcher Bücher selbst von geistlichen Obrigkeiten eingeschränkt , und von guten Köpfen hie und da wenigstens unschädlich gemacht ist: denn von einem großen Theil derselben kann man nicht Uebles genug sagen. Sie verkehren den Sinn und sind Zeugen von verkehrtem Sinne. Zu unsrer Zeit darf dies nicht mehr demonstrirt werden. 25 » Der Cid. Kein Mann von einiger Gelehrsamkeit wird aber auch ablaugnen mögen, daß nicht in diesem Staube reine Goldkörner zu finden seyen, und daß die Vorstellungsart dieser Legenden alle Aufmerksamkeit verdiene. »Mit der Einrichtung des Ehristenthums und der Kultur Europa's hangt sie genau zusammen; ja wäre sie gar nur eine Geschichte der Verirrungen des menschlichen Herzens und Geistes, so wäre sie auch als solche höchst merkwürdig. Gewiß aber ist sie dies nicht allein. In dm christlichen und dunkeln Jahrhunderten treten Geistesgestalten mit Zügen so edler Einfalt, so reiner Würde und Schönheit auf, daß ihnen eben deswegen fremder Schmuck entbehrlich ist, weil sie buhlend nicht reizen mögen. In der Einsamkeit, in bangen Zell ten der Furcht und Noth, überhaupt aber in jedem engen menschlichen Kreise sprechen sie mit sanfter Gewalt dem menschlichen Herzen zu, und gebieten Einkehr in sich selbst, Glauben, Liebe, Geduld, strengen Gehorsam. Muß man diese Gestalten im Dunkel lassen? Darf man verblichene Tugenden und Grundsätze nicht vorführen, blos weil sie nicht die Vulgivagen unsrer Zeit sind? Eben das, dünkt mich, müsse man aus vorigen Zeiten herführen, woran es der gegenwärtigen entschieden und zu ihrem eigenen Nachtheil fehlet. Natürlich aber müssen diese Gestalten erscheinen, wie sie unsrer Zeit anschaubar find, wie sie Der Cid. LZ, unser Geist und unser Herz zu scheu begehret. Gespottet hnt man über sie genug, und zwar öfters mit schaalem Spott, mit sehr unwissender Verläum- dung; darf man sie nicht auch einmal nützlich gebrauchen ? Der Spott, zu dem manche von ihnen selbst Gelegenheit gaben, ist erschöpft; das Feld des' Nutzbaren in ihnen steht fast noch^unberühret da. Nach den Sprüchen der Altvater ist dis schwerste Tugend und die höchste Eeistesgabe, , prüfende Unterscheidung. Was soll also auch die jammernde Furcht: „man möchte sich durch Lesungen dieser Art den Geschmack verderben?" Wessen Geschmack dadurch verderbt werden kann, hatte weder einen festen noch allgemeinen Geschmack; er stand vielleicht in einem Winkel des Erdbodens tändelnd. Ist nicht aber die ganze Erde des Herrn ein Wohnplatz der Menschheit ? Wenn Aga nippe, Arcthuse, Dirce und der Cephissus angenehm rauschen; warum Zollte nicht dort auch der Jordan, der Kur, der Ganges labende Wellen treiben? warum nicht auch ein Bach in der thebaischen Wüste? Muß das Schöne blos nutzlos seyn? kann es nicht auch stärkend, erquickend werden? 2S2 D e r C i b. Rosen. Erve Legende. In einer tödtend - schweren Hungcrsnoth Versagte Rosa von Viterbo sich Den kleinsten Ueberfluß, und bracht' ihn still Den Armen. Einst traf unversehen sie Der karge Vater auf dem Wege: „Kind! Was hast du da?" „Es sind nur Rosen, Vater." „So zeige sie." Voll Schrecken that das Kind Die Schürze auf; und sieh', es waren Rosen. Kaum aber halt' der Karge sich gewandt; War, was ihm Rose schien, erquickend Brod. Ihr kargen Vater, die ihr auch nur Rosen Verlcihn, und Rosen, Rosen sehen wollt In harter Hungersnoth; seht, was ihr wünschet Dem Armen werde jede Rose Brod. ueb er die Legende. Der Name Legende hat seit der Reformation seine Würde so sehr verloren, daß man ihn in einem frostigen Wortspiel (Lügende) der Lüge für gleichlautend halt, und nur ein einfältiges von Kindern und Weiber» geglaubtes Mahrchen mit ihm bezeichnet. Einst war dies nicht also. Legende hieß das Buch, das die Summe dessen umfaßte, was nicht nur durchs ganze Jahr hin dem Volk öffentlich vorgelesen, sondern auch zu seiner häuslichen Erbauung fast einzig in die Hand gegeben ward *). Und da dies insonderheit Leben der Heiligen waren, auch allem, was man damals schrieb, der Ton der Andacht und des Wunderbaren anhing, so ist der Name Legende vorzüglich der wunderbar - frommen Erzählung, d. i. Lebensbeschreibungen und Geschichten, die durch das, was Andacht vermöge, *)l.stzenäs, Istzenänriüs, Uber scta Lsnetorum per enni iotius oiroUluin äitzest-r continens, sio Uictns, ^nin eertis cliekns letz e n ä ^ in ecclesi» ei in gacris s)-naxil>us äesitznebsniur n nioäerslore llliori; rinäe a Orascis »ppeUanlur. Dulbrssne t^lol«, 256 Der Cid. ^ur Nachfolge reizen sollten, geblieben. Nebst den Ritterbüchern, fassen sie also, nach dem Geist damaliger Zeit, die Blüthe und Blume menschlicher Ausbildung in sich; die Ritlerbücher für den Mann von Geburt, die Legenden für den andächtigen tugendhaften Menschen, welches Standes er auch seyn mochte. Aber der Geist der Zeit schwebt vorüber. Die Ritterbücher sanken, und die Legenden sanken ihnen nach. Was einst Legende, d. i. nothwendig zu lesen hieß, ward in andern Zeiten kaum lesbar gefunden; es ward verspottet und verachtet. Dreyerley warf man den Legenden vor, und keins mit Unrecht. Sie fehlen, sagte man, gegen die historische Wahrheit, gegen achte Moral, den Zweck der Menschheit, endlich gegen die Regeln einer guten Einkleidung und Schreibart. Wahrheit der Legenden. Daß sie gegen die historische Wahrheit oft und viel anstoßen, ja daß sie überhaupt als Dokumente der Geschichte mit großer Vorsicht zu gebrauchen seyn, werden sie selbst nicht ablaugncn wollen : denn die wenigsten sind dazu geschrieben. Als Erb auun g s schri fte n, als Tugend- und Andacht- I Der Cid. 287 bachtbildec sind sie da, zu Erweckung ähnlicher Tugend, ähnlicher Andacht. Was hierzu den meisten Eindruck machen konnte, und wie cs ihn machen konnte; das ward geschrieben. Vielen Legenden bricht man, wenn ich so sagen darf, den Rücken, wenn man sie zu historischen Dokumenten ängstlich gestaltet. Denn woher waren diese Legenden genommen? Aus dem Munde der Erzählenden, meistens andächtiger Jünger Imd Iüngcrinnen; oder aus einzelnen Aufsätzen, selten des Verstorbenen selbst, meistens seiner Freunde. Alle diese sprachen und schrieben nach Einer Regel, zu Einem Zweck ihres nächsten Kreises, und des Geistes ihrer Zeit. Zur Erbauung sprachen und schrieben sic; nicht als vor Gericht gestellte Zeugen. Ueberhaupt ist über die Glaubwürdigkeit der Geschichte, und dessen, was man in ver- schicdnen Zeiten, unter verschiednen Völkern glaubwürdig nannte, bcynahe noch nichts Haltbares geschrieben; und die Legendo der mittleren Zeiten, so unentbehrlich sie der Geschichte ist, hat, außer einigen französischen Kritikern, wenig Bearbeiter gefunden. Wie billig, bewarben sich die Protestanten nach der Reformation wenig anders, als Strcitweise um sie; die erzkatholischen Lander blieben im Glauben an die Legende, als an eine geschriebene Tradition; und die wenigen Untersuchet wußten und kannten ibrc Schranken. Eine vollständige Kritik der Chroniken und Legenden mittlerer Zeit, unpartheylich und ehrsam, geschrieben für jeden und für keinen Kultus, auf den Knieen der Wahrheit geschrieben und von ihr selbst diklirt, gehört noch unter die guten Wünsche. Herders W.z. sch. Lit.u. Kunst. III. R 0e>- Ll-I. 253 Der Cid. Und doch wäre sic, was das Wunderbare anlangt, so schwer zu schreiben eben nicht; das Wunderbare der mittleren Zeit hat seine sehr enge Topik. Aus der biblischen Geschichte und aus National-Tra- ditionen, aus Einbildungen der Völker entsprossen, unter denen und für die cs gedacht ward, führet cs seine Quelle wie seine Bedeutung gleichsam mit sich. Da es auf das Volk wirken sollte, so kann es leicht verstanden werden; und da der Klerus weder zur Kunst, noch überhaupt sehr kunstreich diese wunderbaren Erzählungen formte, so ist auch ihre Form nichts weniger als inkommensurabel. Wer die Bibel gelesen und die Volksdenkart der Zeit und Gegend, für die erzählt wurde, sich bekannt gemacht hat, versteht die Bedeutung des Wunderbaren so einfach, alS > der sie verstand ^ von dem die Legende redet. Diesem Frommen z. B. ließen sich Stimmen vom Himmel hören. Wer hörte diese Stimmen nicht in seinem Herzen? wenn sie gleich das Ohr nicht vernahm; sobald ihr Inhalt nur himmlisch, d. i. aufmunternd und erquickend ist. Einem andern sangen unsichtbare Chöre; diesem erschien sein Schutz« gcist und sprach mit ihm, warnend, belehrend, tröstend. Jenem Rechtschaffenen glänzte sein Antlitz vor Gericht, im Gebet, gegen Verläumder und Bö- sewichter, Key einer frohen Wohlthat, Key einer groß- müthig-stillen Verzeihung, im Tode, nach dem Tode. Wem sind nicht ähnliche Eindrücke aus dem Leben, aus der Erzählung eng - umfangener Menschen bekannt? Dem Einsamen z. B. schweben Töne, bleiben Töne im Ohr; sie kommen in Stunden der Niedergeschlagenheit , den Geist erhebend, als Freunde wieder. Siehe da die himmlischen Stimmen und D e r E i d. 209 Chöre. Aus Beyspielcn ist bekannt, daß eine starke Einbildungskraft das Bild seiner selbst gleichsam aus sich herauszuwerfen, und sich sichtbar zu machen vermöge; daher die Erzählungen von Menschen, die sich selbst zu sehen glauvten, daher die Gespräche mit sich selbst, als mit einem guten oder bösen Genius, und Key zarten Gemüthern am liebsten das Gespräch mit einem edlern Ich, einem leitenden, liebenden Schutzgeist. Aus der Stirn fröhlicher guter Kinder, auf dem Antlitz der unbefangenen, hei-' kern Unschuld, der reinen Liebe, der verzeihenden Großmuth — wer sah und liebte nicht jene ruhige Stille, in der uns ein Engel gegenwärtig zu werden scheinet? — Endlich in den Schmerzen der Krankheit, der Leiden, der Verfolgung, im Tode, nach dem Tode; hier gönnet der frommen Legende ganz ihren Lauf; hier ist das Herz sich selbst eine reiche Legende. Wenn eine Tochter am Sterbebett ihrer Mutter das Antlitz stehet, das sie bald nicht mehr sehen wird, und ihre letzten Worte höret; wenn der Blick des Redlichen, des zu Tode Gequälten sich noch Einmal denkbar - froh gen Himmel, segnend- ftoh zu denen wendet, denen er hicnieden nichts als Gutes gethan hat; und wenige Augenblicke nachher, von der ernsten Hand des Todes berührt, sein Gesicht die wahre Gestalt seiner Seele im festeste;; Bilde zeiget, da lasset doch ja dem stillen Gemüth einer trauernden Kindesliebe seine Kraft, die Züge des Sterbenden, des Gestorbenen zu einem Engel zu erhöhen, und ihn in solcher Gestalt seinem Innersten cinzuprägcn. Lasset der Sage ihren Gang, daß ihn Stimmen gerufen, getröstet, bewillkomntt haben; daß ein ambrosischer Duft, ein himmlischer R 2 Der Cid. ?6o Glanz den zum Himmel Eilenden umschwebte. — Hier laßt sich die Phantasie der Empfindung weder etwas vorschreiben noch ausreden. Ein Gleiches ists mit dem Wunderbare», das die Legende jetzt, und hie und da auf die ganze Natur verbreitet. Jedermann weiß, daß ihre Zeiten für die wahre und rechte Naturwissenschaft nicht die blühendsten waren; die Gesetze der Astronomie, die Verhältnisse der Körper gegen einander waren noch nicht in das