,98 Fragmente zur deutschen Literatur.
garten herrscht ein gewisser achter Römischer Geist,feine Blumen, die gleichsam selbst aus seiner Welt-weisheit zu wachsen scheinen, und nicht über dieselbegestrcuet sind : eine w nachdrückliche Kürze, daß jederGedanke sich ein Wort selbst zu schaffen scheint: kurzeine Sprache, die nicht netter und überzeugenderund für den denkenden Leser klarer seyn kann. Ichhabe mich gezwungen, mir diesen Eigensinn auszu-reden , weil andere sie eben für barbarisch, oft spie-lend und dunkel hielten: ich sieng an in das flics-scnde Latein der Schriften des Cicere» zu übersetzen,zu umschreiben, zu verschönern ; und der Geist der Phi-losophie war weg. Nun versuche man gar die Ucbcr-setzung in eine andere Sprache: und cs wird immernoch mehr verlieren. Die Ursache davon liegt in demKarakter der Sprache, die zu dieser Materie gleich-sam die Fugen ibrer Gelenkigkeit gebildet hat, undan dem geschickten Schriftsteller, der sich in diese Fugenzu schicken weiß. „Daß also Dinge in der einen„Sprache sich besser ausdrückcn lassen, als in der an-„dern, kann eines Thcils von der Subtilität der Ge-danken herkcmmcn; zweitens, daß man an .ihre„trockene Bezeichnung bei' dem einen Volk mehr g e-„wöhnt ist, als bei dem andern." Theils vondem Schriftsteller selbst, der als Erfinder der Gedan-ken, auch zugleich ein gewisses Haus- und Herrn-rccht über den Ausdruck hat, indem selten ein sUcber-setzer ihm Nachfolgen kann und darf; weil er thcilsnicht mit dem Feuer des Schriftstellers selbst denkt,theils lieber aus Furcht den Gedanken dem Worteaufopfect. Nach diesen drei Ursachen muß sich soziemlich eine Landkarte entwerfen lassen, wiefern ge-