^9" Fragmente zur deutschen Literatur.
mehr, alS einigermaßen, kennen lernen, und aufbeide Fragen so viel antworten, als sie fragen: sodürste es mit etwas Metaphysik nicht abgethan seyn,die gewiß nicht blos weit, sondern auch tief seynmüßte. Abbt überdachte sie fliegend, und freilichdünkt uns im Fluge eine Gegend kleiner, als wennwir sie mit unfern Schritten durchmessen sollen. Beibeiden Antworten muß das äiviäs! doch das ersteWort seyn, und so bald wir die Frage in ihre Klas-sen, nach verschiedenen Wissenschaften, Zwecken, Zei-ten, Nationen, Spracharten zectheilen, und wirjeden abgeschnitlcnen Theil wieder zu einem ganzenPolypen lebendig werden sehen: so wird man es
glauben, daß die reichste Antwort noch immer zuwenig liefere.
„Man kann die Sprache unter zwei Augpunk-„ten betrachten, in sofern sie einmal unverbundene,,und unzusammenhangende Begriffe verstellt; her-„nach sofern sic diese Begriffe in Verbindungen an-„zeigt."
„Dom ersten Stücke hangt der Reichthum, und„der Wohlklang und auch das Bilderreiche der Spra-„chc ab.)" Der Rcichthum kann seyn in Namender Sachen, oder in Zeichen der Begriffe;der erste macht eine Sprache sinnlich oder Bil-derreich; der zweite abstrakt oder Ged an ken-reich; und den Unterschied von beiden habe ich zuzeigen gesucht. — Der Wo hl klang hat mit Be-griffen keine Verbindung , sondern muß aus der Na-tur der Sprach - und Hörwerkzeuge erklärt werden,wenn wlr eine Prosodie auf philosophischem Grundehaben wollen.