Licht gesetzt, in welchem sie dem aufgeklärten Theil unsrer europäischen Nationen jetzt erscheinen. Was Wunder also, daß man in der Dämmerung damaliger Zeiten alle Erscheinungen der Natur zu sich so sprechen ließ, wie das Gcmüth, wie der Zustand des Herzens cs verlangte? Dem Einsamen, dem ^Geängsteten, dem Peinlichen, wiederum dem Begeisterten, dem Entzückten spricht Alses. Der Zweifelnde sucht allenthalben Belehrung; der Verlassene merket auf jeden ihm entgegenkommenden Wink. Lasset also jenem Verirrten einen Stern erscheinen, der ihn leite; diesem Durstenden entspringe eine Quelle, jenem matten Wandrer entsprieße ein Palmbaum in der Wüste. Hier falle auf des Frommen Gebet ein längst erwünschter Regen und erquicke die lechzende Au; dort komme ein Hagelwetter, ein Donner zu rechter Zeit, und schalle in Ohr und Seele. Jetzt laute die Glocke von selbst und wecke auf; hier erscheine ein Thier und schrecke und warne. Oder ein Vogel bringe himmlische Botschaft; ein Adler, ein Storch, eine Schwalbe, eine Taube gebe der wartenden Menge Muth, der zweifelnden Menge Bestimmung. Im ganzen Altcrlhum sind Augurien und Präs.agien eine geglaubte Der Cid. 26t Spräche der Gottheit gewesen; jedes Volk hatte sie in seiner Weise und pflanzte sie in Sagen fort. Die Dichter nutzten sie; und auch der Geschichte konnten sie nicht fremde bleiben. Wer begehrte nun, daß sie einer zur Erbauung geschriebenen Legende fremd bleiben sollten? Andacht d. i. ein Aufmerken aufs Göttliche rings umher schrieb ja diese Legenden. Andacht sollte sie lesen; Andacht sollten sie einflöfie» und wirken. Ueberdcm wird dies Wunderbare in den mittleren Zeiten so leicht, ich mochte sagen, so natürlich cingeführet, daß man es eben so leicht in die gewöhnliche Sprache übersetzen kann, eben weil es damals gewöhnliche Sprache und Vorstellungsart war. Manches ist sogar in Sprüchwörter übergegangcn, deren Sinn ohne wunderbare Deutung jeder Einfältige an- zuwendcn weiß. Wenn z. B. vor diesen fleißigen und rüstigen Männern, die eine wüste Gegend an- bauetcn, Wölfe und Schlangen flohen; sie scheuchten Drachen aus ihren Höhlen hinweg; von ihrem Segen ward die verschlemmte Quelle gesund, der Pfuhl trocken, die Wildniß zu einem Garten und Fruchk- lande; die Luft heiterte sich; das Klima ward milde — wem müßte diese Sprache noch erklärt werden? Sie sagt nichts, als was wirklich geschah durch den Fleiß emsiger Hände. — Wenn nun solchen neuen gefürchteten Ankömmlingen entgegen aus Seen und Wäldern die Dämonen schrieen, die Geister heulten und schreckten, die Teufel wimmerten und klagten; wer, wenn er einen Begriff von den grausen Gegenden, von den wilden Einwohnern dieser Gegenden hak, verstünde nicht diese Sprache? Den Bären besänftigten sie, indem sie ihm Brod reichten, 262 Der Cid, (ein seltnes Nahrungsmittel mancher Gegend) und befahlen ihm Holz zu tragen; wem müßte erklärt werden, wer diese Baren gewesen? Möchte der Sccpter unsrer Staatskunst, das Geschütz unsrer Helden zur Urbarmachung der Welt, zur Bcodausthci- lung und zu Erweckung des Fleißes der Baren allenthalben so wirksam und glücklich seyn, als es damals das heilige Kreuz und das segnende Wort waren. Sehr unverständig hat man daher über manche Legende dieser Art gespottet, so daß der heilige Esel, den man verlachte, dem Spottenden selbst den Hohn zurückgeben möchte. Auch der Legende liegt also Wahrheit zum Grunde; nur ist sie Legendenmaßig eingckleidet und erzählet. Auch ihr Inhalt ist nicht immer so unwichtig, als mm: glaubet; denn sind wir diesem Inhalt nicht Uncn großen Theil der Aufklärung und Verschönerung Europa's durch Kenntnisse und Fleiß schuldig? Die Thatcn, wovon sie erzählen, stumpften das Schwert ab und bezähmten wilde Barbaren. Die meisten Institute unsrer Wissenschaften und Künste nähren sich von den Brosamen dessen, was einst die Männer der Legende mühsam erwarben, andächtig stifteten, heilig bewahrten und der Nachkommenschaft fromm vermachten. Ohne die frommen Männer und Weiber der Legende bettelten jetzt vielleicht alle Musen in Europa; oder vielmehr an Musen in Europa wäre ohne sie gar nicht zu gedenken. — Die Geschichte "der mittleren Zeit kann des Studiums der Legenden so wenig als der Chroniken entbehren : denn bcnde fließen überhaupt in einander. Jene gehen allen Diplomen voran und lange ihnen Der Cid. 263 zur Seite. Die mythologische Spruche und Einkleidung der Legenden muß also eben sowohl studirt werden, als die Sprache und Zeichen der Diplome. Sie sind in den mittleren Zeiten das, was in der griechischen und römischen Urzeit die alten Heldensagen waren, aus denen einst alle Dichtkunst und Geschichte hervorging. Die geheimere, innere Denkart der christlich gewordnen Völker, ihren Wahn, Aberglauben, Schwachheiten, kurz den dunkeln Grund ihrer Seele lernt man aus mancher Legende mehr kennen, als in diesen Zeiten aus ihrer sammtlichen Staatsgeschichte. Nur cs gehört ein Ausleger dazu, der auch das Wunderbare zum schlichten Menschensinn hinabführe, II. Zweck der Legende. „Schade," wird man sagen, „daß die meisten derselben eine so verkehrte Tendenz haben! Wohin zielen alle diese Wunder? um welche Achse drehen sich alle Bemührmgen der Legende? Den Müßiggang zu ehren, Einsledeley, Aberglauben, überspannte Andacht, falsche Tugenden, eine fromme Dummheit, eine den Geist ermordende Frömmigkeit, Heuchele,) und Abgöttern) zu empfehlen; das ist ihre acht-christliche Absicht. Wem dienen diese Engel? Diese Raben, wem bringen sie Speise? Einem Einsiedler. Ihm entspringt die Quelle, ihm tragt der entblätterte Baum Früchte. — Was thut 264 Der Cid. er in seiner Einsamkeit? Psalmen singen, schweigen, seine Seele zur buchsten Unrichtigkeit gewöhnen, sich unnütz peinigen und foltern. Erwecken sie nicht Mitleiden und inncrn Abscheu, jene Büßungen, mit denen betrogene Unglückliche sich selbst martern? jene unnatürlichen Kampfe, die ihre Seele verwirren, ihre edelsten Kräfte lahmen, und mit denen sie sich mehr als Ein Fegfcuer, mehr als eine Hölle selbst schaffen und geben! Hat sich nicht oft euer Busen verengt und euer Haar emporgestraubet, wenn ihr diese unsinnigen Büßungen, diese sinnlosen Entäußerungen der Gedanken, Sinne und Triebe im Leben eines Menschen Jahrehin verfolgtet? Und wenn ihr die müt- terlich-rufende, warnende, wiederkehrende Natur hart und schnöde zurückgewiesen saht, stoffen euch nicht Thcänen? — Kor Göttern und Menschen gibt es keinen Thranen-wertheren Anblick, als eine unschuldig-zerrüttete Seele, ein durch andächtige Grausamkeiten niedergebeugter, zerquetschter, zerschlagener Geist, ein Herz, das für und wider nichts sich selbst verwundet. Und diesem bösen Ideal einer verführenden Sittenlehre, die "zu leerer Andacht, zu einem niedrigen Aberglauben, zu einer nutzlosen Anstrengung, endlich zu jener völligen Aushöhlung der Seele leitet, die mit äußersten Schmerzen ihren Kern aus sich gebohrt hat und wie eine hohle Nuß sich dem Herren weihet — diesem bösen Ideal wolltet ihr eine Zeile des Lobes widmen? Kreuz, Messe, Pönitenz, Sakramente,- Tempel, Altäre, heilige Gebrauche und Kleider, Zellen, Särge, Gräber sollten die Sphäre seyn, um welche sich alle Sphären und Elemente der Menschheit bewegen?" Der Cid. 265 Wäre dem Allen so: so könnte man nicht anders antworten, als: „spottet nicht, sondern bessert!" — Der Arzt laßt sich die Gebrechen seines Kranken erzählen, nicht bannt er sie witzig zur Schau trage, sondern damit er ihm Leichterung schaffe und ihm helfe. Wäre alles, wovon gesprochen ist, ein schwerer dunkler Traum langer Jahrhunderte, ein ungeheurer Wahnsinn der -Zeiten gewesen; zeiget ihn als solchen. Hebt die Erzählungen verführter, mißleiteter Seelen sorgsam aus, und bemerkt, wie sie mißleitet wurden, wie sie sich selbst verführten. Zeigt dies mit aller zarten Theilnahme, mit jedem hülfrei- chen Erbarmen, herabsteigend in die Tiefen der menschlichen Natur, in ihre betrüglichen Tiefen. Wie lehrreich werdet ihr schreiben! Eine kleine Legende wird mehr Psychologie, mehr Warnung, Rath und Trost enthalten, als vielleicht ein ganzes System kalter pharisäischer Sittenlehre. Sie wird wieder werden, was ihr Name sagt, ein durchaus zu Lesendes, eine Legende, Nur gehört vor allem hiezu Theilnahme, Versetzung ins Zeitalter und Leben derer, von denen man redet. Nach unsrer lichten Zeit können wir nicht alles bcurtheilen; nicht jede andre Zeit warf alles Heilige als einen Unrath von sich. Das Kreuz hat einst den Völkern Ruhe gebracht; es stillete Aufruhr, Fehden, Zwietracht und gebot den G o tte s fr i e d en. Tempel waren Zufluchtsorte der Unbewehrtcn gegen Raub und Unterdrückung; der Altar war eine Statte des öffentlichen Bekenntnisses, des Gebets, der Gemeinschaft Gottes mit den Menschen. Das Grab war ihnen Der Cid. eine Ruhekammer, wo himmlische Geister das er- siorbenc Saamcnkorn zur Aufblüthe eines künftigen ewigen Frühlinges bewahrten. Ueber heilige Gebräuche und Worte endlich läßt sich auch nicht anders, als aus dem Geiste der Zeit reden, für welche sie gehören. Und waren nach eben diesem Geiste der Zeit körperliche Hebungen zur Enthaltsamkeit, Strenge, zu festgehaltencm Andenken, zum Vermögen über Sinne und Neigungen verwerflich? Waren rohe sinnliche Naturen anders zu besänftigen, zu fesseln, zu zähmen, als durch ein gegenseitiges Extrem, durch eine andre, geistige Welt noch stärkerer Leidenschaften und Begierden? Woher kommts, daß in «nserm Zeitalter wir so wenig können, so wenig ernstlich wollen und vermögen, als weil wir von Jugend auf zerstreut und verzärtelt leben, indem uns zu anhaltenden schweren Uebungen Anlaß, Regel, Ordnung, Sitte, tägliche Gewohnheit und strenges Gebot fehlen. Gewiß vermögen wir nicht, was die Männer der Legende vermochten, sonst brächten wir Wirkungen hervor, wie jene, aus deren Pflanzungen wir, über sie spottend, von ihren Früchten zehren. Und dann ! gäbe es in diesen Zeitaltern durchaus keine Muster einer Tugend , die wirklich diesen -Namen verdienet? Keine Seclengröße, die, über sich selbst gebietend, Gefahren nicht suchte, aber tapfer überwand, und das Leben selbst nicht achtete zu Erlangung des Kampfpreises. Herausfordern und an- greifcn ist freylich leichter als erwarten, bestehn, aus- Der Cid. 267 dauern. Kein Siegsgeprange munterte diese Helden auf, keine irdische Belohnung. In der Verachtung fanden sie Ruhm, in der Verfolgung Gewinn, in der Mühe Lohn, in der Schwachheit Starke. Oft, sehr oft zeigten sie mehr als Spartaner - und Nö- mersinn; tausende von ihnen ließen sich, ihrer guten Sache wegen, Prunk- und Namenlos gleichsam lebendig verscharren und begraben. Nicht nur Bequemlichkeit, ihr liebster Eigenwille ward abgelegt zum Besten ihres Ganzen. Sehet in den Gemahlden großer Künstler, einer Raphaels und Domini chino, Correggio, Guido und Guercin's jene Gestalten der Heiligen an, und sagt: ob ihr von dieser Art geistiger Anmuth und Seelen große, von dieser transcendenten Erhabenheit und