Erste Sammlung. 107 -
der geleistet, der uns die vornehmsten GesprächePlatons gäbe, wie Moses uns den Phadongab? — Plato wurde dem Sokrates durch einenTraum verkündigt, daß ein junger Schwan aus demAltar des Gottes der Liebe ausflöge, und in seinemSchooße niedersäße: nachher sich auf seinen Schwin-gen gen Himmel erhübe, mit einem Gesänge, derdas Ohr der Götter und Menschen ergötzte. O säßein dem Schooße des Griechischen Plato auch einsolcher Schwan nieder, um, was er in seiner Spra-che sang, uns in der unsrigen vorzusingcn. SeinUebersetzer muß den Dämon Sokrats zum Freun-de haben, der ihm in der Weisheit selbst, und indem Gewände derselben, dem Sokratischcn Vorträge,Rath und Unterricht gäbe: diesem Göttlichen, wasin Sokrates wohnet, opfere er, wie der junge T h en-ges Gebet und Opfer, und was die Weissager wollen,damit er sein Vertrauter sey.
Ich habe die Griechische Prose in einem Zcit-«lter betrachtet, in welchem sie die Göttin der Ue-berredung, die Suada mit holden Lippen, auch inBüchern zu sprechen scheint: und was darf ich sie,zu meiner Absicht, in das Gebiet der Kunst be-gleiten, da Redner und Rcdekünstler, vom De-mosthenes zum Isokra tes hinauf ihr den gan-zen Umfang des schönsten oratorischen Numerus,der Weltweise Aristoteles aber mit allen seinenNachfolgern ihr den genauen Umriß einer dogmati-schen Sprache gaben. Unter allen diesen Händenmüßte ich sie als ein Werk der Kunst betrachten:viele Künstler gaben ihr eigene, und' vortrefflicheKünstler vortreffliche neue Gestalt. Nachdem tausend