IH2 Fragmente zur deutschen Literatur.
wirklich mehr Selbstlauter als fünft: weil diese fünftmit verschiedener Höhe und Tieft, Länge und Kürzenusgedruckt werden. Daß wir nun nicht für dicfeZwischenlautc neue Zeichen, wenigstens Unterscheidun-gen Huben: ist eine große Unvollkommenheit unsererOrthographie, die unter allen mir bekannten Euro-päischen Sprachen die letzte und für einen Lehrlingdie schwerste sepn dürfte. Wer wird Meer undmehr, Zehn, Zeen, Zahn, zähe u. s. w. als Fremd-ling bestimmt finden ? Was wir bei I zu viel anZeichen haben, ist bei A und E zu wenig. — Undbrauchen wir Accente nicht noch immer, obgleich un-sere Sprache kurzsplbig und eintönig ist? Der Lächer-liche-Fehler mit G cst-p e n-s te r n , statt Gespen-stern ; mit vestg-lich , statt ver-q stich; mitEnter bester, statt Ent-estbeter: ist doch beiLehrlingen immer möglich, da er uns gebohrnenDeutschen manchmal in Gedanken und bei verzerrtemDruck, oder verzerrter Hand anwandeln kann. Beivielen Wärtern ändert sich ja die B-deutung selbst;z. E. unterhalten und u'n te r h a l ten , über-setzen und tste b er se tz e n, Uebcrse'tzer undUe'bersetzer sind ja himmelweit verschieden. Nichtblos zu dem Hebräischen Sch in fehlt uns dasZeichen, weil ich Geschmack als ein Fremder immereher G e s-ch m a c k lesen werde; sondern mankann überhaupt den Mangel unserer Zeichenschriftam besten aus Reise - und E r d b e s c h re i b u n-.gen sehen, wenn die Namen fremder Sprachen inunfern Buchstaben sich kaum mehr erkennen. —-Soll unser Hexameter ausstehlich werden; so muß erAccente haben, und der erste Dichter, der sich dieMühe geben wird, Griechische Hexameter zu machen,
wird