Hingebung, von dieser reinen Abgezogcnheit und Ehrfurcht - gebietenden Würde, von dieser jungfräulichen Andacht, diesem Mutter- und Kindessinn, ich möchte sagen, von diesem E n ge l s g e fü h l, sogar in den Werken der Alten etwas anders, als vielleicht nur hie und da eine in der Sinnlichkeit verhüllete Knospe findet? Hier ist sie hervorgcgangcn, die geistige Knospe; sie hat sich aufgethan in vielen Gestalten und Formen. — Um also auch nur die Werke der neueren Kunst in ihrem schönsten Zeitalter zu verstehen, kann und darf uns die Legende nicht fremde bleiben. Ein ganz eignes Gefühl ist es, dies süße Gefühl der Andacht. Es heftet so unabwendbar an und fesselt so ganz, laßt so vieles unmerklich hinschwinden und scheint uns mit wenigen Gedanken so viel, mit Einem Gedanken Alles zu geben! Dadurch mackt es so unveränderlich, so heiter und stark in Sanftmuth. Der Löwe wird Lamm und das Lamm ein Löwe. — Spottet nicht der rauhen und beschwerlichen Wege, auf denen die fromme Einfalt, die sich damals mit wenigen, aber starken Gedanken begnügte, in dies Hciligthum unzerstörlicher Gemüthsruhs und Seelenstarke gelangte. Gnug, sie gelangte dahin, und wohl ist ihr. Suche jeder es auf seinem Wege. Jene gehet ihren stillen Gang allein. III. Vortrag der Legende». „Wenn aber die guten Legenden nur nicht so crzböse erzählt oder gar besungen waren!" So erzähle, so singe man sie besser. Ein Ton ist nicht für alle und ihr Ton nicht für unsere Zeiten. Aber erbärmliche Pedanterey ists, unter dem Vorwände des einzigen klassischen Styls die Schreibart der Römer, die unter Cäsar und August allerdings die beste war, in diesen Zeiten, zumal in Büchern der Andacht und Klosterzellen, zu suchen. Der Kirchenstyl der mittleren Jahrhunderte ist eine so eigne Sprache, als die romanische, die neben ihr galt, nur seyn kann. Die Welt ihrer Gegenstände ist eine andre als die Welt der Römer; so auch der Geist und Sinn, mit Der Cid. 269 dem man diese Gegenstände behandelte und ansah. Auch die lateinische Sprache der mittleren Zeiten hat ihre Perioden und in diesen ihre sehr verschleimen Schriftsteller, gute, mittelmäßige, schlechte. Vollends der Geist ihrer Dichtkunst war vom römischen ganz verschieden; und doch hats Liebhaber des Studiums dieser Zeiten gegeben, die auch ihnen ihre Grazie und Schönheit zugestandcn. Eine gewisse Innigkeit und schmucklose Einfalt, eine populäre Herzlichkeit und Rührung wird niemand, der die besten Produkte dieser Jahrhunderte kennet, ihnen nicht absprechen können. Dem sey aber wie man wolle; damals schrieb man die Legenden für seine Zeit, uns erzähle man, wenn man will, die denkwürdigsten für unsre Zeiten. „Wozu dies Alles? Etwa das Studium der Legende unbedingt anzuempfehlen, sie unbedingt zu rühmen?" wahrlich nicht. Blos der Gesichtskreis sollte bezeichnet werden, in welchen die Legende gehört, mithin auch der Gesichtspunkt, aus welchem man sie anzusehen habe. Bey den Griechen gabs viele Legenden. In altern Zeiten hießen sie Sagen; nachher wurden sie ausgeschrieben, in Gesänge gebracht und eine Mythologie daraus geformet. Jeder berühmte Tempel, jedes Götzenbild, jede Stadt, >eder Heldenstamm hatte seine Legende. Oder sind in den Homerischen Hymnen die Erzählungen von der Lato na und dem Apoll, von Hermes, der Aphrodite, der Demeter etwas anders? 270 Der Cid. Sogar die Schäferwelt der Griechen hatte ihre Legenden. Vom guten Daphnis, vom schönen Adonis erzählte man sich die alten Sagen und wiederholte und feyecte sie in Liedern und Gebrauchen. Womit konnten sich Schäfer leichter und angenehmer unterhalten, als mit alten Traditionen, mit Wunder- und Zaubermährchcn? Ware die Legende der mittleren Zeiten so genutzt, als es die Griechische war; wäre jeder Wohl- thäter des Menschengeschlechts auch aus diesen dunkeln Jahrhunderten in dem Tone gepriesen, der für ihn gehörte; hatte jede Stadt, jede Kirche, jede gute Stiftung ihrem Heiligen diese Muse erweckt, wie manches Gute wäre dadurch befördert worden! Bey einigen ists geschehen; cs giebt einfachgroße und rührende Hymnen, die aber — unsre Zeit nicht kennet oder nicht liefet. Vielleicht wird man auch nachstehende Erzählungen, die ich dem lehrenden Idyll näher zu bringen suchte, nicht lesen mögen. Und so seyn sie denn, wie die, von denen sie erzählen, begraben! Vielleicht gehen sie in einer andern Zeit fruchtreich hervor. ()uis8c:ant in xaos. Legenden. Der Eid. Die Führerin. Führe mich, o Muse, jenen engen Steilen Pfad. Er windet sich durch Höhlen, Wie Man sagt, des dunkeln Aberglaubens Und Betrugs. Er scheint sich in die Wüste Zu verlieren, wo das rege Irrlicht Auf den Sümpfen hüpft. Auch seh ich Disteln Neben mir. Nur locket jener Glanz mich Auf der Höh'. Es tönen Lobgesange Droben. — Muse! — Doch sie ist verschwunden. — Wie? und vor mir schwebet eine andre Liebliche Gestalt, in Hellen Byssus Sanft vcrschleyert. „Himmlische, wer bist du? Ach, auf deiner Brust sind Blutestropfen. Und die Lilie in deinen Händen — " „Von dem Dolche feindlicher Verlaumdung, Freundlicher Entweihung sind die Wunden Mir gegraben; doch das Blut der Unschuld Bringet Heil." -Herders W. z. sch. Lir. u, Kunst. Hl. S Oer c-Ä, „Um deine Stirn, o Göttin, Starrt ein Dornenkranz." „Und auf dein Kranze Sprießen Rosen. Auf! hinauf l Die Palmen Winken uns; die Lobgesange tönen. Fürchte keine Höhlen des Betruges Da, wo ich dich führe." „Und wer bist du?" „Drey - und einfach ist mein heilger Name: Niemand kennt ihn, als wer ihn empfahet. Earita; Geduld und Lieb' und Hoffnung." „Aber warum schwand von dir die Muse?" „Ach den tausend unglückselgen Menschen, Und den rohen -Herzen, die sie quälen, Hilft kein Ton der Muse mehr. Sie fodern Andre Sorgen. — Hoffe keinen Lorbeer. Nimm hier dieseri Zweig und meine Krone." Die Turteltaube. Wenn ein Menschenhasser, spricht die Sage, Ein Erobrer auf der Welt erscheinet, Trauret scdes Element; die Wolke Regnet Blut; es schwärzet sich der Himmel; Und die Erde berstet; Feuerschlünde Brechen aus dem Abgrund'; in den Lüsten Heulen Stürme, Geister in den Stürmen: „Weh den Menschen, Weh! Zu Noch und Jammer, Tausenden zum Weh ist er gebohren!" — Als in dunkler Nacht das Licht der Völker Aufgieng, lag die Well in heil'ger Stille. Heller glanzeten die Sterne; segnend Trat ein neuer Stern hervor, und sagte Frommen Weisen in das Herz: „erfüllet Ist der Zeiten langer Wunsch und Hoffnung; Denn der Trost der Völker ist gebohren! " Und die Engel sangen in den Lüsten: „Ehre, Ehre sey Gott in der Höhe! Fried' auf Erden, allen Menschen Freude!" Und ein Engel trat zu armen Hirten: ,Freuet euch! dem Volk ist er gebohren!" Stillverborgnes Kind! Es sangen keine Phöbusschwan' um deine dunkle Krippe; Aber was die treue Turteltaube Deiner Höhle *) sang: (die ew'ge Liebe Sprach und girrete in ihren Tönen) Das erzähle mir die heil'ge Sage: „Lieblicher Knabe, Find' ich dich hier? Hier in den Windeln, Hier in der Kluft? *) Nach der Tradition ist Christus in einer Felsen« höhle vor Bethlehem gebohren. S 2 Der Cid. Zwar der Geliebte Nahet sich gern Seinem Geliebten , Theilet mit ihm Kummer und Schmach. Und je verborgner, Und je verkannter, Desto zufriedner Trägt er die Last. Aber, o Knabe, Wisse, du trägst, Du, ein Lamm Gottes, Sünden der Welt; ^ Alter Aeonen Gräßliche Last, Frevel und Irrthum, Greuel und Wahn. Lieblicher Knabe, Schöner als jener Leuchtende Stern! Dornen und Undank, Geißel und Schmach, Hohn und Verfolgung Warten auf dich. Siehe, du lächelst?- Willst du mir sagen: Liebe verschmähet Ehrenden Dank. »77 De Cid. kiebe besieget Schmerzen und Tod. Auf dann und ende. Was du beginnst! Greif' in der Dtter Giftiges Nest. Ucber der Drachen Neidende Zahne Wandle beherzt. Droben im Aether Ucbcr den Sternen Sehen nur uns, Deine Geliebten, Alle mit dir!" Also girrete die Turteltaube, Und die Engel sangen in den Lüften: „Friede, Freude!" — Und das Chor der Sterne, Aller Zeit und Ewigkeiten Inhalt Sind ein langer Nachhall ihres Liedes. Der gerettete Jüngling. Eine schöne Menschenfecle finden, Ist Gewinn; ein schönerer Gewinn ist, Sic erhalten, und der schönst' und schwerste, Sie, die schon vcrlohren war, zu retten. 278 Der Cid. Sankt Johannes, aus dem öden Pathmos Wiederkchrcnd, war, was er gewesen, Seiner Heerdcn Hirt. Cr ordnet' ihnen Wächter, auf ihr Innerstes aufmerksam. In der Menge sah er Aren schönen Jüngling; fröhliche Gesundheit glanzte Vom Gesicht ihm, und aus seinen Augen Sprach die liebevollste Feucrscele. „Diesen Jüngling, sprach er zu dem Bischof, Nimm in deine Hut. Mit deiner Treue Stehst du mir für ihn! — Hierüber zeuge Mir und Dir vor Christo die Gemeine." Und der Bischof nahm den Jüngling zu sich, Unterwies ihn, sah die schönsten Früchte In ihm blühn, und weil er ihm vertraute, Ließ er nach von seiner strengen Aufsicht. Und die Freyheit war ein Netz des Jünglings; Angelockt von süßen Schmeicheleyen, Ward er müßig, kostete die Wollust, Dann den Reiz des fröhlichen Betruges, Dann der Herrschaft Reiz; er sammlet' um sich Seine Spielgesellen, und mit ihnen Zog er ür den Wald, ein Haupt der Räuber. *) Pathmos, (Palmosa), eine Insel, auf welche der Evangelist und Apostel Johannes verbannet gewesen. Der Cid. 27S Als Johannes in die Gegend wieder Kam; die erste Frag' an ihren Bischof War: „wo ist mein Sohn?" — „Er ist gestorben!" Sprach der Greis und schlug die Augen nieder. „Wann und wie?" — „Er ist Gott abgestorben, Ist (mit Thronen sag' ich es) ein Räuber." „Dieses Jünglings Seele, sprach Johannes, Fodr' ich einst von dir. Jedoch wo ist er? " — „Auf dem Berge dort!" — „Ich muß ihn sehen!" Und Johannes, kaum dem Walde nahend, Ward ergriffen, (eben dieses wollt' er.) „Führet, sprach er, mich zu eurem Führer." Vor ihn trat er, und der schöne Jüngling Wandte sich; er konnte diesen Anblick Nicht ertragen. „Fliehe nicht, o Jüngling, Nicht, o Sohn, den waffenlosen Vater, Einen Greis. Ich habe dich gelobet, Meinem Herrn und muß für dich antworten. Gerne geh' ich, willst du es, mein Leben Für dich hin; nur dich fortan verlassen Kann ich nicht! Ich habe dir vertrauet, Dich mit mener Seele Gott verpfändet." Weinend schlang der Jüngling seine Arme Um den Greis, bedechete sein Antlitz, Stumm und starr; dann stürzte statt der Antwort Aus den Augen ihm ein Strom von Thronen. Auf die Kniee sank Johannes nieder. Küßte seine Hand und seine Wange, s8o Der Cid. N'bm ihn nessgeschenket vom Gebirge, Läuterte sein Herz mir süßer Flamme. Jahre lebten sie jetzt unzertrennct Mit einander; i;> den schonen Jüngling Goß sich'ganz Johannes schöne Seele. Sagt, was war es, was das Herz des Jüng lings Also tief erkannt und innig sesthielt? Uno es Wiedersand, und unbezwingbar Rettete? Ein Snnkt-Johannes Glaube, Zutraun, Festigkeit und Lieb' und Wahrheit. Der Tapfere. Ein böses Heldenthum, wenn gegen Mensch Der Mensch zu Felde zieht. Er dürstet nicht Nach seinem Blut, das er nicht tunken kann; Er will sein Fleisch nicht essen; aber ihn Zerhaun, zerhacken will er, tödten