Z45 Fragmente zur deutschen Literatur.
Ligunq vorzubriliqen scheint, warum die Pcose vomRhythmus der Poesie in seiner ganzen Fülle badeabwcichen müssen? wie sie darüber schadlos Kalte?und ihn auf andere Art vergüte? Warum soll ichmit Lesern, die die Griechen kennen, wie mit Schü-lern sprechen, denen durch Hunderte von Beweisengezeigt werden müßte: daß sie zur Bildung ihrerSchreibart den Weg über die Poesie genommen,und daß diesen Gesichtspunkt selbst die Sprachlehrerselten verfehlet haben '? Ein Buch würde dazu ge-hören, diese anscheinende Sonderbarkeit zü beweisen,zu erklären und mit allen ihren Folgen ins Licht zusetzen. Ich setze also in dreustem behauptenden Tonehinzu: Eine Sprache ist ein ganz ander Ding, wennein Volk sic stammlet — singet — singet und schrei-bet — schreibet und spricht — schreibet und nichtmehr spricht. Jetzt bin ich also in dem Zeitpunkt,da man sie singet und schreiben lc>nct — schreibenkann, und nicht mehr singet, sondern spricht: indem Zeitpunkt, da aus der Lieder - eine Bücher,spräche zu werden begann: die Poesie schöne Kunst,und der prosaische Periode im bürgerlichen Leben er-funden und gebildet wurde.
Erfunden habe ihn, wer da wolle: sein Namewar bei den Griechen Merkwürdigkeit, noch merk-würdiger sollten uns die Namen scyn, die ihn vonder Starke der Poesie zur Fülle der Prose, vomGesänge zum Halbgesange der alten Deklamationumschufen. Für mich ist kein Zeitalter heiliger,als da sich Poesie und Weisheit, Natur undKunst zu trennen ansing: hier ruhen Schatze vonEntdeckungen, für alle Wissenschaften: hier ist der