Erste S'ammlung. ig5
wenn man mich so mißverstehet. Mit Schnamrökhehabe ich das gelehrte Namenregister *) gelesen, dasmich aus allen Zungen und Sprachen und Völkernund Gesellschaften der Erde überführen soll: „gute„Poeten und Prosaisten können zu einer Zeit leben."Einen Autor, den man von so etwas überführenmuß, sollte man verachten, und wahrlich! die Ehreeines solchen Unterrichts kann Schriftstellern, dienicht vom Handwerk sind, jeden Fcderzug verleiden.Wer wird für Leute schreiben wollen, die uns Be-hauptungen von der Art auch nur zutrauen können?und wer für die, die uns solche, als eigensinnigSystem aufbürden? Undankbare Schriftstellern),die so lohnet! Doch, warum lasse ich nicht einenMenschen sortschwatzen, der im Stande ist, zu be-haupten: „bei den Griechen sey kein guter Dichter,„der nicht erst auf gute Prosascribenten gefolgt wäre l"Wer d>e Griechische Literatur auch nur von hintenzu gesehen, wird aus allen Scribenten wissen, daßdie Bildung ihrer Schreibart nicht blos auf den Ge-sang göttlicher Dichter gefolgt sey, sondern, daßPoesie bei ihnen Pr ose habe werdenmüssen: daß die ersten Prosaisten es für Kunst
und Neuerung angesehen, den Gesang zur Proseherunter zu stimmen; daß die vortrefflichsten Schrift-steller, die der Prose Styl gegeben, sich ganz nachdem Dichter gebildet, der vor aller Schriftflellcreysang, ja, daß noch der tiefsinnige Aristoteles, derdurch und durch Philosoph war, halb eine Entschul-
*) s. Hallische Bibliothek der sch. Miss.
Herders Werke z.schön.Lit.».Kunst. I. K FraFmenrc,