ihn! — Aus Rache? Nicht aus Rache: denn er kennt Den Andern nicht, und liebet ihn vielleicht. Auch nicht sein Bacerland zu retten, zog Er fernen Landes her. Ein Macht^ebot Hat ihn hierher geführet; roher Sinn, Der C i b. 281 Die Raubsucht, Sucht nach höh'rer Sklaverei,. Bon Wein und Branntwein glühend, schießt er, sticht, Und haut und mordet — weiß nicht, wen? Warum? wozu? bis beyde Helden dann, Verbannt ins Schloß der Unbarmherzigkeit, Ein Krankenhaus, mit andern Hunderten Da liegen ächzend; und sobald den Krieg Nokh und der Hunger endet; alle dann Als Mörder-Krüppel durch die Straßen zieh» Und betteln. Ach, sie mordeten um Sold, Gedungne Helden aus Tradition. Ein edler Held ist, der fürs Vaterland Ein edlerer, der für des Landes. Wohl, Der edelste, der für die Menschheit kämpft. Ein Hohepriester trug er ihr Geschick In seinem Herzen, und der Wahrheit Schild Auf seiner Brust. Er steht im Felde, Feind Des Aberglaubens und der Ueppigkeit, Des Jrrthums und der Schmeichcleycn Feind- Und fällt, der höchsten Majestät getreu, Dem redlichen Gewissen, das ihm sagt Er suchte nicht und floh nicht seinen Tod. * * * „Was tödtet ihr die Glieder? (rief die Wuth Des Heidenpöbcls.) Sucht und würgt das Haupt! Man sucht den frommen Polykarpus, ihn, Johannes Bild und Schüler *). Sorgsam hatten Die Seinen ihn aufs Land geflüchtet. *) Polykarp, Bischof zu Smyrna, ein im Chrl- sienthum weitberühmter Lehrer, der in der Milte Der Cid. r.82 „Ich Sah diese Nacht das Kissen meines Haupts In voller Glut; (so sprach der kranke Greis,) Und wachte mit besondrer Freude auf. Ihr Lieben mühet euch umsonst; ich soll Mit meinem Tode Gott lobpreisen." —^ Da Erscholl das Haus vom stürmenden Geschrei) Der Suchenden. Er nahm sie freundlich auf: „Bereitet, sprach er, diesen Müden noch Ein Gastmahl — Ich bereite mich indeß Zur Reise auch." Er ging und betete. Und folgcte mit vielen Schmerzen ihnen Zum Konsul. Als er auf den Richtplatz kam, Rief eine macht'ge Stimm' im Busen ihm - „Sey tapfer, Polikarp!" Der Konsul sieht Dm heitern , schonen, ruhigsanften Greis Verwundernd. „Schone, sprach er, deines Alters Und opfre hier, entsagend deinem Gott!" „Wie sollt' ich einem Herrn entsagen, dem Zeitlebens ich gedienct und der mir Zeitlebens Gutes that?" „Und fürchtest du Denn keines Löwen Zahn?" des zwcyten Jahrhunderts im höchsten Alter den Märtyrertod litt. Der Eid. »83 „Zermalmet muß Das Waizenkorn doch einmal werden, seys Wodurch es will, zur künftigen neuen Frucht." Der Pöbel rief: „hinweg mit ihm! Er ist Der Christen Vater: Feuer! Feuer her!" Sie trugen Holz zusammen und mit Wuth Ward er ergriffen, „Freunde, sprach er, hier Bedarfs der Bande nicht. Wer dieser Flamme Mich würdigte, der wird mir Muth vcrleihn." — Und legte still den Mantel ab und band Die Solen seiner Füße los und stieg Hinauf zum Scheiterhaufen. Plötzlich schlug Die Flamm' empor, umwehend ringsum ihn Gleich einem Segel, das ihn kühlete, Gleich einem glanzenden Gewölbe, das Den Edelstein in seine Mitte nahm Und schöner ihn verklärte; bis crcfrimmt Ihm eine freche Faust das Herz durchstieß, Er sank; es floß sein Blut; die Flamm' erlosch; Und eine weiße Taube flog empor. * . * * Du lachst der weißen Taube? Soll einmal Ein Geyer Dir dem Sterbenden die Brust - Durchbohren? Dem Gestorbenen das Aug' Der Cid. 2F4 Ein Rab' aushacken? Aus der Asche sich Molch oder Natter winden? — Spotte nicht Des Bildes, das die Sage sich erschuf: Nur Einfalt, Unschuld giebt im Tode Muth. Die Krone. Nicht im müßigen und stolzen Grübeln Zn Geschäftigkeit fürs Wohl der Menschen Und in selbstvergeßner Dcmuth wohnen Eottgefalsigkeit und Zier und Weisheit- Pyoterius in seiner Celle Dünkete vor Gott sich groß und herrlich, Weil ec über Thabors Glanz und alle Scraphsflügel tief und viel nachdao)te. Und den Denkenden umfing ein schwerer Traum einmal. Es sprach zu ihm der Seraph: „Pyoterius, steh auf und eile Nach Tabenna *), wenn du Jene sehn willst, Die mit feiner Krone Gott gekrönt hat." *) Eine Gegend in Aegypten, wo ein berühmtes Kloster und viele Cellen der Einsiedler waren. Der Cid. E Ppvterius stand auf und eilte Nach Tabenna. Vor ihn traten alle Hcilge Jungfraun, Schwestern und die Mutter. — Pyotcrius sprach: „se»d ihrs alle?" Denn mir mangelt unter euch noch Jene, Die mir im Gesicht der Engel zeigte. " „Eine, sprach die Mutter, ist noch drunten, Eine Alberne, fast unsre Schande. — Unermüdlich im geringsten Dienste Dient sie in - und ausserhalb dem Kloster Jedem Fremdling, sey cs Jud' und Heide. Darum nennen wir sie so gewöhnlich Die Wahnsinnige: denn fast antwortet Sie uns nicht; ist aber immer fröhlich, Und nie mehr, als wenn man sic verachtet." „Laß sie kommen, damit ich sic sehe," Sprach der Heilige; gezwungen kam sie. — Porph >, rite, rein und schlecht gekleidet, Lang das Haar, und ohne Nonnenkrone, Um ihr Haupt nur eine schlichte Binde. " Eilig sank vor ihr auf seine Kniee Pvoterius: denn um ihr Antlitz Leuchtete, was ihm der Engel zeigte, Selbstvergcssenheit und Lieb' und Unschuld. „Segne mich, so sprach er, heilge Jungfrau, Die mit seiner Krone Gott gekrönt hat." 386 Der Cid. Plötzlich strahlete mit Hellen Strahlen Ihre Binde. Alle knieten nieder: „Ach verzeih mir, daß ich dich verlachte! „Ach verzeih mir, daß ich dich verschmähte'! — Daß ich pst dich, ihnen zu gefallen, (Sprach die Mutter) wider mein Gewissen Schalt, und du rechtfertigtest dich niemals." — Pörphyrite war sogleich entwichen; Ihr bedünkte diese Hochverehrung Spott und Wahnsinn. Wohin sie gegangen? Was sie ferner litt? wo sie gestorben? Davon schweigt die Chronik unsres Klosters. Nur dem großen und vollkommnen Denker Pyoterius entwich das hohe Bild nicht ganz. Und wenn er über Thabors Unerschaffnen Glanz und über alle Seraphsflügel dachte, stand ihm plötzlich Pörphyrite da, die Selbstvcrgeßnc, Immer nur geschäftig für die Menschen, > Fröhlich stets und schweigend; nie vergnügter, Als wenn sie verachtet und verkannt war. Bor ihm stand sie mit der schlichten Binde, Die mit seiner Krone Gott gekrönt hat. Der Cid, 287 Die Pilger in. Wenn Rom ersinken soll, so warte nicht, Daß seine Wölfin erst vom Jupiter Ein Blitzstrahl treffe, daß das alte Erz Der Tafeln schmelze, und die Sonne sich Von West Nach Osten wende, daß ein Stier Gebühr' und alle Götter fliehn; es heulen In Tempeln Stimmen, und der Altar sinkt. — Der Altak sank, sobald ihn Frömmigkeit Nicht stützte, wenn geheime Schünd' ihn schmäht, Und Trug und HeUcheley ihn untergrub. Die Götter stöhn, sobald man sie verbannte Aus Hetz und Brust. Das eherne Gesetz Zerschmolz in weichen Sitten; und ein Blitz Trifft auf die Wölfin, weil sie Wölfin ist. Wie eine Jahrszeit kommt die Neue Zeit, Mit stillem Schritt. Die Erde wendet sich; Die Luft wird warmer; vor der Sonne schmilzt Das Eis; es sproßen Saaten. —^ Schaut empor! Die Lerche singt; die Mandel blüht; es knospet Der Feigenbaum; und im belaubten Nest Singt laut die Nachtigall: „der Lenz ist da!" — Dann suche niemand in der neuen Zeit Die alte wieder. Jede Tugend blüht 288 Der Cid. An ihrem Ort, und webet ihr Gewand Vom Acther ihres Tages. Wenn in Rom Der Römer Geist erstarb, das Kapitol Juni Christentcmpel ward, und neue Noch Auch neue Sorae fodert; o so schone Des frommen Wahnes! Statt Cornelien, Die keinen Ort mekr hat, erblickest du Paulla Roman a. Paulla konnte sich Der Scipionen, Gracchen, Julier, Ja des Geschlechts Aeneas rühmen; doch Die Fromme rühmete sich dessen nicht. Im tiefbedrangten Rom war einzig nur Ihr Stolz, ihr" Schatz, ihr Kapitolium Der Armen Herz. Und als ihr Chgemahl Verstarb (sie war nun ihrer Pflichten fre»;) Da, längst ermüdet von der Römer Pracht Und Eitelkeit, von ihrem Neid und Haß, GieNg sie von Babel aus nach Nazareth. Umsonst ereifert sich der Römer Stolz, Entgegen ihr zu treten. „Wer ihr seyd, Ihr seyd nicht Gracchen, Scipionen mehr, Ich nicht Cornelia; gehabt euch wohl!" Sie suchte die Verbannten auf; sie zog Dlirch Meer und Inseln gen Jerusalem, Und sah das heilge Grab, und betete Auf Der Cid. 28g Auf Golgatha, und stieg auf Sion, gieng Dann nach Aegypten und nach Nubien, Stets eine helfende Wohllhaterin Der Armen. Endlich fand in Bethlehem Sie ihre Ruhestätte. „Hier, wo einst Der Welten Heil (sprach sie) geboren ward, Hier will ich sterben." Und fortan ward sie Zm heil'gen Lande aller Sittsamkcit, Bescheidenheit und Wahrheit Bild. Sie stand Mit Tagesfrühe auf, arbeitend ftetS Und lernend *); stiftete der Andacht Viel, Doch nicht zum Müßiggänge. Sie ergriff Der Unschuld Herzen, zähmet« dann auch Die frechsten Seelen, schonend keine Müh. Und diese Lieb' und Strenge flößte sie All' ihren Geistcstöchtcrn ein, vor allen Der eignen Tochter, die ihr Abbild war. Eustoch ium, (so hieß das holde Kind, Paulla Romana an Gcmüth und Herz,) Saß an der Mutter Bette, als im Alter Der Tod ihr nahte. Um sie knieten Die Heiligen und Schwestern. Lange schon Lag Paulla mit geschloßnem Auge, stumm Und kalt. Ihr Othem schwieg; man stimmet« Das Brautlied an, das Lied der Sterbenden: *) Hieronymus, der ihr Leben geschrieben, weiß ihre Gelehrigkeit nicht gnug zu rühmen. Sie legte ihm oft Fragen vor, die er nicht zu beantworten wußte. Herders W. z. sch. Lit, u, Kunst. HU T Dei' LV2, 390 Der Cid. „Wohlauf, Geliebte! Meine Freundin, auf! Der Winter ist vergangen! Die Regenzeit vorüber! Gekommen ist der Frühling, Die Blumen sprossen schon!" Da richtet auf sich die Gestorbene, Mit Himmelsglanz verklärt, und sang darein: „Ich sehe sie die Blumen, Die Blumen jener Welt! Ich höre süße Stimmen, Wie unaussprechlich süß!" — Und küssete ihr Kind Eu stoch ium, Und sank und war verschieden. — Ihre Hand Zu küssen, die unzählbar Guts gethan, Kam Jedermann, und alle Jungfrau'» kamen Zu theilen, was mit unermüdetem Kunstreichem Fleiß mildthätig sie gewebt. — Aus allen Zellen kamen Heilige Sie zu begleiten; da ertönte dann In allen Sprachen ihr Triumphgesang. Von ihrem Grab' im Tempel, wo ihr Leib Hoch über der Geburtsstatt Jesu ruht, Kam lange nicht Eustoch ium, und ward Ihr treues, ihr wohlthatig - sanftes Bild. In tausend Herzen lebete fortan Pa ulla Romana. — Der Palmbaum. Liebe kränzet sich mit Mprth' und Rosen; Für den Held und Dichter sprießet Lorbeer; Aber PnlMen sind des heil'gen Siegers Ehrcttzweig; und auch dem matten Wandrer In der Wüste sprießt von Gott ein Palmbaum. Als Onuphrius, ein rascher Jüngling, Aon den Vätern des Elias Leben Ueber alles hoch lobpreisen hörte, Rüstet' er sich, eilend in die Wüste. Sieben Tage gicng er; keine Stimme Rief ihm zu: „was thust du hier, Elia?" Bis von Sonnenglut und Durst und Hunget Er ermattet sank. „Nimm meine Seele, Sprach er, Herr! Nur einen Trunk zur Labung, Eine Dattel laß mich hier nur kosten." Und ein süßer Schlaf umsing den Jüngling, Und sein Engel stand bcy ihm: „Verwegner, Der du Gott versuchst^ bist du Elias? Doch zu deinem Lohn und deiner Lehre,. Hör'! — An deiner Seite rauscht die Quelle, Und ein Palmbaum über deinem Haupte. T 2 