Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 1 (1821) Fragmente zur deutschen Literatur ; 1
Entstehung
Seite
153
Einzelbild herunterladen
 

Elfte Sammlung.

i52

ohne doch ihrer Bildung etwas zu vergeben einFeld, von welchem sich Gold Hagen, mit seinerLehrlingsübersetzung, gewiß keinen Lorbeer geholet! Und wie fein muß das Auge und die Hand des-sen seyn, der einen leichten und genauen Zwischen-strich ziehen kann: wie fern zu unserer Zeit Ge-

schichtschreiber den Herodot in seinem Halb-Epi-schen, in seinem Episodenmäßigcn nach - oder nichtnachahmen können. Preiset man das alles so durch-weg an, wie Gatterer *) neulich gethan: sonimmt man alles überhin, und kennet Herodotnur vom Hörensagen. Gewiß, wer uns das Bilddieses Mannes, nicht nie einen Schattenumriß ander Wand; sondern im lebenden Bilde zeigen will,der muß uns Herodot aus seinem Zeitalter inEulrur und Sitten, in Denk - und Lebensart, inbürgerlicher und wissenschaftlicher Verfassung gleich-sam erklären können,, er muß diese Zeit, wie seineeigene, kennen, mit Herodot gelebt haben, undjetzt zum zweitenmal leben. Je mehr ich Herodotim ganzen Ton der Denk - und Schreibart kennenlerne: desto ehrerbietiger nähere ich mich ihm, wieeiner antiken Bildsäule des Janus, der mit einemAntlitz ins Land der Poeten zurück, mit dem andernin eine neue Welt hinsiehet, in ein werdendes Zeit-alter der Prose. **)

H S. Histcrische Bibliothek, 2. B.

Ich darf zu meinem Zwecke vom Lhucydides nichtsmehr sagen, als daß auch die prosaische Schreib-art der Griechen aus eine gewisse Art sich habe