»6o Fragmente zur deutschen Literatur.
auszuspcechcn! Eben als wenn Plato keine D.rglci-chung mit dem Hauche der Aura machen konnte,ohne den Zephyr Homers in dem Elysiumim Sinne zu haben: und ThucydideS zum
Pindar lausen müßte, wenn er ein großes Gemahl-de wagen wollte. Gewiß die größcsten Schriftstellerder Prme, die in der Welt gelebt, so weit zu SchiGlern, zu kindischen Nachahmern, zu Affen de« Nu-merus herab zu setzen, ist schimpflicher als wenner sie des Gedankcndiebstahls beschuldigen würde:denn große Gedanken erobern ist königlich, aber Bil-derchen nachmahlen ist kindisch, und den Numerusund Rhythmus nachpseifen, gehört für dumme Vo-gelköpfe. Ged des hat geschrieben, wie ein Ge-schöpf, das nur Einen Sinn hat: ein künstliches,
Ohr — darauf kann er stolz tbun, davon kann erschreiben, aber von allen andern Sinnen — wenigoder nichts!
Der muß alle, und alle wohlgebildct haben,der darüber reden will, wie die Griechischen Prosai-sten ihren Homer, und wie sie einander nachsprechen/— nicht in lappischen Kleinigkeiten, sondern in demInnern ihrer Schreibart. Tief in dies Innere mußder Griechische Gedanke verfolgt werden, „daß alle„Weisheit und Schönheit des Vortrages aus dem„Abgründe derselben, der alten Poesie, allmählich„geflossen und sich in eigene Bache, und nachher„große Ströme gethcilt habe:" ein Gedanke, denGeddes nie ansichtig wird, so oft er auf ihn stößt.Erst muß man das Eigene in der Schreib- und Denkartjedes Schriftstellers einzeln zu bemerken, und lebendigzu schätzen wissen, ehe man sich die Frage Vorlegenkann: wie hat dieser Scribent das Ganze seiner Denk--
und