i33 Fragmente zur deutschen Literatur.
Wohl! so werdet ihr auch wissen, daß das die besteDeklamation ist, die seine Füsse am meisten verbirgt,und nur alsdann Horen läßt, wenn sie die Materieunterstützen. Sehet! so wenig ist der Hexameter unddie polymetrischen Sylbenmaaße unserer Sprache na-türlich: Key den Griechen föderte ihn die sin-gende Deklamation, das an den Gesang ge-wohnte Ohr, die vieltrittige Sprache; bei unsweder Sprache noch Ohr noch Deklamation.
Was sollen wir denn aus dieser Zeit nachahmcn ?Die Lenkung des Perioden? Auch nicht!Homer sang und wurde spat gesammlct! Die Tragö-dien des Aeschylus und Sophokles wurden, wie dieAlten gemeinschaftlich bezeugen, aus der Bühne durch-aus ab gesungen. Die Sprache stützte sich alsodamals mächtig auf eine singende Deklama-tion, die für uns ganz ausgestorben ist, und dieihr damals Geist und Leben gab. — Mit dieser De-klamation verlieren wir also auch den Gebrauch vie-ler Partikeln, Verbindungen, und Füllwörter, diezur damaligen Deklamation gehören. Das ^xx'sa-«x, womit jedesmal die Orakel ansicngcn, das«XX«, und des Homers, womit er die
Glieder seiner Perioden verbindet, würden, da wiran Prosaische Perioden gewöhnt sind, sehr wunder-lich in der Ucbersctzung klingen; eben so lächerlich,als wenn der ehrliche blinde Sänger ausstünde, unsseine 24 Buchstaben vorzusingcn. Er zerreißt undzerstückt seinen Perioden, aber mit dem heiligenRhythmus, mit welchem nach Theokrits Aus-druck die Bacchantinnen den Pentheus zerstückten.
Bis zur Natur diesen Hellen Rhythmus nachah-men können wir also nicht; aber doch gehört er da-