Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 1 (1821) Fragmente zur deutschen Literatur ; 1
Entstehung
Seite
195
Einzelbild herunterladen
 

Erste Sammlung.

i.95

schcn Perioden neuerer Bücher, die sich jede Inver-sion erlauben, weil sie die Gesetze der alten Römerin ihrem vortrefflichen Perioden nicht k-nnen, dernichts unbestimmt läßt, und doch sür das Äuge undOhr zugleich schreibt.

Nach dieser Vorschrift müssen wir die Spracheder Schriftsteller ausbilden; denn dem SprechendenHelsen Gebenden und der Ton der Stimme denwahren Verstand bestimmen, dahingegen alles diesim Buche wegfällt.)" Jetzt setze ich folgende wah-re Beobachtung Samuel Johnsons dazu:Esgicbt Werte, deren Sinn allzuftin ist, als daß manihn mit Worren sollte fassen, und in cine Um-schreibung bringen könmn. Das sind diejenigenWorte, weiche die Sprachlehrer partiuulu-; ox^le-tivus, oder ausfüllende Wörter nennen. In tod-ten Sprachen übersieht man sie als leere Töne;als Töne, die zu anders nichts dienen, als einenVers auszuiullcn, oder einen Perioden wohlklingen-der zu machen. Aber in lebenden Sprachen wirdman bald inne, daß dergleichen Wörter mehr, alsausfüllcnde Wörter sind, daß sie Kraft und Lebenhaben, ob man gleich ihren Nachdruck mit andernWorten nicht ausdruckcn kann." Dies wird jedembei dem Lesen jHomers unzahligemal beifallen;Füllwörter, wo alle leben und je öfter, desto kräf-tiger wiedcrkommen. Ich mache mich auf eine Men-ge Einwürfe gefaßt, die man '.meinem Gefühl einerin Bücher lebenden Sprache machen wird. Ich ant-worte aber: urtheile nicht aus der Grammatik, son-

dern lies, als ob du hörest.

Durch was für Künste haben es die Franzo-

N 2