Siebzig Jahre sollst du hier mit ihnen Leben, und sie werden mit dir sterben. Aber keines Menschen süße Stimme Sollst du, keines Mannes Fußtritt hören, Bis dir Einer kommt., der dich begrabe." Froh erschrocken sah der Auferwachte, Was der Engel ihm im Schlafe sagte; Nannte jetzt den Palmbaum seinen Bruder, Nannt' die Quelle seine Schwester, labte Sich an ihrem Trank, an seinen Früchten, Kleidete sich in des Baumes Blatter; Aber keines Menschen süße Stimme Kam zu ihm die siebzig lange Jahre. Endlich hört' er eines Mannes Fußtritt: „Dieser, sprach er, ist von Gott gesendet, Daß er mich begrabe!" nahm den Gast auf, Und erzählt' ihm seines Baums Geschichte. „Also, hast du deine Pflicht erfüllet; Eil' hinweg! für dich ist dieser Ort nicht. Menschen sind geschaffen für- die Menschen." Kaum gesprochen, sank der Greis danieder Todt; ein Sturmwind riß den Baum mit seinen Wurzeln aus; die Quelle war versieget. Und ein Lobgesang sang in den Lüften: „Komm, o Bruder, komm aus deiner Wüste; Was dir deine eigne Schuld versagte, Singet dir der Himmel jetzt entgegen, Süße Freundschaft unter Himmels-Palmen." Und Paphnutius begrub den Tobten, Dessen Antlitz glanzete. Die Wüste Heulte rings um ihn, und trieb ihn von sich: ^ „Ach, sprach er, so viel sie Leid sich bringen, ^ So viel geben sie sich Trost und Starke; K Menschen sind geschaffen für die Menschen." „ * Dank, Omuphrius, nach tausend Jahren Dank dir, daß du eines Mannes Seele Noch in seiner letzten Stund erquicktest. Schüchtern, krank, mißtrauend allen Menschen, s Ein gejagtes Reh , (den Pfeil des Jagers ^ Trug er in der Brust;) so floh Torquato Tasso zu dir. Seine zarte Schlafe War bedeckt mit Lorbeer; keinen Lorbeer .) Sucht' ec mehr; ihn labte deine Palme*). - *) Lasso, dieser liebenswürdige, aber fast sein ganzes Leben hindurch unglückliche Dichter, als er erschöpft an Kräften in Rom ankam, um auf dem Kapirolium gekrönt zu werden, ließ sich in das Kloster St. Onosrio bringen, wo er, indeß alle Anstalten zur Feyerlichkeit gemacht waren, den Lag vor seiner Krönung sanft entschlief. Er liegt mit Barklai und dem Dichter Hui di in der Kirche St. Onosrio unter einem Steine begraben; zu einem Denkmal ist kein Raum da. Man zeiget sein Brustbild und die dem Gesichte des Lobten entnommene Larve. > -94 Der Cid. Das Bild der Andacht, Die höchste Liebe, wie die höchste Kunst Ist Andacht. Dem zerstreueten Gemüth Erscheint die Wahrheit und die Schönheit nie; Sie, die au» Vielem nicht gesammlet wird, Die, in sich Eins und Alles, jeden Thcil Mit sich belebet und vergeistiget. Sophronius, der in dem Heidcnthum Den Musen einst geopfert, wollte jetzt Der Mutter Gottes auch ihr-Bildniß wcihn. Wie eine Biene flog er auf der Au' Der Kunstgestalten; Pallas, Cynthia Stand ihm vor Augen; Aphrodite sollt In Einer Huldgcstalt mit ihnen blühn. Er überlegt', und schlief ermattet ein; Da stand im Schlaf Sie selbst vor Augen ihm, Die Benedeyte. „Sieh mich, wer ich bin, Sprach sie, und gib mir keinen fremden Reiz. Nur Selbstvergcssenheit ist meine Zier; Nur Demuth, Jucht und Einfalt ist mein Schmuck." Getroffen wie vom Pfeile wacht' er auf. Und sah fortan auch wachend Sie, nur Sie! Wie der, der in die Sonne schaut, das Bild Der Sonne mit sich traget. Oesters stand Der Cid. 295 (So dünkt es ihm) sie sichtbar vor ihm da, Das Kind auf ihrem Arm, und Engel ihr Zur Seite. Als das Bild vollendet war, Da trat ein Himmelsjüngling zu ihm hin, Und sprach: „Gegrüßct sey, Holdselige!" Zum Bilde. „Viele Herzen werden Dein Sich am Altar erfceun und willig Dir Ihr Jnnres offnen: denn was Andacht schuf, Erwecket Andacht. Dir, 0 Künstler, hat Die Selige sich selber offenbart." Erschien, 0 Raphael, dir auch das Bild Der Göttin, als die heilige Idee Dir in der Dürftigkeit an Erdenschöne Vorschwebete? Ich seh' ihr Bild. Sie wars *). ) Lssenäs onrestio e lle kuoni gieiäioi e „Laß mich, sprach sic träumend, Diese junge Rosenknospc brechen" — „Brich sie, wenn Du kannst!"— Die Knospe wich ihr. Der Cid. 297 Sich, o Tochter, eben dc>S war Deine Lebcnsblum'. llnausgeblühet kannst Du Darfst Du sie nicht brechen; unter Dornen Blühet sie, doch voll und schön und einsam. „O so zeige mir dann, guter Vater, Dein' und meiner Mutter Lebensblume." „Siehe hier auf Einem Stengel beyde. Eine langst, die andre kaum verblühet." Wundernd sah sie jetzt die vielen Blumen, Nosen, Lilien und Hyacinthcn, Knospend, blühend und verwelkend! „Tochter," Sprach die himmlische Gestalt; und wurde Leuchtender, „Du stehest hier den weiten Lebcnsgarten auserwählter Menschen. Engel wachen über Baum' und Früchte: Deiner Knospe Hüter sind Wir bcpdc, Ich und deine Mutter." — „Ach, wo ist sie?" Glänzend ging die schönste der Gestalten Ihr vorüber, und das Kind erwachte. Paradies und Vater war verschwunden. Aber immer blieb' ihr tief im Herzen Dieser Traum; auch sehnlich - wünschend wollte Sie die Lebensknospe eh nicht brechen, Eh es ihres unsichtbaren Wächters Linde, leist Vatcrhand geböte. Der Cid. -99 Des Greises beyde Jünger zeigten ihm Jedweden Licblingsort des Heiligen, Dem sie gedienet. „Hier! hier betet' er. Auf dieser Höhe sang er Hymnen; dort Pflegt' er zu ruhen; hier arbeitet' er. Den PaliÄenhain hat er gepflanzet. Er Die Neben sich erzogen; diesen Teich Hat er mit eigner Hand umdammet. Hier, Die Baum' und Krauter dieses Gartens sind Des guten Greises Kinder. Dies Gerath' Gebrauchte seine Hand. Komm her und sieh! Dies ist die Hütte, wo er sich dem Volk Das zu ihm strömte, dann und wann entzog. Er gab dem Orte Sicherheit; das Wild, Waldescl, die zu naschen pflegen, was Sie nicht gesact , wies er segnend weg. Sie trinken an dem Strom und stören nicht Den Garten," „Wohl! nun zeiget mir sein Grab!" Sein Grab ist nirgend. Wr versprachen ihm, Es niemanden zu zeigen: denn der Mensch Ist Staub, sprach er, und muß zu Staube werden. Feind war er jeder Leichen-ehrenden Aegyptischen Abgötterei)."— „Er ruhe, Da wo er ruhet!" sprach Hilarion. „O bleibe du bey uns! so baten ihn Die Jünger. Du, sein Freund und Schüler, bist Antonius anjetzt der Christenheit. Das Paradies in der Wüste „Mein Freund Antonius, der Vater mir Und Lehrer war, mit dem ich Lebenslang In weitester Entfernung ungctcennt Ein Herz und Seele war; der hundertjahr'ge Greis (Das saget mir mein Geist,) ist jetzt gestorben, Noch Einmal wollt' ich ihn im Leben sehn! Wohlan, ich will die Statte sehen, wo Er lebete und starb." So sprach zu sich Hilarion, in Palästina, der, Wie sein Antonius, der Armen Freund, Ihr Arzt und Trost, sich selber aber hart Und strenge war. Er zog zur Thebaide. Durch grause Wüsten gieng er; siehe da Erhob ein.Fels sich; aus dem Felsen sprang Ein hellet Bach, beschattet rings von Palmen. Am Felsen hob sich eine Traubcnwand Empor. Wohl ausgehauen leitete Ein Schneckengang zur Höh' hinauf; im Teich Des Baches spielten Fische. Krauter blühten, Und viel gesunde Früchte prangctcn Im Garten — ringsum ein Elysium. Verjünget wanderte Hilarion Hin und daher, stieg auf und ab; ihm sangen Die Vögel, die einst mit Antonius Loblieder angestimmt, den Freundesgruß, Und flogen ihm vertraut auf seine Schultern. „Das bin ich nicht! sprach er. Der Heilge lebt Be» Gott! Sein Geist in tausend Herzen; auch Zm bringen. Antonius ist nicht Begraben. Er, der rings die Seele war In dieser weiten regen Gottesstadt. Die Wüsten hat er mit Unglücklichen Verbannten Flüchtlingen bevölkert. Fern Won ihren Treibern leben sie, der Welt Entnommen, hier ini brüderlichen Fleiß. Antonius geweihte Höhe zu Bewohnen, ziemt mir nicht. Lebt alle wohl, Ihr Brüder und ihr Palmenbaume, Bach Und Teich und Garten, jede Frucht, die Er Gepflanzt, ihr seine Vögel, lebet wohl. Ich nehme mir sein fröhlich Angesicht, Sein fröhlich Hexz aus dieser Wüste mit, Durch sie wird jede Wüste Paradies." Er ging. Auf Cypern lebcte fortan Hilarion in einem Garten, streng' Und milde wie Antonius. Ec ward Da, wo er starb, versenket. — Der Cid. 3vt Die laute Klage. Sanft entschlummert lag des Greises Antlitz, Hingegangen schien die fromme Seele; Als der Brüder laute Todtenklage Noch einmal zurück ihn rief ins Leben. Auferwachend lächelt' er und sagte Bittend: „Brüder, wozu dieses Jammern? Fürchtet ihr den Tod? Ec ist ein Engel! Mög' er euch, wie mir anjetzt, erscheinen. „Oder gönnet ihr dem matten Wandrer Nicht die Ruh? bevm letzten Augenblicke Nicht die Einkehr in mich, selbst, daß heiter Ich vor Gott und unverworren trete? Hab' ich es verdient, daß ihr die letzte Stunde mir betrübt?" — Er sank danieder Und entschlief. Der Engel, der die Seele Von ihm nahm, sah Eine stumme Thrane In des Jünglings Auge, den als Baker Er geliebt: (es hielt der Greis die Hand ihm Sterbend noch;) die stille stumme Zeugin Trat vor Gott mit der entflohnen Seele. ! 3o- Der Cid. Die Ameise. Ein Müßiggänger sah die Lilie Des Feldes blühn, und hört' der Vogel Choc Lobsingen. „Bin ich denn nicht mehr als sie? Sprach er. Wohlan! so sey mein Leben auch Blühn und Verblühen, Anschaun und Gesang!" Er ging zur einsam-frommen Wüstcney Und harrete auf Offenbarung. Da Rief eine Stimme: „Schau zur Erd' hinab, Simpliciu s." Er sah. Ein wimmelnd Nest Ameisen war vor ihm in lebender Bewegung. Diese trugen eine Last, Viel großer als sie selbst. Ein andrer Haus' Hielt Kcäutersaamen in dem Munde, fest Wie mit der Zange. Jene holten Erd' Herbcy, und dämmten ihren breiten Strom. Die andern trugen für den Winter ein, Und schroteten die Korner künstlich ab, Daß ihre feuchte Wohnung nicht mit Kraut Verwüchse. Diese hielten einen Zug; Sie trugen einen Tobten aus der Stadt. Und keiner stört' den andern; jeder wich Bcym Ein - und Ausgang seinem Nachbar aus. 2a3 Der Cid. Wer unter seiner Last erlag, und wer Die steile Straße nicht erklimmen konnte, Dem half man auf, man bot den Rücken dar Simplicius sah's mit Verwunderung Und sähe noch; hat? ihm die Stimme nicht Gerufen: „Bist du nicht viel mehr als sie?" Und vor ihm stand ein Greis. „Verlorner Sohn, Wie? hast du keinen Vater? keine Mutter? Und keinen Freund und Armen, dem du jetzt Beyspringen konntest? Bist vom Himmel du Entsprossen? keinem Menschen auf der Welt Verbunden oder werth; daß ihm ein Theil Von dir gehöre? — Sieh das kleine Volk ' Ameisen. Jede wirket ingemein, Und ohne Eigenthum hat Jede gnüg." Belehret kehrt Simplicius zurück Zur muntern Thatigkcit, und sah fortan Im großen Ameis'haufen diejer Welt Die Gvttesstadt, die (oft sich unbewußt) Im Wirken fürs Gemeine lebt und webt, Niemand für- sich, für alle Jedermann. - 7^' >- ^ ... -^1-',. ^. ft--- ' - Der Cid. 3o§. Die Fremdlinge. Gegrüßct seyd ihr mir, ihr Morgensterne Der Vorzeit, die den Allemannen einst In ihre Dunkelheit den Strahl des Lichts, In ihre tapfre Wildheit Milde brachten. — Beatus, Lucius und Fridolin, Und Columban und Gallus, Magnoald, Othmar und Meinrad, Notker und Win- fr ed *) — Ihr kämet nicht mit Orpheus Leyerton, In Phrygisch-wilden Bacchustanzcn nicht, Noch mit dem blut'gen Schwert in eurer Hand; In eurer Hand ein Evangelium Des Friedens und ein heilig Kreuz, mit ihm Die Pflugschaar war es, die die Welt bezwang. Graunvoller Anblick! — Undurchdrungner Wald, Bedeckte Thaler, Auen und Gcbirg', Bis hinten unersteigbar hoch das Eis Der Glätfcher glanzt in kalter Majestät. Aus Klüften stürzten Ströme wild herab Felsen zerreißend. Tief im Hain erscholl Das Kampfgeschrey der Männer und des Uhrs, Geschrey der Weiber und Gefangenen. Aus *) Bekehrer Deutschlands in der Schweiz, in Schwär ben und am Rhein. Der Cid. 3nS Aus Höhlen zischten Drachen; am Altar Floß Mcnschenblut dem Wodan. Oede lag Das Feld umher in trägem Sumpf und Moor. Der armen Hütte ärmste Nothdurft ward Von hartgehaltnen Knechten arm bestellt.