Erste Sammlung.
179
Unter so vielen philosophischen Sprachverbesse-rern nehme ich einen, zu dessen Lob ich gern unter-zeichne: Sulzer, in seinem beliebten Inbegriffder Wissenschaften, in dem vielleicht keinArtikel armer ist, als der über die Sprache. Erfordert zur Vollkommenheit einer Sprache ,,r) Einen„hinlänglichen Vorrath von Wörtern und Redens-arten, wodurch jeder Begriff deutlich und bestimmt,,ausgedruckt wird." Nun! und wenn die Spracheeinen überflüßigen Vorrach hat? So muß derUcberfluß fort! — Vollkommen für den Philosophen,aber schlecht für den Dichter, der von diesem lieber-fluß leben muß, der nicht Begriffe deutlich undbestimmt, sondern Begriffe und Empfindungensinnlich rührend und reich ausdrücken will.Wenn dieser neue Plato eine Republik errichtet, woSynonyme, und uneigentliche Wörter ver-bannt werden: lebet wohl, ihr Dichter! ihr müßtvon selbst Abschied nehmen. Uebcrdem ein hinläng-licher Vorrath: hinlänglich — wofür? wozu? —Jeder Begriff deutlich ausgedruckt? Und wenn ernun nicht von Menschen, in einer menschlichen Spra-che deutlich ausgedrückt werden kann? So soller weg! Auf einmal ist mir ja der Schatz aller mei-ner untern Kräfte, Erfahrungen und sinnlichen Ideengeraubt: was bleibt mir für ein kleiner Bettel ab-strakter Ideen, deutlicher Ausdrücke übrig, und waSsollen mir die jetzt? Alle meine Sinnen sind mirgeraubt, ich habe aufgehört Mensch und Thier zuseyn, und bin nichts!
„2) Eine genügsame Anzahl deutlicher Lenkun-„gen." Genugsam? deutlich? für wen? wo-
M 2