Erste Sammlung. i / 5
losophie wissen, ehe er sie weiß, philosophisch den-ken, ehe ers lernt, und eben bei dem Anfänge, woder Grundbegriff liegt, am schärfsten denken können.Nun ists doch nicht einerlei, einen Begriff lernen ,und ihn aus sich entwickeln — ihn begreifen, unddenselben sich erklären können — den Beweis wissen,und ihn aus sich wissen; und was hilft das Eine,ohne das Andere? — Der Lehrling trat in das Landder Philosophie: steil hinan steht vor ihm eine Ho-he, wo von oben herab, synthetisch strenge, Begriffeund Worte herabgerollet werden — Entweder erflcuchdie Hohe, oder du mußt von unten Zusehen, undnehmen, was dir zugezahlt wird! das Letzte istleicht und gewöhnlich. Man fangt auf, was oHa-tz e fahr herunter kommt, d. i. man lernet nackteSatze — Eonclusionen ohne die Mittelncrve des Be-weises, und laßt sich Wörter vorzahlcn, wie manden Extemporaldichtern Endreime gicbt. Man hört.einen Philosophen durch, wie ein Register zum or-bis xictus abstrakter Begriffe: man wird ein hi-storischer Schüler derselben; ein Witzling aus, odergar ein Spötter über die Philosophie. — Nun neh-me man den kleinen Rest derer, die jene steile Höhehinan klettern wollen: einige fallen mitten im Klet-tern zurück, das sind die unglücklichen Halbphiloso-phcn, die schädlichsten Geschöpfe, die sich unterstan-den, alles trübe zu machen, weil sie nichts recht undganz wußten. Andere kommen hinauf, und thun,was andere lhatcn: sie rollen ihre Begriffe undWorte so synthetisch herunter, wie ihre Vorgänger:damit gut!
Wolfs Methode war der natürliche Weg für ei-nen Geist, der sich schon an Leib n iz Schriften ge-