— Da wagten aus entfernten Landen sich Von Gott erweckte Männer in das Gram, Der alten Nacht, durchwanderten das Land, Arm, einsam, unbekannt, verfolget. Da Versuchte sich Beatus übern See *); Der ungestüme schwieg vor ihm. Er trat Vor eines Drachen Kluft; der Drach' entfloh, Und ließ die Höhle jetzt zur Wohnung ihm Und seinem Freund Achates. — Lucius **), Aus Königsstamm und jetzt ein Wanderer, Zwang Auerstier' ins Joch; und Fridolin ***) Bracht' aus der Gruft den Tobten vor Gericht Mit ihm zu zeugen. Dann verschaffcke Der Orden Benedikts der Sonne Raum, Die Erde zu erwärmen. Wessen Hand *) Den Brienzer und LHUner See. Beatus hat den Namen St» Bart in der Bolkssprache» **) Lucius, der Sage nach ein Brittischer Königs» sohn, Bekehrer der Graubündner. **') Fridolin, Bekehrer derer von Glarus und der Rheinanwohner. Zu Seckingen auf einer Insel des Rheins begraben. HerdersW. z. sch.Lit. ».Kunst. Hl. U Der Lril. - V- 3o6 D e r C i d. Hat diesen Fels durchbrachen? diesen Wald Gelichtet? jenen Seucheschwangren Pfuhl Umdammt, und ausgehackt die Wurzclknoten Der ew'gen Eichen? Wer hat dieses Moor Zum Garten umgeschaffen, daß in ihm Italien, und Hellas, Asien Und Afrika jetzt blühet? War es nicht Gottselger Mönche emsig-harte Hand? Und wie den Boden, so durchpflügeten Sie wildre Menschenseelcn. Manchen Uhr Belegt' ein Heilger mit dem sanften Joch Des Glaubens. Mancher Drache flog, besprochen Vom macht'gen Wort, lautzischend in die Lust Zur Ruh der ganzen Gegend. Leo ging Dem Attila *) und manchem Giselaar, Und Gibich, Godemar und Gunthar ging Ein Bischof fromm entgegen, sprach mit ihm So lange, bis der Dämon von ihm floh; Die freche, starre Geißel Gottes ward Ums heilge Kreuz gewunden. Billigkeit Und Milde trat im schlichten Mönchsgewand', Im Waldeskittel, wie im Priestcrschknuck Hin vor den Thron, und ins Gewühl der Schlacht, Trat zwischen die Zweykampfer, in den Rath Der Ritter, und ins Haus- und Brautgemach, Versöhnend, schlichtend, sanftverstandigend. *) Attila, der Hunnen König. Leo III. ging ihm in die Lombardey entgegen und rettete Nom. Giselaar, Gib ich u. f. sind Könige der Allemannen und Burgunder. Der Cid. 307 Dem Knecht entfiel die Kette. Menschcnkauf Und Mcnschendicbstahl traf des Bannes Fluch.— Wie Tempel und Altar, so ward auch Heerd Und El) befriediget. Gedrückte wallten Zur Statte des Erbarmens. Hungernde, Verfolgte, Kranke flohn zum heilqen Raum, Erflehend Gottes Frieden, der am Bett Der Sterbenden, in Aufruhr, Pest und Noch, Erquickte, linderte, beruhigte. Weß ist der Erdenraum? Des Fleißigen. Weß ist die Herrschaft? Des Verständigen. Weß.fcy die Macht? Wir wünschen alle, nur Des Gütigen, des Milden. Rach' und Wuth Verzehrt sich selber. Der Fricdselige Bleibt und errettet. Nur der Weisere Soll unser Vormund seyn. Die Kette ziemt Den Menschen nicht und minder noch das Schwert. Der Allemannen Sitten und Gespräch Sind nicht die besten Sitten. Das Gespräch Von Bäcenbratcn, Aucrochsenjagd Und Weiberjagd und Mähr' und Hunden — Doch Genug, o Muse, lieber sage mir Von Columban und Gallus, was du weißt *). *) Gallus heißt ein Gale. Columban und seine Gefährren waren nicht von Fingals Stamm, aber edle Schotten, (Scoren) aus Er in rNord- Jrland) gebürrig. Der erste Zug Co tu mb ans war in die Hebriden, i,die westlichen Inseln Key Schottland). Auf H y oder Jona war ein U 2 3o8 Der (5 i d. Verklungen war die Harfe Ossians Im fernen West', auf jenen Eilanden Des sanften Galensiammes: Fingal lag Im Grab und schwebte nur in Wolken noch. Was tönet jetzt aus neuen Wölbungen Dort für ein andrer Klang? Nicht Offians Gesänge mehr; sic singen Davids Psalmen Im feycrlichcn düstcrn Jubclchor. Der Strom der Zeiten ändert seinen Lauf, Und bleibt derselbe. Die zu Schlachten einst, Zu Rettungen auf ferne Küsten zogen, Errettend zieh» sie jetzt zu stillen Siegen aus. „Laß mich, o heilqer Bater, (also sprach Zu Eomogellus Eolumban) laß mich Mit meinen zwölf Gefährten über Meer Und Land hinziehcn, zu besänftigen die Welt." Er zog mit seinen Freunden über Land Und Meer, bis er des Frankenkönigs Herz Gewann. „Erwähle dir, sprach Siegbcrt, Zn meinem Reich zu wohnen, wo du willst." Chorherrnstift errichtet, nach einer nwrgrnlandi- schen Regel. Von da begaben sich viele nach Bangor, einem berühmten Kloster inWales ; von da in die miuäalichcn Länder. S» Müllers Geschichte der Schweiz, LH. i.S. i!-8. aoS. u. f. Der Cid. S09 In einer Wüste des Voqesischen Gebirges fanden sie ein warmes Bad. Sie bauten sich in alten Mauern an, Hier Menschen zu erquicken Leib und Geist. Und viele Kranke walleten zu ihnen; An Leib und Geist geneset kehrten sie Zurück. Auch der Burgunderkönig kam, Und bat den Heilgen Mann um Lehr und Rath. „Thu deinen Aussatz von dir, König! sprach Sankt Columb an, und nimm ein ehlich Weib, Zur Ehre dir und deinem Land' und Stamm; Von deiner Unzucht wasch', 0 König, dich." Brun Hilde, Königs Mutter, hörte das; Herrschsüchtig, scheut sie eine Königin, Und haßte Col umbau. Er ward verbannt Aus seiner Zelle und aus Siegberts Reich. Jedoch die Meeresflut empörte sich, Und bracht' ihn wieder an den Strand. Er ging Mit seinen Freunden bis zur Limmat hin, Gen Arbon und hinüber nach Bregenz. Sie lehrten unermüdet, litten viel Vom wilden Volk; (noch lehrt uns Columban In seinen Schriften) bis er, ausgcstoßen Die Alp' hinüber ging zur Lombardey. Zu Füssen siel ihm Gallus: „Laß mich hier Zurück, den Stcrrend-Kranken." —- Columban Unwillig zwar, jedoch mitleidend ließ Ihm Magnoald und Dietrich auch zurück. Der Cid. Zro Erhebe dich, Gesang, vom Bodensee, Zu jenen schönen Höhen, die uns einst In heilqcn Zellen das Verlohrene Bewahrten, das noch jetzt die Welt belehrt. „In jenem Walde dort, ob dieser Burg, Dort, wo die Steinach aus dem Felsen springt, Sprach Hildebald, ist eine Ebene; Dahinten steigen Berge hoch empor." „Nur ist Gefahr an diesem wilden Ort: Denn Wolf und Dar kommt sich zu laben da!" — „Ist Gott mit uns, was thut uns Wolf und Bar? Sprach Gallus,- morgen, Brüder, ziehn wir hin!" „Und keine Speise kommt mir in den Mund, Bis ich die Statte meiner Rast ersetz !" So sprach der achtzigjahr'gc Greis und zog, Besah das Land umher und betete. Er pflanzte einen Haselstccken statt Des Kreuzes hin, und lebte wirksam dort Mit seinen Brüdern Mang und Dietrich, trieb Die Teufel heulend aus der Wüsteney. Er segnete den Bar und Wolf hinweg; Die Schlange floh; er baute seine Zell' Ins Nest der Schlangen, und die Ebne ward Ein Garten, Fischreich, Fruchtrcich, Segensvoll. D e r C i d. 3i r Hier lebte Galt, verschmähend allen Reiz Der Kirchenebrcn, wirkend weit umher Mit Hüls' und Trost; es flohen vor ihm Leid Und Krankheit, Leibes- und der Seelen-Schmerz. Die schöne Wüste schenkt der König ihm; Dann bauet er mit seinen Freunden dort Ein Tempelhaus; der Heilige entschlief, In Freundes Arm, ein fünf und neunzigjahr'ger Greis. In seiner Zelle folgt' ihm Mang, sein Freund. Nach fünfzig Jahren stand ein Kloster hier Und eine Bücherey. Mit Danke nenn'' Ich Ottmar, Wnldo, Gottbert, Hartmuth, Grimmwald, Der Bücher, Armen, und der Schulen Vater. Wer an Valerius und Cicero, Lukrez und Silius, Quintilian, Sallust und Ammian, Manilius Und Columella sich erfreut; der sage Sankt Gall und Mang und allen Schotten Dank, Die scorias mit allem Vnrdcnfleiß, Die Bücher schrieben und bewahreken. Es lebe Benedictus und Sankt Maur, Und wer uns je was Schönes aufbcwahrt. * * * 3l2 Der Cid. Der Helden Fußtritt ist mit Blut gefärbt; Bekehrungskolonien gehen oft In Staatslist über. Gute Galen, Euch, Die bis gen Lappland, bis. zur Lymbardey, Die Volker lehrten, Bücher sicherten, Nachkommen Euch des Menschlichsten der Helden, Des Menschlichsten der Sänger *) Ruhm und Dank - Christenfreude. Bruder Ssto und Franciscus gingen Zn den Pflichten ihres strengen Ordens Ueber das Gebirge. Schneidend wehte, Um und um sie, Hauch des kalten Winters. Und ikr Ordenskleid war kahl; die Kutte Deckt' ihr nacktes Haupt nur dünn und kärglich. ,,Bruder Leo, rief Franeiskus, höre! Stehe still! Wenn hinter uns die Menge An uns winket: „siehe da die Säulen Aller Christenheit! der Erden Sterne! " Und der Ruf uns gegen Ost und Abend Nord und Süd auf seinen Flügeln traget, Daß, wohin wir kommen, Stadt' und Dörfer *) Fingal und Ossian. Der Cid. Sr3 Helle Haufen uns entgegen senden, Die uns grüßen, uns Erquickung reichen, Knieend unfern Segen sich erstehen, Und darüber unser Herz frohlockte — Bruder Leo, das ist nicht die Freude, Aechte, wahre Christenfreude nicht." Weiter gingen sie; der Hauch des Winters Wehrte gelinder, und Franciscus Redet fort: „Wenn vor dem hohen Pulte Des berühmtesten, des vollsten Tempels Zchcntausend um uns stehn und horchen Auf die Sprüche unsrer Weisheit, saugen Durstend ein den Odem unsrer Lippe; Wenn wir Herzen spalten, führen Seelen, Tausend Seelen im Triumph gefangen, Daß, berauschet auf des Wohllauts Strömen, Jedes Ohr dahinschwimmt, und die Augen Süße Bache weinen; Seufzer steigen Zu uns auf, ein süßer, süßer Weihrauch — Und uns dann der Busen voller schlaget, Unser Mund frohlockender ertönet — Bruder Leo, das ist nicht die Freude, Aechte, wahre Christenfrcude nicht." Als sie weiter kamen, in die schöne Reichbewohnte Ebne, sprach Franciscus. „Wüßten wir die Sprachen aller Völker, Die Geheimnisse in Erd' und Himmel, Kenncten den Weg der Vögel, Fische, Thier und Menschen, selber auch der Sterne; Bruder Leo wüßte jede Zukunft, Der Cid. 3^4 Die auch, die seyn könnend doch nicht seyn wird — Und wir aller Menschenherzcn Tiefen, Jeden Abgrund der Gewissen sahen, Und sie wie Allmächtige bekerrschten, Wenn darüber unser Herz frohlockte—" Indes hatte sich das Volk in Haufen Schon gesammlet und begehrte Wunder. „Bruder, wenn uns Gott nun Wunder gäbe, Wunder, selbst den Satan zu entwaffnen, Kräfte, diesem Tauben, jenem Stummen, Blinden, Lahmen, Ohr und Zung' und Auge, Hand und Fuß zu geben; der ycrwes'ten Mcnschen-Asche neue Lebensfunkcn — Leo siel ihm ein: „o guter Vater, Warum sprichst du also? Oeffne lieber, Ocffne mir der wahren Freude Quell. " Sprach Franciscus: „Als vor jener Hütte, Der wir Segen brachten, uns der Pförtner Halbgeschn, die Pforte kaum eröffnet, Drohend fortwies, und uns heil'gc Lügner, Uns Verräther schalt