rSs Fragmente zur deutschen Literatur.
durchaus werden. In einer nicht ideal-philoso-phischen Sprache alle Synonymen abschaffen zu wollen,gebühret einem zweiten Claudius und CHilpe-rt ch, die neue Buchstaben einführen wollten, undGrammatiker zu ÄBC-Märtyrern machten. Im-mer ein Glück für den Dichter, und ein Unglückfür den Weltweiten, daß die ersten Erfinder derSprache nicht Philosophen und die ersten Ausbildermeistens Dichter gewesen sind. Und eben so einGlück für den Prosaisten, und ein Unglück für denWeltwcisen, daß das Reich einer lebendigen Spra-che, Demokratie ist; das Volk regiert, und duldetkeine Tyrannen: der Sprachgebrauch herrscht und
ist schwer zu bändigen:
Lunc pener srbiirinm esi ei vis ei normg, lo-Heieneli.
Ucber Sulzers Anschlag zur philosophischenGrammatik mag stark meiner ein Kunstrichter *) re-den. Sicher sagt: „Es wäre nützlich, wenn man„eine allgemeine philosophische Grammatik hätte,„welche Regeln gäbe, nach denen die Vollkommenheit„einer Sprache beiirlhcilt werden müßte; mit diesen„Regeln könnten die durch den Gebrauch cingesühr-„ten verglichen und daraus gebessert, und vermehrt„werden." Und der Reccnscnt setzt dazu: „Ich weiß„nicht, ob die schönen Wissenschaften von dieser Ver-„gleichung Vorcheil haben würden. So wie die„Sprachen jetzt find, hat eine jede, so zu sagen,
*) Lit. Br. LH, h. pag. 280.