VI
Der Cid.
wie zu geschehen pflegt, cingebohrne Nationalzüge,aber ohne die Glorie der Selbstständigkeit. Also, dadurch nordische Barbaren die Erniedrigung und das Un-glück der unterdrückten Welt an Rom gerochen wurde,geschah auch von den Spaniern bey weitem nicht je-ner alte Widerstand. Reichthum, Einrichtungen, man-chcrlcy Arten des Vergnügens und sogenannte bürger-liche Ordnung, nicht aber die Freyhut hatten sie zuverlieren, wofür jene Dinge rechtlichen Menschen keingenugthuendcr Ersatz zu scvn pflegen. Nie vereinigetals Nation, sondern blos unter des Weltreichsverhaßtem Joch, fügte sich der Spanier, obschonLandsmann der damaligen elenden Kaiser*), den vomCaucasus, dem Rhein, der Donau und dem balti-schen Meer bey ihm erwandernden Stammen **). Hinwaren, bis auf dunkles Andenken, alle Vortheile undAnnehmlichkeiten des civilisictcn Lebens; nur die,um alles trostende, Religion der Christen blieb.Wenn vor Zeiten Griechenland, voll Feinheit undLust, harte Eroberer zu zähmen vermocht, um soleichter überwand die Religion Barbaren, die nichtsin ihren Seelen fanden gegen diese mannigfalten, ge-
sehen Krieger; Agrippa wollte nicht triumphircn.* Horaz Oä. IU 6; III. rh; IV. rg.. Dio im
, drey und vicrundfünfzigsten Buch.)
') Honvrius und Arkadius, Theodos'ens unwürdigeSöhne, der ein Spanier gewesen.
**) Alanen, Alemannen, Wefigothen, Vandalen.