und schloß die Thür zu — Wenn wir da, als halt' ec uns mir warmem Mildem Bad' erquickt, den Gruß annahmen, Und uns freuten und in Windes Pfeifen Auf dem harten Stein, auf jenem Berge Ruheten, als lagen wir auf Rosen, Und der Schnee uns wie mit Rosen deckte; Wir besprachen uns, wie wir dem Feinde Wohlkhun könnten, ihn mit Segen lohnen — Bruder Leo, war uns das nicht Freude?" „Himmelsfreude war es, o Franciskus!" Jener Jünger, den als Kind wir liebten, Dieser Freund, dem wir das Herz vertrauten, Jener Fremdling, dem wir Gut und Leben Glück und Wohlseyn gaben, wenn der Eine Bitter uns nun hasset, und der Andre Das Geheimnis unsres Herzens ausstößt, Vollgemischt mit Lügen, und der Dritte Ins Gesicht uns speyt und schlagt uns blutig, Schneidet uns mit Waffen unsrer Güte Tief ins Herz, daß unsrer Eigenliebe Feinster Nerv erbebt, und alle Buben Ueber uns frohlocken; und wir dennoch Unsre Güte nicht bereuen, fröhlich Uns zu neuer größrer Güte rüsten, Und uns in den Spott als Purpur kleiden, In die Dornenkron', als war' es Lorbeer, Den Verrather mit dem Kuß der Liebe Segnen, und uns freun der Ehren Christus — Bruder Leo, das ist Christenfreude!" „Himmelssreude, sprach er, o Franciskus!" „Sieh, wir gehen jetzt in die Versammlung Unsrer Brüder, wohin sie mich luden, Daß ich ihnen meinen Rath ertheile. Wenn ich rede, was das Herz.mir eingiebt, Und sie alle wider mich dann aufstchn, Rufend; „Nein! wir wollen nicht, daß Dieser, Ein Unwissender, ein Unerfahrner, Ueber uns gebiet'! " und mit Verachtung, Der Cid. Si6 Hassend mich aus ihrer Mitte stoßen, lind vor aller Welt mich schmähn und lästern; — Wenn ich dann nicht, als ob sie mit hohen Ehren mich empfingen und lobpricsen, Ihren Spott in höchster Ruh' ertrüge; Heiter im Gemüth, mit frohem Antlitz, Willig, ihnen jedes bittre Unrecht Mit demüth'ger Liebe zu vergelten, Bruder Leo, so bin ich des Ordens, Den ich Christo stiftete, nicht würdig." Die drey Blinde«. Drey Blinde traten einst vor einen Heiligen, Und flehten ihn um ihr verlornes Licht Der Augen an. „Erzählet mir zuerst, Wie ihrs verlohret!" sprach der Heilige. „Ich, (beichtete der Erste,) nahm mir vor, Ins Sonnenlicht zu schaun, bis seinen Glanz Mein Aug' ertrüge; davon ward ich blind. „Ich, sprach der Andre, machte den Versuch An meinen Augen, ob aus ihnen nicht Vielleicht das Licht entsprang'? und drückte sie Und preßte sie so lange, bis ich erst Sehr schöne Farben, und dann nichts mehr sah." Der Cid. Ai 7 „Ich, sprach der Dritte, war (verzeihe mir!) Ein Todtenrauber. Einst in Mitternacht Stieg in die Gruft ich mitten vorm Altar Und plündert' einen reichen Todten. Da Erwacht' er, richtete sich aus, und drückte Mit bepden Händen mir die Augen ein. „Hinweg, du Bösewicht, antwortet' ihm Der Bischof. Wem die kalte heilge Hand Der Todten rächend seine Augen nahm ; Dem giebt die Ewigkeit sie nicht zurück. ^uch - beyde Thoken, hat die Eitelkeit Genug gestraft. Genes't und werdet klug." Und wandte sich zu seinen Lehrlingen: Der Svnnenschauer, wie der thörichte Empiriker belehren euch; doch dieser — (Er wies aus den verworfnen Kritiker) Ist schrecklich. Seinem eignen Vater grüb' Er in der heilgcN Gruft die Augen aus, Drum sind ihm bey Lebzeiten von der Hand, Der kalten Hand der Todten (schaut ihn an!) Die Augen tief und ewig eingedrückt.". 3i8 Der Eid. Das Teufelchen mit dem verbrannten Daum. Ein muntres Teufclchen fuhr aus dem Pfuhl Der Holl' hinauf, dem Heilgen Dominik Auch einen Streich zu spielen. Schaamlos flattert Es um den Emsigschreibenden; es tanzt Vor ihm, (wie denn die Teufelchen Vor HcilgkN pflegen) in unzüchtigen Gestalten. „Komm, sprach Sankt Dominikus, Und halte mir das Licht." Der Teufel hielt, Der Heilge schrieb; er zupft ihm oft das Ohr, Die Nai'e; strich dem Heiligen das Kinn, Das Augbran — denn ec sah ihm ins Papier. Wie flammctc den heilqen Mann das an! Daß ihn auch selbst ein Teufel lobte. „Halt, Sprach er, da schon das Licht am Ende war, Halt" und dein eigener Daum-brenne; bald Bin ich am End'. Er schrieb, der Eiferer, Das Buch der Inquisition und schrieb. Der Teufel hielt. Der Daume und die Brust Des Heilgen flammten, „Jetzt bin ich am Ende, Der Cid. 3,9 Sprach Sankt Dominikus; du hast mir fest Gehalten." Doch mein Daume schmerzt. „Thut nichts! Dey alle dem, wozu du leuchtetest, Kommt aller Schmerz gar nicht ins Ansehn, kommt In keinen als geeicht - und kirchlichen Betracht. Und kühle dir (du weißt cs ja) Den Daumen in der Ketzer Blut. " Es schied, Das Teufelchen, und pfiff am Gaum für Schmerz; Doch nieden in der Hölle prahlt' es sich Als Ueberwindet des Dominikus. Geh, sprach Beelzebub, und prahle fortan, Du dummer Dämon, je mit deinem Daum! Weißt du nicht, daß aus Flammen, daß aus Blut Rechtschaffener, nichts mehr erwachst, alS unser Verderben. Kühl' einmal in jenem Blut Den Finger, und er schmerzt, er schmerzt dir mehr. Steck' ihn — unwiderruflich ist der Schade, Durch jenes Höllenfeucr, unscrm Dampf. Jetzt lautern sich die Seelen; jetzt erhelle» Sich die Gedanken; jedes menschliche Gefühl erwacht, empört sich. — Geh, du armer Teufel, Und krage fort und immer deinen Namen, Den unsre heilige Versammlung Dir gibt, den keine Fluth abwaschet, den Kein Seufzer lös't: das muntre Leufclchen, Der Cid. Z-o Der Eiferer — mit dem verbrannten Daum. (An dir hat unser Reich ihn sich verbrannt.) Tödten und Lebendigmachen» „ErtödteN will ich diesen wilden Stier, Mit Einem Wort, das leise ich ins Ohr Ihm sage." Also sprach der Zaubrer Jambres Vor einem Heidenrichter; dieses sey Beweis für meinen Glauben, gegen jenen, Der mir vorübersteht. Er holte muthig Den wilden Stier hcrbey, der bäumte sich Und stieß mit seinen Hörnern. Leise sprach Der Zauberer sein Wort ihm in das Ohr; -Mit lautem Brüllen sank das Thier danieder. Ihm gegenüber stand der Christ und sprach: „Ertödtcn konntest du mit giftgem Hauch; Doch kannst du auch, was tvdt ist, auferwecken? Denn also steht geschrieben; „Der bin Ich, Der tödten und lebendig machen kann!" Noch mehr als dies; er kann das Wilde zah. men " — Dame Der Cid. 321 Danieden siel er betend: „höre, Herr, Nicht Wunder fleh' ich; deine heilige Religion bedarf der Wunder nicht; Ich fleh' und bete, um das innre Zeichen, Wozu sie ist? Erthcil' es gnädig mir. Auf stand er froh, getrost und heiter, sprach Den Heilgen Namen laut hin überm Tobten; Der regte sich. Geschwind ergoß der Strom Des Lebens sich in Ader, Nerv' und Bein; Ein wundervoller Strom. Der wilde Stier Erstand gezähmt und schaute mild umher, Er nahte sich dem Christen, seinem Herrn, Ihm willig folgend. Nicht ertödten soll Religion; das Tobte neu beleben, Das Wilde zähmen, soll und kann nur sie. Dies ist das innere, fortwährende, Das wahre Zeichen ihrer Göttlichkeit. Herders W. z. sch. Lit. ».Kunst. III. ök Lei- 61L k 322 Der Cid. Die C i c a d a. Zn dem Kleinesten der Schöpfung zeiget Sich des Schöpfers Macht und Huld am größten. Nahe Sankt Franziskus kleiner Zelle Stand ein Feigenbaum; und auf dem Baume Sang am Morgen, frisch gestärkt vom Thaue, Lieblich die Cicada. Sankt Franziskus Hört' ihr zu an seinem kleinen Fenster, Und verstand ihr Lied. ,,Hieher, o Schwester, Rief er, komm hieher!" und winkt' ihr freundlich. „In dem Klcinestcn der Schöpfung zeiget Sich des Schöpfers Macht und Huld am größten." Fröhlich sprang sie von dem Feigenbäume Auf Franziskus Finger, neigte freundlich Sich, den hocherhabnen Mann zu grüßen, Der ihr rief; er grüßete sic wieder: „Sing', o Schwester, wie du droben sangest, Bon des Höchsten Lobe du die Kleinste." Alsobald, (sie fühlete mit Freuden Und mit Stolz das heilige Katheder, Wo sie stand und ihren hohen Hörer:) Alsobald erhob in süßen Tönen Sich ihr zirpender Gesang. Es nahten Der Cid. 323 Alle ihre Schwestern, ihre Töchter, Schnur und Schwieger; rings auf Bäum' und Sträuchen Horchte schweigend jegliche Cicada. Und sie sang. Die zarten Flügel schwingend, Ihre kleinen Beine froh bewegend, -Mer? wer gab mir diese leichten Füße, Zierte sie mit schönen festen Knoten, Schnell hinabzuspringen, leicht zu Hüpfen Rings von Baum zu Baum, vonZweig aufZweige? Augen gab er Mir, krpstallne Sphären, Die sich wenden, vor- und rückwärts blicken, Auszuspähen alle meine Feinde, Den gefräßgen Specht und Spatz und Raben, Flügel gab er mir, ein Gold-Gewebe, Grün und blau, in Farben seines Himmels Und in Farben meiner BäuMe spielend. Fröhlich schwing' ich sie, wie keine Lerche, Keine Nachtigall die Flügel schwinget, Koste Gottes Thau, den jedbn Morgen Mir, nur mir sein Finger niederlröpfelt, Und erhebe Meine Stimm' und singe In des Wandrers Ohr den Ton der Schöpfung, Und erfrische seinen Gang, DeM LandmanN Stimm' ich an das frohe Lied der Ernte, „Reich, oder Bruder, stehen unsre Felder; Schön, o Schwester, dein und Meine Auen, Singet mit mir dankbar und zufrieden: Groß ist Gott im Kleinesten und Größten." Rauher pries sic jetzt in wildeN Tölten, Wie auf Kräutern sie und über Blumen L 3 324 Der Cid. Manchen Blum- und Krautverwüster aufspaht, Ihn mit scharfen Nageln faßt und festhalt, Und aussaüget ihre Beute. — „Schweige, Sprach Franziskus, deine Stimme tönet Rauh und heiser. Lerne von mir, Schwester, Zeit ist jetzt zu singen, jetzt zu schweigen. Fleuch empor, und preise mir in Zukunft Gottes Lob. nicht deine eignen Thaten." „Groß ist Gott, im Größcsten und Kleinsten" Jauchzten aus die horchenden Cicaden. Der Cid. 325 Die Orgel. O sagt mir an, wer diesen Wunderbau. Voll Stimmen alles Lebenden erfand? Den Tempel, der, von Gottes Hauch beseelt. Der tiefsten Wehmuth Herzerschütternde Gewalt mit leisen Klagcflötenton Und Jubel, Cymbeln- und Schalmeyenklang, Mit Kriegstrommetenhall und mit dem Ruf Der siegenden Posaune kühn verband. Vom leichten Hirtenrohre stieg der Schall Zum Paukendonner und der weckenden Gerichtstrommet'. Es stürzen Gräber! Horch, Die Tobten regen sich! — Wie schwebet jetzt Der Ton auf aller Schöpfung Fittigen Erwartend. Und die Lüfte rauschen. Hört, Jehovah kommt! Er kommti sein Donner ruft!