Fragmente zur deutschen Literatur.
Wie auf dem höchsten Gipfel kunstloser Wohl-rcdcnhcit, erscheinen mir die Schüler Sokrates,Tcnophon und Plaro: klassische Schriftsteller,in welchen die Prose lebet, für mich die ersten undeinzigen unter allen Nationen, die ich kenne. Wiedei Homer alle Gattungen poetischer Schreibart inseine ungekünstelte Poesie : so fließen bei ihnen alle
spätere Gattungen der Prose in ihren natürlichenVortrag zusammen — und wenn Homer die Sprachtder Götter sang, so schreiben diese die Sprache vol-lendeter seliger Menschen. Ihr Ausdruck schwebetzwischen dem ftühcrn Pomp der Dichter, und demsparern Pomp der Redner wie in ruhiger Milte:von da er sich bei jeder sanften Regung der Lustbald dort, bald hier hin schwingen kann, ohne aufdas Aeußerste hart anzulaufcn, oder aus seiner glück-lichen Mitte zu wanken. Sie sind die-sts, unter den Griechischen Schriftstellern, bei denendie Weisheit noch nicht Wissenschaft, die Schreibartnoch nicht gelehrte Kunst; beides aber gemeinschaftlichein Werk der Natur scheint, *) wo Weisheit, wie
dem Ucbertriebenen, wiewohl nur von ferne, nä-hern müssen, bis sie in ihr ruhiges Gleichgewichtsank.
H Leuten zu gut, die da glauben, ein Verfasserwisse nichts mehr, als was er schreibt, muß ichdazu setze» , daß ich wohl weiß, wie in diesemZeitalter die Sophisterei der ,
wie sie Plato im PhLdrus nennet, der herrschen-de Geschmack war; allein um so mehr konnte daLedle krapsxo der Schriftsteller, die bei den