Erste Sa mm lung.
169
zichung ausgemacht wird: die beste in welcher Ab-
sicht? gegen welche Verhältnisse? Da hat nun Mi-chaelis und Leibniz offenbar einen ganz andernMittelpunkt der Vollkommenheit: beide haben einenverschiedenen Begriff von dem Wort gelehrteSprache, und so hat immer M. nichts gesagt,so viel er gesagt haben mag. Hier ist nicht von Faß-lichkeit, Wohlklang, Anmuth, Herzregung, Lesbar-keit u. s. w. die Rede: sondern von intellektueller
Vollkommenheit , in welcher Richtigkeit statt Schön-heit, die Wahrheit statt Rührung, und Deutlichkeitstatt aller Verzierungen ist. Sie sei immer barba-risch, monotonisch, trocken und ohne sinnlichen Reiz— sind diese Mangel in ihr Mittel zu Vollkom-menheiten; so übersieht manl sie — sind sie selbstVollkommenheiten: so kann man sie nicht missen,und der Wcltweise nimmt alsdenn den Namen einesBarbaren, eines simplen und trocknen Kopfes sich sozüm Ruhm an, als Sokrates den Namen einesUnwissenden.
Wer heißt in Rom nach der Mundart des VolksBarbar? der eine fremde Sprache spricht — und diemuß der Weltweise sprechen, der ja eben die Be-griffe der gemeinen Rede berichtigen, erhöhen, erklä-ren soll. Wer heißt einförmig ? wer karg mit Wor-ten, den schönen Luxus nicht affcktirt, der das Wohl-leben in der Gesellschaft und das Wohlschrcibcn imgewöhnlichen Styl ausmacht — und dem Luxus mußder Weltweise entsagen, wenn das Gewicht seinerWorte, und die Nerven seiner Gedanken dabei leiden.So auch wer heißt trocken? Eben, wer alles auf-gedeckt vor Augen legt, ohne cs mit Blumen zu^be-