z88 Fragment? zur deutschen Literatur.
So leicht unsre Handwerksrecensenten es halten,über Ucbersctzer hoch einher zu fahren, und ihnenSprachfehler zu zeigen: so halte ichs für die fein-ste Kritik, genau den Mittelstrich zeigen zu können,„wie ein Uebersetzer seine» beiden Sprachen nicht aufein Haar zu nahe treten müssen, der, aus weicherund in welche er übersetzt." Eine zu laxe Übersetzung,die unsere Kunstrichter gemeiniglich frei und unge-zwungen nennen, sündigt wider beide: der einen thutsic kein Genüge, der andern erweckt sie keine Früchte.Eine zu sehr anpassende Uebersetzung, die leichtemuntere Seelen sclavisch schelten, ist weit schwerer,sie eifert für beide Sprachen, und wird selten sogeschätzt als sie es verdient. Da ein solcher Autorüberall versuchen, anpassen, wagen muß - so erbeuteter von unfern Censoren mit hohen Augenbraun,daß sie ihn über drei mißcalhene Versuche verschreien,alles Gewagte in ihm für Sprachfehler nehmen, undden Proben eines Künstlers/ wie Lehrlingsstückcneines Schülers, begegnen. So ging es Abbten mitseinem Sallust. Wenn sich ein muntrer Jünglingfür sein Varerland wagt: so wünsche ich ihm einenalten Verständigen zur Seite: nur daß dieser nichtvergehe: und hat sich ja jener zu weit verirrt, so
führe ihn ein Genius, wie ein unsichtbarer Men-schenfreund, wieder zu den Seinen. —
Ware aus allem, was ich gesagt, nichts zu se-hen: so doch, was es für eine mißliche Sache mitdem Ideal einer Sprache sey? es gicbt so verschiedeneund ausschließcnde Vollkommenheiten derselben, wennman sie in verschiedenen Lebensaltern, zu verschiede-nen Zwecken, auf verschiedenen Stufen betrachtet^