r66 Fragmente zur deutschen Literatur.
Horn giebt er aus der Hand, wo es aus Waffen zusircitcn, und auf freie Hände ankommt, zu ringen.Sollte also sein trockner, harter und unverdaulicherStyl, seine zusammcngcprcßte Kürze, seine wieder-holende Einförmigkeit nicht eben ein Werk des Vor-satzes, der Nothwendiqkcit seyn?
Er ists! denn seine Schriften sollten eben einGrundriß von Wahrheiten seyn, wo ich keine Schlän-gelungen suche, sondern Linien suche, die fest nachder Kunst, richtig dem Verstände, deutlich dem Au-ge seyn sollen. Wer wirst nun nicht einen topogra-fischen Riß ins Feuer, der der Schönheit wegenvon Richtigkeit wankt, für das Auge spielet und denVerstand unsicher laßt? Ja wenn dieser Riß nochein Muster architektonischer Schönheit, oder cincEho-rographie seyn sollte*). Nun aber ist ja, um sichein Ganzes abstrakter Wahrheiten im Verstände ent-werfen zu können, das eben eine willkommene Aus-sicht, die dies Ganze in seiner kurzen und genauenZusammenordnung zeigt. „Wie in Erlernung der„Musik und Sprachen dort die Töne und hier die„Sylben und Worte scharf und deutlich müssen an-gegeben werden , um zur reinen Harmonie und zur„fleißigen Aussprache zu gelangen: eben so führet die„Zeichnung nicht durch schwebende verlohrne und„leicht angedeutetc Züge, sondern durch männliche,„obgleich etwas harte und genau bcgranztc Umrisse„zur Wahrheit der Form!" — und durch solchenStyl die Sprache zur Wahrheit der Erkcnntniß.Freilich nähert sie sich blos von ferne diesem strengen
) Winkelman » s Geschichte der Kunst.