-- In sanftanwehcndem beseelten Ton Der Menschenstimme spricht der Gütige Anjetzt; das bange Herz antwortet ihm. — Bis alle Stimmen nun und Seelen sich Zum Himmel heben, auf der Wolke ruhn — Ein Halleluja! —^ Betet, betet an! Bespannete die Lyra; Pan erfand Der aller Schöpfung Athem hier vereint? Cacilia, die edle Römerin, Berschmahete der weichen Saite Klang, In ihrem Herzen betend: „Ware mir Gewahrt, den Lobgefang zu hören, den Die Knaben sangen in des Feuers Glut, Der Betenden. Entzücket hörte sie Das Lied der Schöpfung, Sterne, Sonn' und Mond Die Jahreszeiten, Winde, Frost und Sturm, Und Berg und Thal in ihrem Frühlingsschmuck, Und Quellen, Ström' und Meere, Fels und Wald, Auf Erden Othem hat, lobpries den Herrn, Den Heiligen, den Gütigen. Sic sank Anbetend nieder: „Würd', o Engel, mir Ein Nachhall dieses Liedes!" Eilig ging Er hin zum Künstler, den Bezalecls Der Cid. 327 Geweihter Geist belebte, gab ihm Maas Und Zahl in seine Hand. Es stieg ein Bau Der Harmoniken auf! Das Gloria Der Engel tönt'; einmüthig stimmete Die Christenheit ihr hohes Credo an, Der Seelen große Gottvereinigung. Und als beym Sakrament das Heilige: Er kommt! Gesegnet, der da kommt! erscholl , Hernieder ließen sich die Seligen, Und nahmen an — der Andacht Opfer. Erd' Und Himmel ward Ein Chor: den Bösewicht Erschüttert an des Tempels Pforte schon Die Tuba, die dm Tag des Zorns erklang. — Mit allen Christenherzen freute sich Cacilia, genießend, was das Herz Der Betenden verlanget, Einigung Der Seel' und Herzen; Christvereinigung. „Wie nenn' ich, sprach sie, den vielarmgen Strom, Der uns ergreift, und in das weite Meer Der Ewigkeiten traget?" „Nenne, .sprach Der Engel , es, was du dir wünschetest, Organ des Geistes, der in Allem schlaft. Der aller Völker Herzen reget, der Anstimmen wird der ew'gen Schöpfung Lied, Im reichsten Labyrinth die volleste Vereinigung; der Andacht Organum." Z28 Der Cid, Die Geschwister. Im einsamen Hain auf grüner Wiese Spielten oft an Mutter-Gottes-Bilde Eine Schwester und ein Bruder. Unschuld Spielete mit ihnen , Lieb' und Anmuch. Auch die Mutter saß am Heilgen Bilds Oft; und süß erzählte sie den Kindern, Wie das Jesuskind im Arm der Mutter Gut einst war und gute Kinder liebte. „Liebet es uns auch?" „Ja, wenn ihr gut seyd; Es hört alles, was ich zu euch sage." Einst am Abend', als, im schönsten Glanze Unsrer Sonne, die Geschwister beyde Sich erfreuten, sprach der rasche Knabe: „Wenn einmal das Kind, das uns auch liebet, (Spricht die Mutter,) zu uns niederstiege." „Gerne gab ich ihm die schönsten Blumen," Sprach die Schwester. „Gerne, sprach der Bruder, Gab' ich ihm die allerschönsten Früchte. Heil'ge Mutter, laß das Kind hernieder." Und die Mutter strafte sie mit Worten Sanft belehrend. Aber ihr im Herzen Blieb das Wort; und bald darauf im Traume Sah sie sich die Mutter Gottes neigen, Und das Kind mit ihren Kindern spielend. Der Cid. 329 Lieblich war der Traum. Der Himmelsknabe Sprach: „Für eure schönen Frücht' und Blumen Was soll ich euch geben? Du, o Bruder, Spielest bald mit mir auf einer andern Schönen Au', da will ich süße Früchte, Wie du nie sie kostetest, dir schenken. Dir, o Schwester, werd' ich wicderkommen, Wenn du Braut bist, und den Kranz dir reichen: Mutter wirst du seyn von guten Kindern, Gut wie du, und gut wie deine Mutter." Also träumte sie und wacht' erschrocken Auf, und eilte zu dem Bilde betend: „Kann es seyn, so laß mir meinen Knaben, Holdes Kind! Wo nicht, dein Will geschehe." Und in Kurzem ward der Traum erfüllet z Denn der Knabe starb. Er sah im Sterben, (Also sagt' er) einen Himmelsknaben Kommen, und ihm süße Früchte reichen, Und er koste schon die süßen Früchte. Auch die Tochter wuchs und ward der Mutter Ebenbild. Als am Altar sie kniete, Eine Braut, erschien ihr im Gebete Jenes Kind und kränzte sie mit Blumen, Wie ihr dünkte, waren meistens schöne Lilien und Rosen in dem Kranze, Wenig dunkle Blumen: und ihr Leben Ward des Kranzes Abbild, Lieb' und Unschuld. Der Cid. 33y Die ewge Weisheit. Von allem Schönen wählt' Amandus sich Das Schönste nur; und also kam er bald Vom Tand' hinweg zur frohen Einsamkeit. Dann sprach er oft, wenn er vom Weltgeräusch Zurückkam in sich selbst; o haltest du Nicht dies und das gesehen und gehört, So wäre jetzt dein Herz nicht so betrübt," Einst zeigcte sich ihm, was keine Jung' Aussprechen kann.' „Ist das nicht Himmelreich Und Wonne? sprach er. Alles Leiden mag Die Freude nicht verdienen." — Ihm erschien Die Schönheit alles Schönen, in Gestalt Der ewgen Weisheit, Wie der Morgenstern Trat sie hervor und ward zur Morgenröthe, Zur Morgensonne, Die Unsterblichkeit War ihre Krön'; ihr Kleid die Anmrtth. Süß Und huldreich sprach ihr Mund; und sie, sie war Der Freuden Freude, die Allgnugsamkeit. Sie schien ihm nah' und fern, von allem Hohen Das Höchste und von allem Innigen Das Innigste, der Schöpfung Meisterin, Die sie in zarter Milde streng regiert. Der Cid. Mit süßester Geberde sprach sie: „Sohn! Gib mir dein Herz." „O drücke mir dich selbst, Dich selbst ins Herz, daß jeder Busenschlag Es heb' und mich erinnre, daß ich Dich, Nur Dich in Allem seh," Sie ließ ihr Bild Berührend ihn, im Herzen ihm zurück. So oft der Morgenstern erklang, erklang Sein Hymnus: „Schaut! Der Schonen Schönste kommt! Die Mutter aller Gnaden geht hervor Vom Ausgang! Deiner hat mein Herz begehrt, Auch schlummernd, o du Liebliche." Er sprachs, Und küssete die Erde, redet' oft Mit seinem Engel, der ihm sichtbar dann In schöner himmlischer Gestalt erschien, Und mit ihm freundlich von den Fügungen Der cwgen Weisheit sprach, „Willst du dich selbst Erblicken, sagt' er einst, schau her!" — Er sah: Ein Jüngling lag im Arm der Liebenden, Die er im Herzen trug. Wie selig-froh Erkannt' er sie! Es tönten himmlische Gesänge um ihn her: „Der Weisheit Lust Ist an den Menschenkindern! Je und je Hab' ich gelicbet dich und zog zu mir Aus Lieb? dich und will dich zu mir ziehn!" 332 Der Cid. „Wie du uns gerne hörest, sprach zu ihm Sein Engel, hören wir auch gerne dich, Zumal wenn du mit freudigem Gemüth In Schmerzen auch die ewge Weisheit singst." Er sang; es ward ein Jubel um ihn her; Ein Chor der Seligen umringt' ihn, Seelen, Die er gekannt und nicht gekannt, umsiengen Ihn liebend, und erzählten traulich ihm Ihr Wohl und Weh'; wie aus der Bitterkeit Die Weisheit ihnen stets das Süßeste Bereitet. Seine Mutter kam zu ihm, Sein Vater, (jetzt Gestalten jener Welt) Und sprachen ihm von ihrer Prüfungen Belohnung. Und sein Antlitz glänzte. Ost Sah man cs glanzen, wenn ec betete, Und vorm Altar: „Aufwärts die Herzen!" sang *). In solchen Süßigkeiten schwamm Amandus, Sein Herz bewahrend, strenge gegen sich, Und überstrenge. Da erschien ihm einst Sein Engel wieder: „Glaubst du, sprach er sanft Zum Schlummernden, indem du deinen Leib Mit Büßungen belegest, dieses sey Das schwerste Leiden? Leiden andrer Art Erwarten dich. Schau her! Ich bringe dir, Dem zarten Knaben, Ritterkleider. Rüste Dich tapfer. Wenn du selbst dich peinigtest, So hörctest du, wenn du wolltest, auf. *) LurLum coräs. Der Cid. 223 Dich werden andre peinigen, und nicht Aufhören, wenn du wünschest. Bis hieher Empfand im Schmerz dein innerstes Gemüth Geheime Süßigkeit. Wenn aber du Im tiefsten Schmerze Rath und Hüls' und Trost Bey Menschen suchest und nicht findest; Freund Und Feind' verfolgen dich; und wer dich schützt, Wird selbst verfolget; wenn im Innern dann Dich auch dein Gott verlaßt; dann spricht zu dir Die ewge Weisheit: „Sohn, gib mir dein Herz!" Auf diesen Dornen blüht allein der Kranz, Den deine Königin von dir verlangt." Voll Schrecken fuhr der Jüngling auf; und bald Ward seines Engels Red' erfüllet. Schmach Und Hohn, Verachtung, Kränkung jeder Art, Berläumdungen und Haß und Neid und Wunden Am zartsten Herzen trafen ihn. Er sah Kein Ende mehr, und lernt' im Leiden nur Noch mehr zu leiden. Hüls' und Rath und Trost Bey Menschen war verschwunden. Wer ihm half Ward auch verfolget und zuletzt gebrach Das Letzte ihm, sein innrer Trost. Da sprach er: „Sein Will geschehe!" und gab sich zur Ruh. Und plößlich stand vor ihm die Schönste da, Sanftglanzcnder, als er sie je geschn. Sie flocht aus vielen Rosen einen Kran; Für ihn, und er erkannt' in jeder Rose Den Dorn, auf welchem sie entsprossen war. „Nimm, sprach sie, ihn; er ist der Deinige. Der 'Cid. - 33 ^, Jetzt ist mein Bild in deinem Herzen: du Gewännest selbst es dir, bewahr' es treu. Ihr Menschenherzcn traut! Bon allem Schönen Die schönste Weisheit wird durch Prüfung nur." Sic sprach es, und ein sanfter Abendglan; Umfloß Amandus Haupt. All seine Feinde, In Traumen kamen die Verstorbnen selbst, Und flehten um Verzeihung und Gebet. Und seinen Freunden war der vielgeprüfte Amandus doppelt werth, Jungfrau» Und Fraun, (Er ehretc in ihrer Tugend stets Der Mutter Gottes Gnad' und Zucht und Huld) Sie chreten in ihm der Weisheit Sohn. Der Cid. 335 Die wiedergefundene Tochter. „Sagt, wo sind* ich meine süße Tochter? Meines Alters Trost, des Lebens Perle, Die mich nie verließ, mich nie betrübte. Einen Brautgam hat? ich ihr gelobet, Der in tiefem Schmerz nun mit mir trauret, Suchten wir sie nicht zu Land' und Meere, Bey Berwandttn, Freunden und Bekannten, In den Klöstern aller Heilgen Jungfraun; Riefen sie auf Felsen und in Höhlen, „E u p h r o f in c!" Nirgend eine Stimme; Nirgend ihrer sanften Stimme Rückhall. " „Aus! ich will zu jenem Kloster wandern, Wo der Abbt mit drcymal hundertfunfzig Brüdern betet, will ihn weinend nnflehn, Daß der hcilge Mann von Gott erfahre, Wo mein einzig - liebes Kind ist. " Sehnlich Hülfesuchend eilt' er in das Kloster, Warf in Trauerkleidcrn vor dem Heilgen Mann sich nieder. „Heilger Mann, ich flehe, Daß du oder deiner Brüder Einer Emsig-betend es von Gott erfahre, Wo mein einzig-liebes Kind ist. 336 Der Cid. „Morgen, Sprach der Abbt, komm morgen frühe wieder, Will es Gott, so soll dir Antwort werden." Morgen, über- über- übermorgen Kam der Mann und Hort' im tiefstem Jammer: Keinem Bruder sey die Antwort worden. Endlich sprach der Abbt, gerührt vom Greise: „Geh noch etwa hin zu unsecm jüngsten Eifrigsten und frömmsten Bruder. Einsam Und entfernt lebt er in seiner Zelle; Wohl vielleicht, daß ers dir sagen werde, Wo dein liebes Kind sey? Er, der Jüngste, Er, der Edelstein in unserm Kloster, Heißt Sm acagdus. " Eilig sucht der Vater Den gottseligsten, den jüngsten Bruder, Der entfernt in seiner Zelle lebte, Und ihn, fast verdeckt das Antlitz, hörte. Abgehärmt, unkenntlich seinem Vater, (Denn er selbst war die verlohrnc Tochter) Blickt Smaragd ihn an, voll tiefen Mitleids, Weinend endlich stürzen beydc nieder, Daß Gott selbst, die Quelle reichen Trostes, Dem Verlassenen Erquickung sende. Dann erhebt er sich, der Unerkannte, Tröstet und belehret seinen Vater, Daß man Gott auch über seine liebsten Kinder Der Cid. 33 ? Kinher lieben müsse; müsse lieben Uebcr selbst sein einzig Kind. (Mit lautem Weinen sprach er es;) erzähl? dem Vater Abrahams Geschichte, und wie Gott uns, Gott uns seinen eingen Sohn geschenket. Wie ein sanfter Thau auf dürre Fluren, Sank ins Herz des Alten jedes Trostwort: Denn er hört' als eines Engels Stimme. „Wird mir Gott mein Kind auch wiederschenken, Wie dem Abraham?" so frag? er gläubig. ,,Ja, Gott wird dein Kind dir wiedcrschenken, (Spricht der Bruder,) und dirs lassen sehen, Ehe du zu seiner Mutter heimgehst." Neugestarket zog der Mann von daNneN, Hoff? erkrankend lang und lange Jahre, Bis auf Einmal von Smaragd ein Bote Ihn ins Kloster rief. „Wert? ich sie sehen? Wiedcrfinden, sprach er, meine Tochter?" In die Zelle trat er, fand den Armen Abgezehrt auf seinem Krankenlager, , Seine letzte, NettungSstunt? erwartend. Ach, wo sind sie, deine süßen Worte? Daß, eh ich zu ihrer Mutter gehe, Ich noch die Verlohrne wiederfinde — Und nun gehest du" — „Zu meiner Mutter, Sprach der Kranke, die mir oft in Träumen -Herders W. z. sch.Lit. u.Kunst. III. Y c,'