»44 Fragmente zur deutschen Literatur.
sie nicht in ihrer Originalsprache kenne. Von denältesten Stücken der Römer, da sich ihre Poesiegebar, werde ich aus bloßen Namen nicht urthciun,wie andere Philolcgenx können; und üb<rdem wurdehier alles zu früh von Nachahmung der Griechenerstickt, die Natur in ihrem Laufe gebindert, oderwenigstens ihr langsames Wachsthum zu früh in dieHöhe getrieben. Wie gern hatte ich unsere Sprachezum Beispiel gewählt, wenn nicht alle Gesänge derDruiden und Barden aus den Zcitm der wah-ren poetischen Natur verlohren waren, und wer an-ders als der mich nicht versteht, wird von mir fo-dern, daß ich Knüttelverse der Mönche, so alt diesel-be auch seyn mögen, zu Denkmälern der ältestendichterischen Natur machen soll?
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Ich komme an die Zeit, da der Jüngling sichzu politischen Sitten und zur bürgerlichen Brauch-barkeit bildet, und ein Mann wird. Dies sey dasmännliche Alter der Sprache, die Zeit der schönennatürlichen Prose.
Dichter will ich also diesem männlichen Alter ab-jlaugnen? Ich erschrecke! So läugne ich ja wideralle Geschichte, wider alle Natur der Sprache, wi-der alle Vernunft. Dichtern will ich deswegen denKranz versagen, weil sie etwas zu spät in ein Zeital-ter kommen, da ich sie nicht haben will? Ich entfärbemich vor mir selbst! was wäre ein Gedanke hieran, undman kann mich nicht ärger mißhandeln, als
wenn